Adipositas
starkes Übergewicht
Starkes Übergewicht (Adipositas)
Starkes Übergewicht (Adipositas) kann die Gesundheit, die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit verschlechtern. Wer auffällige Gewichtsprobleme hat, ist zudem häufig Vorurteilen ausgesetzt.
Auf einen Blick
Von starkem Übergewicht (Adipositas oder Fettleibigkeit) spricht man, wenn der Fettanteil übermäßig hoch ist. Er gilt als zu hoch, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 liegt. Eine Adipositas erhöht das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Arthrose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem bei ausgeprägter Adipositas ist es daher sinnvoll, abzunehmen. Dies ist einfacher gesagt als getan, erfordert viel Engagement, Durchhaltevermögen und eine gute Unterstützung. Die gute Nachricht ist: Bereits eine Gewichtsabnahme von wenigen Kilogramm kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken.
Bestimmte Programme können eine Gewichtsabnahme wirksam unterstützen. Für Menschen mit ausgeprägter Adipositas kann auch eine Magenoperation infrage kommen. Da solche Eingriffe das Leben stark verändern können, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei den meisten Menschen ist Adipositas die Folge eines unausgewogenen Energiehaushalts: Sie nehmen mehr Kalorien auf, als sie verbrauchen. Die überschüssigen Kalorien werden vom Körper als Fett eingelagert.
Es gibt viele verschiedene Faktoren, die zu einer Gewichtszunahme beitragen können. Dazu gehören zum Beispiel die Ernährung und der Lebensstil, die genetische Veranlagung, bestimmte Krankheiten sowie psychologische und soziale Faktoren. Auch bestimmte Medikamente können zu einer Gewichtszunahme führen, zum Beispiel manche Psychopharmaka und einige Diabetesmedikamente.
Gesellschaftliche Entwicklungen machen es zunehmend schwieriger, die Aufnahme von Kalorien und ihren Verbrauch ausgeglichen zu halten. So arbeiten heute weniger Menschen als früher in Berufen, die körperlich anstrengend sind. Wege werden häufiger mit dem Auto statt zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. Auch in der Freizeit überwiegt oft eine „sitzende“ Lebensweise, etwa vor dem Fernseher oder mit dem Smartphone. Dadurch werden im Alltag weniger Kalorien verbraucht.
Gleichzeitig steht in Industrieländern ein großes Angebot zuckerhaltiger Getränke und kalorienreicher Nahrungsmittel zur Verfügung. Zum Beispiel sind Snacks wie Süßigkeiten, Kartoffelchips oder Nüsse zwischen den Hauptmahlzeiten gang und gäbe. Nicht zuletzt kann Alkohol zu einer Gewichtszunahme führen – er enthält sogar mehr Kalorien als Zucker.
Häufigkeit
Nach Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 24 % aller Männer und Frauen stark übergewichtig. Sie haben zu etwa
- 17 % eine Adipositas Grad 1 mit einem BMI zwischen 30 und 35,
- 5 % eine Adipositas Grad 2 mit einem BMI zwischen 35 und 40,
- 2 % eine Adipositas Grad 3 mit einem BMI ab 40.
Etwa 6 % der Kinder und Jugendlichen haben eine Adipositas, Jugendliche häufiger als Kinder.
Verlauf
Bei den meisten Menschen entwickelt sich die Adipositas im Erwachsenenalter. Dies passiert nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre oder Jahrzehnte. Die meisten Menschen nehmen irgendwann zwischen ihrem 30. und 60. Geburtstag zu. Wenn sie ins Berufsleben eintreten oder eine Familie gründen, bewegen sich viele im Alltag weniger und haben weniger Zeit für Sport. Im Laufe des Lebens können aber auch andere Risikofaktoren hinzukommen, zum Beispiel bestimmte Erkrankungen.
Folgen
Eine Adipositas kann zu verschiedenen Erkrankungen führen. Dazu gehören:
- Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall
- Arthrose
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
- Fettleber, Gallensteine
- bestimmte Krebsarten
Außerdem kann starkes Übergewicht den Blutdruck erhöhen sowie zu ungünstigen Cholesterinwerten führen. Dadurch steigt das Risiko für Gefäßerkrankungen. Dabei gilt: Je ausgeprägter die Adipositas ist und je länger sie besteht, desto höher das Risiko für Folgeerkrankungen.
Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, ob man Adipositas als eigene Erkrankung betrachten soll. Als Erkrankung sehen sie zum Beispiel die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), aber nicht die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Für die DEGAM ist Adipositas ein Risikofaktor, der immer gemeinsam mit anderen Risikofaktoren eines Menschen betrachtet werden sollte, um den Gesundheitszustand zu beurteilen. Vor allem Menschen mit einer Adipositas Grad 1 fühlen sich oft nicht weniger gesund oder unwohler als schlankere Menschen. Außerdem gibt es Menschen mit Adipositas, die körperlich fit sind und einen gesunden Stoffwechsel haben.
Diagnose
Von Adipositas spricht man bei einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30. Der BMI errechnet sich aus der Körpergröße im Verhältnis zum Körpergewicht:
BMI =Gewicht in Kilogramm /Körpergröße in Metern x Körpergröße in Metern
Der BMI sagt allerdings nichts über die Verteilung des Körperfetts aus. Da vermehrtes Bauchfett mit einem größeren gesundheitlichen Risiko einhergeht als Fett an anderen Körperstellen, wird zusätzlich zum BMI der Bauchumfang bestimmt. Ein Bauchumfang – gemessen etwa zwischen Rippenbögen und Beckenkamm – von über 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen deutet auf viel Bauchfett hin. Dieses Maß berücksichtigt allerdings weder den individuellen Körperbau noch das Alter eines Menschen.
Eine Adipositas kann auch Folge einer Erkrankung sein, zum Beispiel einer Schilddrüsenunterfunktion. Daher ist es wichtig, solche möglichen Ursachen zu prüfen – etwa indem man die Schilddrüsenwerte bestimmt. Manchmal wird Adipositas vorschnell allein auf eine falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung zurückgeführt.
Behandlung
Um die Gesundheit zu verbessern, ist es nicht notwendig, den BMI auf einen bestimmten Wert zu senken. Je nach Ausgangsgewicht empfehlen Ärztinnen und Ärzte eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 % innerhalb von 6 bis 12 Monaten.
Damit die Gewichtsabnahme gelingt, ist es sinnvoll, einen Plan zu entwickeln, der zu den eigenen Zielen und Lebensumständen passt. Manche Menschen möchten Gewicht verlieren, weil sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Anderen geht es vor allem um die körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit. Und wieder andere haben gesundheitliche Gründe.
Zum Abnehmen wird in der Regel eine Kombination aus mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung empfohlen. Es gibt verschiedene, zum Teil wissenschaftlich geprüfte und von medizinischen Fachgesellschaften empfohlene Programme zur Gewichtsabnahme, die dabei unterstützen können. Sie müssen allerdings oft selbst bezahlt werden, denn sie gelten nicht als Behandlung, sondern als „Lebensstil-Maßnahme“. Manche Krankenkassen bezuschussen aber die Kosten für eine Teilnahme.
Solche Programme enthalten meist auch verhaltenstherapeutische Elemente. Sie vermitteln zum Beispiel, wie
- eine Ernährungsumstellung so flexibel gestaltet werden kann, dass sie im Alltag durchzuhalten ist,
- sich mehr körperliche Bewegung in den Alltag einbauen lässt und
- man mit Umständen umgeht, die man selbst nicht verändern kann (zum Beispiel bei der Arbeit).
Wenn ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm nicht ausreicht, kann eine ergänzende Behandlung mit einem Medikament das Abnehmen unterstützen.
Nach dem Abnehmen auf Dauer nicht wieder zuzunehmen, ist meist schwerer als das Abnehmen selbst. Dies hat mit Stoffwechsel, Hormonhaushalt und zentralem Nervensystem zu tun: Diese sind darauf ausgerichtet, den Körper im Gleichgewicht zu halten – und nicht darauf, abzunehmen. Zudem geht durch einen Gewichtsverlust auch die Muskelmasse zurück. Dadurch braucht der Körper weniger Energie, also weniger Kalorien. Das bedeutet: Je mehr man abnimmt, desto schwieriger wird es, das erreichte Gewicht zu halten oder noch mehr Gewicht zu verlieren. Vielen Menschen fällt es außerdem schwer, Gewohnheiten und Verhaltensweisen dauerhaft zu ändern, die sich über viele Jahre entwickelt haben.
Wer sich nach dem Abnehmen weiterhin ausgewogen ernährt und ausreichend bewegt, kann es am ehesten schaffen, sein Gewicht über längere Zeit zu halten oder nur wenig zuzunehmen. Das Wichtigste dabei ist, auf Dauer nicht mehr Kalorien zu sich zu nehmen, als man verbraucht.
Für Menschen mit starker Adipositas (Grad 2 oder 3) kann eine chirurgische Behandlung infrage kommen. Zu den Standardtechniken gehören der Magenbypass und die Magenverkleinerung (Schlauchmagen). Da diese Eingriffe zu verschiedenen Komplikationen und Nebenwirkungen führen können und nach der Operation viele Anpassungen im Leben notwendig sind, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.
Leben und Alltag
Eine Adipositas kann die körperliche Belastbarkeit und Beweglichkeit verschlechtern. So können Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen und körperliche Aktivitäten beschwerlich werden. Vor allem bei ausgeprägter Adipositas können auch die Lebensqualität und das Wohlbefinden beeinträchtigt sein. Wer stark übergewichtig ist, erlebt häufig Vorurteile und Benachteiligungen.
Stark übergewichtige Menschen entsprechen nicht dem gängigen Schönheitsideal, wie es zum Beispiel im Fernsehen, in den sozialen Medien oder der Werbung gezeigt wird. Dies kann dazu führen, dass sie an sich selbst zweifeln. Es kann sie auch davon abhalten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und zum Beispiel körperlich aktiv zu sein oder ins Schwimmbad zu gehen. Für manche Menschen mit Adipositas ist es hilfreich, sich mit anderen Betroffenen zum Sport zu treffen oder sich in einer Selbsthilfegruppe auszutauschen.
Manchmal hängt eine Adipositas auch eng mit Depressionen, Essstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen zusammen.
Affenpocken
Was sind Affenpocken?
Affenpocken sind eine seltene Viruserkrankung.
Charakteristisch für die Erkrankung sind Hautveränderungen wie Blasen, Ausschlag oder Verschorfungen, die sehr schmerzhaft sein können. Die Hautveränderungen können im Genital- oder Analbereich auftreten oder an anderen Stellen wie an den Händen, Füßen, der Brust, dem Gesicht oder im Mund.
Oft (aber nicht immer) haben Menschen, die an Affenpocken erkranken, außerdem allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit.
Die Symptome beginnen in der Regel 5-21 Tage nach Kontakt mit dem Virus auf und heilen meist von selbst wieder ab. Bei Kindern und bei Menschen mit besonderen Risikofaktoren, zum Beispiel einer Immunschwäche, kann es aber auch zu schweren Verläufen kommen.
Wie bekommt man Affenpocken?
Übertragung von Mensch zu Mensch
Menschen, die an Affenpocken erkrankt sind, können andere Menschen anstecken. In den meisten Fällen geschieht das durch engen Haut-zu-Haut-Kontakt – zum Beispiel beim Sex. Das ist der in Deutschland aktuell am häufigsten beobachtete Übertragungsweg. Das Ansteckungsrisiko ist dabei am höchsten, während die Hautveränderungen bestehen: Die Bläschenflüssigkeit, Krusten und Wunden enthalten Viren, die dann über kleinste Hautverletzungen oder die Schleimhäute übertragen werden.
Auch über Gegenstände können Menschen sich mit Affenpocken anstecken, zum Beispiel durch gemeinsam genutzte Bettwäsche oder Handtücher. Möglich ist eine Ansteckung auch bei Unterhaltungen, Niesen oder Husten in nächster Nähe. Affenpocken gelten jedoch als nicht sehr ansteckend. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein.
Übertragung zwischen Tieren und Menschen
Auch Tiere können das Virus auf Menschen übertragen. Affenpockenviren sind in West- und Zentralafrika bei Nagetieren verbreitet. Menschen können sich anstecken, wenn sie infizierte Tiere anfassen, von ihnen gebissen werden oder das Fleisch essen, ohne dass es ausreichend erhitzt wurde.
In Deutschland spielt die Übertragung über Tiere bisher keine Rolle. Dennoch sollten infizierte Personen vorsichtshalber den direkten Kontakt mit Haustieren vermeiden und besonders auf Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen achten, da nicht auszuschließen ist, dass auch Haustiere sich anstecken können.
Wie kann ich eine Ansteckung vermeiden?
Affenpocken werden durch engen Körperkontakt übertragen. Sie senken Ihr Risiko, an Affenpocken zu erkranken, wenn Sie die Zahl der Sexpartner und/oder Sexpartnerinnen reduzieren. Vermeiden Sie Situationen, in denen Sie Hautkontakt mit wenig bekleideten, Ihnen unbekannten Menschen haben – zum Beispiel in Darkrooms oder Saunen.
Das Ansteckungsrisiko ist am höchsten, während der Affenpockenausschlag besteht. Vermeiden Sie daher Hautkontakt, wenn Menschen in Ihrer Umgebung Hautveränderungen zeigen, die auf Affenpocken hinweisen könnten. Berühren Sie keine Ausschläge oder Wunden.
Aufgrund dieser Übertragungswege ist es für die breite Bevölkerung in Deutschland nach wie vor sehr unwahrscheinlich, Affenpocken zu bekommen. Das Robert-Koch-Institut schätz die gesundheitliche Gefahr durch Affenpocken für die breite Bevölkerung als gering ein.
Was tue ich, wenn ich fürchte, mich mit Affenpocken angesteckt zu haben?
Wenn Sie befürchten, sich mit Affenpocken angesteckt zu haben, dann
- bleiben Sie zu Hause,
- vermeiden Sie engen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen,
- rufen Sie Ihr zuständiges Gesundheitsamt an.
Das gilt unabhängig davon, ob Sie Symptome haben oder sich gesund fühlen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes besprechen mit Ihnen das weitere Vorgehen. So kann es sinnvoll sein, sich nach einem Risikokontakt möglichst schnell impfen zu lassen, um schwere Verläufe der Erkrankung zu verhindern. Möglicherweise ordnet das Gesundheitsamt auch eine vorübergehende Quarantäne an.
Wenn Sie medizinische Hilfe benötigen, rufen Sie zunächst Ihren Arzt oder Ihre Ärztin an und erklären Sie die Situation, bevor Sie die Praxis aufsuchen.
Akne
Auf einen Blick
Fast alle Jugendlichen entdecken irgendwann ihre ersten Pickel. Manche haben nur vereinzelt kleine Pickel, die bald wieder verschwinden. Andere entwickeln eine hartnäckige und deutlich sichtbare Akne. Das kann sehr belastend sein, vor allem in der Pubertät.
Doch es gibt einiges, was man gegen Akne tun kann – auch wenn jede Behandlung Geduld erfordert. Dieses Thema informiert über Akne bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – der „gewöhnlichen“ Akne oder Akne vulgaris.
Symptome
Akne kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. In der Medizin wird zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Akne unterschieden. Zudem gibt es entzündliche und nicht entzündliche Akne. Die nicht entzündliche Akne ist eine leichte Form, bei der die meisten Menschen nicht von „Akne“, sondern lediglich von „Pickeln“ oder „Mitessern“ sprechen.
Im Unterschied zu normalen Pickeln entwickeln sich Aknepickel über eine längere Zeit und bleiben hartnäckig bestehen. Mitunter hinterlassen sie kleine rote Flecken oder Narben. „Normale“ Pickel entstehen meist schnell und verschwinden auch nach kurzer Zeit wieder.
- Leichte Akne: Bei der leichten Akne treten Mitesser (Komedonen) auf, verstopfte Talgdrüsen der Haut. Es gibt Mitesser mit schwarzem Kopf und solche mit weißem. Die schwarze Verfärbung hat nichts mit Schmutz zu tun: Sie entsteht, weil diese Mitesser „offen“ sind und sich der Hautfarbstoff Melanin mit dem Sauerstoff der Luft verbindet. Die weißlichen Mitesser sind geschlossen. Je mehr Talg sich in den Mitessern ansammelt, desto eher vermehren sich Bakterien und entstehen entzündliche Aknepickel. Von „leichter Akne“ spricht man auch bei nur wenigen oder kleinen Aknepickeln.
- Mittelschwere Akne: Bei der mittelschweren Akne sind deutlich mehr Aknepickel zu sehen. Stärker entzündete Pickel werden als „Papeln“ (kleine Knötchen) oder als „Pusteln“ (mit Eiteransammlung) bezeichnet.
- Schwere Akne: Bei schweren Formen bilden sich sehr viele Papeln und Pusteln, zusätzlich entstehen Knoten in der Haut. Die Knoten sind oft rötlich verfärbt und schmerzen. Es können später Aknenarben zurückbleiben.
Ursachen
Während der Pubertät entwickelt sich der Körper zu dem eines Erwachsenen. Diese Veränderung wird von Hormonen wie den Androgenen gesteuert. Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die allerdings in der Pubertät auch vom weiblichen Körper verstärkt gebildet werden. Sie regen unter anderem die Haut an, mehr Fett zu produzieren.
Das Hautfett wird als Talg bezeichnet und von den Talgdrüsen hergestellt. Der Talg hält die Haut geschmeidig und schützt sie. Wenn sich am Ausgang einer Talgdrüse jedoch eine Hornschicht bildet, kann der Talg nicht abfließen. Er sammelt sich dann in der Talgdrüse an und es entsteht ein Mitesser. Wenn er sich entzündet, bildet sich ein Aknepickel. Akne entsteht vor allem dort, wo es besonders viele Talgdrüsen gibt: im Gesicht, auf Brust, Rücken und Schultern.
Bei Jugendlichen entsteht Akne hauptsächlich, weil der Körper während der Pubertät mehr Androgene produziert. Hat sich der Hormonhaushalt mit Anfang 20 eingependelt, verschwinden die Pickel bei den meisten wieder. Doch nicht alle Heranwachsenden bekommen Akne. Es wird daher vermutet, dass auch genetische Faktoren und das Immunsystem eine Rolle spielen.
Risikofaktoren
Es gibt viele Theorien darüber, was Akne fördern könnte. Für einige gibt es wissenschaftliche Belege, für viele jedoch nicht. So wird manchmal behauptet, mangelhafte Hygiene sei ein Auslöser für Akne oder könne sie verstärken. Dafür gibt es keine Belege. Solche Vermutungen sorgen aber dafür, dass manche Jugendliche ein schlechtes Gewissen bekommen und sich selbst die Schuld an den Hautveränderungen geben.
Manche Menschen haben den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel wie Schokolade, Fleisch oder Milchprodukte ihren Hautzustand verschlechtern. Zur Frage, ob die Ernährung Akne beeinflusst, gibt es einige wissenschaftliche Untersuchungen. Sie zeigen jedoch meist keinen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Ernährung und Akne. Am ehesten könnte eine Ernährung mit vielen Kohlenhydraten eine Rolle spielen, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lässt. Dazu gehören zum Beispiel sehr zuckerhaltige Lebensmittel, Kartoffeln oder Weißbrot. Welche Rolle Kohlenhydrate wirklich spielen, ist aber noch nicht geklärt.
Bestimmte Hautpflegemittel wie Fettcremes oder Öle, die die Hautporen verschließen, können Akne verstärken. Das gilt auch für starkes Reiben der Haut oder das Ausdrücken von Mitessern.
Manche Menschen berichten, dass Stress ihre Haut verschlechtert. Darauf deuten auch einige Untersuchungen hin. Unklar ist, ob zwischen Rauchen und Akne ein Zusammenhang besteht.
Hormone werden nicht nur vom Körper selbst produziert, sondern manchmal auch durch Medikamente oder andere Mittel aufgenommen. Zum Beispiel können bestimmte Hormonbehandlungen Akne hervorrufen und verstärken. Dies gilt etwa für Anabolika (Mittel zum Muskelaufbau) und Medikamente wie Kortison. Auch bestimmte Mittel gegen Epilepsie können Akne fördern.
Häufigkeit
Akne ist bei Jugendlichen die häufigste Hautkrankheit. Die meisten bekommen irgendwann in der Pubertät eine mehr oder weniger starke Akne. Etwa 15 bis 30 von 100 Jugendlichen haben eine mittelschwere bis schwere Akne. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen.
Verlauf
Häufig verschwindet die Akne mit etwa 20 Jahren von selbst. Einige Menschen haben aber noch mit über 30 Akne. Bei manchen bleiben rote, bei dunkler Haut auch bräunliche, Flecken oder Narben zurück.
Folgen
Vor allem bei einer schweren Akne können Narben zurückbleiben. Sie können entstehen, wenn eine Wunde abheilt. Bei Akne bilden sich Wunden in den unteren Hautschichten. Sie heilen sehr unterschiedlich: Sie können als kleine flache, kaum wahrnehmbare Narben zurückbleiben oder sich zu deutlich sichtbaren Grübchen im Gesicht entwickeln. Man unterscheidet verschiedene Formen von Aknenarben:
- atrophe Narben: Wenn die Wunde nicht richtig abheilt, entwickelt sich zu wenig Bindegewebe. Die Narbe bildet sich dann unterhalb des umliegenden Gewebes und es entsteht eine Vertiefung (Grübchen).
- hypertrophe Narben: An Brust, Rücken oder Schulter können vor allem bei der schweren Akne auch erhabene Narben auftreten. Sie entstehen, wenn sich bei der Wundheilung zu viel Bindegewebe bildet. Als Spätfolge von Akne sind sie jedoch eher selten.
- Keloide: Auch bei Keloiden bildet sich zu viel Bindegewebe. Im Gegensatz zu hypertrophen Narben gehen sie über das ursprünglich entzündete Gebiet hinaus. Sie sind eine sehr seltene Spätfolge von Akne.
Häufiges Ausdrücken von Mitessern und Pusteln kann die Narbenbildung begünstigen.
Behandlung
Wer Akne hat, probiert häufig verschiedene Mittel und Methoden aus, um das Hautbild zu verbessern. Ob Gesichtswasser, Sonnenlicht oder eine bestimmte Ernährung – es gibt zahlreiche Empfehlungen, was bei Akne helfen soll. Nicht immer gibt es dafür Belege.
Für die Hautpflege werden leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen (Lotionen) oder feuchtigkeitsspeichernde Gele (Hydrogele) empfohlen. Fetthaltige Salben können die Poren zusätzlich verstopfen. Zudem sind seifenfreie Reinigungsmittel sinnvoll, die dem pH-Wert der Haut (5,5) angepasst sind. Wichtig ist auch, es nicht zu übertreiben: Denn zu viel Pflege kann Hautirritationen verstärken.
Außerdem gibt es zahlreiche Medikamente gegen Akne – zum Auftragen auf die Haut, aber auch zum Einnehmen. Für einige Behandlungen ist belegt, dass sie Akne wirksam lindern, für andere nicht. Wirksam sind beispielsweise Benzoylperoxid, Antibiotika und Retinoide.
Die Behandlung erfordert in der Regel Geduld: Die meisten Mittel müssen über einen längeren Zeitraum angewendet werden, damit sie zu Hautverbesserungen führen. Insgesamt kann die Behandlung Monate oder Jahre dauern. Jede Behandlung kann auch Nebenwirkungen haben.
Leben und Alltag
Viele Jugendliche sind in der Pubertät unsicher und sehr kritisch mit sich und ihrem Aussehen. Das gilt umso mehr für Jugendliche mit Akne, die sich häufig als unattraktiv empfinden oder sich sogar für ihr Aussehen schämen. Bemerkungen von anderen über das Hautbild können sehr belasten. Andererseits gehören Unsicherheit und Stimmungsschwankungen zur Pubertät dazu – auch bei Jugendlichen, die keine Akne haben. Es wäre also falsch, alle Pubertätsprobleme mit der Akne in Verbindung zu bringen.
Wie belastend Akne für jemanden ist, hängt nicht immer davon ab, wie auffällig sie ist: Eine mittelschwere Akne kann ebenso belastend sein wie eine schwere.
Akne wird ganz unterschiedlich erlebt. Manche Jugendliche stören sich weniger daran oder gehen selbstbewusst damit um, andere empfinden sie als starke Belastung. Allgemein ist Akne häufiger mit Ängsten, depressiven Gedanken und geringerem Selbstbewusstsein verbunden. Jugendliche mit Akne ziehen sich öfter zurück und haben auch häufiger Konflikte mit ihren Angehörigen.
Wenn Jugendliche mit Akne im Umgang mit anderen Menschen wenig selbstbewusst sind, kann die Unterstützung von Freunden und Familie besonders hilfreich sein. Allerdings möchten sie auch nicht ständig auf das Thema angesprochen werden. Im Alltag können Hilfsmittel wie Make-up, Sonnenbrillen, lange Shirts oder eine Pony-Frisur den Umgang mit Akne erleichtern und helfen, sich sicherer zu fühlen.
Allergien
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen wie etwa Pflanzenpollen. Manchmal sind die Beschwerden nur leicht, sie können aber auch sehr belasten und den Alltag einschränken. Um eine Allergie zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose körperfremde Substanzen (Allergene) wie zum Beispiel Pflanzenpollen oder bestimmte Nahrungsmittel. Die Beschwerden sind manchmal nur leicht, können aber auch sehr belasten und das Alltagsleben einschränken.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Allergie zu behandeln. Manche Allergieauslöser lassen sich meiden – anderen kann man kaum ausweichen. Typische Auslöser für eine Allergie sind:
- Pollen
- Hausstaubmilben
- Haus- und Nutztiere
- Insektengift
- Nahrungsmittel
- Medikamente
- Kontaktallergene (zum Beispiel Metalle oder Duftstoffe)
- Schimmelpilze
Zu allergischen Reaktionen kommt es am häufigsten an den Atemwegen, der Haut und den Schleimhäuten. Die Beschwerden treten meist sofort nach Kontakt auf, manchmal auch erst nach Stunden oder Tagen.
Allergien werden auch als Überempfindlichkeiten bezeichnet. Es gibt jedoch Überempfindlichkeiten, die nichts mit einer Allergie zu tun haben. Dazu zählen bestimmte Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln wie eine Laktoseintoleranz oder eine Zöliakie. Da sich die Symptome ähneln können, ist eine gründliche ärztliche Untersuchung wichtig. Wenn feststeht, dass die Beschwerden durch eine allergische Reaktion ausgelöst werden, können sie entsprechend behandelt werden.
Symptome
Typische Beschwerden bei Allergien sind:
- Schnupfen, Husten und Niesen
- Atemprobleme
- tränende Augen
- Juckreiz
- Hautausschlag
- Schwellungen der Schleimhäute
- Magen-Darm-Probleme
Meist reagieren die Körperstellen, die unmittelbaren Kontakt zum Allergieauslöser (Allergen) haben. So können Nahrungsmittel Juckreiz und Schwellungen an Mund und Zunge auslösen. Mit Pollen kommen zuerst die oberen Atemwege in Berührung, was zu laufender Nase oder Niesen führt.
Ein saisonaler Heuschnupfen macht sich nur während des Pollenflugs bemerkbar. Allergien gegen Hausstaubmilben oder Haustiere können das ganze Jahr über zu Beschwerden führen, da die Allergene nicht nur im Frühjahr oder Sommer in der Atemluft sind. Bei Allergien gegen Medikamente und Insektengift sind die Beschwerden zwar auf einzelne Situationen beschränkt, dafür jedoch oft deutlich stärker.
Bei einer Allergie gegen Nahrungsmittel, Insektengift oder bestimmte Medikamentenwirkstoffe kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen. Sie ist ein Notfall und kann lebensgefährlich werden. Dabei weiten sich die Beschwerden auch auf andere Körperbereiche aus – zum Beispiel auf den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege oder das Herz-Kreislauf-System. Eine anaphylaktische Reaktion kann unter anderem Juckreiz, Schwellungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Atemnot und Blutdruckabfall auslösen. Schon bei ersten leichteren Beschwerden einer anaphylaktischen Reaktion ist es wichtig, die Notfallnummer 112 zu wählen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Neigung zu einer Allergie ist häufig familiär bedingt. Eine solche Neigung nennen Fachleute „Atopie“. Ob daraus tatsächlich eine Allergie entsteht, hängt unter anderem von Umwelteinflüssen ab. Faktoren wie Luftverschmutzung und Zigarettenrauch können Allergien und Folgeerkrankungen wie Asthma wahrscheinlicher machen.
Bei einer allergischen Reaktion reagiert das Immunsystem des Körpers auf bestimmte, eigentlich harmlose Fremdeiweiße (Allergene) wie auf einen Krankheitserreger oder Fremdkörper. Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel bedeuten normalerweise keine Gefahr für den Körper – bei einer Allergie lösen sie jedoch Beschwerden aus. Denn das Immunsystem bildet Abwehrstoffe (IgE-Antikörper) gegen diese Substanzen, weil es sie für schädlich hält und versucht, sie zu bekämpfen.
Diese Antikörper bilden sich beim ersten Kontakt mit dem Allergen und binden sich an bestimmte Zellen. Dieser Vorgang wird „Sensibilisierung“ genannt. Kommt es danach zu einem erneuten Kontakt, setzen diese Zellen chemische Stoffe frei, darunter das Gewebshormon Histamin. Diese Stoffe lösen dann allergische Reaktionen aus wie Niesen, Husten oder Hautausschlag.
Häufigkeit
Bei etwa jedem dritten Menschen in Deutschland wird im Laufe des Lebens eine allergische Erkrankung festgestellt. Etwa 20 bis 25 % aller Kinder und Jugendlichen haben Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis. In den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Menschen mit Allergien gestiegen.
Verlauf
Allergien beginnen meist schon im Kindes- und Jugendalter und bleiben oft ein Leben lang bestehen. Manche bilden sich aber bei Erwachsenen wieder zurück. So können bestimmte Nahrungsmittelallergien wie gegen Milch oder Hühnerei wieder verschwinden – eine Erdnussallergie in der Regel nicht. Ob sich eine Allergie wieder zurückbilden kann, hängt also vom Auslöser ab.
Die Beschwerden sind anfangs oft nur leicht, mit der Zeit werden sie dann stärker. Manchmal kommen weitere Erkrankungen hinzu. So kann Heuschnupfen über viele Jahre zu einem sogenannten Etagenwechsel führen. Das bedeutet, dass die Beschwerden auf die unteren Atemwege übergehen und sich ein Asthma entwickelt. Allergien können auch das Risiko für eine Neurodermitis erhöhen.
Eine allergische Reaktion zum Beispiel auf Pollen kann mit einer Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel einhergehen. Dann spricht man von einer Kreuzallergie. Eine Kreuzallergie entsteht, weil die unterschiedlichen Allergene ähnliche Eiweiße enthalten, auf die das Immunsystem reagiert.
Diagnose
Im ärztlichen Gespräch wird zunächst nach den Beschwerden, den Lebensumständen und der Krankengeschichte gefragt. Zum Nachweis einer Allergie gibt es verschiedene Tests:
- Prick-Test: Dieser Test wird bei Verdacht auf eine Allergie wie etwa Heuschnupfen eingesetzt, bei der sich direkt nach dem Kontakt mit dem Auslöser eine Reaktion zeigt. Für den Test werden mögliche Allergene in einigem Abstand voneinander auf den Unterarm aufgetragen. Anschließend wird die Haut an diesen Stellen leicht eingeritzt, damit die Allergene in die Haut gelangen. Wird die Haut an diesen Stellen rot und schwillt ähnlich wie bei einem großen Mückenstich an, handelt es sich um eine allergische Reaktion.
- Epikutantest (Pflastertest): Dieser Test eignet sich bei Verdacht auf Allergien, die sich erst einen halben bis 3 Tage nach Kontakt mit dem Auslöser bemerkbar machen. Dafür wird ein Pflaster mit dem vermuteten Allergen für 1 bis 2 Tage auf den Rücken geklebt und kontrolliert, ob die Haut anschwillt, sich rötet und juckt.
- Provokationstest: Bei diesem Test wird man verschiedenen Allergenen ausgesetzt und geprüft, ob man darauf reagiert. Bei Verdacht auf allergischen Schnupfen werden beispielsweise Allergen-Extrakte mit einem Spray oder in Tropfenform auf die Nasenschleimhaut aufgetragen. Wenn die Schleimhaut anschwillt, man niesen muss und die Nase anfängt zu laufen, spricht dies für einen allergischen Schnupfen. Ein Provokationstest wird meist nur gemacht, wenn die anderen Tests kein aussagekräftiges Ergebnis geliefert haben.
Manchmal kann auch ein Bluttest (Labortest) nötig sein, um Antikörper gegen bestimmte Allergene zu finden: zum Beispiel, wenn ein Hauttest zu riskant ist oder das Ergebnis nicht eindeutig war. Zudem eignen sich nicht alle Allergene für einen Hauttest.
Allergietests werden von Fachärztinnen und -ärzten mit dem Schwerpunkt Allergologie angeboten. Meist sind Haut-, HNO-, Lungen- oder Kinderarztpraxen die ersten Anlaufstellen.
Vorbeugung
Eine Allergie zu entwickeln, lässt sich oft nicht verhindern. Bestimmte Maßnahmen können das Risiko vielleicht etwas senken. So bekommen Kinder, die in ihren ersten 4 bis 6 Lebensmonaten ausschließlich gestillt wurden, etwas seltener ein allergisches Asthma. Für andere Beschwerden wie allergischen Schnupfen macht dies laut Studien aber keinen oder kaum einen Unterschied. Auch Menschen, die nicht rauchen, und Kinder, die in rauchfreier Umgebung aufwachsen, haben ein geringeres Allergierisiko.
Bei einem hohen Allergierisiko kann es sinnvoll sein, keine Katze zu halten, um keine Katzenallergie zu begünstigen. Besteht kein erhöhtes Allergierisiko, ist es nicht nötig, auf Haustiere zu verzichten.
Behandlung
Zur Linderung von Allergie-Beschwerden gibt es folgende Möglichkeiten:
- Kontakt mit Allergenen vermeiden: Wie gut dies gelingt, hängt vor allem von der Art des Auslösers ab. Bestimmte Nahrungsmittel oder chemische Stoffe lassen sich meist recht gut umgehen. Vor Pollen kann man sich dagegen kaum schützen. Pollenflug-Kalender und entsprechende Informationsseiten im Internet können aber zeigen, wie hoch die Belastung in bestimmten Regionen ist. Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben ist es möglich, die Belastung im Haushalt etwas zu verringern, zum Beispiel durch regelmäßiges Putzen, einen milbendichten Matratzenbezug und die Entfernung von Staubfängern.
- Medikamente: Vor allem bei allergischem Schnupfen und allergischer Bindehautentzündung(Konjunktivitis) werden oft Antihistaminika oder Kortison-Präparate angewendet. Diese Mittel gibt es unter anderem als Tabletten, Nasenspray oder Spritze. Bei allergischen Hautreaktionen werden auch Kortisonsalben oder -cremes eingesetzt.
- Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie): Bei dieser Behandlung werden ähnlich wie bei einer Impfung regelmäßig niedrige Dosen des Allergens unter die Haut gespritzt oder als Tablette oder Tropfen unter die Zunge gegeben. Eine Hyposensibilisierungdauert mindestens 3 bis 5 Jahre. Sie wird vor allem bei Allergien gegen Pollen, Hausstaubmilben und Insektengift angeboten.
Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass pflanzliche oder homöopathische Mittel sowie Akupunktur bei Allergien helfen können.
Alzheimer-Demenz
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Demenz. Menschen mit Demenz werden vergesslich und haben zunehmend Probleme, sich sprachlich auszudrücken. Vor allem ältere Menschen haben eine Mischform aus Alzheimer und einer durch Durchblutungsstörungen bedingten Demenz.
Auf einen Blick
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Demenz. Der Name geht auf den Psychiater Alois Alzheimer zurück, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts als Erster beschrieb. Bei einer Demenz lassen das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit mit der Zeit nach. Es wird immer schwieriger, sich räumlich und zeitlich zu orientieren und im Alltag selbstständig zurechtzukommen. Wer erkrankt ist, braucht zunehmend Unterstützung.
Der Verlauf einer Alzheimer-Demenz lässt sich durch verschiedene medikamentöse und nicht medikamentöse Behandlungen positiv beeinflussen – aufhalten oder heilen kann man die Alzheimer-Demenz jedoch nicht. Umso wichtiger ist eine gute Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Demenz: Sie benötigen liebevolle, stabile Beziehungen und ein tolerantes Umfeld. Auch viele Angehörige brauchen Hilfe und Entlastung.
Außer Alzheimer gibt es noch andere mögliche Ursachen für eine Demenz. Dazu zählen Durchblutungsstörungen im Gehirn (vaskuläre Demenz). Manche, vor allem ältere Menschen, haben eine Mischform aus Alzheimer- und vaskulärer Demenz. Auch Krankheiten wie Parkinson, Hirnverletzungen oder -tumoren können eine Demenz verursachen. Starker Alkoholkonsumkann auf Dauer ebenfalls zu einer Demenz führen.
Es gibt Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den Demenzformen: Die Symptome, der Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten können sich unterscheiden. In diesem Überblick geht es ausschließlich um die Alzheimer-Demenz.
Symptome
Die Alzheimer-Demenz verbindet man in erster Linie mit Vergesslichkeit. Die Erkrankung zeigt sich jedoch auf vielfältige Weise und verläuft sehr unterschiedlich. Typische Symptome betreffen:
- Merkfähigkeit und Denkleistung: Das Gedächtnis lässt mehr und mehr nach. Zunächst ist das Kurzzeitgedächtnis stärker betroffen, später auch das Langzeitgedächtnis. Zudem nimmt die Fähigkeit ab, sich zu konzentrieren und sich zeitlich wie räumlich zu orientieren.
- Sprache: Erkrankte Menschen haben zunehmend Schwierigkeiten, sich an die Bedeutung von Begriffen zu erinnern und die richtigen Worte zu finden. Sie verwenden dann oft Füllworte oder Phrasen, die nicht in den Zusammenhang passen. Dadurch werden ihre Sätze schwer verständlich. Zudem verstehen sie ihre Gesprächspartner immer schlechter.
- Psyche und Veränderung des Verhaltens: Viele Menschen mit Alzheimer-Demenz werden ungewohnt ängstlich, misstrauisch, passiv oder auch aggressiv. Sie schämen sich und sind frustriert, dass sie Dinge vergessen, öfter Fehler machen und Hilfe brauchen. Es ist verwirrend, wenn Orientierung und Kontrolle verloren gehen. Nicht wenige Erkrankte haben zudem Depressionen und Schlafstörungen. Phasenweise können sie auch euphorischer Stimmung sein.
Ursachen
Bei der Alzheimer-Demenz sterben mit der Zeit mehr und mehr Nervenzellen im Gehirn ab. Bislang gibt es nur Vermutungen, weshalb es dazu kommt. So hat man herausgefunden, dass bei Menschen mit Alzheimer-Demenz ein wichtiger Botenstoff des Gehirns, das Acetylcholin, in zu geringen Mengen vorkommt. Man weiß auch, dass sich im Gehirn von Betroffenen kleine Eiweißpartikel (zum Beispiel Plaques) ablagern, die möglicherweise für das Absterben der Nervenzellen verantwortlich sind.
Was die Alzheimer-Demenz letztlich verursacht, ist jedoch noch unklar. Sehr wahrscheinlich kommen mehrere Ursachen zusammen.
Risikofaktoren
Mit dem Alter (ab etwa 65) erhöht sich das Risiko für eine Alzheimer-Demenz. In vielen Studien wurde untersucht, ob bestimmte Lebensumstände, Krankheiten oder Verhaltensweisen das Risiko erhöhen oder senken. Diese Studien liefern bislang keine klaren Antworten, aber Hinweise auf folgende Einflussfaktoren:
- Diabetes mellitus
- Depressionen
- ein erhöhter Cholesterinspiegel
- Bluthochdruck
- Rauchen
- Übergewicht
- wenig soziale Kontakte
- Schwerhörigkeit
- geringe Bildung
Als Schutzfaktoren gelten:
- gute Ausbildung
- rege geistige und körperliche Aktivität
- gute soziale Einbindung
- ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen, Olivenöl und Getreide, mehr Fisch als Fleisch sowie ein mäßiger Alkoholkonsum
Studien zeigen zwar, dass bestimmte Menschen eher eine Alzheimer-Demenz bekommen als andere. Aber: Ein beobachteter Zusammenhang muss nicht ursächlich sein. Wenn sich beispielsweise zeigt, dass Menschen mit geringer Bildung häufiger erkranken, muss dies nicht unbedingt am Bildungsstand liegen. Es kann auch sein, dass Menschen mit geringerer Bildung öfter in ungesünderer Umgebung leben – und dass das Alzheimer-Risiko eher dadurch erhöht wird.
Welche Rolle die verschiedenen Umstände und Verhaltensweisen tatsächlich bei der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz spielen – und ob bestimmte Maßnahmen ihr vorbeugen können –, muss noch besser erforscht werden.
Häufigkeit
Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Demenz, die Mehrzahl davon sind Frauen. Das liegt vor allem daran, dass Frauen im Durchschnitt älter werden als Männer. Die meisten Demenz-Erkrankungen treten im hohen Alter auf: Von den 65- bis 69-Jährigen erkranken etwas mehr als 1 %, von den 80- bis 84-Jährigen etwa 10 %. Geschätzte 70 % der Menschen mit Demenz haben die Alzheimer-Krankheit.
Verlauf
Die Alzheimer-Demenz ist eine chronische Erkrankung, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren voranschreitet. Sie beginnt meist erst nach dem 65. Lebensjahr. Tritt eine Alzheimer-Demenz vor dem 65. Lebensjahr auf, verläuft sie meist rascher, als wenn sie erst im höheren Alter einsetzt.
Drei Krankheitsstadien lassen sich unterscheiden, für die bestimmte Beschwerden charakteristisch sind. Welche Veränderungen wie schnell eintreten, ist jedoch individuell verschieden. Manche Symptome können zum Beispiel auch früher auftreten, andere gar nicht.
- Frühstadium einer Alzheimer-Demenz: Ein unabhängiges Leben ist noch weitgehend möglich, auch wenn es immer schwerer fällt. Menschen in diesem Stadium sind zunehmend vergesslich und haben Probleme, sich zu konzentrieren. Sie brauchen fast immer Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Auch das Verhalten und die Gemütslage können sich verändern: Vergesslich und nicht orientiert zu sein, kann zu Angst, Stress, Wut und Scham führen. Die Stimmung kann stark schwanken.
- Mittleres Stadium einer Alzheimer-Demenz: Menschen in diesem Stadium müssen in der Regel ihr selbstständiges Leben aufgeben. Sie brauchen viel Hilfe im Alltag. Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit nehmen deutlich zu. Kochen, Einkaufen, die Wohnung sauber halten und Spazierengehen sind nur noch mit Hilfe möglich. Es kann auch zu Wutausbrüchen, Misstrauen und aggressivem Verhalten kommen. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist oft gestört.
- Fortgeschrittenes Stadium einer Alzheimer-Demenz: Nun ist rund um die Uhr Unterstützung durch andere nötig. Gespräche sind oft kaum noch möglich, eigentlich vertraute Personen werden nicht mehr erkannt. Die Kontrolle über die Körperfunktionen kann ebenso verloren gehen wie die Fähigkeit zur Koordination von Bewegungsabläufen.
Im statistischen Durchschnitt sterben Menschen mit Alzheimer-Demenz etwa sechs Jahre nach der Diagnose.
Diagnose
Die Diagnose „Alzheimer“ wird gestellt, wenn die typischen Symptome auftreten und sich keine andere Ursache dafür finden lässt. Verschiedene Tests können den Verdacht erhärten. Der alleinige Blick ins Gehirn durch eine bildgebende Untersuchung wie Computer- oder Kernspintomografie verrät nicht, ob es sich um die Alzheimer-Demenz handelt oder nicht. Dies lässt sich erst nach dem Tod durch eine Untersuchung des Gehirns sicher feststellen.
Da Beschwerden wie Vergesslichkeit, Verhaltensänderungen und Orientierungsprobleme viele verschiedene Ursachen haben können, ist es wichtig, nicht voreilig eine Demenz-Diagnose zu stellen.
Die Symptome können zum Beispiel durch Depressionen und manche körperlichen Erkrankungen, etwa durch eine Hirnhautentzündung, einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung ausgelöst werden. Auch ein Flüssigkeits- oder Vitaminmangel, oder Nebenwirkungen von Medikamenten führen manchmal zu solchen Beschwerden.
Diese Ursachen lassen sich oft gut behandeln und die Symptome gehen zurück oder verschwinden ganz. Die Diagnose Alzheimer-Demenz wird erst dann gestellt, wenn die Symptome ein halbes Jahr bestehen und andere Ursachen unwahrscheinlich sind.
Eine umfangreiche Diagnostik ist deshalb notwendig. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Bei einem Verdacht auf eine Demenz wird häufig mit Fachärztinnen oder -ärzten (Neurologie, Psychiatrie, Radiologie) zusammengearbeitet. Gerade im frühen Stadium kann der Besuch einer spezialisierten Gedächtnisambulanz hilfreich sein.
Gespräch
Zunächst wird sich die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden, den Problemen im Alltag und den Lebensumständen erkundigen. Sie oder er fragt nach dem psychischen Empfinden, zum Beispiel danach, ob Stimmungsschwankungen auftreten oder sich die Gefühlslage geändert hat. Auch die Medikamenteneinnahme, der Lebensstil, körperliche und psychische Erkrankungen werden angesprochen. Es kann hilfreich sein, wenn eine nahestehende Person beim Arztgespräch unterstützt. Denn oft fallen Angehörigen oder Freunden Veränderungen auf, die Betroffene selbst gar nicht wahrnehmen. Es kann auch sein, dass sie sich schämen, darüber zu berichten.
Psychometrische Tests
Um das Krankheitsstadium und den Verlauf einzuschätzen, werden bestimmte Tests eingesetzt. Es gibt Kurztests, bei denen eine geschulte Fachkraft Fragen und kleine Aufgaben stellt, die das Erinnerungsvermögen, die Urteilsfähigkeit, die Sprache und die Aufmerksamkeit prüfen. Diese Tests dauern meist etwa 15 Minuten.
Gängige Tests sind der Mini-Mental Status Test (MMST), der Uhrentest und der Demenz-Detektions-Test (DemTect). Diese Tests können Hinweise auf die Schwere der Einschränkungen geben. Zur genauen Abklärung sind aber oft ausführlichere, sogenannte neuropsychologische Untersuchungen notwendig.
Medizinische Untersuchungen
Verschiedene Untersuchungen können Hinweise auf andere Krankheiten liefern, die die Beschwerden möglicherweise verursachen oder beeinflussen. Dazu gehören die körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie (MRT). Vielleicht wird auch durch eine Punktion im Bereich der Lendenwirbelsäule Nervenwasser entnommen.
Behandlung
Menschen mit Demenz benötigen eine langfristige Begleitung und Behandlung. Je nach ihren Bedürfnissen, ihrer Lebenssituation und dem Stadium der Erkrankung kann ein ganzes Team von Fachkräften – aus Medizin, Psychologie, Pflege und Sozialarbeit – an der Betreuung beteiligt sein, außerdem ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Das Ziel der medikamentösen wie der nicht medikamentösen Behandlung ist es,
- die Lebensqualität zu fördern,
- die Alltagskompetenz und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten,
- psychische Beschwerden zu lindern, und
- die Belastung von Angehörigen zu verringern.
Die gängigsten Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz sind Cholinesterasehemmer und Memantin. Es gibt auch Präparate mit Extrakten aus den Blättern des Ginkgo-Baums.
Zu den nicht medikamentösen Behandlungen gehören beispielsweise Gedächtnis- und Orientierungsübungen, gemeinsame Alltagsaktivitäten, Kunst-, Aroma-, Tier- und Musiktherapie oder auch körperliche Aktivitäten und Massagen.
Damit die Behandlung und Unterstützung im Alltag gelingen kann, sind Schulungen für Angehörige meist eine entscheidende Hilfe. Die Pflegekassen bieten neben Pflegeberatung und Pflegekursen auch spezielle kostenlose Schulungen für Angehörige von Menschen mit Demenz.
Leben und Alltag
Die Diagnose Alzheimer-Demenz zu erhalten, ist für die meisten Menschen ein Schock. Manchmal macht die Diagnose jedoch auch zuvor unerklärliche Veränderungen des Verhaltens oder der Persönlichkeit begreiflich.
Wie ein Mensch auf die Krankheit reagiert und mit ihr umgeht, hängt nicht nur von Veränderungen im Gehirn ab, sondern auch von seinem Charakter, seiner Lebensgeschichte, der aktuellen Lebenssituation und den Beziehungen zu anderen Menschen.
Manchen Menschen gelingt es, auch mit der Alzheimer-Demenz ein aktives und zufriedenes Leben zu führen. Anderen fällt dies schwer. Unterstützung benötigen die meisten. Und auch für Angehörige und Freunde ist die Erkrankung eine große Herausforderung. Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen – etwa in Selbsthilfegruppen – wird von vielen als wertvoll erlebt.
Im Laufe der Zeit müssen viele Entscheidungen getroffen werden: zur Unterstützung im Alltag genauso wie zur Behandlung, zur späteren Versorgung und zur passenden Wohnform (häusliches Umfeld, Pflegeheim, Wohngruppe). Menschen mit Demenz wollen sich dabei aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligen, solange es ihnen möglich ist. Ihnen ist es wichtig, dass viel mit ihnen und weniger über sie gesprochen wird.
Für Angehörige ist es wichtig, in die Behandlungspläne einbezogen zu werden und Angebote zu erhalten, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen. Darunter fallen neben Schulungen auch praktische Hilfen, zum Beispiel zu finanzieller Unterstützung und Beratung bei Antragsstellung.
Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist und eine immer umfassendere Betreuung nötig macht, stoßen Angehörige irgendwann an ihre Grenzen. Dann kann der Umzug in eine Einrichtung, in der Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung durch Fachkräfte möglich ist, für alle Beteiligten die bessere Lösung sein. Die Entscheidung zum Umzug in ein Pflegeheim oder eine betreute Wohngemeinschaft fällt oft nicht leicht – zumal es eine Weile dauern kann, bis eine geeignete Einrichtung gefunden ist. Doch heute gibt es gerade für Menschen mit Demenz immer mehr gute Angebote, die eine engagierte und speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Pflege bieten.
Aneurysma der Bauchschlagader
(Bauchaortenaneurysma)
Wenn sich die Bauchschlagader an einer Stelle dehnt und ausbuchtet, spricht man von einem Aneurysma der Bauchschlagader. Dazu kann es kommen, wenn die Elastizität der Gefäßwand nachlässt – etwa durch den normalen Alterungsprozess, Rauchen oder Bluthochdruck. Bei Männern entwickelt es sich häufiger als bei Frauen. Die meisten Aneurysmen bleiben harmlos.
Auf einen Blick
Durch die Hauptschlagader gelangt das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen in den Körper. Den Teil der Hauptschlagader, der in der Bauchhöhle verläuft, nennt man Bauchschlagader (Bauchaorta). Sie hat normalerweise einen Durchmesser von etwa 2 cm.
Wenn sich die Bauchschlagader an einer Stelle ausdehnt und eine Ausbuchtung mit einem Durchmesser von mehr als 3 cm bildet, spricht man von einem Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma).
Ein solches Aneurysma bleibt normalerweise unbemerkt, weil es in der Regel keine Beschwerden verursacht. Die meisten Aneurysmen der Bauchschlagader bleiben harmlos.
Wenn sich ein Aneurysma jedoch weiter ausdehnt, besteht die Gefahr, dass die Bauchschlagader plötzlich reißt. Dies ist ein Notfall und lebensbedrohlich.
Symptome
Aneurysmen der Bauchschlagader verursachen meist keine Beschwerden. Ein großes Aneurysma kann sich durch Rücken- oder Bauchschmerzen bemerkbar machen oder durch Schmerzen in der Seite.
Wenn die Bauchschlagader reißt, tritt ein plötzlicher Schmerz im Rücken auf, der in die Seite oder in die Leiste ausstrahlt. Durch den Riss kommt es schnell zu starkem Blutverlust, der rasch zu Schwindel, Bewusstlosigkeit und schließlich zu einem Kreislaufzusammenbruch führt.
Ursachen
Ein Aneurysma der Bauchschlagader kann entstehen, wenn die Elastizität der Gefäßwand nachlässt, zum Beispiel durch Rauchen oder weil das Gefäß stark beansprucht wird, etwa aufgrund von Bluthochdruck. Auch der normale Alterungsprozess trägt dazu bei. Wenn sich an einer Stelle der Gefäßwand erst einmal eine Ausbuchtung gebildet hat, neigt die Gefäßwand dazu, sich weiter zu dehnen, sodass sich das Aneurysma vergrößert.
Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für ein Aneurysma der Bauchschlagader erhöhen:
- Geschlecht: Männer entwickeln häufiger ein Aneurysma der Bauchschlagader als Frauen.
- Alter: Das Risiko nimmt mit dem Alter zu. Die meisten Menschen mit einem Aneurysma der Bauchschlagader sind über 65 Jahre alt.
- Rauchen: Rauchen ist der bedeutendste Risikofaktor, den man selbst beeinflussen kann.
- Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit: Menschen mit Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit entwickeln häufiger ein Aneurysma.
- Blutfette:Erhöte Blutfettwerte machen ein Aneurysma wahrscheinlicher.
- genetische Veranlagung: Wer nahe Verwandte mit einem Aneurysma der Bauchschlagader hat oder hellhäutig ist, hat ebenfalls ein höheres Risiko.
Häufigkeit
Etwa 2 % aller Männer zwischen 65 und 75 Jahren haben ein Aneurysma der Bauchschlagader. Frauen entwickeln deutlich seltener ein Aneurysma der Bauchschlagader. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu.
Verlauf
Wenn sich ein Aneurysma ausdehnt, dann meist nur langsam. Die meisten Aneurysmen machen aber nie Beschwerden und bleiben lebenslang harmlos.
Nur ein Teil aller Aneurysmen wird so groß, dass ein höheres Risiko für einen plötzlichen Riss besteht. Bei einem Riss der Bauchschlagader tritt viel Blut in den Bauchraum aus – das ist ein Notfall und lebensbedrohlich. Das Risiko für einen Riss ist höher, wenn das Aneurysma schnell wächst oder mindestens 5,5 cm groß ist. Nach groben Schätzungen reißt ein Aneurysma der Bauchschlagader mit einer Größe von über 5,5 cm bei etwa 3 bis 6 von 100 Männern innerhalb eines Jahres.
Diagnose
Aneurysmen der Bauchschlagader lassen sich durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches erkennen. Dabei wird der Durchmesser der Bauchschlagader bestimmt. Ab einer Ausbuchtung von 3 cm spricht man von einem Aneurysma.
Falls ein Aneurysma zu Beschwerden führt, wird es meist auf der Suche nach ihrer Ursache entdeckt.
Früherkennung
Durch eine Ultraschalluntersuchung können große Aneurysmen früh erkannt werden. Sie können dann operiert werden, bevor sie reißen. Werden kleinere Ausbuchtungen gefunden, kann regelmäßig kontrolliert werden, ob und wie schnell sie sich ausdehnen.
Die Früherkennungsuntersuchung verringert bei Männern ab 65 Jahren das Risiko, dass ein Aneurysma reißt und sie sterben. Die Früherkennung hat jedoch auch Nachteile: Dabei werden auch Aneurysmen entdeckt und vielleicht operiert, die nie gesundheitliche Probleme bereitet hätten. Solche Befunde nennt man Überdiagnosen . Außerdem kann der Eingriff selbst schwere Komplikationen verursachen. Das Wissen, ein Aneurysma zu haben, kann zudem sehr belastend sein.
Behandlung
Ob eine Behandlung sinnvoll ist und welche infrage kommt, hängt vor allem von
- der Größe eines Aneurysmas,
- seiner Entwicklung und
- dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Kleinere Aneurysmen der Bauchschlagader mit einem Durchmesser von weniger als 5,5 cm werden gewöhnlich regelmäßig beobachtet. Wer raucht, bekommt außerdem die Empfehlung damit aufzuhören, weil Rauchen das Wachstum des Aneurysmas fördert. Bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten wird dazu geraten, diese behandeln zu lassen. Ob Medikamente wie Blutdruck- und Cholesterinsenker das Wachstum eines Aneurysmas bremsen und das Risiko für einen Riss tatsächlich verringern können, ist jedoch nicht geklärt.
Wenn ein hohes Risiko besteht, dass ein Aneurysma reißt, ist ein operativer Eingriff die einzige Möglichkeit der Vorbeugung. Es gibt zwei Verfahren, um ein großes Aneurysma zu operieren:
- offene Operation über einen Bauchschnitt: Dabei wird das Aneurysma geöffnet und durch ein künstliches Gefäßstück ersetzt.
- endovaskulärer Eingriff über einen kleinen Schnitt in der Leiste: Durch den Schnitt wird ein Röhrchen (Stent-Prothese) in eine Arterie eingeführt, bis in das Aneurysma vorgeschoben und in die Ausbuchtung eingesetzt.
Beide Verfahren bringen Risiken mit sich. Ob eine Operation sinnvoll ist, ist eine individuelle Abwägung: Auf der einen Seite stehen die Risiken des Eingriffs wie Lungenkomplikationen, Herzschäden oder Schlaganfall – auf der anderen Seite die Gefahr, dass ein Aneurysma reißt.
Rehabilitation
Eine offene Operation an der Bauchschlagader ist ein großer Eingriff. Daher schließt sich an diese Behandlung häufig eine Rehabilitation an. Ziel ist es, die Beschwerden infolge des Eingriffs zu vermindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Rehabilitation ermöglicht es, Alltagsaktivitäten langsam wieder aufzunehmen und so wieder leichter ins gewohnte Leben zurückzufinden.
Leben und Alltag
Die Diagnose „Aneurysma der Bauchschlagader“ kann unterschiedliche und auch widersprüchliche Gefühle auslösen. Manche Menschen sind froh, dass ihr Aneurysma erkannt wurde – ihnen geben die Kontrolluntersuchungen ein Gefühl der Sicherheit.
Andere hätten im Nachhinein lieber nicht von dem Aneurysma erfahren. Denn dieses Wissen kann Angst auslösen und verunsichern: Viele Betroffene leben fortan in dem Bewusstsein, dass ihr Leben gefährdet ist. Beschwerden wie Bauchschmerzen können dann immer wieder beängstigend sein: Sie werden häufig mit dem Aneurysma in Verbindung gebracht, auch wenn kein Zusammenhang besteht. Außerdem schränken viele Menschen aus Sorge vor einem Riss ihren Alltag ein. Sie werden vorsichtiger und meiden körperliche Belastungen.
Appendizitis
(Blinddarmentzündung)
Was ist eine Blinddarmentzündung?
Der Begriff Blinddarmentzündung bezeichnet die Entzündung eines bestimmten Abschnitts des Darms, des sogenannten Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis). Die Bezeichnung ist anatomisch nicht ganz korrekt: Denn nicht der gesamte Blinddarm, der den Anfangsteil des Dickdarms darstellt, ist betroffen, sondern nur ein Teil davon.
Eine Blinddarmentzündung ist eine häufige Erkrankung, die bei Menschen aller Altersstufen vorkommen kann. Besonders häufig tritt sie bei Kindern und Jugendlichen auf. Meist handelt es sich um eine akute Erkrankung. Dieser Text behandelt nicht die sehr viel seltenere chronische Blinddarmentzündung.
Entstehung
Die genaue Ursache von akuten Blinddarmentzündungen ist bisher nicht bekannt. Im Allgemeinen wird angenommen, dass eine Verstopfung des Wurmfortsatzes zu der Entzündung führt. Diese kann zum Beispiel durch eingedickten Kot, durch narbige Verengungen, vergrößerte Lymphknoten, eine Schwellung der Schleimhaut oder selten durch Fremdkörper oder Würmer entstehen. In dem verstopften Wurmfortsatz vermehren sich Darmbakterien. Durch den erhöhten Druck kann die Darmwand einreißen (Perforation).
Krankheitszeichen
Das Hauptkennzeichen einer Blinddarmentzündung sind Bauchschmerzen. Diese beginnen oft im Oberbauch oder um den Bauchnabel herum und verlagern sich nach einigen Stunden in den rechten Unterbauch. Durch Erschütterungen des Körpers (beispielsweise beim Husten) sowie bei Bewegung des rechten Beines werden die Schmerzen stärker.
Begleitet werden die Schmerzen oft von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, allgemeinem Krankheitsgefühl und manchmal auch von Verstopfung (Obstipation) oder Durchfall (Diarrhö). Wenn der entzündete Wurmfortsatz an der Harnblase anliegt, können Störungen der Blasenentleerung auftreten. Manchmal bemerken Betroffene eine Blinddarmentzündung erst, wenn die Entzündung die Darmwand durchbricht (Perforation). Das führt durch die Druckentlastung häufig zunächst zu einer kurzzeitigen Besserung der Beschwerden. Im Verlauf nehmen diese aber dann stark zu, da sich die Entzündung auf den Bauchraum ausbreitet.
Es gibt auch Verläufe, bei denen die klassischen Symptome nicht vorliegen. Bei Kindern und älteren Menschen treten zum Beispiel manchmal nur geringe Beschwerden auf. Die Symptome hängen auch von der Lage des Wurmfortsatzes ab. Diese kann sich von Patientin zu Patient unterscheiden. Auch während einer Schwangerschaft verändert sich die Lage des Wurmfortsatzes und kann zu untypischen Symptomen führen.
Diagnostik
In einem Gespräch (Anamnese) erfragt der Arzt oder die Ärztin zunächst die Symptome, Vorerkrankungen und andere wichtige Informationen.
Dann folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt oder die Ärztin tastet den Bauch ab. Es gibt bestimmte Druckpunkte am Bauch, die bei der Blinddarmentzündung meist besonders druckempfindlich sind. Auch eine Untersuchung des Enddarms (rektale Untersuchung) kann erfolgen. Dabei tastet der Arzt oder die Ärztin den Enddarm und benachbarte Strukturen mit dem Finger ab.
Außerdem wird die Körpertemperatur gemessen. Häufig besteht bei einer Blinddarmentzündung nur leichtes Fieber. Charakteristisch ist der Unterschied zwischen der unter der Achselhöhle und der im Darm gemessenen Temperatur erhöht. Die Temperatur im Darm ist dabei höher.
Mit einer Blutuntersuchung können Entzündungszeichen untersucht werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Konzentration eines bestimmten Eiweißes im Blut, des C-reaktiven Proteins (CRP).
Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches kann Hinweise auf eine Appendizitis liefern oder helfen, andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen. Eventuell wird auch eine Computertomografie durchgeführt.
Um andere Erkrankungen auszuschließen werden gegebenfalls weitere Untersuchungen durchgeführt, zum Beispiel eine Urinuntersuchung zum Ausschluss einer Blasenentzündung.
Therapie
Die klassische Behandlung der Blinddarmentzündung ist die Operation. Dabei wird der Wurmfortsatz entfernt (Appendektomie). Die Operation kann laparoskopisch oder offen erfolgen. Bei der laparoskopischen Operation wird der Blinddarm im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) entfernt. Bei der offenen Operation wird der Bauchraum durch einen Schnitt eröffnet.
Wie dringend die Operation ist und wie schnell sie durchgeführt wird, müssen die Ärzte und Ärztinnen jeweils im Einzelfall entscheiden.
In der Regel erhalten Betroffene zusätzlich Antibiotika. Diese helfen auch, Wundinfektionen nach der Operation zu vermeiden. Gegen die Schmerzen können gegebenenfalls Schmerzmittel eingesetzt werden.
Das genaue Vorgehen hängt von der individuellen Situation ab. Wichtig ist dabei auch die Unterscheidung zwischen einer unkomplizierten und einer komplizierten Appendizitis. Von einer komplizierten Appendizitis spricht man zum Beispiel, wenn die Entzündung die Darmwand durchbrochen hat (Perforation) oder sich ein Abszess gebildet hat.
Die Operation galt bei der akuten Appendizitis lange Zeit als unumgänglich. Inzwischen gibt es auch Hinweise, dass in einigen Fällen die Behandlung mit Antibiotika ausreichen kann. Wenn keine Operation durchgeführt wird, ist allerdings das Risiko eines Rückfalls höher als nach einer Entfernung des Wurmfortsatzes.
Arthrose
Bei einer beginnenden Arthrose schmerzt das Gelenk meist nur, wenn es belastet wird. Mit der Zeit können die Schmerzen zunehmen und den Alltag einschränken. Solche Beschwerden sind typisch für Gelenkverschleiß, auch Arthrose genannt. Wir informieren über Ursachen, Risiken, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten.
Auf einen Blick
Schmerzhafte und steife Gelenke sind die typischen Anzeichen einer Arthrose. Meist entwickelt sie sich langsam und über viele Jahre. Wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, können die Gelenke stark schmerzen und unbeweglich werden. Dies kann den Alltag deutlich einschränken.
Eine Arthrose kann in fast jedem Gelenk entstehen – am häufigsten sind jedoch
- Kniearthrose(Gonarthrose),
- Hüftarthrose(Coxarthrose),
- Fingerarthrose und
- Wirbelgelenkarthrose (Facettensyndrom).
Symptome
Bei einer beginnenden Arthrose schmerzt das Gelenk meist nur, wenn es belastet wird. Im Bereich der Knie oder der Hüfte sind dann oft stechende Schmerzen bei Stoßbelastungen spürbar, etwa beim Joggen. Bei einer Fingerarthrose können die Schmerzen zum Beispiel beim Schreiben, beim Öffnen von Gläsern oder beim Halten eines schweren Buchs auftreten.
Mit der Zeit können die Schmerzen zunehmen und den Alltag einschränken. Die Gelenke können sich dann auch steif anfühlen – vor allem nach längerer Ruhe, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen. Typisch ist zudem ein „Anlaufschmerz“, der dann während der Bewegung relativ schnell nachlässt. Wenn die Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif sind, deutet das eher auf eine rheumatische Gelenkentzündung hin.
Bei stark fortgeschrittener Arthrose treten die Schmerzen auch in Ruhe auf. Dies kann sehr belastend sein und den Schlaf stören. Oft wechseln sich Phasen mit leichteren und starken Beschwerden ab.
Bei einer Arthrose können die Gelenke zudem druckempfindlich, geschwollen und steif sein. Bei einer weit fortgeschrittenen Arthrose kann sich ein Gelenk auch verformen.
Bei manchen Menschen tritt die Arthrose in Schüben auf. In diesen akuten Phasen nehmen die Schmerzen plötzlich zu und fühlen sich eher stechend, pulsierend oder brennend an. Das Gelenk kann vorübergehend anschwellen, steifer und warm werden. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann auch von einer aktivierten Arthrose. Meist lassen die Beschwerden eines Schubs nach einigen Tagen wieder nach. Schübe kommen oft überraschend, was dann oft zusätzlich belastet.
Ursachen
In einem Gelenk sind die Enden der Knochen mit widerstandsfähigem Knorpel überzogen. Knorpel wird von speziellen Zellen hergestellt, die ihn in einem gewissen Ausmaß auch reparieren können. Dazu muss das Gelenk ausreichend bewegt werden. Knorpel wird nicht durchblutet, sondern durch wechselnden Druck mit Nährstoffen versorgt, zum Beispiel beim Gehen. Ähnlich wie aus einem nassen Schwamm werden unter Belastung Stoffwechselabbauprodukte aus dem Knorpel herausgedrückt und bei Entlastung Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit aufgesaugt.
Arthrose entsteht, wenn die Knorpelschicht dünner und rauer wird. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, wie altersbedingte Veränderungen, Verletzungen, Fehlstellungen oder Übergewicht. Bei sehr stark fortgeschrittener Arthrose kann der Knorpel an manchen Stellen des Gelenks vollständig abgenutzt sein, sodass der Knochen freiliegt.
Risikofaktoren
Ein wichtiger Risikofaktor für Arthrose ist das Alter. Auch starkes Übergewicht kann zu allen Formen von Arthrose beitragen. Zum einen belastet es tragende Gelenke wie die Knie oder die Hüfte. Zum anderen setzt überschüssiges Körperfett Botenstoffe frei, die Entzündungen im Gelenk fördern können. Auch eine familiäre Veranlagung kann eine Rolle spielen.
Je nach Gelenk gibt es außerdem verschiedene weitere Risikofaktoren, die eine Arthrose wahrscheinlicher machen. Ein häufiger Grund für Arthrose im Knie sind Verletzungen wie ein Riss des vorderen Kreuzbands. Eine Hüftarthrose kann zum Beispiel die Folge sein, wenn knöcherne Auswüchse am Gelenk zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne führen (sogenanntes Hüftimpingement).
Verlauf
Eine Arthrose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Oft schreitet sie nur langsam fort und macht mal mehr, mal weniger Beschwerden, mit denen viele Menschen über Jahre gut zurechtkommen. Manchmal nehmen die Beschwerden aber auch schneller zu.
Wenn die Arthrose fortschreitet, können sich die Knochen des Gelenks verändern. An den Rändern der Knochen können sich Auswüchse bilden (Osteophyten). Sie können die Beweglichkeit des Gelenks behindern und zu dauerhaften Schmerzen führen.
Diagnose
Eine Arthrose lässt sich normalerweise anhand der typischen Symptome und einer Untersuchung des Gelenks feststellen. Zur Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und tastet das Gelenk ab.
Im Zweifel kann eine Röntgenuntersuchung gemacht werden. Sind auf dem Röntgenbild typische Veränderungen sichtbar – zum Beispiel ein sehr schmaler Gelenkspalt –, ist eine Arthrose sehr wahrscheinlich.
Die Aussagekraft bildgebender Untersuchungen ist aber begrenzt: Manche Menschen haben starke Veränderungen am Gelenk, aber kaum Beschwerden – bei anderen sieht das Gelenk trotzt starker Beschwerden gesund aus. Die Behandlung sollte sich ohnehin nach den Beschwerden und der individuellen Situation richten – und nicht danach, was auf Röntgenbildern zu sehen ist.
Manchmal sind die Symptome weniger typisch oder es geht darum, andere Erkrankungen wie eine rheumatische Gelenkentzündung oder eine Gicht auszuschließen. Dann können Blutuntersuchungen, eine Magnetresonanztomografie oder ein Ultraschall sinnvoll sein.
Behandlung
Bewegungsmangel kann den Knorpelabbau beschleunigen. Außerdem schwächt er die Muskeln, was die Beweglichkeit weiter einschränkt. Sich ausreichend zu bewegen und gezielt zu trainieren, gehört daher zu den wichtigsten Dingen, die Menschen mit Arthrose tun können.
Eine Arthrose lässt sich bislang nicht heilen. Um die Beschwerden zu lindern, wird eine große Zahl von Behandlungen angeboten. Welche davon infrage kommen, hängt auch davon ab, welches Gelenk erkrankt ist.
Nur für wenige Therapien ist durch aussagekräftige Studien nachgewiesen, dass sie das Fortschreiten der Arthrose abbremsen oder die Beschwerden lindern können. Zu den wirksamen Behandlungen gehören – je nach Gelenk – Bewegungstherapien oder Reha-Sport sowie Schmerzmittel. Bei starkem Übergewicht wird vor allem bei Knie- oder Hüftarthrose eine Gewichtsabnahme empfohlen. Bei einer Arthrose der Finger- oder Handgelenke kann eine Ergotherapie vermitteln, wie man belastende Bewegungen vermeidet oder sie gelenkschonend ausführt.
Entlasten lassen sich die Gelenke außerdem durch Hilfsmittel wie Gehstöcke (bei Knie- und Hüftarthrose) und spezielle Stifte, Greif- und Öffnungshilfen für Gläser und Flaschen (bei Fingerarthrose). Manchmal werden auch stabilisierende Schienen eingesetzt.
Für viele Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie bei Menschen mit Arthrose wirken. Dazu gehören unter anderem Gelenkspiegelungen (Arthroskopie), pflanzliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel, Spritzen mit Hyaluronsäure, Ultraschalltherapien und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).
Wenn eine Knie- oder Hüftarthrose weit fortgeschritten ist, können die betroffenen Gelenkflächen durch ein künstliches Gelenk, eine sogenannte Endoprothese, ganz oder teilweise ersetzt werden.
Asthma
Bei Asthma können die Atemwege kurzzeitig oder auch dauerhaft so verengt sein, dass man schlecht Luft bekommt. Doch wenn das Asthma gut behandelt wird, ist es meistens möglich, ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen.
Auf einen Blick
Bei Asthma bronchiale sind die Atemwege kurzzeitig oder auch dauerhaft so verengt, dass man schlecht Luft bekommt. Typisch für Asthma sind Anfälle mit „pfeifendem“ Atem, Husten und Atemnot. Wenn Asthma nicht angemessen behandelt wird, kann es mit der Zeit dazu führen, dass die Lunge schlechter Sauerstoff aufnimmt und die körperliche Belastbarkeit nachlässt.
Asthma verschlechtert sich aber nicht automatisch. Mit Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung lässt sich Asthma heute gut behandeln. Den meisten Menschen mit Asthma ist es deshalb möglich, ihre Erkrankung unter Kontrolle zu bekommen und ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen. Dazu ist es wichtig zu verstehen, was man selbst tun kann und herauszufinden, welche Behandlung für einen persönlich am besten geeignet ist.
Symptome
Bei Kindern macht sich Asthma in der Regel durch Husten und eine leicht pfeifende oder brummende Atmung bemerkbar. Andere typische Krankheitszeichen zeigen sich meist noch nicht. Bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich Asthma durch folgende Beschwerden:
- Atemnot (oft anfallsartig)
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- geräuschvolle (Aus-)Atmung (Giemen, Pfeifen, Brummen)
- Engegefühl in der Brust
- Husten und / oder Hustenreiz
Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf, häufig auch nachts. Dies ist einer der Gründe, warum sich manche Menschen mit dieser chronischen Erkrankung oft müde und abgeschlagen fühlen. Bei einem Asthma-Anfall kann sich eine zunächst nur leicht erschwerte Atmung bis zu ernsthafter Atemnot steigern.
Ursachen und Risikofaktoren
Asthma tritt in einigen Familien häufiger auf als in anderen, was auf ein gewisses familiäres Risiko schließen lässt. Weitere Risikofaktoren für Asthma sind zum Beispiel andere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis in der Familie oder beim Kind selbst sowie ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht. Jungen erkranken häufiger an Asthma als Mädchen. Außerdem gibt es einen wichtigen Risikofaktor, der vermeidbar ist: das Rauchen der Eltern.
Asthmatische Beschwerden treten auf, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Bei Menschen mit Asthma neigt das Immunsystem dauerhaft zu einer übersteigerten Abwehrreaktion. Dieser Hang zum „Übereifer“ macht sich aber erst bemerkbar, wenn die Schleimhäute, die die Bronchien von innen auskleiden, Kontakt zu bestimmten Reizen haben. Diese werden als Auslöser (englisch: trigger) bezeichnet.
Je nach Auslöser unterscheiden Fachleute zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma.
- Allergisches Asthma wird auch „extrinsisch“ genannt, weil die Auslöser von außen kommen und mit der Luft eingeatmet werden. Verschiedene Menschen können auf ganz unterschiedliche Reize reagieren. Dazu zählen zum Beispiel Tabakrauch (aktives und passives Rauchen), Pflanzenpollen, Tiere, Exkremente von Hausstaubmilben, Nahrungsbestandteile, aber auch kalte Luft, Parfüms, Abgase und bestimmte Chemikalien.
- Nicht allergisches Asthma (auch „intrinsisch“ genannt) wird durch Reize ausgelöst, die aus dem Körper selbst kommen. Dazu zählen vor allem bakterielle und virale Entzündungen der Atemwege. Eine spezielle Form ist das Analgetika-Asthma. Es wird durch die Einnahme bestimmter Schmerzmittel (Analgetika) ausgelöst. Dazu gehören Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Bei manchen Menschen lösen körperliche oder seelische Belastungen, die den Atem beschleunigen, asthmatische Beschwerden aus.
Bei vielen Menschen spielen auch innere und äußere Faktoren zusammen, sodass eine klare Abgrenzung zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma nicht immer möglich ist. Die Folgen für die Lunge und Atmung sind ohnehin sehr ähnlich:
- Zellen des Abwehrsystems (Immunsystems) in der Bronchialschleimhaut werden aktiviert,
- die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich,
- die Schleimhäute der Atemwege entzünden sich und schwellen an,
- es bildet sich häufig besonders zäher Schleim.
Durch die Verkrampfung der Muskulatur, die Schleimhautschwellung und die Schleimbildung verengen sich die Atemwege mehr und mehr, bis schließlich ein Asthma-Anfall auftreten kann.
Häufigkeit und Verlauf
Etwa 4 % der Kinder und 6 % der Erwachsenen in Deutschland haben Asthma. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung.
Asthma verläuft sehr unterschiedlich und führt nicht automatisch zu immer stärkeren Beschwerden. Manche Kinder oder Jugendliche haben später als Erwachsene kaum noch oder gar keine Beschwerden mehr. Bei anderen bleiben sie bestehen oder verstärken sich. Viel hängt davon ab, wie gut sich der auslösende Reiz vermeiden lässt, wie gut das Asthma behandelt wird und wie man selbst mit der Erkrankung umgeht. Bestimmte Medikamente und unterstützende Maßnahmen wie Atemtechniken können helfen, ein nahezu normales Leben zu führen.
Asthma kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Häufig fällt Asthma aber zuerst im Kindes- oder Jugendalter auf. Menschen mit Asthma haben oft schon zuvor mit Allergien Probleme: etwa mit Heuschnupfen, allergischer Bindehautentzündungen oder Neurodermitis. Ihre Beschwerden können sich daher je nach Jahreszeit oder anderen äußeren Einflüssen verändern oder auch für einige Zeit oder sogar ganz verschwinden. Manchmal treten dann andere allergische Beschwerden wieder in den Vordergrund und es kommt erst nach einiger Zeit wieder zu Asthma-Beschwerden.
Diagnose
Ob Asthma oder eine andere Erkrankung für Atembeschwerden verantwortlich ist, können Ärztinnen und Ärzte erst feststellen, wenn sie die Symptombeschreibungen und die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zusammen betrachten. Die wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma sind:
- ausführliches Gespräch (Anamnese): Darin geht es unter anderem um die Art der Beschwerden, die Krankheitsgeschichte und das Lebensumfeld.
- körperliche Untersuchung: Neben dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand wird die Funktion von Lunge, Herz und Kreislauf überprüft.
Mithilfe von Lungenfunktionstests (Spirometrie, Peak-Flow-Messung) lässt sich feststellen, wie leistungsfähig die Lunge ist. Bei der Spirometrie werden die Geschwindigkeit des Luftstroms bei der Ausatmung und die Menge der ausgeatmeten Luft gemessen. Das Peak-Flow-Meter misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen.
Weitere Untersuchungen der Atemwege oder Allergietests können nötig werden, um die Diagnose zu sichern.
Behandlung
Welches das erste Behandlungsziel ist, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Meist geht es zunächst darum, die Häufigkeit und Stärke der Beschwerden so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus soll eine Asthma-Behandlung helfen, den Alltag möglichst normal zu gestalten. Es ist wichtig zu wissen, dass die medikamentöse Therapie nur wenige Nebenwirkungen mit sich bringt. Das gilt auch für schwangere Frauen mit Asthma. Die Ärztin oder der Arzt berät, welche Medikamente infrage kommen.
Zur Asthma-Behandlung werden zwei Hauptgruppen von Medikamenten eingesetzt:
- schnell wirksame Bedarfsmedikamente (Reliever) und
- lang wirksame Dauermedikamente (Controller).
Bedarfsmedikamente können bei leichtem Asthma ausreichen: So nehmen manche Menschen mit Asthma nur dann Medikamente ein, wenn sie Beschwerden haben.
Ein stärkeres Asthma lässt sich aber meist nur mit Dauermedikamenten kontrollieren. Sie beruhigen unter anderem die ständig entzündeten Atemwege und beugen dadurch Asthma-Anfällen vor. Üblicherweise werden sie regelmäßig jeden Tag angewendet. Die Behandlung richtet sich immer nach der Stärke der Beschwerden. Nur eine konsequente Anwendung der Medikamente kann ausreichend vor Asthma-Anfällen schützen.
Zudem kann es helfen, den Kontakt zu Asthma-Auslösern so gut es geht zu vermeiden. Das ist im Alltag aber nicht leicht, manchmal auch unmöglich. Es kann zwar helfen herauszufinden, ob man zum Beispiel auf Tiere, Hausstaub oder kalte Luft empfindlich reagiert. Das Vermeiden von Auslösern schützt allerdings nicht immer und überall vor Beschwerden. Die meisten Menschen mit Asthma müssen sich aber weniger Gedanken um Auslöser machen, wenn sie ihre Medikamente richtig anwenden.
Sport und Bewegung sowie bestimmte Atemtechniken können ebenfalls helfen, die Beschwerden unter Kontrolle zu halten. Medikamente lassen sich dadurch zwar meist nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Welche Behandlungen geeignet sind, um die eigenen Ziele zu erreichen, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.
Es kann zudem sinnvoll sein, sich gegen Grippe oder Pneumokokken impfen zu lassen.
Leben und Alltag
Wie die meisten chronischen Erkrankungen betrifft Asthma nicht nur ein einzelnes Organ – in diesem Fall die Lunge –, sondern den ganzen Menschen. Wer zum Beispiel nachts Asthma-Anfälle hat und dadurch schlecht schläft, ist tagsüber müde und unkonzentriert. Auch die körperliche Fitness kann leiden.
Oft dauert es eine Zeit, sich auf das Leben mit einer chronischen Erkrankung einzustellen. Das gilt manchmal auch für Angehörige. Ausreichende Informationen über Asthma können Kinder und Erwachsene im Umgang mit ihrer Erkrankung stärken und selbstständiger machen. Wer gut informiert ist, kommt oft besser mit kritischen Situationen wie einem akuten Asthma-Anfall zurecht. Notfälle und Klinikeinweisungen lassen sich dann oft vermeiden. Selbsthilfegruppen können beim Umgang mit der Erkrankung eine wichtige Unterstützung sein.
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Von ADHS spricht man, wenn ein Kind besonders unaufmerksam, impulsiv oder unruhig ist. Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben und den Alltag eines Kindes und seiner Familie stark beeinträchtigen. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, ADHS zu behandeln. Im Erwachsenenalter sind die Symptome meist viel schwächer oder verschwinden ganz.
Auf einen Blick
Die ADHS ist eine psychische Erkrankung, von der man spricht, wenn ein Kind besonders unaufmerksam, impulsiv oder „hyperaktiv“ ist. Mit unaufmerksam ist gemeint, dass es sich nur schlecht konzentrieren kann und leicht ablenken lässt. Verhält sich ein Kind für sein Alter sehr unbedacht, leichtfertig oder auch ungeduldig und unachtsam, wird es als übermäßig impulsiv bezeichnet. Hyperaktiv wird es genannt, wenn es rastlos oder sehr unruhig ist – zum Beispiel, wenn es während des Unterrichts nicht sitzenbleiben kann, sondern oft aufsteht und im Klassenzimmer umherläuft.
Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben und den Alltag des Kindes, aber auch seiner Eltern und Geschwister enorm beeinträchtigen: Da sich Kinder mit ADHS anders verhalten, als von ihnen erwartet wird, ecken sie oft an. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit. Durch die Konzentrationsschwäche fällt ihnen das Lernen schwer. Manche Kinder haben auch ein auffälliges Sozialverhalten, Ängste oder Depressionen. Erwachsene mit ADHS haben häufig Probleme in Beziehungen oder bei der Arbeit.
Die Zahl der ADHS-Diagnosen ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Kritiker dieser Entwicklung bezweifeln, dass ADHS wirklich so häufig ist. Sie befürchten, dass zu viele Kinder die Diagnose erhalten, die vielleicht etwas unruhig, aber eigentlich gesund sind. Eine Fehldiagnose kann unnötige Behandlungen nach sich ziehen. Auch das Selbstwertgefühl kann beeinträchtigt werden, wenn Kinder fälschlich als psychisch krank eingestuft werden.
Auf der anderen Seite gibt es Kinder und Jugendliche mit ADHS, die keine Diagnose erhalten. Auch dies kann negative Auswirkungen haben, weil sie dann unter Umständen keine Behandlung erhalten, obwohl sie ihnen helfen könnte. Eine sorgfältige Diagnosestellung ist daher sehr wichtig.
Symptome
Unaufmerksamkeit, Impulsivität und übermäßige Aktivität sind bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Bei einer ADHS nehmen sie allerdings ein Ausmaß an, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet.
Unaufmerksamkeit kann sich darin äußern, dass ein Kind in der Schule oft nicht zuhört, sich leicht ablenken lässt und viele Flüchtigkeitsfehler macht. Auch in der Freizeit kann es ihm schwerfallen, bei der Sache zu bleiben, und es vergisst oder verliert häufig Dinge. Ein impulsives Kind kann zum Beispiel kaum abwarten, bis es beim Spielen oder im Unterricht an der Reihe ist; es drängelt sich oft vor, stört und unterbricht andere. Hyperaktive Kinder sind oft unruhig, rutschen ständig auf dem Stuhl herum oder tun sich schwer, leise zu sein. Oft zeigt sich die körperliche Unruhe auch darin, dass die Kinder viel hin und her laufen oder auf Möbelstücke klettern. In Situationen, in denen besonders viele Eindrücke auf ein Kind einströmen, zum Beispiel bei einer Familienfeier oder Urlaubsreise, kann sich das unaufmerksame und impulsive Verhalten verstärken.
Wie stark eine ADHS ausgeprägt ist und welche Verhaltensweisen besonders auffallen, kann sehr unterschiedlich sein. So steht bei manchen Kindern die Unaufmerksamkeit im Vordergrund. Sie werden eher als Tagträumer wahrgenommen. Andere Kinder sind besonders impulsiv und hyperaktiv. Je nach Problem unterscheidet man zwischen vorwiegend unaufmerksamen und vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Kindern. Bei Kindern, die sehr unaufmerksam, aber nicht hyperaktiv sind, spricht man auch vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, kurz ADS.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der ADHS sind nicht abschließend geklärt, vermutlich ist die Störung aber nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung. Untersuchungen zeigen auch, dass der Transport des Botenstoffs Dopamin an den Nervenzellen im Gehirn verändert ist – und zwar in den Bereichen, die unter anderem für die Gedächtnis- und Lernfunktion wichtig sind. Es gibt aber noch andere biologische Ursachen, die zur Entstehung einer ADHS beitragen.
Manche Fachleute äußern Kritik daran, dass ADHS oft nur auf körperliche oder genetische Ursachen zurückgeführt wird. Sie sehen gesellschaftliche Veränderungen als genauso wichtig an. So sollen ADHS-Symptome auch Folge der Reizüberflutung mit gleichzeitigem Bewegungsmangel, der starken Leistungsorientierung in modernen Gesellschaften sowie von veränderten Familienverhältnissen sein. Ob diese Theorien stimmen, ist bislang aber kaum durch verlässliche Studienuntersucht.
Unklar ist auch, welche Risikofaktoren zur Entstehung einer ADHS beitragen können. In einzelnen Studien zeigte sich, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht, Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert haben, öfter von ADHS betroffen waren. Ein möglicher Risikofaktor ist zudem eine Präeklampsie – eine seltene Schwangerschaftserkrankung, bei der der Blutdruck steigt und der Körper Wasser einlagert. Auch ein sehr niedriges Geburtsgewicht des Kindes oder Probleme bei der Geburt wie Sauerstoffmangel könnten mit ADHS in Zusammenhang stehen. Vermutlich wirken die Veranlagung und äußere Einflüsse zusammen.
Manchmal werden bestimmte Lebensmittel mit ADHS in Verbindung gebracht. Tatsächlich deuten manche Forschungsergebnisse darauf hin, dass Kinder, die oft künstliche Farbstoffe und Konservierungsmittel zu sich nehmen, eher ein auffälliges Verhalten zeigen. Die Ernährung spielt aber, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle. Wenn der Verdacht besteht, kann man ausprobieren, ob eine Ernährungsumstellung etwas bringt.
Häufigkeit
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen sind weit verbreitet. In Deutschland erhalten etwa 5 % der Kinder die Diagnose ADHS; Jungen etwa doppelt so oft wie Mädchen.
Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass manche Kinder irrtümlich die Diagnose ADHS erhalten. Es gibt aber auch Kinder, die eine ADHS haben, aber nie eine Diagnose bekommen. Wie häufig dies ist, weiß man nicht genau.
Verlauf
ADHS tritt normalerweise akut im Kindesalter auf. Die Symptome verändern sich im Laufe der Entwicklung. Ältere Jugendliche und Erwachsene mit ADHS sind oft weniger hyperaktiv als in ihren Kinderjahren, verspüren aber häufig eine innere Unruhe oder Rastlosigkeit.
Bei Erwachsenen sind die Symptome meist schwächer ausgeprägt als bei Kindern und Jugendlichen. Etwa 50 % bis 80 % der Erwachsenen, die schon als Kind ADHS hatten, haben zumindest teilweise noch mit ADHS-Symptomen zu tun. Ungefähr 15 % erfüllen auch noch als Erwachsene die vollständigen ADHS-Diagnosekriterien.
Folgen
Eine ADHS wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus. So haben Kinder und Jugendliche mit ADHS häufiger Unfälle, verletzen sich öfter und haben mehr Probleme in der Schule. Sie geraten eher mit Gleichaltrigen in Konflikte, verhalten sich regelwidrig, trotzig oder auch aggressiv. Jugendliche konsumieren häufiger Suchtmittel wie Nikotin, Alkohol und Drogen. Dies kann andere Probleme verstärken. Außerdem sind sie öfter in Straftaten verwickelt als Gleichaltrige ohne ADHS. Entwicklungsprobleme können eine ADHS begleiten. Damit sind zum Beispiel Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung oder in der Lese- und Rechtschreibfähigkeit gemeint.
Es können andere psychische Probleme oder Erkrankungen hinzukommen, etwa Depressionen oder Angsterkrankungen . Manche Kinder mit ADHS haben zusätzlich eine Tic-Störung.
Bei Erwachsenen stehen statt Hyperaktivität eher Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Unausgeglichenheit im Vordergrund. Vielen fällt es schwer, ihre Gefühle zu regulieren. Aus solchen Gründen kann ADHS zu Problemen in Beziehungen oder bei der Arbeit führen.
Diagnose
Eine ADHS wird am besten durch Expertinnen und Experten diagnostiziert, die sich mit dieser Störung gut auskennen. Dazu gehören Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin oder Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche. Erwachsene, die bei sich eine AHDS vermuten, können sich zur Abklärung an eine Praxis für Psychiatrie oder Psychotherapie wenden.
Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung sind wichtig, um andere mögliche Ursachen für auffälliges Verhalten auszuschließen. Im Diagnosegespräch können andere psychische Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen und mögliche Begleiterkrankungen festgestellt werden.
Bei Kindern können auch Schlafstörungen, Sehfehler, Schwerhörigkeit oder eine Schilddrüsenüberfunktion für Konzentrationsschwierigkeiten, Schulprobleme oder Hyperaktivität verantwortlich sein. Um herauszufinden, ob es sich um eine AHDS handelt, stellt eine Kinderärztin oder ein Therapeut den Eltern zum Beispiel folgende Fragen:
- Ist Ihr Kind vergesslich, lässt es sich leicht ablenken oder kann es sich nur schlecht konzentrieren?
- Klettert Ihr Kind häufig auf Gegenstände, unterbricht und stört andere oft oder hat viele Wutausbrüche?
- Verhält es sich in der Schule und zu Hause so?
- Wie lange beobachten Sie dieses Verhalten schon bei Ihrem Kind?
- Leidet die schulische Leistung Ihres Kindes darunter oder findet es wegen seines Verhaltens keine Freunde und ist deshalb unglücklich?
Die Diagnose sollte nach festgelegten Vorgaben erfasst werden. Dazu werden psychologische Tests und Fragebögen eingesetzt. Zusätzlich zum Gespräch mit Eltern und Kind werden möglichst auch Lehrerinnen, Lehrer oder Erzieherinnen einbezogen, da sie am besten über das Verhalten des Kindes im Kindergarten oder in der Schule Auskunft geben können.
Behandlung
Vor jeder Behandlung finden ein Gespräch und eine Beratung darüber statt, was ADHS überhaupt ist und wie sich damit umgehen lässt. Neben den Eltern und dem Kind können auch Erziehungs- oder Lehrkräfte einbezogen werden. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass gar kein großer Behandlungsbedarf besteht. Entscheidend ist, wie belastend das auffällige Verhalten für Kind und Eltern ist und ob zum Beispiel die schulische Entwicklung darunter leidet. Auf gute Schlafgewohnheiten zu achten, kann ebenfalls hilfreich sein.
Wenn ein Kind eine leichte ADHS hat, die sein Verhalten nicht besonders einschränkt, reicht möglicherweise bereits eine Elternschulung zum Umgang mit ADHS. Solche Programme können angeleitet sein oder als schriftliches Material zur Selbsthilfe durchgearbeitet werden.
Bei einer mittelschweren oder schweren ADHS, die mit sozialen oder schulischen Problemen einhergeht, können weitere Schritte wie bestimmte Maßnahmen in der Schule oder eine Familien- oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Welche Hilfen geeignet sind, hängt auch davon ab, wie alt das Kind ist, ob es eher unaufmerksam oder hyperaktiv ist und welche Lebensbereiche besonders beeinträchtigt sind.
Medikamente können ADHS-Symptome lindern. Bei der Entscheidung über eine Behandlung mit Medikamenten spielen verschiedene Aspekte eine Rolle: Neben dem Alter des Kindes, wie stark die ADHS ausgeprägt ist, ob bereits eine Psychotherapie oder pädagogische Mittel ausprobiert wurden und wie Eltern und Kind die Vor- und Nachteile von ADHS-Medikamenten abwägen. Am häufigsten werden Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt. Wenn Methylphenidat nicht wirkt oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden kann, kommen die Wirkstoffe Atomoxetin, Dexamphetamin, Guanfacin und Lisdexamfetamin infrage.
Eine stationäre oder teilstationäre Behandlung in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche kann sinnvoll sein, wenn ein Kind sehr hyperaktiv und impulsiv ist und den Alltag nur noch schwer oder gar nicht mehr bewältigen kann. Schwere psychische Begleiterkrankungen können ebenfalls ein Grund für eine Klinikbehandlung sein.
Welche Behandlung für Erwachsene mit ADHS sinnvoll ist, hängt von ihrer persönlichen Situation und den vorhandenen Problemen ab. Wenn es schwerfällt, die Erkrankung mit eigenen Strategien in den Griff zu bekommen, können eine Psychotherapie und / oder Medikamente helfen.
Leben und Alltag
Ein Kind mit ADHS großzuziehen, kann sehr anstrengend sein. Eine ausgeprägte ADHS ist für die ganze Familie eine Herausforderung: Eltern müssen viele Konflikte aushalten, denn es gibt oft Probleme in der Schule, Streit mit anderen Kindern, Eltern oder Angehörigen. Auch die Geschwister sind häufig belastet oder fühlen sich vernachlässigt, weil für sie weniger Zeit bleibt. Nicht zuletzt leiden betroffene Kinder und Jugendliche selbst unter ihrem Verhalten: Sie finden nur schwer Freunde und ecken oft an.
Viele Eltern entwickeln mit der Zeit Strategien, um besser mit der ADHS umzugehen. Hilfreich sind meist klare Regeln und das Entwickeln von Routinen. Der Austausch mit anderen Eltern in Selbsthilfegruppen wird oft als hilfreich empfunden. Wichtig ist, sich immer wieder klar zu machen, dass das Verhalten des Kindes keine Absicht ist.
Bei großer Belastung im Alltag kann auch eine Mutter-/Vater-Kind-Kur sinnvoll sein. Ziel dieser Maßnahme für Eltern und Kind ist es, Abstand von den täglichen Problemen zu gewinnen und gemeinsam mit Therapeutinnen und Therapeuten Wege zu finden, sich vor Überforderung zu schützen.
Baker-Zyste
Eine Baker-Zyste ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste in der Kniekehle. Meist entsteht sie durch eine Schädigung im Kniegelenk. Größere Zysten können wehtun und die Beweglichkeit einschränken. Um eine Baker-Zyste dauerhaft loszuwerden, muss ihre Ursache behandelt werden.
Auf einen Blick
Eine Baker-Zyste ist eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Ausstülpung der Gelenkkapsel im Bereich der Kniekehle. Sie entsteht meist durch eine Schädigung im Kniegelenk, etwa am Meniskus oder Knorpel. Dann kann aus der Kniekapsel, die das Gelenk umschließt, Gelenkflüssigkeit austreten und sich in einer Zyste in der Kniekehle sammeln. Die Baker-Zyste (auch Synovialzyste oder Poplitealzyste genannt) ist nach dem britischen Arzt William Baker benannt, der sie im 19. Jahrhundert beschrieben hat.
Kleine Baker-Zysten werden häufig nicht bemerkt und fallen nur zufällig bei Knieuntersuchungen aus anderen Gründen auf. Sie können sich von selbst zurückbilden. Baker-Zysten, die größer als etwa fünf Zentimeter sind, verursachen jedoch häufiger Schmerzen, Spannungsgefühle oder Bewegungseinschränkungen. Eine Behandlung ist nur notwendig, wenn die Baker-Zyste Beschwerden verursacht. Es kommt vor, dass sich in beiden Kniekehlen eine Baker-Zyste entwickelt.
Symptome
Größere Zysten sind als Beule oder Vorwölbung in der Kniekehle sichtbar oder tastbar, besonders wenn das Bein gestreckt ist. Sie verursachen häufiger Beschwerden als kleine Baker-Zysten, da sie stärker auf das umliegende Gewebe drücken, etwa auf Nervenstränge.
Bei einer Baker-Zyste kann das Knie schmerzen. Auch Enge-, Spannungs- und Fremdkörpergefühle im Knie sind möglich – sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung. Die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein, als gäbe es einen Widerstand oder eine Blockade. Das Stehen und Laufen ist dann zunehmend unangenehm bis sehr schmerzhaft. Wird das Knie viel bewegt und belastet, kann die Schwellung zunehmen.
Selten sammelt sich immer mehr Flüssigkeit an, sodass die Baker-Zyste in den Oberschenkel reicht oder in die Wade absackt.
Ursachen
Meist entsteht eine Baker-Zyste als Folge anderer Probleme mit dem Kniegelenk. Ist es durch eine chronische Erkrankung oder Verletzung geschädigt, kann es Reibung und Stöße nicht mehr ausreichend dämpfen. Dann wird zum Ausgleich in der Gelenkkapsel mehr Gelenkflüssigkeit hergestellt. Diese dickflüssige, klare Körperflüssigkeit versorgt den Knorpel der Kniegelenke mit Nährstoffen und wirkt als „Gelenkschmiere“. Die überschüssige Gelenkflüssigkeit wird in den Schleimbeutel auf der Rückseite des Knies gedrückt, der mit der Gelenkhöhle verbunden ist. Er dehnt sich aus und eine Baker-Zyste entsteht.
Treten Baker-Zysten bei Kindern auf, entwickelt sich meist eine sogenannte „primäre Baker-Zyste“ ohne vorherige Schädigung am Knie. Sie verschwindet in der Regel von allein wieder.
Risikofaktoren
Verschiedene Verletzungen und chronische Erkrankungen im Kniegelenk erhöhen das Risiko für eine Baker-Zyste. Dazu gehören:
- ein Meniskusschaden
- ein Kreuzbandriss
- eine Arthrose des Kniegelenks
- eine Entzündung in der Gelenkkapsel, zum Beispiel infolge einer rheumatoide Arthritis Sie regt die Innenhaut der Gelenke an, mehr Gelenkflüssigkeit zu bilden.
Das Alter ist ebenfalls ein Risikofaktor, da chronische Gelenkerkrankungen mit steigendem Alter häufiger vorkommen. Auch die Wahrscheinlichkeit, sich schon einmal das Knie verletzt zu haben, steigt mit den Jahren.
Häufigkeit
Baker-Zysten sind bei Menschen über 50 Jahren sowie bei Knieproblemen häufig: Eine Baker-Zyste haben etwa 5 bis 40 von 100 Menschen mit chronischen Knieschmerzen. Bei Kindern sind Baker-Zysten selten.
Verlauf
Wird die Ursache der Baker-Zyste behandelt und dadurch wieder weniger Gelenkflüssigkeit gebildet, bildet sich auch die Zyste zurück. Jedoch können Baker-Zysten über Jahre bestehen bleiben, wenn sich die Grunderkrankung nicht wirksam behandeln lässt.
Klingt die ursächliche Erkrankung im Knie von selbst ab – etwa eine akute Entzündung bei Kniearthrose –, kann die Baker-Zyste auch ohne Behandlung zurückgehen.
Folgen
Eine Baker-Zyste kann manchmal platzen (Ruptur). Die Gelenkflüssigkeit tritt dann aus und verteilt sich im umliegenden Gewebe, etwa der Wadenmuskulatur. Meist treten dabei plötzlich starke Schmerzen in Knie und Wade auf. Es kann auch zu blauen Flecken (Hämatomen) kommen. Danach wird die ausgetretene Flüssigkeit langsam wieder abgebaut. Manchmal entzündet sich das Gewebe, nachdem die Baker-Zyste geplatzt ist. Daher ist ein Besuch in der Hausarztpraxis ratsam.
Wenn die Zyste auf Blutgefäße drückt, kann es zu einer Flüssigkeitsansammlung (Ödem) kommen, die die Wade anschwellen lässt. Drückt die Baker-Zyste auf Nerven, kann sich dies durch Taubheit und Muskelschwäche in der Wade bemerkbar machen. Solche Komplikationen sind aber selten.
Diagnose
Bei Beschwerden aufgrund einer Baker-Zyste ist die Hausarztpraxis meist die erste Anlaufstelle – je nach Grunderkrankung aber auch Facharztpraxen für Orthopädie oder Rheumatologie. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Schmerzen und Beeinträchtigungen sowie möglichen Ursachen, zum Beispiel früheren Verletzungen oder Erkrankungen wie einer Arthrose.
Außerdem schaut sie oder er sich das Kniegelenk genau an und achtet dabei auf Bewegungsabläufe und Gangbild, Rötungen und Schwellungen. Beim Verdacht auf eine Baker-Zyste wird ein Beugetest gemacht: Dabei liegt man auf dem Bauch oder Rücken. Dann wird die Kniekehle abgetastet, während das Bein gestreckt und gebeugt wird. Die Zyste ist deutlich sicht- und tastbar, wenn das Knie durchgestreckt ist. Ist das Knie auf 45 Grad gebeugt, ist eine Baker-Zyste kaum oder gar nicht mehr tastbar.
Andere mögliche Ursachen der Beschwerden lassen sich mit bildgebenden Verfahren abklären. Eine Ultraschalluntersuchung wird in der orthopädischen Praxis gemacht. Bleibt die Ursache danach unklar und gehen die Beschwerden innerhalb einiger Wochen nicht zurück, kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll sein. Hierfür wird oft an eine radiologische Praxis oder Klinik überwiesen.
Eine gerötete, schmerzhafte Schwellung, vor allem im Bereich der Wade, wird mit Ultraschall untersucht, um eine Venenentzündung oder eine tiefe Beinvenenthrombose im Unterschenkel auszuschließen. Denn diese Erkrankungen können ernste Folgen haben und müssen schnell behandelt werden.
Behandlung
Häufig bleiben Baker-Zysten ohne Beschwerden. Dann ist auch keine Behandlung nötig. Bei Beschwerden kann zunächst konservativ, also ohne Operation, behandelt werden, um die Symptome der Baker-Zyste zu lindern.
Folgende Mittel und Maßnahmen kann man selbst ausprobieren:
- Pausen und Hochlegen des Beins nach Anstrengung
- Bandagen und Stützverbände
- Wärme- oder Kälte-Anwendungen in der Kniekehle – je nachdem, was angenehmer ist
- schmerzlindernde Medikamente, beispielsweise als Salben in einem Wickel
- Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Muskulatur – zum Beispiel, um bei Arthrose die Regeneration im Knie zu fördern
Lassen sich die Beschwerden mit diesen Mitteln nicht lindern, kann ein Besuch bei der Orthopädin oder dem Orthopäden sinnvoll sein. Dort können weitere Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden. Eine Möglichkeit ist es, das Kniegelenk oder die Baker-Zyste zu punktieren. Dabei wird mit einer Nadel in die Zyste oder das Kniegelenk gestochen und die Flüssigkeit abgesaugt. Zusätzlich spritzt die Ärztin oder der Arzt ein entzündungshemmendes Medikament in das Gelenk oder die Zyste, etwa ein Kortisonpräparat. Diese Behandlung wird aber heute eher selten gemacht, da sich die Zyste schnell wieder füllen kann. Weitere Behandlungen der Grunderkrankung, wie Physiotherapie bei einer rheumatischen Arthritis oder Arthrose, sind auch möglich.
Bessern sich die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen nicht, kommt eine Knieoperation infrage, bei der die Ursache der Baker-Zyste behandelt werden kann. Lässt sich die Ursache mit einer Operation nicht behandeln, ist es in der Regel nicht sinnvoll, die Baker-Zyste allein zu operieren. Denn dann ist das Risiko hoch, dass die Zyste immer wiederkommt, weil weiterhin zu viel Gelenkflüssigkeit gebildet wird.
Leben und Alltag
Auch wenn die Baker-Zyste häufig keine Probleme macht, kann sie für manche Betroffene sehr unangenehm und einschränkend sein.
Nach dem Spaziergang, Treppenlaufen oder Einkaufen kann man sich Ruhepausen verschaffen, das betroffene Bein hochlegen und – abhängig von der Grunderkrankung – mit Wärme- oder Kühlkissen behandeln, um die Kniebeschwerden zu lindern.
Ein Bein nach jeder größeren Anstrengung zu schonen, kann aber im Alltag schwierig sein. Dann lohnt es sich, neben Ruhepausen auch aktive Phasen und Belastungen vorausschauend zu planen und Prioritäten zu setzen. So lassen sich anstrengende Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder der Großeinkauf vielleicht verschieben – oder mit Unterstützung aus der Familie, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft erledigen.
Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich kann Bandscheibengewebe auf Nerven drücken und starke Schmerzen auslösen – mitunter bis ins Bein. Nach ein paar Wochen klingen sie meist von selbst ab. Bis dahin ist es sinnvoll, die Schmerzen zu behandeln und möglichst aktiv zu bleiben.
Auf einen Blick
Viele Menschen haben immer wieder Rückenschmerzen. Meist lässt sich ihre Ursache nicht genau feststellen. Wenn die Schmerzen jedoch ins Bein ausstrahlen, kann das auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen.
Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbelkörpern der Rückenwirbel. Sie bestehen aus einer elastischen Hülle aus Knorpelfaser und einem gelartigen Kern (Gallertkern). Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe zwischen den Wirbelkörpern hervor. Dieses „vorgefallene“ Gewebe kann auf die Nerven im Bereich der Wirbelsäule drücken und sie reizen.
Ein Bandscheibenvorfall kann sehr unangenehm sein. Die Beschwerden lassen aber bei den meisten Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Auch führt nicht jeder Bandscheibenvorfall zu Beschwerden.
Symptome
Ein Bandscheibenvorfall kann ganz plötzlich einen heftigen „einschießenden“ Schmerz auslösen. Bei einem Vorfall im Bereich der Halswirbelsäule können die Schmerzen in die Arme ausstrahlen. Ein Vorfall in der Brustwirbelsäule kann im oberen Rücken zu Schmerzen führen. Bandscheibenvorfälle treten aber meist im unteren Rücken auf, im Bereich der Lendenwirbelsäule. Deshalb geht es hier vor allem um diese Art von Bandscheibenvorfällen.
Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule sind die Hauptursache für Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“). Als Ischialgie werden Schmerzen bezeichnet, die ins Bein ausstrahlen. Neben den typischen ausstrahlenden Schmerzen kann sich ein Bandscheibenvorfall auch durch Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar machen.
Manchmal kommt es neben den Schmerzen auch zu Gefühlsstörungen im Gesäßbereich, zu Lähmungserscheinungen beispielsweise in den Beinen oder Störungen der Blasen- oder Darmfunktion (Kauda-Syndrom). Diese Symptome weisen auf ein ernsthaftes Problem wie eine Nervenschädigung hin.
Nicht jeder Bandscheibenvorfall ist mit Beschwerden verbunden. Das zeigen Studien, in denen Erwachsene ohne Rückenschmerzen mittels Kernspintomografie untersucht wurden: Etwa 30 von 100 Studienteilnehmenden im Alter zwischen 20 und 30 Jahren hatten eine vorgewölbte Bandscheibe – aber keine Beschwerden. Bei älteren Teilnehmenden ab 50 Jahren hatten ungefähr 40 von 100 trotz vorgewölbter Bandscheibe keine Beschwerden.
Ursachen
Bei den meisten Menschen sind Bandscheibenvorfälle die Folge von Verschleiß. Denn mit den Jahren nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab: Sie verlieren Flüssigkeit, werden spröde und rissig. Solche Veränderungen sind Teil des normalen Alterungsprozess– der allerdings individuell verschieden verläuft. Sehr selten kann auch ein Unfall oder eine schwere Verletzung zu einem Gewebevorfall führen.
Die Bandscheiben wirken wie Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln. Wenn eine Bandscheibe Belastungen der Wirbelsäule nicht mehr so gut abfedern kann, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Die Schmerzen entstehen vermutlich deshalb, weil Bandscheibengewebe auf einen Nerv im Bereich des Rückenmarks drückt.
Gesunde Bandscheibe und Bandscheibenvorfall (Querschnitt durch die Lendenwirbelsäule – Ansicht von oben)
Wenn vorgewölbtes oder ausgetretenes Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule reizt, führt das häufig zu den typischen Ischiasschmerzen. Die Nerven, die im Wirbelkanal verlaufen (Spinalnerven), verbinden sich im Becken zum Ischiasnerv, der die Beine versorgt. Ein gereizter Ischiasnerv kann neben Schmerzen auch Kribbeln und Taubheitsgefühle auslösen.
Fachleute unterscheiden bei Bandscheibenvorfällen folgende Veränderungen:
- Vorwölbung (Protrusion): Die Bandscheibe wölbt sich zwischen den Wirbelkörpern hervor. Ihre äußere Hülle ist noch intakt.
- Vorfall (Prolaps): Die äußere Hülle der Bandscheibe ist gerissen, sodass Bandscheibengewebe austritt. Das ausgetretene Gewebe ist jedoch noch mit der Bandscheibe verbunden.
- Ablösung (Sequester): Bandscheibengewebe ist in den Wirbelkanal ausgetreten und hat keinen direkten Kontakt mehr zur Bandscheibe.
Arten von Bandscheibenvorfällen: Vorwölbung, Vorfall und Ablösung (Querschnitt durch die Lendenwirbelsäule – Ansicht von oben)
Der Vorfall und die Ablösung von Bandscheibengewebe führen häufiger zu Beinbeschwerden als eine Vorwölbung. Die Art des Bandscheibenvorfalls kann für die Wahl der Behandlung und den Krankheitsverlauf von Bedeutung sein.
Häufigkeit
Schätzungsweise 1 bis 3 % der Menschen in westlichen Industrieländern haben Kreuzschmerzen, die von einem Bandscheibenvorfall herrühren. In der Altersgruppe über 30 Jahre treten diese Beschwerden häufiger auf. Bei Männern sind sie ungefähr doppelt so häufig wie bei Frauen.
Verlauf
Kreuzschmerzen lassen bei etwa 90 von 100 Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Vermutlich beseitigt der Körper mit der Zeit einen Teil des ausgetretenen Gewebes – oder es verschiebt sich so, dass die Nerven nicht mehr gereizt werden.
Ein schmerzhafter Bandscheibenvorfall kann sehr unterschiedlich verlaufen: Die Schmerzen können plötzlich einsetzen und rasch von selbst wieder verschwinden. Manche Menschen haben über längere Zeit dauerhaft Schmerzen, andere in Schüben immer wieder.
Wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen anhalten, ist es unwahrscheinlich, dass sie von allein wieder verschwinden. Wenn sie auch nach zwölf Wochen noch nicht besser geworden sind, werden sie als chronisch bezeichnet.
Diagnose
Zur Abklärung von akuten Rückenschmerzen fragt die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Weitere Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) sind nur nötig, wenn
- an einem oder beiden Beinen Lähmungserscheinungen auftreten,
- die Blasen- oder Darmfunktion gestört ist,
- die Schmerzen trotz Behandlung kaum erträglich sind,
- Rückenschmerzen nach 4 Wochen oder Beinschmerzen nach 2 Wochen nicht besser werden oder
- der Verdacht besteht, dass eine andere Erkrankung die Schmerzen verursacht, etwa ein Tumor.
Die Ärztin oder der Arzt hat bei Rückenschmerzen oft gute Gründe, erst einmal keine aufwendigen Untersuchungen zu veranlassen. Denn bildgebende Untersuchungen können eine vermeintliche Ursache für die Kreuzschmerzen zeigen, die tatsächlich nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann wiederum eine überflüssige Behandlung nach sich ziehen, die vielleicht sogar schadet.
Behandlung
Selbst heftige Ischiasbeschwerden können mit der Zeit von allein wieder abklingen. Bis dahin können verschiedene schmerzlindernde Behandlungen helfen, mit den Beschwerden zurechtzukommen und aktiv zu bleiben, so gut es geht.
Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, können sogenannte multimodale Behandlungsprogramme sinnvoll sein, bei denen man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut wird, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben, mit den Schmerzen umzugehen und vielleicht auch neue Verhaltensweisen zu lernen und zu üben.
Wenn starke Ischiasbeschwerden durch einen Bandscheibenvorfall trotz schmerzlindernder Behandlungen länger als 6 bis 12 Wochen andauern, kann eine Operation infrage kommen. Sie soll den betroffenen Nerv entlasten.
Gut zu wissen:
Diese Entscheidungshilfe kann dabei helfen, das Für und Wider einer Behandlung gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen.
Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder auch, wenn die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen eines sogenannten Kauda-Syndroms. Das ist ein besonderer Notfall, kommt jedoch nur selten vor.
Rehabilitation
Ziele einer Rehabilitation sind, Beschwerden und Beeinträchtigungen infolge eines Bandscheibenvorfalls zu verringern, die Rumpfmuskulatur zu stärken und so die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Eine Rehabilitation kann zum Beispiel eine Rückenschule, Dehn- und Entspannungsübungen sowie Krafttraining beinhalten. Sie kann außerdem die Motivation für regelmäßige Bewegung im Alltag unterstützen und Hilfen für den Umgang mit Schmerzen geben.
Rehabilitationsmaßnahmen kommen zum Beispiel für Menschen infrage, die wegen ihrer Rückenschmerzen nicht arbeiten können oder im Alltag stark eingeschränkt sind. Nach einer Operation kann eine sogenannte Anschlussheilbehandlung sinnvoll sein.
Es ist wichtig, Gelenke und Muskeln auch nach der Reha regelmäßig zu trainieren, um die erreichten Verbesserungen langfristig zu erhalten.
Basedow-Krankheit (Morbus Basedow)
Die Basedow-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion. Dabei läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren und viele Abläufe werden unnötig beschleunigt, etwa der Herzschlag. Außerdem können Augenbeschwerden und ein Kropf auftreten. Behandelt wird meist mit Medikamenten.
Auf einen Blick
Die Basedow-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion. Die Ursache ist eine Fehlregulation des Immunsystems: Der Körper bildet Antikörper, die die Schilddrüse zu viele Hormone bilden lassen. Dadurch läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren und viele Abläufe im Körper werden unnötig beschleunigt, zum Beispiel der Herzschlag.
Symptome
Durch die gesteigerte Hormonbildung kommt es zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion:
- Herzklopfen und Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
- erhöhter Blutdruck
- Gewichtsverlust, trotz Heißhunger
- Durchfall
- Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit,Schlaflosigkeit
- Schwäche, Müdigkeit
- Schwitzen, warme feuchte Haut
- Haarausfall
Da die Antikörper manchmal auch die Schilddrüsenfunktion blockieren, kann es selten auch zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen.
Bei der Basedow-Krankheit ist die Schilddrüse oft erkennbar vergrößert und der Hals geschwollen (Struma, umgangssprachlich: Kropf). Bei einem Teil der Fälle kommt es zu Augenbeschwerden mit Fremdkörpergefühl, Augenbrennen, vermehrtem Tränenfluss und unscharfem Sehen. Bei starken entzündlichen Veränderungen des Gewebes hinter den Augäpfeln, auch endokrine Orbitopathie genannt, treten diese typischerweise vor – manchmal so stark, dass die Lider das Auge weniger verdecken und das Augenweiß um die gesamte Regenbogenhaut (Iris) sichtbar wird. Durch das Hervortreten der Augen und durch eine Verdickung der Augenmuskeln kann es zu Sehstörungen (zum Beispiel Sehen von Doppelbildern) kommen. Selten führt die Basedow-Krankheit auch zu Schwellungen am Unterschenkel oder verdickten Händen und Füßen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache der Basedow-Krankheit ist eine Autoimmunreaktion: Das eigene Abwehrsystem bildet Antikörper, die sich an die Schilddrüsenzellen anheften. Die Zellen werden dadurch angeregt, sich zu vermehren und mehr Hormone ans Blut abzugeben als nötig. In der Folge geraten die Körperfunktionen, die von Schilddrüsenhormonen gesteuert werden, aus dem Gleichgewicht.
Warum es zu der Erkrankung kommt, ist nicht genau geklärt. Weil sie unter Verwandten gehäuft auftritt, spielen vererbbare Ursachen wahrscheinlich eine Rolle. Außerdem erhöht Rauchen die Wahrscheinlichkeit zu erkranken und gilt als ein Risikofaktor für einen schwereren Verlauf.
Häufigkeit
Die Basedow-Krankheit ist der häufigste Grund für eine Schilddrüsenüberfunktion, vor allem bei Frauen: Etwa 30 von 1000 Frauen bekommen im Laufe ihres Lebens die Basedow-Krankheit, aber nur etwa 5 von 1000 Männern. Meist tritt die Erkrankung zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf, seltener bei Kindern oder in höherem Alter.
Folgen
Bleibt eine Basedow-Krankheit unbehandelt, steigt das Risiko für typische Spätfolgen einer Schilddrüsenüberfunktion. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern oder häufige Knochenbrüche durch Osteoporose.
Selten kommt es zu einer schweren Entgleisung des Schilddrüsenhormon-Haushalts, einer sogenannten thyreotoxischen Krise. Hohes Fieber, Erbrechen, Unruhe und Angstzustände sind Warnzeichen. Betroffene müssen rasch im Krankenhaus versorgt werden, weil Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Kreislaufversagen möglich sind. Auslöser dieser Komplikation können zum Beispiel jodhaltige Substanzen oder extremer Stress sein.
Diagnose
An ein ausführliches Arztgespräch und eine allgemeine körperliche Untersuchung schließt sich meist eine Tastuntersuchung der Schilddrüse an. Die Ärztin oder der Arzt kann dabei fühlen, ob das Organ vergrößert ist. Per Ultraschalluntersuchung wird das Schilddrüsengewebe dann oft genauer untersucht.
Blutuntersuchungen bestätigen die Diagnose in der Regel: Sie zeigen, ob die Schilddrüse zu viele Hormone bildet und ob Antikörper dafür verantwortlich sind.
Behandlung
Selten geht eine Basedow-Krankheit von selbst wieder zurück. Meist wird die Schilddrüsenüberfunktion aber für 1 bis 1,5 Jahre mit Tabletten gebremst, den sogenannten Thyreostatika. Anfangs kann bei Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen zusätzlich ein Betablocker eingenommen werden.
Die Schilddrüsenüberfunktion kann sich durch die Thyreostatika-Einnahme normalisieren. Bei etwa der Hälfte der Personen steigt trotz ausreichend langer Behandlung nach dem Absetzen der Tabletten der Hormonspiegel wieder. Dann kann es sinnvoll sein, die Schilddrüse operativ zu entfernen oder mit Radiojod zu behandeln. Bei der Radiojodtherapie nimmt man radioaktives Jod ein, das sich in die Schilddrüse einlagert und die überaktiven Zellen zerstört. Bei der Zerstörung der Zellen werden vermehrt Antigene frei, was die Autoimmunreaktion zunächst verstärken kann. Möglicherweise können dadurch die Augenprobleme zunehmen oder sogar erst entstehen. Eine begleitende Behandlung mit Kortison kann das meist verhindern. Letztlich führen sowohl die Operation als auch die Radiojodtherapie dazu, dass die Schilddrüsenfunktion dauerhaft ausfällt. Dann müssen die Schilddrüsenhormone als Tabletten eingenommen werden.
Um die Augenbeschwerden zu lindern, werden oft auch Tabletten oder Infusionen mit Kortison eingesetzt. Eine Bestrahlung ist ebenfalls möglich. Manchmal wird durch einen chirurgischen Eingriff Platz in der Augenhöhle geschaffen – zum Beispiel, indem etwas Knochengewebe entfernt wird.
Bindehautentzündung
Die Lider sind beim Aufwachen verklebt, die Augen jucken und brennen – das ist typisch für eine Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis genannt. Meist ist die Infektion harmlos; sie kann aber lästig sein und ist ansteckend. Lesen Sie, wie man sich schützen kann und welche Behandlungen helfen.
Auf einen Blick
Bei einer Bindehautentzündung entzündet sich die Bindehaut des Auges. Diese Schleimhaut überzieht und schützt den sichtbaren Teil des weißen Augapfels und die Innenseite der Augenlider. Wenn sich die Bindehaut (Konjunktiva)entzündet, ist das Auge gerötet.
Bindehautentzündungen werden oft durch Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien verursacht (infektiöse Konjunktivitis). Häufig ist aber auch eine Allergie die Ursache. Dann sprechen Fachleute von einer allergischen Konjunktivitis.
Oft sind beide Augen betroffen, da sich die Infektion leicht von einem Auge zum anderen ausbreitet. Um das zu vermeiden, ist es wichtig, ein erkranktes Auge möglichst nicht zu berühren. Wenn es doch passiert, sollte man sich rasch die Hände waschen. Sinnvoll ist auch, Handtücher und Waschlappen nicht mit anderen zu teilen.
Symptome
Bei einer bakteriellen Bindehautentzündung sind die Augen rot und tränen. Die Bindehaut sondert eine weißlich-gelbe Flüssigkeit ab, die die Lider verklebt. Dies macht sich besonders morgens nach dem Aufstehen bemerkbar. Zudem kann die Bindehaut wund werden und schmerzen, wenn sich der Augapfel bewegt. Die Augen können brennen und manchmal auch jucken.
Bei einer viralen Bindehautentzündung sind die Beschwerden ähnlich, die Augen sondern aber eher eine wässrige Flüssigkeit ab.
Bei einer allergischen Entzündung der Bindehaut sind immer beide Augen gerötet. Auch hier tränen die Augen. Ein typischer Hinweis auf eine Allergie ist Juckreiz. Die Bindehautentzündung wird dann häufig von anderen allergischen Beschwerden wie Schnupfen begleitet.
Eine Verschlechterung der Sehkraft, erhöhte Lichtempfindlichkeit, das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben und starke Kopfschmerzen mit Übelkeit sind selten, können aber auf ernstere Probleme hinweisen. Dann ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen.
Ursachen
Oft geht eine Bindehautentzündung auf eine Infektion mit Viren und Bakterien zurück. Sowohl virale als auch bakterielle Bindehautentzündungen sind ansteckend. Die Erreger werden meist durch eine Schmierinfektion weitergegeben, auch von einem Auge zum anderen – zum Beispiel, wenn man mit den Fingern die Augen berührt. Eine Übertragung durch Kontakt der Augen mit Gegenständen wie Augentropfenfläschchen, Taschentüchern, Waschlappen oder Ferngläsern ist aber ebenfalls möglich.
Eine andere häufige Ursache für eine Bindehautentzündung ist eine allergische Reaktion – zum Beispiel auf Pollen , Tierhaare oder Hausstaubmilben . Bindehautentzündungen können außerdem durch Staub und Schmutz, trockene Luft, reizende Flüssigkeiten oder durch eine Verletzung der Bindehaut hervorgerufen werden. Auch wenn das Auge nicht ausreichend von Tränenflüssigkeit benetzt wird, kann sich die Bindehaut entzünden. Bindehautentzündungen durch Allergien und äußere Reize sind nicht ansteckend.
Verlauf
Eine bakterielle Bindehautentzündung verläuft meist problemlos und heilt ohne Behandlung bei mehr als der Hälfte der Betroffenen innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Auch eine virale Bindehautentzündung verschwindet oft nach wenigen Wochen wieder von selbst.
Bindehautentzündungen können auch chronisch werden. Von einer chronischen Entzündung spricht man, wenn sie länger als vier Wochen dauert.
Folgen
Selten kann die Entzündung von der Bindehaut auf die Hornhaut des Augapfels übergreifen. Dies kann vor allem passieren, wenn man Kontaktlinsen trägt. Das Risiko für eine Hornhautentzündung (Keratitis) ist allerdings sehr klein: Nur etwa 3 von 10.000 Menschen mit Kontaktlinsen bekommen nach einer Bindehautentzündung eine Hornhautentzündung.
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Bindehautentzündung wird die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden wie Jucken, Fremdkörpergefühl oder verklebten Augenlidern fragen und danach, wann die Beschwerden begonnen haben. Anschließend werden die Augen und die Lider untersucht, um Verletzungen oder äußere Reizungen festzustellen oder auszuschließen.
Allein aufgrund der Beschwerden lässt sich meist nicht bestimmen, ob es sich um eine bakterielle oder virale Bindehautentzündung handelt. Nur selten wird zur weiteren Abklärung ein Abstrich des Augensekrets genommen, um den Erreger zu bestimmen.
Behandlung
Obwohl Bindehautentzündungen häufiger durch Viren als durch Bakterien verursacht werden, verschreiben Ärzte oft „auf Verdacht“ antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben. Antibiotika wirken aber nur gegen Bakterien , gegen Viren können sie nichts ausrichten. Bei einer viralen Bindehautentzündung können nur die Symptome der Erkrankung behandelt werden.
Manche Menschen probieren eine Behandlung mit antibiotikafreie Augentropfen aus. Verbreitet ist auch die Anwendung von kalten oder lauwarmen Auflagen. Allerdings sind diese Maßnahmen nicht ausreichend untersucht. Es ist unklar, ob sie hilfreich, nutzlos oder möglicherweise sogar schädlich sind.
Wenn die Bindehautentzündung Folge einer Allergie ist, kann sie mit Allergiemedikamenten wie Antihistaminika oder sogenannten Mastzellenstabilisatoren behandelt werden. Die Medikamente werden als Augentropfen angewendet.
Wer normalerweise Kontaktlinsen trägt, benutzt während einer Bindehautentzündung am besten eine Brille. Bereits getragene Linsen sollten besonders gründlich gereinigt werden, wenn man sie nach der Erkrankung wiederverwenden will. Dasselbe gilt für den Aufbewahrungsbehälter. So lässt sich eine erneute Ansteckung vermeiden.
Bluthochdruck (Hypertonie)
Viele Menschen haben einen erhöhten Blutdruck. Normalerweise spüren sie ihn aber nicht – mit der Folge, dass er über Jahre hinweg die Gefäße belastet. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenschäden begünstigen.
Auf einen Blick
Viele Menschen haben einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie). Normalerweise spüren sie ihn nicht – mit der Folge, dass er über Jahre hinweg die Gefäße belastet. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenschäden begünstigen. Dabei gilt: Je höher der Blutdruck, desto größer das Erkrankungsrisiko.
Bei der Blutdruckmessung unterscheidet man zwei Werte, die stets zusammen angegeben werden, zum Beispiel 128 zu 85. Der erste Wert gibt den Druck in den Gefäßen an, wenn sich das Herz zusammenzieht (systolischer Blutdruck). Der zweite misst den Gefäßdruck, wenn der Herzmuskel erschlafft (diastolischer Blutdruck).Der Blutdruck gilt als erhöht, wenn der systolische Wert über 140 liegt, der diastolische über 90 – oder wenn beide Werte erhöht sind. Die Grenzwerte wurden aus praktischen Gründen festgelegt und sind nur ein Anhaltspunkt. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Empfehlungen, ab wann ein Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt werden sollte.
Symptome
Ein erhöhter Blutdruck ist meistens nicht zu spüren. Nur wenn er extrem hoch ist, kann er manchmal Symptome wie Schwindel und Sehstörungen zur Folge haben.
Ursachen und Risikofaktoren
Der Körper reguliert den Blutdruck nach Bedarf. In entspannten Situationen ist er normalerweise niedrig, ebenso im Schlaf. Er steigt zum Beispiel, wenn die Muskeln bei körperlicher Anstrengung mehr Blut benötigen. Auch Stress oder Angst können den Blutdruck erhöhen. Bei den meisten Menschen nimmt er außerdem mit steigendem Alter zu.
Wechselnde Blutdruckwerte sind also ganz normal, sie gehören zu einem aktiven Leben dazu. Ist der Blutdruck aber dauerhaft zu hoch, kann er mit der Zeit die Blutgefäße schädigen und das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen.
Viele Menschen haben mit Bluthochdruck zu tun, ohne dass sich dafür eine bestimmte Ursache finden lässt. Fachleute sprechen dann von einem „essentiellen“ oder „primären“ Bluthochdruck.
Übergewicht, eine salzreiche Ernährung, zu viel Alkohol und zu wenig Bewegung können den Blutdruck steigen lassen. Es gibt aber auch schlanke, sportliche und ernährungsbewusste Menschen, die Bluthochdruck haben – zum Beispiel aufgrund einer familiären Veranlagung.
Bei etwa 5 von 100 Betroffenen lässt sich eine genaue Ursache feststellen. Das kann zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Nierenerkrankung sein. Man spricht dann von „sekundärem“ Bluthochdruck.
Manchmal können auch Medikamente den Bluthochdruck erhöhen zum Beispiel:
- bestimmte Mittel zur Behandlung von psychischen Erkrankungen
- bestimmte pflanzliche Arzneimittel wie Johanniskraut
- abschwellende Nasensprays oder -tropfen (Dekongestiva)
- die Antibabypille
Folgen
Ein ständig erhöhter Blutdruck kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und zu Organschäden führen. Mögliche Folgeerkrankungen eines Bluthochdrucks sind:
- Durchblutungsstörungen in den Beinen (pAVK)
- Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Nierenschädigung
Das Risiko für solche Folgeerkrankungen lässt sich durch eine Behandlung senken.
Diagnose
Der Blutdruck wird in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ („mmHg“)gemessen. Um die Werte vergleichen und beurteilen zu können, misst man sie in Ruhe. Dabei verlässt man sich nicht auf eine einzelne Messung, sondern bestimmt den Blutdruck an mehreren Tagen. Wichtig ist zudem, den Blutdruck an beiden Armen zu messen, da er je nach Körperseite unterschiedlich sein kann. Zur Beurteilung des Blutdrucks sind die jeweils höheren Werte ausschlaggebend.
Ein normaler Blutdruck liegt bei Erwachsenen unter 140 zu 90. Die Diagnose Bluthochdruck wird gestellt, wenn
- der systolische Wert über 140 mmHg liegt,
- der diastolische Wert über 90 mmHg liegt oder
- beide Werte erhöht sind.
Manchmal wird der Blutdruck über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen (Langzeitmessung) – zum Beispiel, wenn Einzelmessungen sehr unterschiedliche Werte zeigen. Dazu trägt man ein mobiles Gerät am Körper, dass den Blutdruck in regelmäßigen Abständen misst.
Früherkennung
Gesetzlich Krankenversicherte haben ab dem 35. Geburtstag alle 3 Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-Up.Diese Untersuchung soll frühzeitig Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,Diabetes und Nierenerkrankungen erkennen. Im Rahmen des Check-up wird auch der Blutdruck gemessen. In großen Studien haben Gesundheits-Check-ups allerdings nicht vor Krankheiten geschützt oder die Lebenserwartung verlängert.
Behandlung
Wer einen erhöhten Blutdruck hat, kann selbst einiges tun, um ihn zu senken. Manche Menschen bekommen ihren Blutdruck in den Griff, indem sie
- etwas abnehmen,
- sich salzärmer ernähren und
- sich mehr bewegen.
Wenn das nicht gelingt, lässt sich der Blutdruck durch Medikamente senken. Bevor man sich aber für eine Behandlung mit Blutdrucksenkern entscheidet, lohnt es sich, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Denn ihr Nutzen ist nicht für jeden gleich, und sie können Nebenwirkungen haben.
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
Typisches Anzeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist hartnäckiger Husten. Eine COPD entwickelt sich über Jahre. Wenn die Krankheit fortgeschritten ist, bekommt man nur mit Mühe genug Luft. Dann kann schon ein Spaziergang oder Gartenarbeit ausreichen, um aus der Puste zu sein.
Auf einen Blick
Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Lunge dauerhaft geschädigt und die Atemwege (Bronchien) sind verengt. Dadurch bekommt man bei fortgeschrittener COPD nur schwer Luft. Schon Alltagstätigkeiten können dann ausreichen, um außer Atem zu geraten – wie Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein Spaziergang.
Eine COPD entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Beschwerden wie hartnäckiger Husten werden anfangs oft für „normalen" Raucherhusten, eine Bronchitis oder Asthma gehalten. Dass eine andere Erkrankung dahintersteckt, wird häufig erst erkannt, wenn bereits stärkere Beschwerden spürbar sind. Viele Betroffene sind dann älter als 60 Jahre. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Die Behandlung der COPD zielt darauf ab, ihr Fortschreiten aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Wichtig ist vor allem, aufs Rauchen verzichten. Schulungen helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Medikamente können die Beschwerden lindern und Atemnot-Anfällen vorbeugen.
Symptome
Die Lunge hat sehr große Reserven. In Ruhe wird meist nur weniger als ein Zehntel der Luftmenge benötigt, die die Atmung bei starker Anstrengung bewältigen kann. Dieser enorme Spielraum ist der Grund dafür, dass sich die Funktion der Lunge über Jahre hinweg langsam verschlechtern kann, ohne dass im Alltag viel davon zu spüren ist. Erst wenn bereits ein großer Teil der Reserven verlorengegangen ist, macht sich eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung durch Atemnot bemerkbar. Typische Symptome einer COPD sind:
- Atemnot bei körperlicher Belastung; bei fortgeschrittener COPD bereits in Ruhe
- täglicher Husten über eine längere Zeit
- Auswurf
- Geräusche beim Atmen wie Pfeifen und Brummen
- verstärkte Beschwerden bei Erkältungen oder Grippeerkrankungen
Typisch sind auch sogenannte Exazerbationen, plötzliche und deutliche Verschlechterungen der Krankheit. Meist äußern sie sich durch Atemnot-Anfälle und verstärkten Husten mit Auswurf.
Ursachen
Bei der Entstehung einer COPD spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen sind die Bronchien dauerhaft entzündet. Zum anderen können die Lungenbläschen überbläht sein, was als Lungenemphysem bezeichnet wird.
Ein chronischer Husten (Bronchitis) kann sich entwickeln, wenn die Atemwege häufig Schadstoffen wie Tabakrauch, Staub oder Gasen ausgesetzt sind. Durch die Entzündung werden die Flimmerhärchen zerstört, die die Innenwand der Bronchien wie ein Teppich auskleiden.
Normalerweise sind die Flimmerhärchen beweglich und von einer dünnen Schleimschicht bedeckt. Staub und Krankheitskeime aus der Atemluft bleiben meist irgendwo in diesem Schleimfilm kleben und gelangen nicht in die Lunge. Die Flimmerhärchen transportieren den Schleim dann aus den Bronchien heraus. Diese Selbstreinigung ist für die Gesundheit der Lunge sehr wichtig. Sind die Flimmerhärchen zerstört, kann der Schleim nicht mehr richtig abtransportiert werden und die Bronchien verstopfen.
Bei einem Lungenemphysem werden die Wände der Lungenbläschen zerstört. Statt der vielen kleinen Bläschen bilden sich größere Blasen, was die Oberfläche der Lunge insgesamt verkleinert. Dies hat zur Folge, dass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Bei einer COPD treffen entzündete, verengte Bronchien und ein Emphysem zusammen, sodass sich die Folgen gegenseitig verstärken.
Risikofaktoren
Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Rauchen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung: Es erkrankt zwar nicht jede Raucherin und jeder Raucher, aber die meisten Menschen mit COPD rauchen oder haben früher geraucht.
Auch andere, längere Zeit andauernde Reizungen der Lunge begünstigen die Krankheit. Dazu gehören zum Beispiel starke Belastungen mit bestimmten Staubarten am Arbeitsplatz.
Es gibt auch Hinweise, dass bestimmte angeborene Eigenschaften mit dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen leichter an einer COPD erkranken als andere. Beispiele hierfür sind Störungen der Lungenentwicklung im Mutterleib und der seltene „Alpha-1-Antitrypsin-Mangel". Er betrifft etwa 1 bis 2 von 100 Erkrankten.
Häufigkeit
Nach Schätzungen haben etwa 5 bis 10 von 100 Menschen über 40 Jahre eine COPD. Sie ist damit häufiger als Asthma. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen.
Verlauf
Anfangs sind die Symptome nicht eindeutig, doch meistens haben auch Menschen mit einer leichten COPD häufiger Husten mit Auswurf. Ihre Atemwege sind zunächst nur wenig verengt, sodass sie den allmählichen Verlust der Lungenfunktion kaum bemerken. Mit der Zeit kommt es aber bei körperlicher Anstrengung immer mehr zu Atemproblemen. Auch die Beschwerden durch Husten und Auswurf werden stärker.
Im fortgeschrittenen Stadium schränkt die Erkrankung die Lebensqualität sehr ein. Menschen mit schwerer COPD haben so stark verengte Atemwege, dass sie auch bei Alltagstätigkeiten wie Waschen und Anziehen oder sogar in Ruhe unter Atemnot leiden.
Folgen
Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium kann die Lunge den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Das hat dann auch Veränderungen an anderen Organen zur Folge. So muss das Herz mehr Blut durch die Lunge pumpen. Durch die stärkere Belastung verdickt sich der zuständige rechte Teil des Herzmuskels, Fachleute sprechen von einem „Cor pulmonale". In der Folge verliert das Herz an Schlagkraft. Es kann dann zum Beispiel zu Wassereinlagerungen in den Beinen und im Körper kommen.
Da körperliche Anstrengungen bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung Beschwerden verursachen, bewegen sie sich weniger. Die Folge ist ein Abbau von Muskelmasse, der die körperliche Leistungsfähigkeit noch weiter verringert.
Bei Menschen mit COPD können normalerweise harmlose Infektionen der Atemwege dazu führen, dass sich die Lungenfunktion plötzlich verschlechtert und die Beschwerden stark zunehmen. Diese Anfälle werden medizinisch „Exazerbation“ genannt. Oft ist dann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Exazerbationen können aber auch durch Rauch, Abgase und bestimmte Wetterlagen wie Hitze, Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit ausgelöst werden. Typische Warnzeichen für eine solche akute Verschlechterung sind:
- mehr Auswurf
- verfärbter Auswurf, eitriger Auswurf, Auswurf ist zäher als üblich
- mehr Atemnot als üblich
- mehr Husten als üblich
- höherer Bedarf an Medikamenten
- Fieber, verminderte Leistungsfähigkeit, größere Müdigkeit oder andere unspezifische Beschwerden
Eine Verstärkung der Atemnot löst bei den meisten Menschen Angst aus, was wiederum die Atemnot verstärken kann. Es ist deshalb gut, in solchen Situationen zu wissen, was zu tun ist. Dafür gibt es sogenannte Notfallpläne. Sie listen typische Symptome auf und beschreiben unter anderem, wann es günstig ist, die Einnahme oder Dosierung von Medikamenten zu verändern und in die Arztpraxis oder ins Krankenhaus zu gehen.
Diagnose
Zu Anfang wird die Erkrankung häufig nicht erkannt. Insbesondere Menschen, die rauchen, halten ihre Beschwerden oft lange für einen vermeintlich harmlosen „Raucherhusten“. Symptome wie anhaltender Husten und häufige Atemnot können aber auf eine COPD hinweisen.
Erste Untersuchungen sind oft in der Hausarztpraxis möglich. Für spezielle Untersuchungen ist ein Besuch bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologie) nötig.
Die Ärztin oder der Arzt untersucht zuerst den Körper, fragt nach anderen Erkrankungen und nimmt Blut ab. Es folgen Untersuchungen der Lunge (Lungenfunktionstests, Spirometrie). Je nach Ergebnis kommen dann weitere Untersuchungen hinzu, auch um andere Erkrankungen wie Asthma, Herzschwäche oder Lungenkrebs auszuschließen. Die Ärztin oder der Arzt fragt auch nach psychischen Beschwerden wie Ängsten oder Niedergeschlagenheit.
Das Ziel der Untersuchungen ist auch, herauszufinden, wie weit die COPD fortgeschritten ist und welches Risiko für Komplikationen besteht. Das ist für die Planung der Behandlung wichtig.
Vorbeugung
Die wirksamste Möglichkeit, einer COPD vorzubeugen, ist es, nicht zu rauchen oder das Rauchen aufzugeben.
Da auch Schadstoffe in der Umwelt oder am Arbeitsplatz eine COPD begünstigen können, ist es sinnvoll, sie möglichst zu meiden. Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz können dafür sorgen, dass man solchen Stoffen nicht dauerhaft ausgesetzt ist.
Ein häufiger Auslöser von Exazerbationen sind Atemwegsinfekte. Halsschmerzen, Schweißausbrüche und Fieber schwächen bei einer COPD zusätzlich. Während der Erkältungs- und Grippesaison ist es deshalb wichtig, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu gehört, den Kontakt zu erkälteten Menschen oder größere Menschenmengen zu meiden. Es kann auch sinnvoll sein, sich gegen Grippe , Covid-19oder Pneumokokken impfen zu lassen.
Behandlung
Die Behandlung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung hat zum einen das Ziel, die Symptome und Beschwerden zu lindern, das Alltagsleben zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern. Zum anderen soll sie das Fortschreiten der COPD verlangsamen und Exazerbationen vorbeugen.
Am wichtigsten ist, vollständig mit dem Rauchen aufzuhören. Das ist oft leichter gesagt als getan. Es gibt jedoch viele Unterstützungsmöglichkeiten bei einem Rauchstopp – von Beratungsangeboten über Gruppenkurse bis zu Medikamenten. Zu den Strategien, die bei der Rauchentwöhnung helfen können, gehört zum Beispiel eine Kombination aus Entwöhnungsprogramm und Nikotinersatztherapie.
Weitere unterstützende Maßnahmen sind unter anderem Bewegung und Sport, Atemtraining, Inhalationen und eine Ernährungsumstellung. Zudem bieten Krankenkassen sogenannte Disease-Management-Programme (DMPs) für Menschen mit COPD an. Ihr Ziel ist es, durch eine konsequente und gut begleitete Behandlung die Zahl der schweren Atemnot-Anfälle zu verringern und das Fortschreiten der COPD abzubremsen.
Können die nicht medikamentösen Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern, sind Medikamente ein wesentlicher Bestandteil der täglichen COPD-Behandlung. Sie werden meistens inhaliert, manchmal aber auch als Tablette eingenommen. Je nach Erkrankungsstadium sind Kombinationen verschiedener Medikamente möglich, entweder zur dauerhaften Anwendung oder zeitweise zur Linderung akuter Beschwerden. Folgende Medikamente stehen zur Verfügung:
- Atemwegserweiternde Mittel (Bronchodilatatoren) werden meist als Pulver oder Spray inhaliert und können das Atmen erleichtern. Dazu gehören Beta-2-Mimetika und Anticholinergika.
- Phosphodiesterase-(PDE)-4-Hemmer hemmen die Entzündung der Atemwege.
- Kortisonhaltige Mittel wirken ebenfalls entzündungshemmend, kommen jedoch meist nur bei starken Beschwerden infrage.
- Selten werden Antibiotika vorübergehend vorbeugend eingesetzt.
Bei einer sehr weit fortgeschrittenen COPD ist zusätzlich oft eine Behandlung mit Sauerstoff notwendig.
Wenn bei einem schweren Lungenemphysem alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist auch eine Operation möglich. So werden bei der Lungenvolumenreduktion und der Bullektomie (Bulla: lateinisch für Blase) die überblähten Teile der Lunge verkleinert, um die Atmung zu erleichtern. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt auch eine Lungentransplantation infrage.
Rehabilitation
Eine pneumologische Rehabilitation (pulmonale Rehabilitation) hilft, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung besser in den Griff zu bekommen und ein möglichst normales Leben zu führen. In der Reha wird ein Behandlungsplan zusammengestellt, der auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten ist. Der Behandlungsplan ist eine Kombination aus körperlichem Training, einer Schulung im Umgang mit der Erkrankung und Therapie sowie sozialer und psychischer Unterstützung.
Die pneumologische Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil des Disease-Management-Programms COPD. Sie kann ambulant oder stationär in Anspruch genommen werden.
Leben und Alltag
Wie sich eine COPD auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Eine COPD kann jahrelang nur mit kleineren Einschränkungen verbunden sein. Mit der Zeit nehmen die Beschwerden aber zu. Bei einer schweren COPD ist schließlich kein normaler Alltag mehr möglich. Dann wird meist eine umfassende Unterstützung und Pflege durch andere nötig.
Vielen Menschen hilft es, ihren Lebensstil und Tagesablauf an die Bedürfnisse und Reaktionen ihres Körpers anzupassen. Manche konzentrieren sich mehr auf die Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Andere wenden bestimmte Atem- und Entspannungstechniken an, gönnen sich Ruhe oder treiben je nach Tagesform ein wenig Sport.
Je mehr die COPD fortschreitet, desto wichtiger wird die praktische, aber auch emotionale Unterstützung durch Familie und Freundeskreis.
Degenerative Wirbelsäulenerkrankung
Was sind degenerative Wirbelsäulenerkrankungen?
Der Begriff degenerative Wirbelsäulenerkrankungen bezeichnet Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Bei fast allen Erwachsenen sind verschleißbedingte Veränderungen der Wirbelsäule nachweisbar. Häufig verursachen diese keine Beschwerden, sie können jedoch auch zu Bewegungseinschränkungen, Rückenschmerzen oder ausstrahlenden Schmerzen in Armen oder Beinen führen. Zu den verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen gehören zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Spondylosis deformans, Facettengelenksarthrose, Spinalkanalstenose und Wirbelgleiten.
Entstehung
Die Wirbelsäule besteht aus 24 gegeneinander beweglichen Knochen, den Wirbeln. Die Fortsätze der Wirbel sind durch kleine Gelenke miteinander verbunden. Zwischen den Wirbelkörpern liegen wie Stoßdämpfer die elastischen Bandscheiben. Stabilisiert wird die Wirbelsäule durch dehnbare Stränge aus Bindegewebe (Bänder) und durch die Rückenmuskulatur. Die Konstruktion der Wirbelsäule sorgt dafür, dass sie gleichzeitig stabil und beweglich ist. Die Wirbel bilden einen Kanal (Spinalkanal), in dem das Rückenmark verläuft. Vom Rückenmark aus ziehen Nerven in alle Bereiche des Körpers.
Mit steigendem Alter oder bei einer hohen Beanspruchung können sowohl die Bandscheiben als auch die Wirbelkörper und Gelenke verschleißen. Die Bandscheiben verlieren ihre Elastizität und schrumpfen, die Höhe zwischen zwei Wirbeln nimmt ab. Bei einer Schädigung der Bandscheiben kann der aus einer gallertartigen Masse bestehende Bandscheibenkern austreten und in den Wirbelkanal hineinragen (Bandscheibenvorfall).
Infolge des Bandscheibenschadens und durch Reparaturvorgänge entstehen Verknöcherungen an den Rändern der Wirbelkörper, die auf Röntgenaufnahmen als Zacken oder Kanten erkennbar sind (Spondylosis deformans). Diese Veränderungen können Nerven reizen, die aus dem Rückenmark austreten. Dann strahlt der Schmerz in die entsprechende Stelle aus, zum Beispiel in Arm oder Bein. Manchmal ist auch ein Taubheitsgefühl oder eine Lähmung die Folge.
Wie andere Gelenke des Körpers auch können die kleinen Wirbelgelenke der Wirbelsäule von Verschleißerscheinungen betroffen sein; dies wird als Spondylarthrose oder auch Facettengelenksarthrose bezeichnet. Die verschleißbedingten Veränderungen von Wirbelkörpern, Wirbelgelenken und Bandapparat können den Wirbelkanal einengen und damit Beschwerden verursachen. Dies wird als Spinalkanalstenose bezeichnet.
Selten kommt es durch Verschleißerscheinungen dazu, dass ein Abschnitt der Wirbelsäuleinstabil wird und der einzelne Wirbelkörper sich gegenüber den anderen nach vorn oder hinten verschiebt. Dies wird als Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet.
Krankheitszeichen
Degenerative Wirbelsäulenveränderungen können bei fast allen erwachsenen Menschen nachgewiesen werden und verursachen häufig keine Beschwerden. Sie können aber auch Bewegungseinschränkungen hervorrufen und an der Entstehung von Rückenschmerzen beteiligt sein.
Rückenschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom. Meist sind verschiedene Faktoren an ihrer Ursache beteiligt. Neben Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule können unter anderem Stress, Muskelverspannungen, Fehlbelastung, zu wenig Bewegung, langes Sitzen oder seelische Belastungen eine Rolle spielen. Lässt sich keine eindeutige Ursache für die Beschwerden ausmachen, spricht man von unspezifischen Rückenschmerzen. Wenn sich eine konkrete Ursache der Beschwerden nachweisen lässt − zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall − spricht man von spezifischen Rückenschmerzen.
Rückenschmerzen sind unangenehm, aber meist harmlos. Warnsignale, die auf eine ernsthafte Ursache hinweisen, sind zum Beispiel Gefühlsstörungen und Lähmungen, Störungen der Blasen- oder Darmfunktion, Fieber oder Schüttelfrost, Gewichtsverlust, nachts verstärkt auftretende Schmerzen oder ein vorausgegangener Unfall.
Ein Bandscheibenvorfall kann − abhängig von der Größe und Lokalisation des Vorfalls − Druck auf Nerven und Rückenmark ausüben. Dadurch entstehen plötzlich auftretende starke Schmerzen im Rücken oder im Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel. Außerdem kann es zu Gefühlsstörungen, Lähmungen oder in seltenen Fällen zu Blasen- und Mastdarmstörungen kommen.
Der Verschleiß der Wirbelgelenke (Spondylarthrose, Facettengelenksarthrose, Facettensyndrom) kann zu einer Bewegungseinschränkung insbesondere im Hals- und Lendenbereich führen. In dem betroffenen Bereich können Schmerzen auftreten, die zum Teil auch fortgeleitet werden. Der Schmerz tritt vor allem bei bestimmten Bewegungen auf, zum Beispiel bei ruckartiger Drehung oder verstärkter Rückneigung.
Bei einem Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann es ebenfalls zur Einklemmung von Nervenkommen. In diesem Fall können Lähmungen auftreten, die Beine, Blase oder Darm betreffen. Außerdem verstärkt ein dauerhaftes Wirbelgleiten Verschleißerscheinungen an Bandscheiben und Gelenken.
Diagnostik
Bei der Untersuchung von Rückenschmerzen wird der Betroffene zunächst zu seinem Krankheitsbild befragt (Anamnese), zum Beispiel zu Art und Dauer der Beschwerden und möglichen Auslösern. In der körperlichen Untersuchung prüft der Arzt oder die Ärztin zum Beispiel Muskelkraft, Beweglichkeit und Reflexe und untersucht, ob Gefühlsstörungen oder andere Symptome vorliegen. Häufig lässt sich schon anhand der Anamnese und der Untersuchung einschätzen, ob den Rückenschmerzen eine ernsthafte Ursache zugrunde liegt.
Wenn es keine Hinweise auf spezielle Erkrankungen der Wirbelsäule gibt, ist eine weitere Diagnostik in der Regel erst einmal nicht erforderlich.
Bildgebende Verfahren – zum Beispiel Röntgen, MRT oder CT - kommen dann zum Einsatz, wenn die Schmerzen sich trotz Behandlung über mehrere Wochen nicht bessern oder wenn der Verdacht auf eine spezifische Erkrankung besteht. Dies kann zum Beispiel bei Lähmungen oder Gefühlsstörungen der Fall sein, die auf die Schädigung einer bestimmten Nervenwurzel hinweisen, oder bei Begleitsymptomen wie Fieber, die auf eine Entzündung hinweisen können.
Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule zeigen mögliche Veränderungen an den Wirbelkörpern, zum Beispiel Verknöcherungen. Die Darstellung von Nerven, Rückenmarkstrukturen oder der Weite des Spinalkanales kann mittels CT (Computertomografie) oder MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) erfolgen. Mit diesen Verfahren können zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, eine Spinalkanalstenose oder eine Spondylolisthesis dargestellt werden.
Wichtig zu wissen ist: Bei fast allen Erwachsenen sind in den bildgebenden Verfahren verschleißbedingte Veränderungen der Knochen und der Bandscheiben nachweisbar. Häufig verursachen diese keinerlei Probleme. Bandscheibenvorwölbungen, Facettengelenkarthrosen, Spinalkanalstenosen oder eine Spondylolisthesis werden oft auch bei Menschen beschrieben, die keine Symptome zeigen. Die in den Befunden beschriebenen Veränderungen müssen also nicht zwangsläufig mit den Beschwerden zusammenhängen und können zu unnötigen Behandlungen führen. Daher wird empfohlen, bildgebende Verfahren zurückhaltend einzusetzen.
Falls erforderlich können weitere diagnostische Verfahren eingesetzt werden, zum Beispiel die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Elektroneurografie, ENG) und Elektromyografie (EMG). Das sind elektrische Messverfahren, bei denen die Funktionsfähigkeit von Nervenbahnen und Muskeln getestet wird. Laboruntersuchungen können gegebenenfalls Hinweise auf entzündliche Erkrankungen liefern.
Zur Diagnose einer Facettengelenksarthrose werden manchmal Betäubungsmittel neben der Wirbelsäule in die Nähe der betroffenen Gelenke eingespritzt. Wenn diese Maßnahme dieSchmerzen verringert, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die Schmerzursache im Bereich der Facettengelenke liegt.
Ansprechpartner
Die erste Anlaufstelle bei Rückenschmerzen ist die Hausarztpraxis. Zusätzlich kann ein Facharzt oder eine Fachärztin für Orthopädie oder für physikalische Medizin aufgesucht werden. Das Fachgebiet physikalische Medizin ist auf die nicht-operative Therapie chronischer Erkrankungen des Bewegungsapparates spezialisiert. Insbesondere bei ausstrahlenden Schmerzen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen ist ein Neurologe oder eine Neurologin der geeignete Ansprechpartner. Bei chronischen Schmerzen können Ärzte und Ärztinnen hinzugezogen werden, die über die Zusatzqualifikation „Spezielle Schmerztherapie“ verfügen. Diese Zusatzqualifikation kann von Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen im Rahmen einer Weiterbildung erworben werden.
Einige Kliniken bieten Spezialsprechstunden für Wirbelsäulenerkrankungen an, in denen Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenarbeiten. Darüber hinaus zertifiziert die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft nach festgelegten Qualitätskriterien solche Einrichtungen, die sich auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert haben.
Therapie
Die meisten Menschen leiden im Laufe ihres Lebens gelegentlich unter Rückenschmerzen. Häufig verschwinden die Symptome nach einiger Zeit von alleine wieder. Wichtig ist es, aktiv zu bleiben und sich in seinem Alltag möglichst wenig einschränken zu lassen. Schonung oder Bettruhe führen häufiger dazu, dass Beschwerden chronisch werden.
Es gibt verschiedene Schmerzmittel, die abhängig vom Schweregrad der Symptomatik und ihrer Verträglichkeit eingesetzt werden können. Zur Anwendung kommen zum Beispiel sogenannte nicht steroidale Antirheumatika, aber auch Opioide oder Medikamente gegen neuropathische Schmerzen.
Eine Bewegungs- oder Physiotherapie entspannt die Muskeln und kräftigt sie. In speziellen Kursen − der sogenannten Rückenschule − lernen Betroffene außerdem, falsche Bewegungsmuster zu verändern und erhalten allgemeine Informationen über Aufbau, Funktion und Entlastung des Rückens. Unterstützend zur Bewegungs- oder Physiotherapie kommen manchmal physikalische Anwendungen wie Wärme oder Massage zum Einsatz.
Bei chronischem Schmerz ist es das Ziel, eine Therapie zu finden, die es dem Patienten oder der Patientin ermöglicht, so gut es geht mit den Schmerzen zu leben und im Alltag zurechtzukommen. In diesem Zusammenhang kann auch psychotherapeutische Unterstützung durch eine Verhaltenstherapie hilfreich sein. Eine sogenannte multimodale Schmerztherapie, bei der verschiedene Therapieansätze kombiniert werden, kann gegebenenfalls auch stationär in einer Schmerzklinik erfolgen.
Invasive Verfahren − etwa das Spritzen von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten in die Nähe der Wirbelsäule − werden bei unspezifischen Rückenschmerzen ebenso wenig empfohlen wie operative Eingriffe. Wenn spezifische Ursachen für die Beschwerden nachgewiesen werden, können bei entsprechender Indikation invasive oder operative Verfahren infrage kommen, zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose. Ob eine Operation sinnvoll ist, müssen Betroffene gemeinsam mit ihren Ärzten und Ärztinnen individuell abwägen. Dabei sollten sie den realistisch zu erwartendem Nutzen und mögliche Komplikationen berücksichtigen. Bei geplanten Eingriffen kann es sinnvoll sein, eine zweite Einschätzung einzuholen, um mehr Sicherheit bezüglich der Therapieentscheidung zu bekommen.
Prävention/Vorsorge
Risikofaktoren für degenerative Wirbelsäulenerkrankung sind vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel oder eine einseitige übermäßige Belastung. Die beste Vorsorge gegen Rückenschmerzen und degenerative Wirbelsäulenerkrankungen sind ausreichend Bewegung und Schulung von Haltung und Bewegungsabläufen. Viele Krankenkassen bieten entsprechende Präventionskurse an oder bezuschussen die Teilnahme.
Depression
Depressionen sind weit verbreitet. Wer daran erkrankt, fällt über mehrere Wochen oder Monate in ein emotionales Tief, aus dem sich scheinbar kein Ausweg zeigt. Neben einer Psychotherapie sind Medikamente die wichtigste Behandlung. Entspannungsverfahren und Sport können eine sinnvolle Ergänzung sein und helfen, sich besser zu fühlen.
Einleitung
Jeder Mensch ist ab und an unglücklich und lustlos. Und jeder Mensch war wohl auch schon einmal niedergeschlagen oder sogar verzweifelt. Solche Phasen gehören zum Leben dazu, und normalerweise gehen sie nach einer Weile vorüber. Bei Menschen mit einer Depression ist das anders. Traurige Gefühle und negative Gedanken dauern bei ihnen länger an und überschatten all ihr Handeln und Denken. Depressionen können auch ohne auslösendes Ereignis oder erkennbaren Grund auftreten. Betroffene fühlen sich oft, als ob sie in einem tiefen Loch festsitzen. Sie erleben sich als freudlos und antriebsarm, leiden unter starken Selbstzweifeln und empfinden sich als wertlos. Alltagsaktivitäten, Arbeit oder Lernen fallen schwer; Freunde, Familie und Hobbys werden vernachlässigt. Sie schlafen schlecht.
Eine Depression kann auch im Familien- und Freundeskreis zu Sorgen, Ängsten und Hilflosigkeit führen: Man möchte sehr gern helfen, weiß aber nicht wie. Für Angehörige ist es oft schwierig zu erkennen, ob es sich um eine vorübergehende Traurigkeit handelt oder eine ernstzunehmende Erkrankung.
Symptome
Menschen mit einer Depression fallen über mehrere Wochen oder Monate in ein emotionales Tief, aus dem sie oft keinen Ausweg sehen. Eine Depression kann unterschiedlich erlebt werden:
- Einige Betroffene sind vor allem traurig und niedergeschlagen. Alles erscheint sinnlos, nichts und niemand kann sie aufmuntern.
- Andere empfinden statt Traurigkeit nur eine starke innere Leere und Gefühllosigkeit, Erschöpfung und fehlenden Antrieb.
- Wieder andere leiden vor allem unter quälenden Sorgen, Befürchtungen und Ängsten.
Viele Betroffene haben Schlafstörungen. Besonders bei älteren Menschen äußern sich Depressionen auch durch körperliche Symptome wie Gewichtsverlust oder unerklärliche Schmerzen.
Depressionen können nicht nur mit Mattigkeit, sondern auch mit erhöhter Erregbarkeit einhergehen. So kommt es bei der bipolaren Depression (manisch-depressive Erkrankung) neben depressiven auch zu euphorischen Phasen, in denen der Bezug zur Wirklichkeit verlorengehen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie Depressionen entstehen, ist bisher nicht genau bekannt. Man geht davon aus, dass biologische Vorgänge, psychische Faktoren, die persönliche Situation und besondere Ereignisse im Leben dabei zusammenwirken. Hier einige Beispiele dafür, was Depressionen begünstigen und ihren Verlauf beeinflussen kann:
- ein erblich bedingtes erhöhtes Risiko: Es zeigt sich daran, dass die Erkrankung auch schon bei Familienmitgliedern häufiger aufgetreten ist.
- belastende Erlebnisse: zum Beispiel Missbrauch oder Vernachlässigung, aber auch eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen.
- chronische Angststörungen in der Kindheit und Jugend, verbunden mit mangelndem Selbstvertrauen und Unsicherheit.
- biochemische Veränderungen: Man hat festgestellt, dass bei einer Depression der Stoffwechsel im Gehirn verändert ist und Nervenreize langsamer übertragen werden. Auch bestimmte Botenstoffe und hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen.
- körperliche Erkrankungen wie ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt eine Krebserkrankung oder eine Schilddrüsenunterfunktion .
- belastende Lebensumstände: zum Beispiel anhaltender Stress und Überforderung oder Einsamkeit.
- Lichtmangel: Manche Menschen reagieren auf den Mangel an Tageslicht in den dunklen Herbst- und Wintermonaten mit einer Depression.
Häufigkeit
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie). Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen öfter als junge.
Verlauf
Depressionen verlaufen unterschiedlich: Bei einigen Menschen klingt eine depressive Episode nach einigen Wochen oder Monaten – zum Teil auch ohne Behandlung – wieder ab und kehrt nicht zurück. Nach etwa 3 bis 6 Monaten spürt etwa die Hälfte der Menschen, die wegen einer Depression behandelt werden, eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden.
Bei vielen wechseln sich depressive Episoden regelmäßig mit beschwerdefreien Phasen ab. Andere sind über lange Zeit mal stärker, mal weniger stark depressiv und einige haben anhaltende Beschwerden. Halten sie länger als zwei Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression.
Wenn eine Depression innerhalb von sechs Monaten nach dem Abklingen der Symptome erneut auftritt, wird dies als Rückfall (Rezidiv) bezeichnet. Kommt es erst nach mehr als sechs Monaten oder auch Jahre später zu einer weiteren Episode, spricht man von einer wiederkehrenden Depression.
Folgen
Eine Depression bewirkt, dass sich Menschen anders fühlen und verhalten als vor der Erkrankung. Häufig geben sie sich selbst die Schuld für ihren Zustand und werden von Selbstzweifeln geplagt. Sie berichten von Gefühlen, die sie nicht mehr kontrollieren oder bewältigen können. Es können auch Gedanken an Selbsttötung aufkommen. Meistens bleibt es bei den Gedanken, aber leider nicht immer.
Viele ziehen sich zurück, meiden soziale Kontakte und gehen kaum noch aus dem Haus. Es kann zu Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch kommen. All das kann dazu führen, dass die Depression anhält und die Beschwerden immer stärker werden. Einen solchen Teufelskreis zu durchbrechen, ist oft nur durch Hilfe von außen möglich.
Diagnose
Viele Betroffene sind so schwer depressiv erkrankt, dass sie von sich aus nicht mehr die Kraft aufbringen, um Hilfe zu suchen. Dann ist es wichtig, dass Angehörige ihre Unterstützung anbieten und zum Beispiel bei einem ersten Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt dabei sind.
Um herauszufinden, ob jemand an einer Depression erkrankt ist, gehen ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten in zwei Schritten vor: Zum einen fragen sie nach Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen können. Zum anderen versuchen sie, andere Erkrankungen oder Probleme auszuschließen, die ähnliche Beschwerden verursachen. Dafür können auch körperliche Untersuchungen durch die Ärztin oder den Arzt nötig sein.
Bei den typischen Merkmalen für eine Depression wird zwischen Haupt- und Nebensymptomen unterschieden.
Die Hauptsymptome sind:
- gedrückte Stimmung, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit
- Desinteresse und Freudlosigkeit
- Antriebsmangel und schnelle Ermüdung, oft schon nach kleinen Anstrengungen.
Als Nebensymptome gelten:
- Appetitlosigkeit
- Schlafstörungen
- Konzentrations- und Entscheidungsstörungen
- geringes Selbstwertgefühl
- Schuldgefühle
- negative und pessimistische Zukunftsgedanken
- Selbsttötungsgedanken oder -versuche
Wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome über zwei Wochen oder länger anhalten, wird eine Depression festgestellt. Zur Diagnose werden oft bestimmte Fragebögen eingesetzt, die nach typischen Beschwerden fragen. Je nach Anzahl, Art und Stärke der Symptome unterscheiden Fachleute zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen. Nach dieser Einteilung richtet sich die Behandlung.
Vorbeugung
Belastende Erfahrungen wie Verlusterlebnisse oder chronischer Stress können zur Entstehung einer Depression beitragen. Bestimmte negative Einflüsse zu vermeiden oder einen anderen Umgang damit zu erlernen, kann das Risiko für eine Depression senken. Das kann besonders für Kinder und Jugendliche wichtig sein.
Eine große Rolle spielt zudem das soziale Umfeld. Menschen mit stabilen Bindungen erkranken seltener an Depressionen. Um einer Depression vorzubeugen, können sich frühzeitige psychologische Hilfen oder Beratungsangebote eignen. Für Menschen mit einem erhöhten Risiko für wiederholte Depressionen kommt eine schützende Langzeitbehandlung mit Medikamenten infrage, um Rückfälle zu vermeiden. Andere machen über längere Zeit eine ambulante Psychotherapie.
Behandlung
Bei Depressionen stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die wichtigsten sind eine Psychotherapie wie etwa die kognitive Verhaltenstherapie und / oder eine Behandlung mit Medikamenten. Welche Therapieform die richtige ist, wo sie am besten stattfindet und wie lange die Behandlung dauert, hängt unter anderem von der Schwere der Erkrankung, der persönlichen Lebenssituation und davon ab, wie sich die Beschwerden entwickeln. Mit der Therapeutin oder dem Therapeuten können die Vor- und Nachteile der möglichen Behandlungen, aber auch die Erwartungen und Befürchtungen gegenüber einer Therapie besprochen werden.
Leben und Alltag
Menschen mit einer Depression fällt es schwer, ihren Alltag zu bewältigen. Arbeitsanforderungen zu erfüllen, privaten Verpflichtungen nachzugehen und selbst kleine Aufgaben im Haushalt zu erledigen, kann unendlich mühsam werden. Oft verändert sich der Umgang mit Partnern, Angehörigen und Freunden. Sie sind durch die Depression ebenfalls meist sehr belastet. Emotionaler Rückzug und Teilnahmslosigkeit können zu Streit und weiterem Rückzug führen.
Dennoch: Bei seelischen Problemen oder Erkrankungen wenden sich viele Menschen zunächst an Partner, Angehörige oder Freunde. Diese bemerken die depressiven Symptome und Veränderungen oft als Erste. Ihr Trost und ihre Unterstützung sind für Menschen mit Depressionen besonders wichtig. Bei schweren Depressionen brauchen aber auch Partner und Angehörige Unterstützung. Neben einer ärztlichen oder psychologischen Unterstützung können Selbsthilfegruppen eine Möglichkeit sein.
Besonders wichtig wird die aktive Hilfe und Unterstützung, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass sich jemand das Leben nehmen könnte. Es ist enorm wichtig, solche Anzeichen ernst zu nehmen und mit anderen darüber zu sprechen. Ist dies in einer akuten Situation nicht möglich, gibt es Angebote wie den Sozialpsychiatrischen Dienst, Krisenzentren oder die Telefonseelsorge, bei denen man Hilfe erhalten kann – notfalls auch anonym und rund um die Uhr.
Weitere Informationen
Für die meisten Menschen, die sich bei seelischen Problemen oder Erkrankungen fachliche Beratung und Hilfe holen möchten, ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Man kann sich aber auch direkt an eine psychologische Beratungsstele, eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis wenden. In Notfällen, etwa bei akuter Suizidgefahr, stehen psychiatrisch-psychotherapeutische Praxen mit Notfalldienst oder die Notfallambulanzen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Krankenhäuser zur Verfügung.
Diabetes Typ 2
Die Diagnose Diabetes Typ 2 kommt manchmal völlig unerwartet: Zum Beispiel, wenn bei einer Routineuntersuchung ein erhöhter Blutzuckerwert auffällt. Um ihn zu senken, brauchen einige Menschen nur ihre Ernährung anzupassen und etwas Gewicht abzunehmen. Andere benötigen dauerhaft Medikamente.
Einleitung
Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung des Stoffwechsels, die dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt. Ein Diabetes kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Menschen bekommen die Erkrankung gut in den Griff, bei anderen führt sie mit den Jahren zu Folgeschäden.
Es gibt zwei Haupttypen des Diabetes (Diabetes mellitus). Typ-1-Diabetes tritt in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Zu einem Typ-1-Diabetes kommt es, weil die Bauchspeicheldrüse geschädigt ist und kein oder nur sehr wenig Insulin produziert.
Beim Typ-2-Diabetes dagegen wird das Insulin von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Er wird auch „Altersdiabetes“ genannt, weil er sich oft erst im höheren Lebensalter bemerkbar macht. Typ-2-Diabetes ist wesentlich häufiger als Typ-1-Diabetes. Etwa 90 % der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes.
Symptome
Bei einem unbehandelten Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Deshalb kommt die Diagnose oft unerwartet. Ein über Monate oder Jahre erhöhter Blutzuckerspiegel führt aber irgendwann zu folgenden Beschwerden:
- starkes Durstgefühl
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit und Antriebsschwäche
- Übelkeit
- Schwindel
Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.
Ursachen
Der Stoffwechsel verteilt Zucker (Glukose) aus der Nahrung so im Körper, dass alle Organe gut versorgt sind. Damit dies richtig funktioniert, ist unter anderem das Hormon Insulin nötig. Es wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hergestellt und nach einer Mahlzeit ins Blut abgegeben, wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt. Es bewirkt dann, dass die Zellen zum Beispiel in Leber und Muskeln den Zucker aus dem Blut aufnehmen können. Wenn die Insulin-Wirkung gestört ist, kann der Blutzucker nicht richtig verwertet werden. Als Folge davon steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Einen zu hohen Blutzuckerspiegel bezeichnet man als Hyperglykämie.
Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin her, es wirkt aber nicht mehr richtig an den Organen. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Insulinresistenz“. Eine Zeit lang kann die Bauchspeicheldrüse dies ausgleichen, indem sie mehr Insulin herstellt. Irgendwann kommt das Organ aber an seine Grenzen. Dann steigt der Blutzuckerspiegel an.
Risikofaktoren
Verschiedene Faktoren können die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen:
- Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung
- Rauchen
- ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung
- bestimmte Medikamente, die den Zucker-Stoffwechsel verschlechtern
- ein genetisch erhöhtes Risiko: In manchen Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf.
Folgen
Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für folgende Erkrankungen:
- Herz- und Gefäßkrankheiten: Dazu gehören Herzinfarkte, Schlaganfälle und Probleme mit der Durchblutung der Beine und Füße (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Sie zählen zu den „makrovaskulären“ Komplikationen des Diabetes. „Makrovaskulär“ bedeutet, dass die großen Blutgefäße betroffen sind. Dieses Risiko ist besonders dann erhöht, wenn man außerdem einen zu hohem Blutdruck hat.
- Schäden an Augen, Nerven und Nieren: Dies sind die sogenannten mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes. „Mikrovaskulär“ bedeutet, dass die kleinen Blutgefäße betroffen sind. Das kann beispielsweise dazu führen, dass die Sehkraft nachlässt. Solche Schäden treten häufiger bei Personen auf, bei denen die Erkrankung relativ früh beginnt – also zum Beispiel mit 50 Jahren. Tritt sie erst im höheren Alter auf, sind sie seltener.
- Diabetischer Fuß: Dabei sind die Nerven so stark geschädigt, dass Schmerzen am Fuß kaum noch wahrgenommen werden. Außerdem werden die Beine und Füße nur schlecht durchblutet. Aus einer Druckstelle oder kleinen Verletzung entsteht dann schnell eine Wunde, die nur schwer heilt. Wird eine Wunde nicht rechtzeitig behandelt, kann Gewebe absterben.
Diagnose
Bei einem Verdacht auf Typ-2-Diabetes fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung und eine Blutzuckermessung schließen sich an. Um zu prüfen, wie hoch der Blutzucker vor dem Frühstück und im Tagesverlauf ist, wird mehrmals Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Außerdem wird der sogenannte HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert zeigt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten 2 bis 3 Monaten im Durchschnitt war.
Wenn der Blutzuckerspiegel so hoch ist, dass er typische Beschwerden verursacht, scheidet der Körper normalerweise überschüssigen Zucker im Urin aus . Um den Zuckergehalt des Urins zu testen, sind in Deutschland einfach anzuwendende Teststreifen in Arztpraxen und Apotheken erhältlich.
Vorbeugung
Es gibt viele Empfehlungen zur Vorbeugung von Diabetes. Die Wichtigsten betreffen den Lebensstil: sich ausgewogen zu ernähren, ausreichend in Bewegung zu bleiben und so auch auf das Gewicht zu achten.
Bei Menschen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko kann eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung tatsächlich die Diagnose um einige Jahre aufschieben. Ob sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung völlig vermeiden lässt, ist aber noch unklar.
Behandlung
Welche Behandlung bei Typ-2-Diabetes sinnvoll ist, hängt von mehreren Einflüssen ab: Dazu zählen unter anderem das Alter, andere Erkrankungen, die Lebenssituation und die persönlichen Ziele.
- Änderung des Lebensstils: Wer Gewicht abnimmt und sich mehr bewegt, kann den Blutzuckerspiegel senken. Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Manchen Menschen gelingt es, ihren Diabetes allein mit solchen Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen.
- Medikamente: Viele Menschen sind auf Medikamente angewiesen, um ihren Blutzucker zu normalisieren. Einige nehmen Tabletten ein, andere spritzen Insulin. Möglich ist auch, Tabletten und Spritzen zu kombinieren.
- Operation: Falls es bei sehr starkem Übergewicht (Adipositas) nicht gelingt abzunehmen, kann auch eine Operation infrage kommen – zum Beispiel eine Magenverkleinerung.
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben noch weitere Gesundheitsprobleme wie beispielsweise einen erhöhten Blutdruck oder einen hohen Cholesterinspiegel. Sie zu behandeln, senkt ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Leben und Alltag
Menschen mit Typ-2-Diabetes können selbst einiges tun, um ohne Medikamente auszukommen. Wichtig ist vor allem eine wenigstens leichte Gewichtsabnahme durch eine Ernährungsumstellung – auch wenn das im Alltag schwierig sein kann. Auch mehr körperliche Aktivität kann sich positiv auswirken: zum Beispiel, wenn man sich angewöhnt, regelmäßig zu Fuß zu gehen.
Das gelingt nicht jedem. Dann kommen Medikamente infrage, die regelmäßig über lange Zeit eingenommen werden. Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass man ein Leben lang Medikamente benötigt, braucht vielleicht etwas Zeit – vor allem, wenn man sich gar nicht krank fühlt und die Medikamente keine unmittelbar spürbaren Vorteile haben. Wer über seine Krankheit gut Bescheid weiß, kann den Umgang mit dem Diabetes aber zu einem ganz normalen Bestandteil seines Alltags machen und eine gute Lebensqualität erhalten.
Weitere Informationen
Bei Diabetes ist es wichtig, seinen Körper und die Erkrankung gut zu verstehen und zu wissen, was man selbst für seine Gesundheit tun kann. Es gibt dazu Unterstützung , z.B. durch Ärztinnen und Ärzte und andere Fachleute, zum Beispiel aus der Pflege, der Diabetes- und Ernährungsberatung sowie aus der medizinischen Fußpflege (Podologie).
In Deutschland gibt es darüber hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Auch Selbsthilfe-Gruppen gehören dazu. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer leicht zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.
Eine weitere Möglichkeit ist es, an einem Disease-Management-Programm (DMP)seiner Krankenkasse teilzunehmen. Diabetes-Schulung, Beratung und umfassende ärztliche Betreuung liegen hier in der Hand von Diabetes-Fachleuten. Sie unterstützen dabei, im Alltag mit der Erkrankung und der Behandlung zurechtzukommen.
Divertikelkrankheit und Divertikulitis
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut, in denen sich Stuhl ablagern kann. Die kleinen ballonförmigen Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Wir informieren darüber, wann sie behandelt werden und wie sich vorbeugen lässt.
Auf einen Blick
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut: An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch die Darmmuskulatur nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen im Darm, in denen sich Stuhl ablagern kann. Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Etwas vereinfacht, werden drei Formen unterschieden:
- Divertikulose: Die Darminnenwand wölbt sich an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten jedoch keine Beschwerden.
- Divertikelkrankheit: Die Ausstülpungen führen zu Beschwerden oder zu Komplikationen.
- Divertikulitis: Die Ausstülpungen sind entzündet.
Divertikel können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden führen. Dies wird als chronische Divertikelkrankheit bezeichnet. Eine Divertikulitis ist meist gut behandelbar, kann aber ernste Folgen haben, wenn sich die Entzündung ausbreitet.
Symptome
Die meisten Divertikel machen keine Beschwerden. Eine Divertikelkrankheit äußert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten. Außerdem kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Die Beschwerden verschwinden oft vorübergehend, können aber auch von Dauer sein. Häufig sind sie nach dem Essen stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer. Divertikel können manchmal auch bluten.
Bei einer Divertikelentzündung (Divertikulitis) treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Wenn die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung). Beim plötzlichen Loslassen wird der Schmerz stärker.
Ursachen und Risikofaktoren
Divertikel entstehen an Stellen, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Abschnitt des Dickdarms. In diesem S-förmigen Bereich vor dem Mastdarm ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten.
Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger für Divertikel. Ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen sind weitere Risikofaktoren. Auch ältere sowie stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose.
Welche Rolle der Lebensstil spielt, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine ballaststoffarme Ernährung kann zu Verstopfung und hartem Stuhlgang führen – das spricht dafür, dass sie das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöhen kann. Als weitere Risikofaktoren für die Divertikelkrankheit werden eine Ernährung mit viel rotem Fleisch, Rauchen und wenig körperliche Bewegung vermutet.
Warum sich Divertikel entzünden und was das Risiko dafür erhöht, ist noch unklar. Es wird davon ausgegangen, dass eine verringerte Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln Entzündungen begünstigen.
Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel nach einer Organtransplantation) oder mit schweren Nierenerkrankungen kommt es häufiger zu Komplikationen. Vermutlich erhöht auch die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente das Risiko für einen schweren Verlauf. Dazu zählen NSAR, Kortikoide ,ASS und Opioide.
Häufigkeit
Viele Menschen haben eine Divertikulose, ohne davon zu wissen. Mit dem Alter werden Divertikel häufiger: Etwa 10 % der Menschen unter 50 haben Divertikel, bei über 70-Jährigen sind es etwa 50 %. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor.
Etwa 1 % aller Menschen mit Divertikulose entwickelt innerhalb von zehn Jahren eine Divertikulitis. Die Entzündung kann in jedem Alter auftreten.
Folgen
Divertikel bleiben häufig unbemerkt, solange sie nicht zu Beschwerden führen. Sie können aber chronische Verdauungsbeschwerden und Schmerzen verursachen oder sich entzünden.
Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln und heilt dann innerhalb weniger Wochen ab. Etwa 20 % der Betroffenen bekommen in den Jahren danach jedoch mindestens einmal eine erneute Divertikulitis.
Eine Divertikulitis kann zu Komplikationen führen, wenn die Entzündung auf die Darmwand, die Umgebung oder benachbarte Organe übergreift. Es können sich Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden. Eine Fistel ist eine röhrenartige Verbindung zwischen zwei Organen, zum Beispiel zwischen Darm und Harnblase
Eine seltene, aber schwere Komplikation ist es, wenn ein Loch in der Darmwand entsteht (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Wenn Stuhl in den Bauchraum austritt, kann es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Sie äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen, eine harte Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Herzrasen und allgemeine Schwäche. Bei solchen Anzeichen ist es wichtig, rasch ärztliche Hilfe zu suchen.
Bei manchen Menschen entzünden sich Divertikel auch nach einer erfolgreichen Behandlung immer wieder – dann spricht man von einer chronisch-rezidivierenden Divertikulitis. Dadurch können sich vernarbte Verengungen (Stenosen) im Darm bilden, die das Weiterleiten des Stuhls erschweren. Im Extremfall kann ein Darmverschluss (Ileus) die Folge sein. Manche Menschen haben dauerhafte Beschwerden, ohne dass der Darm entzündet ist. Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten. Bei wiederkehrenden Entzündungen sinkt das Risiko deutlich. Ihre Folgen sind vor allem chronische Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen.
Gut zu wissen: Aus Divertikeln entwickelt sich kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus Darmpolypen.
Diagnose
Im Untersuchungsgespräch fragt die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgehört und ebenso wie der Enddarm abgetastet. Je nach Art der Beschwerden können Blut- und Urinuntersuchungen und eine Messung der Körpertemperatur folgen. In der Regel schließt sich eine Ultraschalluntersuchung an. Steht die Diagnose dann noch nicht fest, können eine Computertomografie und unter Umständen eine Darmspiegelung notwendig sein.
Durch die Untersuchung müssen auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, denn die Beschwerden bei einer Divertikelkrankheit ähneln zum Beispiel einer Blinddarmentzündung oder einem Reizdarmsyndrom .
Bei einer akuten Divertikulitis wäre eine Darmspiegelung (Koloskopie) zu risikoreich. Häufig wird aber empfohlen, die Untersuchung etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Abheilen einer Divertikulitis machen zu lassen. Sie soll prüfen, ob die Beschwerden nicht doch durch Polypen, Darmkrebs oder andere Erkrankungen bedingt waren.
Vorbeugung
Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird. Dies legt nahe, dass sie Menschen mit Divertikeln vor Beschwerden oder Entzündungen schützen könnte. Viele Ballaststoffe finden sich in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst. Auch körperliche Bewegung regt die Verdauung an; ob sie Beschwerden vorbeugen kann, ist aber bislang unklar.
In manchen Ernährungsempfehlungen wird von bestimmten Nahrungsmitteln abgeraten, besonders von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn. Man vermutete lange, dass kleine Rückstände dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln stecken bleiben und Entzündungen begünstigen. Das konnten Untersuchungen jedoch widerlegen. Man braucht also zum Beispiel nicht auf Nüsse zu verzichten.
Behandlung
Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Die Behandlung einer Divertikulitis hängt vom Schweregrad ab. Ihr Ziel ist es,
- Komplikationen durch die Entzündung zu vermeiden und akute Beschwerden zu lindern,
- Rückfällen vorzubeugen und
- chronische Beschwerden zu lindern.
Da die Entzündung bei einer Divertikulitis durch Bakterien ausgelöst wird, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Sie sind aber meist nur dann notwendig, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist. Bei Komplikationen kann auch eine Einweisung ins Krankenhaus nötig sein.
Wenn sich eine akute Divertikulitis nicht bessert oder dauerhafte Beschwerden bestehen, kann der betroffene Teil des Dickdarms durch eine Operation entfernt werden. Wegen der Risiken sollte ein Eingriff allerdings sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung muss dagegen rasch operiert werden.
Bei chronischen Beschwerden kann es zudem einen Versuch wert sein, sich ballaststoffreicher zu ernähren. Ob probiotische Nahrungsmittel helfen können, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Heute spricht vieles dafür, dass Antibiotika und Operationen seltener nötig sind als lange Zeit gedacht.
Druckgeschwür (Dekubitus)
Wer über längere Zeit in derselben Position liegen oder sitzen muss, hat ein erhöhtes Risiko für ein Druckgeschwür. Solche Wunden heilen oft nur langsam und können wehtun. Daher ist es umso wichtiger, dass sie gar nicht erst entstehen. Wie lässt sich vorbeugen und was kann die Heilung fördern?
Auf einen Blick
Viel sitzen, viel liegen – das ist für manche Menschen kaum zu vermeiden. Die meisten bewegen sich dabei aber ständig bewusst oder unbewusst. Sehr schwache, kranke, gelähmte oder bewusstlose Menschen bleiben dagegen teilweise sehr lange unbeweglich in einer Position liegen oder sitzen. Dadurch erhöht sich ihr Risiko für ein Druckgeschwür (Dekubitus).
Druckgeschwüre sind offene Wunden, die durch anhaltenden äußeren Druck auf die Haut entstehen. Sie können sehr schmerzhaft sein, durch eine sorgfältige Behandlung aber innerhalb weniger Wochen abheilen. Es gibt jedoch auch sehr ausgeprägte, chronische Wunden, die schwer zu behandeln sind.
Ursachen
Ein Druckgeschwür entsteht fast immer an Stellen, wo sich Knochen direkt unter der Haut befinden. Dazu zählen Steißbein, Fersen, Hüften, Schulterblätter, Knöchel, Ellenbogen, Ohr und Hinterkopf.
Wenn an diesen Stellen im Liegen oder Sitzen ständig das Körpergewicht auf die Haut drückt, können sie nicht mehr ausreichend durchblutet sowie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dadurch wird die Haut dünner und kann mit der Zeit sogar absterben. So entsteht eine Wunde, die besonders dann sehr schmerzhaft ist, wenn man weiter auf ihr liegt oder sitzt.
Risikofaktoren
Wird der Druck auf eine Körperstelle zu stark, schmerzt sie bei gesunden Menschen schnell. Manche Krankheiten können allerdings das Schmerzempfinden stören oder die Entstehung von Wunden begünstigen:
- Menschen mit Lähmungen spüren in den betroffenen Körperteilen häufig gar keinen Druck und auch keine Schmerzen mehr.
- Bei Menschen, die schon seit Jahren Diabetes mellitus haben, ist das Schmerzempfinden manchmal eingeschränkt, sodass sie nicht bemerken, wenn eine Stelle zu lange belastet wird. Zudem kann ein Diabetes auch zu Durchblutungsstörungen führen.
- Durchblutungsstörungen, zum Beispiel aufgrund veränderter, verengter Blutgefäße (Arteriosklerose), verschlechtern die Versorgung der druckbelasteten Hautstellen.
- Unterernährung ist bei bettlägerigen Menschen ein weiterer Risikofaktor. Denn Menschen, die kaum Fettpolster haben und nur wenig essen und trinken, haben eine dünnere, schlechter durchblutete und weniger widerstandsfähige Haut.
- Auch Reibung und Scherkräfte können die Haut zusätzlich belasten. Diese entstehen beispielsweise, wenn Menschen im Bett bewegt und dabei mit der Haut über die Unterlage gezogen werden. Dadurch können sich die Hautschichten gegeneinander verschieben: Die obere Schicht wird von der Unterlage gebremst, die anderen nicht. Dies kann zu Rötungen und oberflächlichen Hautverletzungen führen.
- Inkontinenz: Wenn die Haut über Stunden Urin, Kot oder Schweiß ausgesetzt ist, wird sie anfälliger für Hautreizungen und -schäden. Dies kann passieren, wenn jemand lange in feuchten Windeln liegt. Die aufgeweichte Haut wird dann leichter wund.
Wer schon einmal ein Druckgeschwür hatte, bekommt mit höherer Wahrscheinlichkeit an derselben Körperstelle ein weiteres. Deshalb ist es umso wichtiger, Druckgeschwüre gar nicht erst entstehen zu lassen.
Folgen
Ein Druckgeschwür kann schmerzhaft sein und auch psychisch belasten. Kleinere Druckgeschwüre heilen bei einer guten Behandlung oft innerhalb weniger Wochen ab. Bei sehr ausgeprägten Wunden kann dies deutlich länger dauern.
Eine offene, schlecht heilende Wunde bietet zudem ein Einfallstor für Krankheitserreger , die zu einer Entzündung der Wunde führen können. Breiten sie sich weiter aus, kann die Wunde schlechter heilen und eine Blutvergiftung (Sepsis) die Folge sein.
Diagnose
Manche Menschen können ihre Haut selbst auf erste Anzeichen für ein Druckgeschwür überprüfen, beispielsweise mithilfe eines Spiegels. Wer sich über längere Zeit kaum oder gar nicht bewegen konnte, kennt die Warnsignale oft sehr genau. Wenn man sich aus eigener Kraft nicht umdrehen, aufsetzen oder aufstehen kann, ist zur Beobachtung gefährdeter Stellen jedoch Hilfe nötig – auch weil diese meist an der Körperrückseite liegen, etwa am Gesäß und den Schulterblättern.
Um den Schweregrad eines Druckgeschwürs zu beurteilen, orientieren sich Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte meist an der folgenden Einteilung:
- Stadium 1: Die Haut ist unversehrt, aber rötlich verfärbt, auch wenn kein Druck auf ihr lastet. Sie kann wärmer oder kälter, schmerzempfindlicher, weicher oder auch härter sein als das umliegende Gewebe.
- Stadium 2: Die oberen Hautschichten sind beschädigt, es kommt zum Beispiel zu einer Blase, einer Abschürfung oder einem Bluterguss.
- Stadium 3: Alle Hautschichten sind zerstört und es ist eine tiefe Wunde entstanden, die bis in die Fettschicht der Haut reichen kann. Auf der Wunde kann sich ein Belag bilden; Teile der Haut können auch abgestorben sein (Nekrose).
- Stadium 4: Die Haut und ein großer Teil des umliegenden Gewebes sind zerstört und abgestorben. Muskeln, Sehnen und Knochen sind sichtbar.
Die Wunde kann belegt oder mit Schorf bedeckt sein, sodass nicht direkt erkennbar ist, wie tief sie ist. Manchmal ist die Haut auch rötlich-braun verfärbt und unversehrt, aber das darunterliegende Gewebe ist beschädigt.
Ab Stadium 2 kann ein Abstrich, eine Blutabnahme oder Gewebeprobe nötig werden, wenn der Verdacht besteht, dass sich Bakterien angesiedelt haben.
Vorbeugung
Wenn man länger sitzen oder liegen muss, ohne sich viel zu bewegen – und sei es nur für ein paar Tage –, ist es wichtig, gefährdete Körperstellen durch regelmäßiges Umlagern und Drehen zu entlasten. Spezielle Sitz- oder Liegeflächen können den Druck zusätzlich abfangen, etwa eine besondere Matratze oder druckentlastende Auflage wie ein Sitzkissen.
Wer gefährdete Stellen am Körper regelmäßig überprüft, kann schnell handeln, wenn sich erste Anzeichen für ein Druckgeschwür zeigen. Bei der Pflege und Lagerung ist es wichtig, Reibe- und Scherkräfte möglichst zu vermeiden – also zum Beispiel eine bettlägerige Person nicht über die Unterlage zu ziehen. Bei trockener Haut kann eine Feuchtigkeitspflege hilfreich sein. Bei Inkontinenz müssen außerdem Einlagen oder Windeln regelmäßig gewechselt werden.
Wichtig ist auch, auf ausreichendes Trinken und eine ausgewogene Ernährung zu achten: Zu wenig Flüssigkeit und Unter- oder Fehlernährung können die Haut zusätzlich schwächen.
Behandlung
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art und dem Schweregrad des Druckgeschwürs ab. Wichtig bei der Behandlung ist immer, zu vermeiden, dass das Druckgeschwür weiter belastet wird. Lagerungshilfen, eine spezielle Matratze sowie regelmäßiges Umlagern und Bewegen helfen, den Druck auf den betroffenen Körperstellen abzufangen.
Für einen Dekubitus gibt es viele verschiedene Arten an Wundauflagen. Sie sollen die Wunde abdecken, feucht halten und vor Infektionen schützen. Beim Verbandswechsel kann die Wunde gereinigt werden. Ab Stadium 3 wird sie bei einer sogenannten Wundtoilette (Débridement) zusätzlich von abgestorbenem Gewebe befreit. Dabei werden mit einer Pinzette oder einem Skalpell abgestorbene Zellen vorsichtig entfernt.
Bei schlecht heilenden Druckgeschwüren sind weitere Behandlungen wie Antibiotika oder eine Vakuumversiegelungstherapie möglich. Manchmal wird auch eine Operation empfohlen, beispielsweise eine Hauttransplantation.
Schmerzen können durch eine gute Wundversorgung und die richtige Lagerung vermieden oder zumindest gelindert werden. Reicht dies nicht aus, kommen örtlich betäubende Schmerzmittel infrage. Es gibt auch Wundauflagen, die Schmerzmittel enthalten. Beide Methoden können kurzfristig Schmerzen lindern. Auch Medikamente zum Einnehmen wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelstarken Schmerzen helfen. Bei Bedarf kann die Ärztin oder der Arzt auch stärkere Schmerzmittel verschreiben.
Leben und Alltag
Sich möglichst viel selbstständig zu bewegen, kann helfen, einem Druckgeschwür vorzubeugen. Pflegende und Angehörige können dazu immer wieder ermuntern. Wichtig ist, auffällige Hautstellen rasch von Druck zu entlasten und sie der Hausärztin, dem Hausarzt oder einer Pflegefachkraft zu zeigen.
Menschen mit einem Dekubitus können sich sehr unwohl fühlen. Neben den Schmerzen können auch Schamgefühle stark belasten. Deshalb ist eine gute medizinische wie persönliche Unterstützung wichtig.
Angehörige können in Pflegekursen verschiedene Bewegungs- und Lagerungstechniken erlernen. Die Kranken- oder Pflegekassen übernehmen die Kosten für viele Hilfsmittel und verleihen zum Beispiel Pflegebetten. Zudem gibt es in vielen Städten Pflegeberatungsstellen , die auch bei Fragen rund um die Dekubitus-Vorbeugung helfen.
Epilepsie
Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind. Manche Menschen haben als Kind ihren ersten Anfall, andere erst im Alter. Mit Medikamenten kann es gelingen, Anfällen vorzubeugen und eine gute Lebensqualität zu erhalten.
Auf einen Blick
Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der das Gehirn oder einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dies löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus. Dabei zucken manchmal nur einzelne Muskeln – es kann aber auch der gesamte Körper krampfen und man verliert das Bewusstsein.
Eine Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten. Manche Menschen haben schon in der Kindheit ihren ersten Anfall, andere erst im Alter. Zwischen den Anfällen zeigen sich meist keine körperlichen Beschwerden. Allerdings begleitet viele Menschen die Sorge, dass es zu einem erneuten Anfall kommt.
Durch Medikamente kann es gelingen, Anfälle zu verhindern und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Leider helfen Medikamente aber nicht immer: Etwa 3 von 10 Betroffenen haben weiter regelmäßig Anfälle. Für sie ist die Krankheit eine besondere Belastung.
Symptome
Ein epileptischer Anfall kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Er kann wenige Sekunden dauern und sogar unbemerkt bleiben, nur einen einzelnen Arm oder ein Bein betreffen oder den ganzen Körper erfassen. Manche Menschen werden bewusstlos, andere sind nur kurz abwesend oder bleiben bei vollem Bewusstsein.
Ein epileptischer Anfall hält selten lange an. Dauert er länger als fünf Minuten, spricht man von einem „Status epilepticus“. Dabei handelt es sich um einen Notfall, der schnell mit Medikamenten behandelt werden muss. Es kann auch vorkommen, dass mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten.
Man unterscheidet bei der Epilepsie zwei Anfallsformen:
- generalisierte Anfälle und
- fokale Anfälle.
Generalisierte Anfälle
Generalisierte Anfälle erfassen das gesamte Gehirn. Sie sind nicht unbedingt schwerer als Anfälle einzelner Hirnbereiche (fokale Anfälle), führen aber häufiger zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen im ganzen Körper.
Ein generalisierter Anfall kann sich folgendermaßen zeigen:
- tonisch: Die Gliedmaßen verkrampfen und versteifen sich. Der Anfall ist meist schnell vorbei und das Bewusstsein nicht immer eingetrübt.
- atonisch: In einem Teil des Körpers lässt plötzlich die Muskelspannung nach. Zum Beispiel kann das Kinn auf die Brust fallen oder die Beine können einknicken. Man kann auch kurz das Bewusstsein verlieren und stürzen.
- klonisch: Große Muskelgruppen zucken in langsamem Rhythmus, etwa an den Armen oder Beinen. Meist verliert man dabei das Bewusstsein.
- myoklonisch: Einzelne Muskelgruppen zucken rasch. Das Bewusstsein ist in der Regel nicht beeinträchtigt.
- tonisch-klonisch („Grand mal“): Der gesamte Körper krampft und zuckt, und man wird bewusstlos.
- Absencen: Diese milde Anfallsform äußert sich durch plötzliche, kurze Bewusstseinspausen.
Fokale Anfälle
Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, für welche Funktion dieser Bereich zuständig ist: zum Beispiel ein Zucken des Arms (motorischer Anfall), eine Gefühlsstörung (sensorischer Anfall) oder eine Veränderung des Sehens (visueller Anfall).
Bei einem fokalen Anfall kann es vorkommen, dass man ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen hat, anders hört, sieht, riecht oder geistig abwesend ist. Auch Schwindel, Angstzustände oder Halluzinationen sind möglich. Dies wird als Aura bezeichnet. Andere Menschen schmatzen, grimassieren, stammeln, laufen ziellos umher oder nesteln an Dingen herum. Fokale Anfälle können mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Manchmal schränken fokale Anfälle das Bewusstsein oder die Aufmerksamkeit ein.
Fokale Anfälle können sich auf das gesamte Gehirn ausbreiten und zu einem generalisierten Anfall werden.
Zwischen den Anfällen haben Menschen mit einer Epilepsie meist keine körperlichen Beschwerden.
Ursachen und Risikofaktoren
Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Bestimmte Bereiche des Gehirns steuern die Bewegung, andere die Sprache, Wahrnehmung oder Gefühle. Die Nervenzellen sind durch elektrische und chemische Signale miteinander verbunden. Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen vorübergehend gestört.
Dies führt dazu, dass einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Manchmal spricht man daher auch von einem „Gewitter im Gehirn“, das sich im übrigen Körper zum Beispiel als Krampfanfall bemerkbar macht.
Eine Epilepsie kann sehr verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel Verletzungen, Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns,Schlaganfälle oder Tumoren. Das nennen Fachleute „symptomatische Epilepsie“. Oft lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache für die Epilepsie feststellen.
In manchen Familien tritt Epilepsie über mehrere Generationen hinweg auf. Das ist ein Hinweis auf eine genetische Veranlagung für die Erkrankung.
Bei manchen Menschen mit Epilepsie können Reize wie zum Beispiel Flackerlicht in einer Diskothek einen Anfall auslösen. Auch bestimmte Umstände können gelegentlich zu Anfällen führen: zum Beispiel zu wenig Schlaf, Sauerstoffmangel, Vergiftungen, Alkohol oder – vor allem bei Kindern – hohes Fieber . Solche Faktoren können aber auch ohne Epilepsie einen Krampfanfall auslösen. Dann spricht man von einem Gelegenheitsanfall. So haben beispielsweise Kinder, die zu Fieberkrämpfen neigen, nur sehr selten auch eine Epilepsie.
Häufigkeit
Von Epilepsie sprechen Fachleute erst, wenn epileptische Anfälle ohne ersichtlichen Auslöser mehrfach auftreten. Das ist statistisch bei knapp 1 von 100 Menschen der Fall. Rechnet man Gelegenheitsanfälle hinzu, haben nach Schätzungen etwa 10 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einen epileptischen Anfall.
Eine Epilepsie kann in jedem Alter zum ersten Mal auftreten. Bei vielen beginnt sie bereits im Kindesalter; etwas seltener im mittleren Alter zwischen 40 bis 59 Jahren. Erst danach werden Neuerkrankungen wieder häufiger.
Verlauf
Viele Menschen haben nur einmal im Leben einen Anfall – oder nur über wenige Monate oder Jahre eine Epilepsie. Andere begleitet die Erkrankung auf Dauer. Nach einem ersten Anfall hat etwa die Hälfte der Betroffenen einen zweiten. Nach zwei Anfällen steigt das Risiko weiter an: Dann haben etwa 7 von 10 Betroffenen innerhalb der nächsten Jahre erneut einen epileptischen Anfall.
Das sind jedoch Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko für einen weiteren Anfall hängt stark von der Ursache ab: So ist das Risiko für weitere Anfälle bei bekannter Ursache wie einer Gehirnerkrankung etwa doppelt so hoch wie bei unbekannter Ursache oder einer genetischen Veranlagung.
Manche Menschen nehmen ein Medikament ein, sind über Jahre ohne Anfälle und bleiben es auch nach Absetzen der Medikamente. Andere sind nur anfallsfrei, solange sie Medikamente nehmen. Etwa 3 von 10 Menschen mit Epilepsie haben trotz verschiedener Behandlungen regelmäßig Anfälle.
Folgen
Nach einem stärkeren epileptischen Anfall muss man erst einmal wieder zu sich finden. Manche Menschen sind in den Stunden nach einem Anfall erschöpft und schlafen dann sehr viel. Es kann auch zu depressiven Beschwerden, Vergesslichkeit, Sprachstörungen oder Lähmungen kommen, die aber wieder vorübergehen. Andere Menschen sind nach wenigen Minuten völlig wiederhergestellt und können zum Beispiel wieder ihrer Arbeit nachgehen oder am Schulunterricht teilnehmen.
Ein epileptischer Anfall kann zu Verletzungen führen. Dies trifft vor allem auf den generalisierten Anfall zu, bei dem der gesamte Körper krampft. Dabei kann man stürzen, sich stoßen oder auf die Zunge beißen.
Besonders bei häufigen Anfällen kann die Angst vor einem weiteren psychisch sehr belastend sein. Eine Epilepsie kann zudem das Risiko für Depressionen erhöhen.
Ein Anfall verursacht keine bleibenden Gehirnschäden und auch keine geistigen Behinderungen. Jahrelange häufige und schwere Anfälle können jedoch dazu führen, dass man vergesslicher und unkonzentrierter wird.
Ob eine Epilepsie die Lebenserwartung verkürzt, hängt stark von ihrer Ursache ab. Zwar sterben Menschen, deren Epilepsie durch eine andere Erkrankung verursacht wird, im Schnitt früher als andere – das liegt aber häufig nicht an der Epilepsie, sondern an der Grunderkrankung. Menschen, deren Epilepsie eine genetische Ursache hat, haben eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Epilepsie.
Die Epilepsie selbst kann zum Tod führen, wenn
- jemand aufgrund eines Anfalls einen Unfall hat und sich lebensgefährlich verletzt oder
- ein schwerer, anhaltender Anfall (Status epilepticus) dazu führt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, sodass Herz und Lunge versagen.
Es kommt extrem selten vor, dass Menschen mit Epilepsie plötzlich und unerwartet sterben. Dies wird als „sudden unexpected death in epilepsy“ (kurz SUDEP) bezeichnet.
Diagnose
Meist wird eine Epilepsie festgestellt, wenn
- es zu mindestens zwei Anfällen gekommen ist,
- zwischen den Anfällen mindestens 24 Stunden lagen und
- kein Hinweis auf einen Gelegenheitsanfall besteht.
Eine Epilepsie kann auch diagnostiziert werden, wenn nach einem ersten Anfall das Risiko für einen zweiten Anfall deutlich erhöht ist – zum Beispiel bei einer Gehirnerkrankung.
Zudem gibt es seltenere Epilepsie-Formen, die als Epilepsie-Syndrome bezeichnet werden. Dazu zählen beispielsweise das West-Syndrom oder Absence-Epilepsie , die bei Kindern auftreten können.
Für die Diagnose ist vor allem die Krankengeschichte wichtig: Wann und unter welchen Umständen ist der Anfall aufgetreten? Wie hat er sich geäußert? Häufig kann man sich selbst an den Anfall nicht mehr gut erinnern. Dann ist es sinnvoll, eine Person zur Untersuchung mitzunehmen, die den Anfall miterlebt hat und beschreiben kann, wie er genau abgelaufen ist.
Neben der körperlichen und neurologische Untersuchungen wird eine Blutprobe genommen.
Meist werden zudem mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnströme gemessen. Bestimmte Muster im EEG deuten auf eine erhöhte Anfallsneigung hin. Ein EEG allein reicht jedoch nicht aus, um eine Epilepsie festzustellen.
In der Regel wird auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) gemacht: Diese Untersuchung hilft, Veränderungen im Gehirn zu entdecken, die die Anfälle auslösen könnten.
Nur selten wird das Hirnwasser (Liquor) untersucht – meist bei Verdacht auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung. Es wird durch eine Spritze im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion).
Behandlung
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf ab. Meist wird eine Epilepsie mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika. Es stehen unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Wenn ein Medikament in einer niedrigen Dosierung nicht wirkt, kann zunächst die Dosis erhöht werden. Zeigt sich kein Erfolg, probiert man ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe oder kombiniert mehrere Wirkstoffe.
Da es oft bei einem einzigen Anfall bleibt, kann man mit einer Behandlung meist erst einmal abwarten. Die Therapie beginnt in der Regel erst nach einem zweiten Anfall. Besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für erneute Anfälle, wie etwa bei einer Gehirnerkrankung, kann bereits nach dem ersten Krampfanfall eine Behandlung sinnvoll sein. Wichtig ist, die persönliche Situation ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.
Wer sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, nimmt diese meist über mehrere Jahre ein. Wenn in dieser Zeit keine Anfälle aufgetreten sind, können manche Menschen versuchsweise auf Medikamente verzichten. Andere benötigen ihr Leben lang Medikamente.
Antiepileptika können Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel haben. Manchmal bestehen spezielle Risiken, zum Beispiel während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind. Eine ausführliche ärztliche Beratung ist dann besonders wichtig.
Können die Medikamente Anfälle nicht verhindern, ist ein Eingriff eine Alternative. Zu den Möglichkeiten zählen:
- Operation: Wenn sich bei fokalen Anfällen feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns die Anfälle auslöst, kann er entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
- Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden und soll die Überaktivität der Nervenzellen hemmen. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv des vegetativen Nervensystems und an der Regulierung der inneren Organe beteiligt. Für den Nutzen dieser Therapie gibt es bisher nur wenige aussagekräftige Studien. Daher wird die Vagus-Stimulation von den gesetzlichen Krankenkassen nur unter besonderen Voraussetzungen im Einzelfall erstattet.
Die Behandlung wird von einer Neurologin oder einem Neurologen begleitet. Kinder und Jugendliche werden von Kinder- und Jugendneurologinnen und -neurologen betreut. Meist findet ein Teil der Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus statt. Manche ambulanten Einrichtungen und Kliniken haben sich auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert: Epilepsie-Zentren, Epilepsie-Ambulanzen und Schwerpunktpraxen. Diese eignen sich besonders bei speziellen Problemen, einer unklaren Diagnose oder wenn es trotz Behandlung weiter zu Anfällen kommt.
Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.
Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Ob dies auch dazu beitragen kann, dass weniger Anfälle auftreten, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.
Weitere Informationen
Bei einer Epilepsie stellen sich viele Fragen, die sich zum Teil nur sehr persönlich beantworten lassen. Die folgende Liste kann das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vielleicht unterstützen:
- Wie lautet meine genaue Diagnose?
- Welche Medikamente kommen infrage? Welche Vor- und Nachteile haben sie?
- Welche anderen Behandlungen sind möglich? Welche Vor- und Nachteile haben sie?
- Was kann Anfälle auslösen und wie kann ich dieses Risiko senken? Hilft es vielleicht, meinen Lebensstil zu ändern?
- Wie kann ich meine Sicherheit erhöhen, falls es zu Anfällen kommt?
- Was muss ich im Beruf und im Alltag beachten, zum Beispiel beim Autofahren?
- Hat die Epilepsie Folgen für meine Familienplanung?
- Wirkt sich die Epilepsie auf meinen Versicherungsschutz aus?
- Wo finde ich weitere Unterstützung?
Fibromyalgie
Fibromyalgie äußert sich vor allem durch chronische tiefliegende Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen. Inzwischen weiß man, dass bei dieser Erkrankung die Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört ist. Was Menschen mit Fibromyalgie guttut und wie sie mit Beschwerden umgehen, ist sehr unterschiedlich.
Auf einen Blick
Fibromyalgie (auch Fibromyalgiesyndrom genannt) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen äußert. Die Schmerzen können auf der Haut, in den Muskeln und Gelenken spürbar sein. Andere typische Beschwerden sind Schlafstörungen , Müdigkeit, schnelle körperliche wie geistige Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.
Obwohl die Fibromyalgie seit 30 Jahren als Erkrankung anerkannt ist, wird Betroffenen manchmal auch heute noch vorgeworfen, sich ihre Beschwerden nur einzubilden. Das hat auch damit zu tun, dass nur wenige Menschen das Erkrankungsbild kennen und die Beschwerden für Gesunde schwer nachvollziehbar sind. Dies ist oft eine zusätzliche Belastung.
Menschen mit Fibromyalgie wird manchmal gesagt, dass man nichts gegen die Schmerzen tun könne. Studien zeigen jedoch, dass es durchaus Behandlungen gibt, die die typischen Beschwerden lindern können. Außerdem kommen viele Erkrankte mit der Zeit mit ihren Schmerzen besser zurecht. Sie finden heraus, welche Aktivitäten sie sich zumuten können – und wann es besser ist, kürzer zu treten.
Gut zu wissen: Eine Fibromyalgie ist nicht gefährlich. Die Organe sind gesund und die Erkrankung hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung.
Symptome
Fibromyalgie äußert sich vor allem durch chronische tiefliegende Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen. Die Schmerzen fühlen sich oft an wie eine Muskelzerrung oder ein heftiger Muskelkater. Sie sind häufig unberechenbar und können jeden Tag anders sein, zum Beispiel unterschiedlich stark, oder sie treten an verschiedenen Stellen im Körper auf. Dies macht es Menschen mit Fibromyalgie schwer, etwas zu planen – ob alltägliche Aktivitäten wie Einkaufen oder einen Ausflug. Bei manchen Menschen lassen die Beschwerden tagsüber für einige Stunden nach, sodass sie in dieser Zeit etwas erledigen können.
Schlechter, nicht erholsamer Schlaf Müdigkeit und Erschöpfung sind weitere typische Beschwerden einer Fibromyalgie. Viele Betroffene haben manchmal Probleme, klare Gedanken zu fassen, sich Dinge zu merken, Worte zu finden oder sich zu konzentrieren. Dies wird auch als „fibro fog“ bezeichnet (Englisch für „Fibro-Nebel“).
Ursachen
Man weiß inzwischen, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn bei Fibromyalgie gestört ist. Deshalb ist die Schwelle, ab der Reize als Schmerzen empfunden werden, bei Menschen mit Fibromyalgie niedriger als bei anderen Menschen. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Faktoren für eine Fibromyalgie verantwortlich sind. Sie vermuten, dass die Erkrankung durch eine Mischung aus genetische Faktoren und körperlichen oder psychischen Belastungen ausgelöst wird, die zu Veränderungen in der Schmerzverarbeitung führen.
Häufig wird Fibromyalgie als „Weichteilrheuma“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, da die Schmerzen weder von den Weichteilen (zum Beispiel den Muskeln) ausgehen noch auf einer rheumatischen Erkrankung beruhen. Zudem ist „Weichteilrheuma“ ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen und keine eigene Krankheit.
Häufigkeit
Nach einer repräsentativen Studie sind in Deutschland etwa 2 % der Erwachsenen von Fibromyalgie betroffen. Die Erkrankung wird meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr festgestellt. Allerdings können auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Fibromyalgie-Beschwerden haben. Bei Frauen ist Fibromyalgie häufiger als bei Männern.
Verlauf
Eine Fibromyalgie entwickelt sich meist über längere Zeit. Viele Betroffene haben schon lange diffuse Schmerzen oder andere Schmerzerkrankungen, bevor die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird. Dazu gehören ein Reizdarmsyndrom, Rücken -, Nacken -, Kiefer- und Kopfschmerzen sowie bei Frauen starke Regelschmerzen , Endometriose oder eine chronische Form der Blasenentzündung (die interstitielle Zystitis). Manche hatten bereits in der Kindheit und Jugend häufig mit Kopf-, Bauch-, Muskel- oder Gelenkschmerzen zu tun.
Welche Beschwerden auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist sehr unterschiedlich. Phasen mit stärkeren Schmerzen können sich mit fast beschwerdefreien Phasen abwechseln.
In einer großen Studie, in der Menschen mit Fibromyalgie über mehr als zehn Jahre untersucht wurden, nahmen die Beschwerden bei 25 % der Teilnehmenden mit der Zeit etwas ab. Bei 10 % gingen sie sogar deutlich zurück. Bei den meisten Menschen blieben die Beschwerden aber langfristig auf einem ähnlichen Niveau.
Viele Menschen mit Fibromyalgie haben zusätzlich mit körperlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen zu tun.
Folgen
Eine Fibromyalgie kann sehr belastend sein und viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Aufgrund der Schmerzen und schnellen Erschöpfung erfordern einfache Tätigkeiten wie Aufräumen oder Einkaufen viel Kraft. Selbst gemeinsame Aktivitäten mit der Familie oder mit Freunden, die eigentlich Freude bereiten, können zur Anstrengung werden.
Manche Betroffene entwickeln zudem ein schlechtes Gewissen, weil sie weniger belastbar sind als andere. Sie haben das Gefühl, ihren Verpflichtungen in der Familie oder bei der Arbeit nicht mehr nachkommen zu können. Manchmal wird ihnen auch vorgeworfen, „zu bequem“ zu sein. Dies kann Gefühle der Unzulänglichkeit noch verstärken. Offen mit der Erkrankung umzugehen und sie anderen zu erklären, ist eine Möglichkeit, Missverständnissen möglichst vorzubeugen oder sie aus der Welt zu schaffen.
Diagnose
Es dauert oft mehrere Jahre, bis eine Fibromyalgie festgestellt wird. Zum einen beginnen die Schmerzen schleichend oder auch nur an einer Körperstelle, sodass häufig zunächst an eine andere Erkrankung gedacht wird. Zum anderen zögern viele Ärztinnen und Ärzte mit der Diagnose, weil sie nicht durch Laborwerte oder Röntgenbilder bestätigt werden kann. Dies kann zu Fehldiagnosen und mangelndem Verständnis führen. Häufig fühlen sich Betroffene nicht ernst genommen oder haben das Gefühl, die Ärztin oder der Arzt glaubt, ihre Beschwerden seien nur eingebildet. Oft wird Fibromyalgie erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis festgestellt.
Um festzustellen, ob jemand an Fibromyalgie erkrankt ist, sind ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und eine körperliche Untersuchung erforderlich. Der sogenannte Fibromyalgie-Symptom-Fragebogen kann dabei helfen, die Beschwerden zu erfassen. Es könnte sich um Fibromyalgie handeln, wenn in den drei Monaten vor der Untersuchung mindestens 7 von 19 festgelegten Körperbereichen geschmerzt haben. Dazu gehören die Brust und der Bauch, der Rücken sowie Kiefer, Schultern, Ober- und Unterarme, Hüften, Ober- und Unterschenkel – jeweils auf beiden Körperseiten.
Zusätzlich müssen andere Symptome hinzukommen wie:
- Konzentrationsprobleme
- Erschöpfung
- Morgenmüdigkeit
- Magenschmerzen oder -krämpfe
- Kopfschmerzen
- Depressionen
Diese zusätzlichen Symptome erreichen bei einer Fibromyalgie einen bestimmten Schweregrad und bestehen zusammen mit den Schmerzen seit mindestens drei Monaten.
Außerdem gibt es keine andere körperliche Erkrankung, die die Beschwerden erklärt.
Manchmal wird die Diagnose auch anhand von sogenannten „Tender Points“ gestellt. Dies sind umschriebene Schmerzpunkte, die empfindlich auf Druck reagieren. Diese Untersuchung ist aber sehr subjektiv und bei Männern weniger verlässlich.
Um andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen, empfehlen medizinische Fachgesellschaften eine gründliche Analyse der Krankheitsgeschichte, eine körperliche Untersuchung sowie verschiedene Blutuntersuchungen, unter anderem zur Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels. Dadurch lassen sich andere mögliche Ursachen der Beschwerden wie rheumatoide Arthritis, eine Schilddrüsenunterfunktion , Muskelerkrankungen und psychische Ursachen ausschließen. Außerdem ist es wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt alle Medikamente zu überprüfen, die man einnimmt. Denn Mittel wie etwa Protonenpumpenhemmer oder Statine können – wenn auch selten – zu Muskelschmerzen führen.
Weitere Untersuchungen sind nur bei einem konkreten Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung sinnvoll, oder wenn andere Beschwerden hinzukommen. Viele Menschen mit Fibromyalgie werden zu oft untersucht – weil die Diagnose Fibromyalgie von Ärztinnen und Ärzten nicht in Erwägung gezogen wird oder weil sie selbst glauben, dass ihre Beschwerden eine andere, „handfeste“ Ursache haben müssen. Dies kann zu unnötigen Behandlungen führen, wenn eine vermeintliche Ursache gefunden wird, die gar nichts mit den Beschwerden zu tun hat. So werden Menschen mit Fibromyalgie zum Beispiel deutlich häufiger am Rücken operiert als andere.
Behandlung
Studien zeigen, dass Bewegung und leichter Sport wie Radfahren oder Walking das Wohlbefinden verbessern, den Körper stärken und Schmerzen etwas lindern können. Sie sind daher ein wichtiger Teil der Behandlung.
Viele Menschen mit Fibromyalgie vermeiden körperliche Aktivitäten allerdings aus Angst, die Schmerzen zu verstärken oder sich zu übernehmen. Es gibt jedoch Hinweise, dass Bewegung solche Ängste verringern kann.
Bestimmte Medikamente können Fibromyalgie-Schmerzen bei manchen Menschen deutlich lindern. Bei ihnen haben sich die Medikamente Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin in Studien als wirksam erwiesen. Sie beeinflussen bestimmte Botenstoffe, die auch die Schmerzwahrnehmung steuern. Die Mittel wurden ursprünglich zur Behandlung von Depressionen oder Epilepsie entwickelt. Bei Fibromyalgie werden sie aber nicht wegen ihrer antidepressiven oder antiepileptischen Wirkung eingesetzt. Von herkömmlichen Schmerzmitteln wie Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol wird bei Fibromyalgie in der Regel abgeraten.
Bestimmte physikalische Therapien, insbesondere Thermalbäder, werden von vielen Menschen mit Fibromyalgie als angenehm empfunden. Manche beschreiben auch Saunagänge oder sanfte Massagen als erleichternd.
Vor allem bei starken Beschwerden kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Dabei werden Bewegung, Entspannung und Methoden zur Schmerzbewältigung aus der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) miteinander kombiniert. Eine KVT und andere psychotherapeutische Verfahren können dabei helfen, im Alltag besser mit Schmerzen und anderen Beschwerden zurechtzukommen. Auch Medikamente können Teil einer multimodalen Schmerzbehandlung sein.
Wenn zugleich andere Erkrankungen wie Arthritis oder psychische Probleme wie Depressionen bestehen, ist es wichtig, auch diese behandeln zu lassen.
Leben und Alltag
Was Menschen mit Fibromyalgie guttut und wie sie mit den Beschwerden umgehen, ist sehr unterschiedlich. Über die Zeit eigene Strategien zum Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln, ist für das Wohlbefinden vielleicht am wichtigsten. Das bedeutet, zu lernen, mit den Beschwerden besser zurechtzukommen – statt seine Kraft darauf zu verwenden, gegen die Erkrankung anzukämpfen. Hilfreich ist zum Beispiel,
- zu überdenken, was im Alltag wirklich wichtig ist,
- nicht nach Perfektion zu streben und
- seine Grenzen zu erkunden und zu beachten.
Das kann zum Beispiel heißen, für anstrengende Tätigkeiten von vornherein mehr Zeit einzuplanen und sie durch regelmäßige Pausen zu unterbrechen. Zusätzlich kann man verschiedene Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung ausprobieren, etwa autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.
Vieles ist trotz Fibromyalgie möglich. Wichtig ist, sich nicht daran hindern zu lassen, Dinge zu tun, die Freude bereiten. Dies gilt auch für soziale Kontakte und Aktivitäten. Nicht zuletzt kann der Austausch mit anderen Betroffenen, die die Probleme kennen, sehr hilfreich sein – etwa in einer Selbsthilfegruppen.
Gallenblasenentzündung
Lage und Funktion der Gallenblase
Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber. Sie speichert die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit. Bei Bedarf gibt die Gallenblase die gespeicherte Gallenflüssigkeit über den Gallengang in den vorderen Teil des Dünndarms (Zwölffingerdarm, Duodenum) ab.
Im Darm hilft die Gallenflüssigkeit, Fette aus der Nahrung zu spalten und aufzunehmen. Über die Gallenflüssigkeit entsorgt die Leber darüber hinaus Abbauprodukte, zum Beispiel von Medikamenten oder Giftstoffe, die dann über den Darm ausgeschieden werden.
Wie entsteht eine Gallenblasenentzündung?
Die häufigste Ursache einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder einer Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) sind Gallensteine. Gallensteine entstehen aus verfestigten Bestandteilen der Gallenflüssigkeit. Das Risiko, Gallensteine zu entwickeln, ist hoch; etwa jeder 10. bis jeder 5. Mensch in der westlichen Bevölkerung entwickelt sie. Die Entstehung ist unter anderem abhängig von Geschlecht (Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer), von Alter, Schwangerschaften, erblicher Veranlagung, Ernährung und Körpergewicht (Adipositas).
Eine Gallenblasenentzündung kann entweder plötzlich (akut) auftreten oder sich langsam entwickeln und über längere Zeit andauern (chronische Gallenblasenentzündung) beziehungsweise immer wiederkehren (rezidivierende Gallenblasenentzündung). Meist entsteht eine chronische aus einer akuten Form.
Eine akute Cholezystitis oder Cholangitis entsteht, wenn Gallensteine die Mündungsstelle des Gallengangs verstopfen und den Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm behindern. In der Gallenblase entsteht ein Rückstau, sie wird überdehnt und gereizt. Die Abflussbehinderung zieht häufig eine Besiedlung der Gallenwege mit Bakterien – beispielsweise aus dem Darm – nach sich. Es kommt zu einer Infektion der Gallenblase mit Bakterien. Gallensteine können auch durch eine andauernde mechanische Reizung der Gallenblasenwand eine chronische Gallenblasenentzündung verursachen.
Sehr selten entsteht eine akute Cholezystitis in einer steinfreien Gallenblase. Diese sogenannte akalkulöse Cholezystitis tritt infolge schwerer Erkrankungen auf, zum Beispiel nach schweren Verletzungen oder Operationen, bei einem akuten Kreislaufversagen (Schock) oder im Rahmen einer Blutvergiftung (Sepsis).
Krankheitszeichen
Viele Menschen haben Gallensteine, ohne es zu bemerken. Manchmal verursachen Gallensteine Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Aufstoßen. Wenn Gallensteine den Abfluss der Galle verstopfen können sogenannte Gallenkoliken entstehen. Dabei kommt es zu krampfartigen, in Wellen auftretenden Oberbauchschmerzen. Eine Gallenkolik bessert sich in den meisten Fällen spontan; falls erforderlich, werden Schmerzmittel und krampflösende Medikamente eingesetzt.
Wie oben beschrieben, können Gallensteine zu einer Entzündung der Gallenblase führen. Eine akute Gallenblasenentzündung macht sich in aller Regel durch starke anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar, die oft in die rechte Schulter ausstrahlen. Meist werden sie von Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Schüttelfrost begleitet. Bei Steinen oder Entzündungen in den Gallengängen kann auch eine Entfärbung des Stuhls oder eine leichte Gelbsucht (Ikterus) auftreten. Meist ist in diesen Fällen der Gallengang vollständig oder teilweise durch einen Stein verschlossen.
Eine unbehandelte akute Cholezystitis kann lebensgefährliche Folgen haben, etwa wenn die Gallenblase einreißt (Perforation). Dabei entleert sich die Gallenflüssigkeit in die Bauchhöhle. Das kann zu einer schweren Entzündung des gesamten Bauchraumes (Peritonitis, Bauchfellentzündung) führen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf die Leber oder andere benachbarte Organe übergreift. Die Infektion kann sich auch über das Blut auf den gesamten Körper ausbreiten (Sepsis). Eine Sepsis muss sofort behandelt werden.
Eine chronische Gallenblasenentzündung verläuft häufig ohne spezielle Krankheitszeichen, manchmal mit Oberbauchbeschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen oder mit einem dumpfen Oberbauchschmerz. Sehr selten entsteht infolge einer chronischen Entzündung der Gallenblase eine sogenannte Porzellangallenblase mit verdickter, verkalkter Gallenblasenwand. Eine bestimmte Form der Porzellangallenblase erhöht das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken.
Diagnostik einer Gallenblasenentzündung
Die Krankheitsgeschichte (Anamnese) gibt erste Hinweise auf eine Gallenblasenentzündung beziehungsweise auf das Vorliegen von Gallensteinen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt oder die Ärztin tastet den Bauch ab, um den Ort und die Art der Schmerzen genauer festzustellen.
Zur weiterführenden Diagnostik kann eine Blutuntersuchung Hinweise auf eine Entzündung im Körper geben. Ein wichtiger Laborwert zum Nachweis einer Entzündung ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Bei einer Entzündung ist ihre Anzahl erhöht. Andere Entzündungsparameter sind zum Beispiel die sogenannte Blutsenkungsgeschwindigkeit und das CRP (C-reaktives Protein, ein Eiweiß, das auch an der Immunantwort beteiligt ist). Außerdem können die Blutwerte für den Gallenfarbstoff Bilirubin und für einige Leberenzyme erhöht sein.
Darüber hinaus kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Eine Entzündung der Gallenblase kann in den meisten Fällen durch eine einfache Ultraschalluntersuchung (Sonografie) festgestellt werden. Wenn erforderlich kommen weitere Verfahren zur Anwendung. Hierzu gehören zum Beispiel die Endosonografie, die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanz-Cholangiografie (MRC). Die MRC ist eine spezielle Variante der Magnetresonanztomografie (MRT), mit der die Gallengänge in detaillierten Schnittbildern dargestellt werden können.
Ein weiteres Verfahren ist die endoskopisch retrograde Cholangiografie (ERC). Bei dieser Untersuchung führt der Arzt oder die Ärztin ein schlauchförmiges, flexibles Instrument (Endoskop) über den Mund, durch die Speiseröhre und den Magen bis in den Dünndarm ein. Dort wird ein Kontrastmittel in den einmündenden Gallengang gespritzt und anschließend eine Röntgenaufnahme gemacht, mit der das Gangsystem dargestellt wird. Im Rahmen der Untersuchung können Gallengangsteine mithilfe des Endoskops gleich entfernt werden.
Therapie einer Gallenblasenentzündung
Die Therapie richtet sich grundsätzlich nach Ursache und Schwere der Cholezystitis. Bei einer akuten Gallenblasenentzündung ist in der Regel die operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) angezeigt. Je nach Symptomatik bekommen Betroffene auch Antibiotika, zum Beispiel bei Hinweisen auf Komplikationen wie einen Abszess oder eine Sepsis. Bei Patienten und Patientinnen mit einem sehr hohen Operationsrisiko kann statt der Gallenblasenentfernung eine Ausleitung der Gallenflüssigkeit über eine Drainage (Cholezystostomie) erfolgen.
Operative Entfernung der Gallenblase
Die operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) erfolgt in der Regel mittels der sogenannten Knopflochchirurgie (laparoskopische Cholezystektomie). Dabei werden die Instrumente, die zur Operation benötigt werden, durch mehrere nur wenige Millimeter lange Einschnitte in den Bauchraum geführt. Dies ist in der Regel schonender als eine offene Operation, hinterlässt kleinere Narben und Betroffene erholen sich nach der Operation schneller. Nur in seltenen Fällen − zum Beispiel bei größeren Steinen, bei einer fortgeschrittenen Entzündung oder bei Komplikationen – muss die Bauchdecke durch einen größeren Schnitt eröffnet werden.
Das Fehlen der Gallenblase hat in der Regel keine größeren Nachteile, da die Gallenflüssigkeit weiterhin in der Leber produziert wird. Die Galle fließt dann ohne Zwischenlagerung in den Dünndarm. Manche Menschen haben deshalb etwas häufiger Stuhlgang als vorher und weicheren Stuhl. Dies ist aber oft nur vorübergehend.
Nach einer Operation ist es nicht unbedingt nötig, sich anders zu ernähren oder gar eine spezielle Diät einzuhalten. Falls bestimmte Lebensmittel nach dem Eingriff nicht mehr vertragen werden und Verdauungsprobleme auftreten, kann es sinnvoll sein, die Ernährung etwas umzustellen. Was einem gut bekommt und was weniger, lässt sich am besten durch Ausprobieren herausfinden.
Generalisierte Angststörung
Jeder hat manchmal Angst. In gefährlichen Situationen kann sie uns schützen: Sie versetzt uns in Alarmbereitschaft, sodass wir schnell reagieren können. Wenn man sich aber ständig und über alles Mögliche Sorgen macht, wird die Angst zur Belastung. Eine generalisierte Angststörung kann die Ursache sein.
Auf einen Blick
Jeder Mensch hat manchmal Angst. Wenn Gefahr droht, hat Angst eine wichtige Schutzfunktion: Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, damit er schnell reagieren kann. Aber auch Sorgen und Ängste um die Zukunft, die Arbeit oder die Familie können schützen: Zum Beispiel davor, unvorsichtig zu handeln und in eine schwierige Lage zu geraten.
Wenn Ängste jedoch überhandnehmen, können sie zu einer Belastung werden. Betroffene machen sich dann nahezu ständig und über alles Mögliche Sorgen. Wenn Ängste alles überschatten und gar nicht mehr verschwinden, hat sich möglicherweise eine generalisierte Angststörung (GAS) entwickelt. Wer diese Angststörung hat, weiß meistens, dass seine Ängste ein natürliches Maß überschreiten, kann sie aber nicht kontrollieren. Es ist schwer, diesen Zustand von allein wieder zu überwinden. Verschiedene Behandlungen können aber dabei helfen.
Symptome
Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl psychisch als auch körperlich äußern. Zu den psychischen Beschwerden gehören andauernde, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen. Die Ängste betreffen verschiedene Bereiche des Lebens. Sie sind keine Reaktion auf eine Bedrohung und auch nicht auf bestimmte Dinge oder Situationen beschränkt. Weil sich die Angst auf alles Mögliche beziehen kann oder sich gar nicht mehr mit konkreten Anlässen in Verbindung bringen lässt, sprechen Fachleute von „generalisierter“ Angst.
Menschen mit einer generalisierten Angststörung können sich zum Beispiel in einem Moment ängstigen, dass ihr Partner auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall haben könnte. Im nächsten Augenblick fürchten sie, dass ihr Kind auf dem Weg zur Schule überfahren wird; dann, dass sie ihren Schlüssel verlieren könnten und schließlich, dass sie am nächsten Tag einen Herzinfarkt bekommen. Sie machen sich praktisch über alles Sorgen – über große wie kleine und sogar über völlig belanglose Dinge. Viele fürchten auch die Angst selbst oder machen sich Sorgen darüber, dass sie sich dauernd Sorgen machen. Die ständigen Befürchtungen schränken das tägliche Leben deutlich ein und können die Stimmung verdüstern. Vor allem wenn gleichzeitig eine Depression besteht, kann eine Angststörung das Gefühl verstärken, das Leben sei nicht mehr lebenswert.
Als Reaktion auf Angst setzt die Nebenniere das Hormon Adrenalin frei. Es beschleunigt viele Körperfunktionen – normalerweise, um die Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft kurzfristig zu erhöhen: DasHerz schlägt schneller, die Atemzüge werden kurz und flach. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung hält dieser normalerweise nur kurze körperliche Alarmzustand mit Herzrasen oder -klopfen und Kurzatmigkeit oft länger an. Er wird dann als sehr unangenehm erlebt.
Mögliche weitere Symptome sind unter anderem Benommenheit, Nervosität oder Schwindel. Häufig sind auch Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen und Magenbeschwerden.
Sich ständig zu ängstigen, ist erschöpfend und kann zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen.
Wenn Ängste nur in bestimmten Situationen auftreten, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine generalisierte Angststörung. Auch plötzlich einsetzende Panikattacken sind kein Merkmal einer generalisierten Angststörung, sie können aber manchmal hinzukommen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen einer generalisierten Angststörung sind noch nicht ganz geklärt. Vermutlich spielen sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle. Manche Menschen mit einer Angststörung haben in ihrer Kindheit oder im späteren Leben ein Schweres Trauma durchlebt, Verluste erlitten oder viele strapaziöse Erfahrungen gemacht, zum Beispiel starken familiären Stress oder andauernde extreme Arbeitsbelastung.
Manchmal kann eine Lebenskrise Ängste hervorrufen, die sich zu einer generalisierten Angststörung entwickeln. Es gibt auch Hinweise darauf, dass in manchen Familien häufiger Angststörungen vorkommen. Manchmal ist eine Angststörung Folge einer anderen Erkrankung – etwa einer Depression oder Panikstörung, oder sie hängt mit einer Suchterkrankung zusammen. Sie kann aber auch ohne erkennbare Gründe auftreten.
Häufigkeit
Die generalisierte Angststörung ist eine verbreitete Angsterkrankung. Nach Schätzungen erhalten etwa 5 % aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Meist beginnt eine Angststörung im mittleren Erwachsenenalter – manchmal aber auch schon im Kindes- oder erst im Seniorenalter.
Verlauf
Normalerweise entwickelt sich eine generalisierte Angststörung langsam. Ängste und mögliche körperliche Symptome wie Herzrasen fallen zunächst nicht als Anzeichen einer Erkrankung auf. Erst allmählich schränken die Beschwerden den Alltag und das Wohlbefinden immer stärker ein.
Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein. Es dauert häufig viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Bis dahin erleben Betroffene aber auch Phasen mit weniger starker Angst.
In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder vierte Betroffene die Angststörung überwunden. Langfristig schaffen es jedoch viele Menschen, ihre Ängste zu überwinden. Mit dem Alter geht sie ohnehin oft zurück.
Diagnose
Die Symptome einer generalisierten Angststörung können denen anderer psychischer Erkrankungen wie Phobien, Panikstörungen oder Zwangsstörungen ähneln. Zudem haben viele Betroffene auch Beschwerden, die eher zu einer Depression passen.
Die möglichen körperlichen Symptome der generalisierten Angst – etwa Herzrasen – kommen auch bei Erkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion vor oder können durch bestimmte Arzneien und Drogen wie Amphetamine („Speed“) ausgelöst werden.
Eine generalisierte Angststörung festzustellen, kann deshalb schwierig sein und einige Zeit dauern – vor allem wenn man zunächst wegen der körperlichen Symptome Hilfe sucht, vielleicht sogar in der Notaufnahme. Manchmal wird dann nur ein körperliches Symptom der Störung behandelt, oder nur ein einzelnes Symptom wie Schlafstörungen. Durch erste Gespräche im Rahmen einer Psychotherapie gelingt es Fachleuten aber, die richtige Diagnose zu stellen. Eine „generalisierte Angststörung“ wird diagnostiziert, wenn Ängste
- für mindestens sechs Monate andauern und in dieser Zeit an den meisten Tagen bestehen,
- unkontrollierbar werden,
- so belastend sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen und
- wenn sie mit mindestens drei körperlichen Symptomen verbunden sind – etwa beschleunigter Puls, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden.
Behandlung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Angststörung mit der Zeit besser in den Griff zu bekommen. Dazu gehören:
- psychologische und psychotherapeutische Behandlungen: Hierzu gehören Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie. Mit ihrer Hilfe kann man lernen, seine Gedanken und Ängste zu steuern und zu verändern.
- Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sowie Atemübungen können helfen, sich zu entspannen und mit Stress besser umzugehen. Sie werden oft auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen eingesetzt.
- Medikamente: Bei einer Angststörung kommen vor allem bestimmte Antidepressiva infrage. Manche Menschen wenden auch pflanzliche Beruhigungsmittel auf Baldrian- oder Kamillebasis an.
- Selbsthilfe: In Selbsthilfegruppen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Manchen Menschen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – ob mit Büchern, Broschüren oder im Internet.
Zwar ist durch keine Behandlungsmethode eine schnelle und einfache „Heilung“ zu erwarten – die verschiedenen Verfahren können aber dafür sorgen, dass Symptome gemildert werden und man mit der Angst besser umgehen kann. Das ist oft schon nach einigen Wochen spürbar. Viele Menschen schaffen es mit Geduld und der Hilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten mit der Zeit dann auch, ihre Angststörung zu überwinden.
Leben und Alltag
Viele Menschen mit einer generalisierten Angststörung erleben, dass die Erkrankung ihren beruflichen und privaten Alltag und ihre persönlichen Beziehungen beeinflusst. Bei manchen führt die Angst zum Beispiel dazu, dass sie sich öfter krankmelden. Viele versuchen, ihre Angst zu verbergen und ziehen sich deshalb von anderen Menschen zurück. Manche bleiben dann viel zu Hause, wo sie sich sicher fühlen. Sie versuchen so, Situationen zu umgehen, die ihre Angst steigern und körperliche Symptome auslösen oder verstärken könnten.
Oft fällt es sehr schwer, mit einer Angsterkrankung offen umzugehen. Vielen gelingt das kaum, oder nur bei einer Vertrauensperson. Mit therapeutischer Unterstützung ist es aber oft möglich, sich zum Beispiel Familienmitgliedern zu öffnen und sie über die eigene Erkrankung aufzuklären. Sich professionelle Unterstützung, aber auch Hilfe im persönlichen Umfeld zu suchen, empfinden viele als einen wichtigen Schritt zur Bewältigung der Angst. Hilfreich erscheint vielen auch, im Alltag trotz Ängsten möglichst aktiv zu bleiben – etwa durch Sport oder indem man sich um andere Menschen kümmert.
Gerstenkorn und Hagelkorn (Augenlidentzündung)
Gersten- und Hagelkörner sind häufig und können in jedem Alter auftreten. Dabei schwillt das Lid an, weil sich eine Drüse am Lidrand entzündet hat. Wenn Bakterien im Spiel sind, kann das sehr rasch geschehen und schmerzhaft sein. Meist verschwindet ein Gersten- oder Hagelkorn von allein.
Auf einen Blick
Bei einer Augenlidentzündung schwillt das Lid an, weil sich eine Drüse am Lidrand entzündet hat. Wenn Bakterien im Spiel sind, kann das sehr rasch geschehen und schmerzhaft sein. Dann spricht man von einem Gerstenkorn (Hordeolum) – einer eitrigen Augenlidentzündung.
Ein Hagelkorn (Chalazion) entwickelt sich langsamer als ein Gerstenkorn und tut meist nicht weh. Es entsteht, wenn eine Talgdrüse schon länger entzündet ist. Bakterien spielen dabei keine Rolle.
Im Augenlid sitzen Schweiß- und Talgdrüsen, die dafür sorgen, dass die Augen nicht austrocknen. Der dort gebildete Talg vermischt sich mit dem Tränenfilm und hält die Augen feucht. Wenn eine Lidranddrüse verstopft oder mit Bakterien infiziert ist, kann sich die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verschlechtern und das Augenlid entzünden.
Symptome
Bei einer Augenlidentzündung rötet sich das Ober- oder Unterlid und schwillt an, meist am Rand im Bereich der Wimpern. Deshalb wird oft auch von einer Lidrandentzündung gesprochen. Die Schwellung kann etwa erbsengroß werden.
Ein Gerstenkorn ist schmerzhaft. In der Mitte der Schwellung sammelt sich Eiter an, der von außen häufig als gelber Punkt zu erkennen ist.
Ein Hagelkorn ist nicht eitrig und verursacht in der Regel auch keine Schmerzen. Es kommt oft auf der Innenseite eines Lids vor. Viele Menschen empfinden es aber als störend.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Gerstenkorn kann entstehen, wenn sich Bakterien in einer Drüse festsetzen. Meist handelt es sich um Staphylokokken. Das Risiko für ein Gerstenkorn ist erhöht, wenn man zum Beispiel beim Tragen von Kontaktlinsen nicht auf die nötige Hygiene achtet. Ungünstig ist außerdem, wenn Talg oder Schweiß nicht gut abfließen können. Dies kann passieren, wenn die Drüsen durch eingetrocknetes Sekret oder nicht entferntes Make-Up verklebt sind. Bei Menschen mit Diabetes mellitus oder anderen Erkrankungen, die die Immunabwehr schwächen, entwickeln sich Gerstenkörner ebenfalls häufiger. Auch Hauterkrankungen wie Rosazea Hormonschwankungen und Stress gelten als Risikofaktoren.
Hagelkörner werden vor allem durch eine Verstopfung und chronische Entzündung einer Talgdrüse verursacht: Der Talg staut sich an und es entsteht immer mehr festes Entzündungsgewebe, sogenanntes Granulationsgewebe. Weil keine Bakterien beteiligt sind, bildet sich auch kein Eiter. Chronische Hauterkrankungen wie Rosazea erhöhen das Risiko für Hagelkörner.
Häufigkeit und Verlauf
Augenlidentzündungen wie Gersten- und Hagelkörner sind häufig und können in jedem Alter auftreten.
Ein Gerstenkorn entsteht recht schnell, normalerweise verschwindet es aber bald wieder: Nach etwa einer Woche fließt der Eiter meist von selbst ab und die Entzündung geht zurück.
Bei einem Hagelkorn entwickelt sich die Schwellung etwas langsamer. Sie bildet sich meist von selbst zurück, doch bis das Hagelkorn verschwunden ist, können einige Wochen bis Monate vergehen. Es kann aber auch passieren, dass sich ein Hagelkorn nicht von selbst zurückbildet.
Folgen
Aus einem nicht vollständig abgeheilten Gerstenkorn entsteht manchmal ein Hagelkorn. An derselben Stelle kann sich erneut ein Gerstenkorn bilden.
Bei einem Gerstenkorn kann sich die Entzündung weiter ausbreiten, etwa auf die Augenhöhle. Solche Komplikationen sind bei Augenlidentzündungen allerdings sehr selten – vor allem bei ansonsten gesunden Menschen. Wichtig ist, nicht an der Entzündung herumzudrücken, während der Entzündung auf Hygiene zu achten und beispielsweise Handtücher nicht mit anderen zu teilen.
Diagnose
Gersten- und Hagelkörner lassen sich mit bloßem Auge erkennen und anhand ihrer Symptome gut unterscheiden: Wenn die Entzündung auch bei Druck nicht schmerzt, spricht das in der Regel für ein Hagelkorn.
Augenärztinnen und -ärzte überprüfen meist zusätzlich die Sehfähigkeit und schauen sich die Augen und Lider mithilfe einer Vergrößerungslampe (Spaltlampe) genauer an.
Weil Gerstenkörner meist durch Staphylokokken ausgelöst werden, ist ein Abstrich zur Keimbestimmung in der Regel überflüssig. Weitere, zum Teil aufwendige Untersuchungen wie Bluttests oder Gewebeuntersuchungen sind bei Augenlidentzündungen nur nötig, wenn der Verdacht auf eine bösartige Hautwucherung besteht oder das Immunsystem geschwächt ist.
Behandlung
Meist verschwindet ein Gersten- oder Hagelkorn von allein. Es gibt einige Methoden, die das Abheilen beschleunigen sollen. Insgesamt ist aber nicht gut untersucht, was die verschiedenen Behandlungen bringen. Wenn ein Gersten- oder Hagelkorn nicht abheilt, kommt auch ein kleiner chirurgischer Eingriff infrage.
Gicht
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden. Ein akuter Gichtanfall beginnt oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, schmerzhaften Gelenkschwellung. Bei Männern ist sie deutlich häufiger als bei Frauen. Lesen Sie, was die Gicht mit Ernährung zu tun hat, welche Behandlungen es gibt und warum es wichtig ist, frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen.
Auf einen Blick
Die Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden. Bei einem Gichtanfall schwellen bestimmte Gelenke innerhalb weniger Stunden an und werden sehr schmerzempfindlich. Auslöser der Entzündung sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die sich vor allem in den Gelenken ablagern. Solche Kristalle können entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet. Normalerweise klingt die Entzündungen von selbst innerhalb von 1 bis 2 Wochen vollständig ab. Die Schmerzen lassen sich durch Medikamente lindern.
Die meisten Menschen mit Gicht haben hin und wieder akute Anfälle. Dazwischen können Monate oder sogar Jahre vergehen. Gichtanfälle können aber auch häufiger sein. Um ihnen vorzubeugen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manchen Menschen hilft es bereits, auf bestimmte Lebensmittel und andere mögliche Auslöser zu verzichten. Für andere sind Medikamente sinnvoll, die den Harnsäurespiegel dauerhaft senken. Sie kommen vor allem bei häufigen Gichtanfällen infrage sowie bei Folgeerkrankungen wie Gichtknoten oder Nierensteinen.
Viele Menschen haben erhöhte Harnsäurewerte, aber keine Beschwerden. Ob dies eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist umstritten. Behandelt werden müssen sie nicht.
Symptome
Ein Gichtanfall beginnt oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, sehr schmerzhaften Gelenkschwellung. Das entzündete Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und gerötet. Meist sind Schwellung und Beschwerden nach 6 bis 12 Stunden am stärksten ausgeprägt. Häufig wird das Gelenk so empfindlich, dass bereits der Druck der Bettdecke kaum erträglich ist. Wenn die Schwellung nach einigen Tagen zurückgeht, kann sich die Haut im Bereich des Gelenks etwas abschälen.
Beim ersten Gichtanfall ist oft nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Andere Gelenke, die sich entzünden können, sind die Mittelfuß- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen, Hand- und Fingergelenke. In den Schultern und Hüften treten nur selten Gichtanfälle auf. Bei einer chronischen Gicht sind die Gelenke dauerhaft leicht entzündet. Sie können sich mit der Zeit verformen und sind dann in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.
Ursachen
Wenn das Blut zu viel Harnsäure enthält, kann sich eine Gicht entwickeln. Nach Schätzungen erkrankt aber nur etwa ein Drittel aller Menschen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel an Gicht.
Harnsäure ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purine, einem Bestandteil wichtiger Grundstoffe des Körpers, der Nukleinsäuren.
Normalerweise wird ein Teil der Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden . Bei manchen Menschen scheiden die Nieren aber nicht genug Harnsäure aus. Dadurch steigt der Harnsäurespiegel im Körper an. Wenn er eine bestimmte Grenze überschreitet, kann die Harnsäure Kristalle bilden, die sich im Körpergewebe ablagern. Meist sammeln sich die Kristalle in den Gelenken, wo sie einen Gichtanfall auslösen können.
Auch bestimmte Erkrankungen können dazu beitragen, dass sich zu viel Harnsäure im Körper ansammelt. Dazu gehören Blutbildungsstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie. Nur selten entsteht eine Gicht, weil der Körper zu viel Harnsäure produziert. Grund dafür kann zum Beispiel eine Erbkrankheit sein, bei der die Funktion bestimmter Eiweiße (Enzyme) gestört ist, die mit dem Harnsäure-Stoffwechsel zu tun haben.
Neben einem erhöhten Harnsäurespiegel spielen noch andere Faktoren eine Rolle – unter anderem der Flüssigkeitshaushalt in den Gelenken. So bilden sich in Gelenken eher Harnsäurekristalle, wenn deren Gewebe wenig Flüssigkeit enthält. Auch der Säuregrad (pH-Wert) der Gelenkflüssigkeit und die Gelenktemperatur haben einen Einfluss.
Risikofaktoren
Alle Faktoren, die den Harnsäurespiegel erhöhen, können auch eine Gicht begünstigen. Bei Menschen, die bereits an Gicht erkrankt sind, erhöhen sie das Risiko für weitere Anfälle. Zu den in wissenschaftlichen Studien nachgewiesenen Risikofaktoren für Gicht gehören:
- Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen: Dazu zählen vor allem entwässernde Medikamente (Diuretika), außerdem Acetylsalicylsäure (ASS) und bestimmte Medikamente, die nach einer Organtransplantation eingesetzt werden. Auch das Parkinson-Medikament Levodopa und Krebsmedikamente können Gicht begünstigen.
- Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte: Diese Lebensmittel enthalten viele Purine. Wenn sie in größeren Mengen verzehrt werden, erhöhen sie leicht das Risiko, an Gicht zu erkranken. Auch manche pflanzlichen Lebensmittel sind purinreich. Sie zeigten in Studien jedoch keinen Einfluss auf die Entstehung von Gicht.
- Alkohol: Alkoholische Getränke fördern die Bildung von Harnsäure und haben eine entwässernde Wirkung. Zudem führt Alkohol dazu, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden. Vor allem Bier enthält zudem relativ viele Purine. In Studien hat sich gezeigt, dass Bier und hochprozentiger Alkohol Gicht begünstigen können. Wein (in Maßen) hat anscheinend keinen Einfluss.
- zuckerhaltige Getränke: Getränke, die viel (Frucht-)Zucker enthalten, können ebenfalls eine Rolle spielen. Dies gilt besonders für gezuckerte Getränke wie Cola und möglicherweise auch für Fruchtsäfte. Süßstoffhaltige Limonaden und Obst stehen eher nicht mit Gicht in Verbindung.
- Übergewicht: Das Risiko, an Gicht zu erkranken, ist bei Übergewicht erhöht – und steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index.
Auch wenn bestimmte Lebensmittel und andere Faktoren das Risiko für Gicht oder Gichtanfälle geringfügig erhöhen können: Wichtig ist vor allem, dass die Nieren gut funktionieren und einen Überschuss an Harnsäure verlässlich ausscheiden können.
Häufigkeit
Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis) in Industrieländern wie Deutschland. Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 % der Bevölkerung betroffen. Männer haben ein deutlich höheres Risiko für Gicht: Sie erkranken ungefähr fünfmal so oft und auch früher als Frauen. Während Gicht bei Männern meist ab dem 40. Lebensjahr auftritt, kommt sie bei Frauen in der Regel erst nach den Wechseljahren vor. Grund dafür sind hormonelle Einflüsse auf die Nieren.
Verlauf
Nach einem Gichtanfall erholt sich das Gelenk normalerweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen von allein. Die meisten Menschen, die einen Gichtanfall hatten, erleben sechs Monate bis zwei Jahre danach einen weiteren. Wiederholte Anfälle können etwas länger dauern und mehrere Gelenke betreffen.
Nach durchschnittlich etwa zwölf Jahren kann eine Gicht chronisch werden und die Gelenke schädigen. Allerdings wird eine akute Gicht nicht bei allen Menschen chronisch. Wie hoch dieses Risiko ist, hängt unter anderem davon ab, wie stark der Harnsäurewert erhöht ist.
Eine andere mögliche Folge sind Harnsäure-Ablagerungen in den Weichteilen, sogenannte Gichtknoten. Sie entstehen ebenfalls über Jahre und treten vor allem am Ellbogen, den Achillessehnen, den Zehen- und Fingergelenken sowie am Ohr auf. Die meisten Gichtknoten sind nicht schmerzhaft. Unbehandelt entwickeln etwa 30 von 100 Personen mit akuter Gicht innerhalb von fünf Jahren Gichtknoten. Die Knoten können durch eine harnsäuresenkende Behandlung mit der Zeit auch wieder verschwinden.
Folgen
Wenn die Gicht chronisch wird und die Gelenke Schaden nehmen, schränkt dies die Beweglichkeit ein und kann auch die Muskeln schwächen.
Selten lagern sich Harnsäurekristalle an für Gicht untypischen Körperstellen ab, wie zum Beispiel im Bereich des Rückenmarks oder dem Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn sich dort Gichtknoten bilden, können sie auf die Nerven drücken und Komplikationen wie ein Karpaltunnelsyndrom oder Lähmungserscheinungen durch eine Quetschung des Rückenmarks auslösen.
Menschen mit Gicht haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Nierensteine. Nierensteine können schmerzhaft sein und Harnwegsinfektion begünstigen. Im Durchschnitt entwickelt knapp 1 von 100 Männern mit Gicht innerhalb eines Jahres Nierensteine.
Diagnose
Ärztinnen und Ärzte erkennen eine akute Gicht oft schon an den typischen Symptomen und Risikofaktoren. Vor allem eine schmerzhafte, gerötete Schwellung am Grund- oder Endgelenk des großen Zehs ist ein ziemlich sicheres Anzeichen für Gicht.
Um Gicht eindeutig nachzuweisen, ist eine Gelenkpunktion erforderlich. Dabei wird mit einer feinen Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen und anschließend im Labor untersucht. Finden sich Harnsäurekristalle in der Flüssigkeit, wird die Diagnose „Gicht“ gestellt. Ein Gelenk wird punktiert, wenn die Beschwerden nicht eindeutig sind oder andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden sollen. Hierzu gehört insbesondere eine Infektion des Gelenks mit Bakterien, zum Beispiel durch eine Verletzung. Sie sollte rasch behandelt werden.
Nur den Harnsäurespiegel im Blut zu bestimmen, ist zu wenig aussagekräftig, da er während eines Gichtanfalls oft in den Normalbereich absinkt.
Behandlung
Die Behandlung der Gicht hat zwei Ziele:
- Kurzfristig soll sie die Schmerzen bei einem Gichtanfall lindern.
- Langfristig soll sie weiteren Anfällen vorbeugen und das Risiko für chronische Entzündungen und Gelenkschäden senken.
Gichtanfälle werden mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Dazu gehören
- entzündungshemmende Schmerzmittel , zum Beispiel Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen;
- Kortisonpräperate in der Regel Tabletten mit dem Wirkstoff Prednisolon, sowie
- das Gichtmedikament Colchicin. Es wird wegen seiner langsameren Wirkung und möglicher Nebenwirkungen aber nicht mehr so oft eingesetzt.
Wenn ein einzelner Wirkstoff die Schmerzen nicht ausreichend lindert, können die Behandlungen kombiniert werden. Das betroffene Gelenk zu kühlen, hilft wahrscheinlich ebenfalls und wird von vielen Menschen als angenehm empfunden.
Das Ziel der langfristigen Gichtbehandlung ist, Gichtanfällen und Folgeproblemen vorzubeugen, indem man den Harnsäurespiegel senkt. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
- Die Ernährung verändern: vor allem weniger Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte essen und weniger Alkohol trinken.
- Harnsäuresenkende Medikamente einnehmen, in der Regel Allopurinol.
Nicht alle Menschen mit Gicht benötigen harnsäuresenkende Mittel. Vor allem nach einem ersten Gichtanfall ist eine Medikamenten-Behandlung meist nicht nötig. Der Grund: Manche Menschen haben danach jahrelang keine Probleme, andere nur selten.
Harnsäuresenkende Medikamente kommen vor allem infrage, wenn eine Umstellung der Ernährung nicht ausreicht, sich die Gichtanfälle häufen oder sie besonders belastend sind. Sie sind auch sinnvoll, wenn bereits Komplikationen wie Gichtknoten oder Nierensteine aufgetreten sind, oder wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist.
Leben und Alltag
Die Schmerzen bei einem Gichtanfall können so stark sein, dass sie viele Alltagsaktivitäten unmöglich machen. Gehen, Fahrradfahren, Schuhe anziehen oder etwas greifen und halten können zur Herausforderung werden. Manche Menschen entwickeln aber mit der Zeit ein Gefühl dafür, wann sich ein Gichtanfall anbahnt – etwa, weil das betroffene Gelenk vorher zwickt, kribbelt, sich dumpf oder steif anfühlt. Sie bereiten sich dann auf den Gichtanfall vor: Zum Beispiel erledigen sie bestimmte Tätigkeiten, bevor die Schmerzen stärker werden, damit sie die betroffenen Gelenke während des Anfalls schonen können.
Ein Gichtanfall schränkt aber nicht nur körperlich ein. Er kann einen erholsamen Schlaf unmöglich machen und aufs Gemüt schlagen. Meist ist man nicht in der Lage, zur Arbeit zu gehen oder den Haushalt zu erledigen. Es kann hilfreich sein, wenn Freunde und Familienangehörige darüber Bescheid wissen, wie schmerzhaft ein Gichtanfall ist. Dann können sie besser verstehen, warum in diesen Tagen Ruhe und Schonung wichtig sind. Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen, weil man nicht arbeiten kann und für Partner und Familie weniger ansprechbar ist.
Früher galt Gicht als Wohlstandserkrankung, die vor allem wohlgenährte und dem Alkohol zugeneigte ältere Männer trifft. Manche Menschen mit Gicht haben deshalb das Gefühl, als Person mit ausschweifendem Lebensstil abgestempelt zu werden. Dabei ist das ein Vorurteil – die Erkrankung kann ganz andere Ursachen haben. Zudem ist der Harnsäurespiegel bei sehr vielen Menschen hoch, ohne dass sie Beschwerden haben. Sich selbst die Schuld an der Erkrankung zu geben, ist also unnötig – und ebenso, sich zu viele Gedanken um seine Ernährung zu machen.
Gichtanfälle können das Bild vom eigenen Körper verändern. Gerade für jüngere Menschen kann es belastend sein, eine Krankheit zu haben, die eher als Alterserkrankung gilt. Frauen mit Gicht fühlen sich manchmal unattraktiv, weil sie zum Beispiel in der Wahl ihrer Schuhe eingeschränkt sind. Während eines Gichtanfalls kann jede Art von Druck auf die betroffenen Gelenke schmerzhaft sein – also auch körperliche Bewegung und selbst sanfte Berührungen.
Gürtelrose
Wer Windpocken hatte, kann auch eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren ausgelöst. Ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch starken Stress oder im Alter, kann den oft sehr schmerzhaften Hautausschlag begünstigen. Meist ist die Gürtelrose nach zwei bis vier Wochen überstanden.
Auf einen Blick
Jeder Mensch, der schon einmal Windpocken hatte, kann später eine Gürtelrose bekommen. Beide Erkrankungen werden durch dieselben Viren verursacht, die sogenannten Varizella-Zoster-Viren. Nach einer Infektion mit Windpocken (Varizellen) bleiben diese Viren im Körper. Viele Jahre später können sie wieder aktiv werden und eine Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen: einen meist streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen, der häufig sehr schmerzhaft ist. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf einer Körperhälfte auf.
Die Gürtelrose ist vor allem bei älteren Menschen eine recht häufige Erkrankung. Sie kann sehr unangenehm sein. Solange keine Komplikationen auftreten, ist sie aber meist nach 2 bis 4 Wochen überstanden.
Seit 2018 wird über 60-Jährigen eine Impfung gegen Gürtelrose empfohlen; Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischer Erkrankung bereits ab 50 Jahren.
Eine Gürtelrose ist ansteckend – allerdings nur für Personen, die noch keine Windpocken hatten. Die Ansteckung führt bei diesen Menschen zu einer Windpocken-Erkrankung, nicht zu einer Gürtelrose.
Symptome
Bevor sich der Hautausschlag bildet, fühlt man sich meist abgeschlagen und müde. Es kann auch zu leichtem Fieber kommen und unter der Haut kribbeln. Nach 2 bis 3 Tagen zeigen sich die typischen Symptome und Beschwerden:
- ein brennender oder stechender, mittelstarker bis starker Schmerz im betroffenen Bereich,
- gefolgt von leichten Hautrötungen mit kleinen Knötchen,
- aus denen sich innerhalb weniger Stunden Bläschen entwickeln, die jucken können.
Dieses Stadium hält bis zu fünf Tage an. Danach trocknen die Bläschen innerhalb von 2 bis 10 Tagen aus und es bilden sich gelbliche Krusten.
Charakteristisch sind die Form des Hautausschlags und das einseitige Auftreten: Er zieht sich streifenförmig über die betroffene Körperhälfte. Am Rumpf erinnert der Ausschlag an einen Gürtel, daher der Name „Gürtelrose“.
Der Ausschlag tritt am häufigsten auf dem Rumpf oder Brustkorb auf. Er kann sich aber überall auf dem Körper entwickeln, zum Beispiel auf den Armen, am Kopf oder im Gesicht. Manchmal sind dann auch Augen oder Ohren betroffen. Bei einigen Menschen bilden sich auch auf größeren Bereichen Bläschen.
Ursachen
Nach einer Windpocken-Erkrankung nisten sich die Varizella-Zoster-Viren unbemerkt in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein. Man trägt sie ein Leben lang im Körper, normalerweise ohne etwas davon zu spüren.
Wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel durch eine Erkrankung, starken Stress oder im Alter, können sich die Viren erneut vermehren. Sie wandern dann am betroffenen Nerv entlang in die Haut. Durch die Vermehrung der Viren in den Hautzellen entstehen eine Entzündung und der typische Hautausschlag. Die Entzündung des Nervs führt dazu, dass die von ihm versorgten Hautbereiche schmerzen.
Menschen, die noch keine Windpocken hatten, können sich bei Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit einer Gürtelrose mit dem Varizella-Zoster-Virus anstecken. Die Ansteckung kann dann zunächst nur zu einer Windpocken-Erkrankung führen, nicht zu einer Gürtelrose. Wenn alle Bläschen ausgetrocknet sind und die letzte Kruste abgefallen ist, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.
Eine Gürtelrose können auch Menschen bekommen, die gegen Windpocken geimpft wurden – nach Schätzungen allerdings seltener als Menschen, die die Windpocken durchgemacht haben.
Häufigkeit
Man geht davon aus, dass etwa 2 von 10 Personen, die Windpocken hatten, im Laufe ihres Lebens eine Gürtelrose bekommen. Meist erkranken Menschen über 50 Jahre. Das Risiko für eine Gürtelrose steigt mit dem Alter an, da das Immunsystem mit den Jahren schwächer wird. In Deutschland erkranken jährlich mehr als 300.000 Menschen.
Verlauf
Bei einem normalen Verlauf ohne Komplikationen dauert es bei Erwachsenen 2 bis 4 Wochen, bis eine Gürtelrose abheilt. Bei Kindern und jungen Menschen verläuft die Erkrankung im Allgemeinen unkompliziert. Die meisten Erwachsenen erkranken nur einmal im Leben.
Sehr selten breiten sich die Bläschen auf benachbarte Hautbereiche oder sogar auf den gesamten Körper aus. Dies kann bei Menschen passieren, deren Immunsystem sehr geschwächt ist, beispielsweise durch eine schwere Erkrankung wie Krebs oder AIDS. Für sie kann eine Gürtelrose lebensbedrohlich werden.
Folgen
Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben. Folgen einer Gürtelrose können auch eine Überempfindlichkeit der Haut oder Pigmentstörungen sein. Bei einer Pigmentstörung ist die Haut an den betroffenen Stellen blasser oder dunkler als die umliegende Haut.
Tritt die Gürtelrose im Gesicht auf, kann sie auf das Auge übergreifen und dort eine Hornhautentzündung verursachen. Wenn Hör- und Gesichtsnerven betroffen sind, kann es zu einer Hörminderung oder zu Lähmungen im Gesicht kommen. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel nach dem Abheilen der Gürtelrose wieder.
Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen haben durch die Nervenentzündung auch noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag abgeheilt ist. Dies bezeichnet man als „Post-Zoster-Neuralgie“ oder „postherpetische Neuralgie“. Sie kann mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre anhalten.
Menschen mit stark geschwächter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Bei ihnen kann sich eine Lungen-, Leber- oder Hirnhautentzündung entwickeln.
Im Gegensatz zur Windpocken-Erkrankung ist eine Gürtelrose während der Schwangerschaft für das Kind ungefährlich.
Diagnose
Da sich oft zuerst die Schmerzen und danach die typischen Hautveränderungen bemerkbar machen, kann die Diagnose am Anfang schwierig sein. Je nachdem, wo die Gürtelrose auftritt, werden manchmal zuerst andere Ursachen für die Schmerzen vermutet, zum Beispiel eine Blinddarm- oder Gallenblasenentzündung, einBandscheibenvorfall oder gar ein Herzinfarkt.
Auch den Hautausschlag halten viele Menschen zunächst nicht für eine ansteckende Erkrankung, sondern zum Beispiel für ein Ekzem. Dies kann dazu führen, dass sie einen Arztbesuch nicht für nötig halten.
Ärztinnen und Ärzte erkennen eine Gürtelrose am typischen einseitigen Hautausschlag sowie den zugehörigen Schmerzen oder Empfindungsstörungen. Im Zweifel wird untersucht, ob die Bläschenflüssigkeit Viren enthält. Außerdem kann überprüft werden, ob sich im Blut vermehrt Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus finden.
Vorbeugung
Seit Ende 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren mit einem Totimpfstoff. Das heißt, der Impfstoff enthält nur Virusbestandteile, keine abgeschwächten Viren. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes Mellitus , rheumatoider Arthritis oder einer Immunschwäche wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Sie besteht aus zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 2 bis höchstens 6 Monaten.
Studien zeigen, dass der Impfstoff bei gesunden Menschen das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, deutlich verringert. Ob der Impfschutz länger als vier Jahre anhält, lässt sich noch nicht sicher sagen, weil der Totimpfstoff relativ neu ist. Nach der Impfung kann es zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen und Ausschlägen, Schmerzen an der Einstichstelle oder Schwellungen kommen. Diese sind Zeichen einer normalen Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff.
Die Impfkosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Behandlung
Beschwerden wie Schmerzen und Fieber lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol lindern. Bei starken Schmerzen werden manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente wie Opioide verordnet.
Bei einer Gürtelrose wird eine sorgfältige Hautpflege empfohlen. Um den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen, werden oft antiseptische oder juckreizstillende Lotionen, Gele oder Puder angewendet. Meist enthalten sie Gerbstoffe, Zink, Menthol oder Polidocanol. Wenn sich bereits Bläschen gebildet haben, wird manchmal auch zu kühlenden feuchten Umschlägen geraten. Wie gut diese Behandlungen bei einer Gürtelrose helfen, ist allerdings wissenschaftlich nicht gut untersucht.
Spezielle Medikamente gegen das Herpes Zoster-Virus (Virostatika) werden vor allem empfohlen bei:
- Personen über 50 Jahre,
- einer Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich,
- einem geschwächten Immunsystem,
- einer Nierenschwäche,
- schweren Verläufen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen.
Frühzeitig eingenommen, können sie bei Gürtelrose die Heilung beschleunigen und die Dauer der Schmerzen verkürzen. Deshalb ist es sinnvoll, die antivirale Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags zu beginnen. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Medikamente auch als Infusion in die Vene (intravenös) gegeben werden. Wenn das Ohr beteiligt ist, wird oft zusätzlich mit Kortison behandelt. Die Vor- und Nachteile einer solchen Kombinationstherapie sind aber noch unklar.
Leben und Alltag
Wichtig ist
…, das Aufkratzen der Bläschen möglichst zu vermeiden: Die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend und aufgekratzte Bläschen können Narben zurücklassen.
Solange eine Gürtelrose ansteckend ist – also bis die letzten Bläschen komplett ausgeheilt sind –, sollten Erkrankte den direkten körperlichen Kontakt mit anderen Menschen meiden, wenn sie nicht wissen, ob diese vor Windpocken geschützt sind. Dies gilt vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und für Schwangere. Die Ansteckungsgefahr lässt sich verringern, wenn man die Bläschen mit einem Verband abdeckt.
Hand-Fuß-Mund-Krankheit
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist sehr ansteckend. Sie wird so genannt, weil sie zu schmerzhaften Bläschen im Mund und Ausschlag an Händen und Füßen führen kann. Vor allem jüngere Kinder erkranken an der Virusinfektion. Meist klingen die Symptome nach einer Woche ab.
Auf einen Blick
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist eine sehr ansteckende Erkrankung, die vor allem Kinder bekommen. Sie wird so genannt, weil sie zu schmerzhaften Bläschen im Mund und einem Ausschlag an Händen und Füßen führen kann.
Viele bemerken die Infektion gar nicht. Wenn es zu Beschwerden wie Fieber und Ausschlag kommt, klingen diese nach etwa einer Woche von allein wieder ab. Normalerweise hat die Erkrankung keine Folgen. Nur sehr selten löst die Hand-Fuß-Mund-Krankheit Komplikationen wie eine Gehirnhautentzündung aus.
Eine Therapie gibt es nicht – sie ist aber wegen des fast immer milden Verlaufs auch nicht nötig. Schmerzstillende und fiebersenkende Mittel können die Beschwerden lindern. Wichtig ist, dass erkrankte Kinder genug trinken.
An der Hand-Fuß-Mund-Krankheit erkranken nur Menschen. Sie hat nichts mit der Maul- und Klauenseuche zu tun, die bei Rindern, Schafen und Schweinen vorkommt.
Symptome
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit macht sich zunächst oft durch Fieber bemerkbar. Die meist jungen Erkrankten können sich außerdem unwohl fühlen, Halsweh oder keinen Appetit haben.
Nach 1 bis 2 Tagen bildet sich ein Ausschlag im Mund: Insbesondere im hinteren Bereich der Mundhöhle, an der Zunge und am Zahnfleisch entstehen kleine rote Flecken, die sich zu Bläschen und dann zu schmerzhaften wunden Stellen entwickeln können. Kinder vermeiden es deshalb zu schlucken, sodass es zu starkem Speichelfluss aus dem Mund kommen kann.
Weitere 1 bis 2 Tage danach erscheinen rote, teilweise leicht erhabene Flecken auf der Haut meist auf den Handinnenflächen und Fußsohlen. Der Ausschlag kann jedoch auch am Po, im Genitalbereich, an den Knien oder Ellenbogen auftreten. In der Regel juckt er nicht. Es gibt aber auch eine untypische Form mit starkem Juckreiz.
Aus einigen Flecken werden Bläschen, die nach wenigen Tagen verkrusten – vor allem um den Mund herum. Meist ist der Ausschlag nach gut einer Woche abgeheilt. Narben bleiben nicht zurück.
Ursachen und Risikofaktoren
Auslöser für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit sind Viren aus der Gruppe der Enteroviren. Sie sind sehr ansteckend und werden von Mensch zu Mensch übertragen. Das passiert oft über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Nasen- und Rachenschleim oder Speichel – etwa beim Anniesen oder Anhusten. Auch beim Küssen und engen Körperkontakt kann es zu einer Übertragung kommen. Wer zum Beispiel beim Windeln wechseln mit dem Stuhl des erkrankten Kindes in Berührung kommt, kann sich ebenfalls anstecken. Trotzdem erkranken Erwachsene nur selten – vermutlich, da sie selbst als Kinder erkrankt waren. Oder sie stecken sich zwar an, entwickeln aber keine Symptome und bemerken die Infektion daher nicht.
An Gegenständen wie Spielzeug, Türklinken oder Besteck können ebenfalls ansteckende Körperflüssigkeiten haften. Wer sie anfasst und sich dann das Auge reibt oder an Nase oder Mund fasst, kann sich indirekt anstecken.
Häufigkeit
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist weit verbreitet und betrifft vorwiegend Kinder unter zehn Jahren. Schätzungsweise erkranken in Deutschland jährlich 80.000 bis 140.000 Menschen. Da viele eine Infektion gar nicht bemerken, fehlen genaue Zahlen.
Im Sommer und Herbst kommt es häufiger zu Ausbrüchen – wahrscheinlich, weil warme und feuchte Witterung die Ansteckung mit diesem Erreger fördert.
Verlauf
Man geht davon aus, dass 80 % aller Personen, die sich mit den Hand-Mund-Fuß-Viren anstecken, keine Beschwerden haben und die Erkrankung daher nicht bemerken. Solche symptomlosen Verläufe kommen hauptsächlich bei Erwachsenen vor.
Von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen vergehen in der Regel wenige Tage bis eine Woche. Meistens verläuft die Erkrankung mild und folgenlos. Es dauert ungefähr eine Woche, bis die Symptome wieder abgeklungen sind.
Folgen
Bei starken Schmerzen im Mund schlucken die Kinder ihren Speichel nicht mehr herunter. Speichel fließt ihnen aus dem Mund und kann – vor allem, wenn sie sich oft ins Gesicht fassen – Bläschen und Verkrustungen um den Mund herum fördern.
Die Schmerzen können auch dazu führen, dass Kinder kaum etwas essen, insbesondere keine festen, scharfen oder sauren Lebensmittel. Wenn ein Kind auch nichts mehr trinken mag, ist eine ärztliche Behandlung erforderlich, um eine Austrocknung zu verhindern.
Sehr selten kommt es zu Komplikationen: An Fingern oder Zehen können einzelne Nägel ausfallen, sie wachsen aber wieder nach. Auch eine Entzündung des Gehirns oder der Gehirnhaut, Lähmungen oder sogar lebensbedrohliche Lungen- und Kreislaufprobleme zählen zu möglichen, aber sehr seltenen Folgen.
Wenn die Hand-Fuß-Mund-Krankheit während der Schwangerschaft ausbricht, verläuft sie in der Regel harmlos. Während und nach der Geburt kann sich ein Neugeborenes bei der Mutter anstecken. Sehr selten kann die Infektion sich dann auf den gesamten Körper des Kindes ausbreiten und zu Komplikationen führen. Das Risiko für diese sogenannte systemische Infektion nimmt nach den ersten zwei Lebenswochen aber wieder ab.
Diagnose
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit lässt sich meist an den Beschwerden und am typischen Ausschlag gut erkennen. Eltern bemerken die Erkrankung auch daran, dass dem Kind Speichel aus dem Mund läuft, dass es kaum isst oder – wenn überhaupt – nur Kaltes trinken will.
Weiterführende Tests – etwa Laboruntersuchungen – sind in der Regel nicht notwendig. Die Viren können aber in einer Stuhlprobe, einem Rachen- oder Bläschenabstrich oder wenn nötig auch im Hirnwasser nachgewiesen werden, um bei seltenen schweren Verläufen schnell die richtige Diagnose zu stellen.
Vorbeugung
Solange sich Symptome zeigen, ist man besonders ansteckend – vor allem über die Flüssigkeit in den Bläschen. Die Viren können nach dem Abklingen der Beschwerden noch mehrere Wochen lang im Stuhl ausgeschieden werden. Daher ist eine Übertragung auch später möglich, aber weniger wahrscheinlich. Fachleute empfehlen deshalb, dass ein erkranktes Kind nur während der akuten Phase zu Hause bleibt, bis die Bläschen komplett abgetrocknet sind.
Wie bei vielen anderen Infektionskrankheiten gilt: Gute Händehygiene beugt Ansteckungen vor. Wichtig ist, darauf zu achten, nicht mit den Bläschen und Krusten in Berührung zu kommen – und wenn doch, sich danach nicht ins Gesicht zu fassen, sondern sofort die Hände gründlich zu waschen. Weitere Maßnahmen sind für Eltern, Geschwister und andere Kontaktpersonen nicht nötig.
Eine Impfung gegen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist nicht verfügbar.
Behandlung
Es gibt keine Behandlung, die die Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit bekämpft und die Erkrankung heilt. Antibiotika sind unwirksam. Da die Infektion aber in der Regel von selbst und ohne Folgen wieder abklingt, sind auch keine besonderen Therapie-Maßnahmen nötig.
Eltern sollten aber darauf achten, dass ihr erkranktes Kind trotz der Schmerzen im Mund ausreichend trinkt. Schmerzlindernde und wenn nötig auch fiebersenkende Mittel wie Paracetamol können helfen, die Beschwerden zu lindern. Kinder mit einer Virusinfektion dürfen allerdings kein ASS (Acetylsalicylsäure) einnehmen, weil ASS bei ihnen eine zwar seltene, dann aber lebensbedrohliche Komplikation (Reye-Syndrom) auslösen kann.
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit lässt sich meist problemlos zu Hause auskurieren. Bei Komplikationen kann allerdings eine Behandlung im Krankenhaus nötig werden. Sollte einer der folgenden Punkte zutreffen, ist rascher ärztlicher Rat wichtig:
- Das erkrankte Kind ist jünger als sechs Monate.
- Das Kind trinkt zu wenig und wirkt ausgetrocknet – das heißt, es ist schläfrig, apathisch und hat einen trockenen Mund. Auch die Augen oder die Fontanelle können eingesunken sein.
- Das Fieber dauert länger als drei Tage.
- Das Kind hat ein geschwächtes Immunsystem.
- Die Beschwerden sind besonders stark ausgeprägt – etwa sehr schmerzhafte, großflächige wunde Stellen im Mund.
- Symptome kommen hinzu, die auf Komplikationen hindeuten: etwa starke Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Nackensteife (das Kinn lässt sich dann nicht auf die Brust nehmen), Benommenheit oder Bewusstlosigkeit.
- Die Symptome haben sich nach zehn Tagen noch nicht gebessert.
Wenn bei erkrankten Erwachsenen doch einmal schwere Symptome auftreten oder die Beschwerden lange anhalten, ist es sinnvoll, sich ebenfalls ärztlich untersuchen zu lassen.
Hashimoto-Thyreoiditis
Der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion ist hierzulande die Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.
Auf einen Blick
Die Schilddrüse bildet unter anderem die Hormone T3 und T4, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern. Bei der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Die Ursache ist eine Autoimmunreaktion. Sie führt oft dazu, dass die Drüse nicht mehr ausreichend Hormone produziert. Zu Beginn der Erkrankung ist durch die Entzündung vorübergehend eine Schilddrüsenüberfunktion möglich. Im Verlauf kommt es aber zu einer Schilddrüsenunterfunktion die verschiedenste Beschwerden hervorrufen kann, zum Beispiel Müdigkeit oder Hautveränderungen.
Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen, die täglich eingenommen werden. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.
Symptome
Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, sind viele Körperfunktionen beeinträchtigt – deshalb können ganz unterschiedliche Beschwerden auftreten.
Viele Betroffene fühlen sich allgemein geschwächt, häufig müde und frieren leicht. Der Körper kann sich sichtbar verändern – zum Beispiel kann der Hals dicker werden, weil die Schilddrüse durch die Entzündung manchmal größer wird (Struma). Im Verlauf kann die Schilddrüse auch stark schrumpfen. Außerdem kann die Haut trockener werden oder sich verdicken, sodass das Gesicht etwas aufgedunsen wirkt. Manche nehmen an Gewicht zu.
Außerdem können Heiserkeit, Verstopfung langsamer Pulsschlag,Regelbeschwerden oder Erektionsstörungen auftreten. Auch psychische Probleme wie Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit gehören zu möglichen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion.
Ursachen
Die Entzündung der Schilddrüse wird bei der Hashimoto-Thyreoiditis durch eineAutoimmunreaktion ausgelöst: Dabei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper – in diesem Fall greift es das Schilddrüsengewebe an. Dies führt zu einer chronischen Entzündung der Drüse. Bei einem Teil der Betroffenen geht dadurch allmählich immer mehr Schilddrüsengewebe zugrunde und wird durch Bindegewebe ersetzt.
Wie es zu dieser „Fehleinschätzung“ des Immunsystems kommt, ist unklar. Genetische Ursachen spielen eine Rolle. Fachleute gehen davon aus, dass eine sehr hohe Jodzufuhr – etwa im Rahmen einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel – bei Menschen mit entsprechender Veranlagung die Beschwerden auslösen kann. Im täglichen Leben werden so hohe Jodkonzentrationen durch die Nahrung jedoch nicht erreicht.
Häufigkeit
Schätzungsweise 4 von 1000 Frauen und 1 von 1000 Männern erkranken an einer Hashimoto-Thyreoiditis. Sie ist hierzulande der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann aber auch bei Kindern oder in höherem Alter auftreten.
Verlauf
Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis bleibt die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut zunächst oft normal, obwohl Schilddrüsenzellen absterben. Das restliche Gewebe der Schilddrüse kann nämlich die Hormonproduktion steigern. Um den Hormonspiegel im Normalbereich halten zu können, wächst das noch funktionierende Gewebe. Die Schilddrüse wird deshalb bei einer Hashimoto-Thyreoiditis anfangs häufig größer (Struma).
Über längere Zeit kann aber so viel Drüsengewebe zugrunde gehen, dass nicht mehr genug Schilddrüsenhormone gebildet werden. Dann treten typische Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion auf.
Selten kommt es zu Beginn der Erkrankung kurzzeitig zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Beschwerden wie Herzrasen, Nervosität und vermehrtem Schwitzen. Der Grund: In der Schilddrüse ist eine gewisse Menge von Hormonen gespeichert. Stirbt Schilddrüsengewebe ab, werden die darin enthaltenen Hormone auf einmal freigesetzt.
Diagnose
Bei Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und tastet die Schilddrüse ab. Gegebenenfalls wird sie außerdem per Ultraschall untersucht.
Ob es sich um eine Hashimoto-Thyreoiditis handelt, zeigen letztlich Bluttests: Dabei werden zum einen die sogenannten Schilddrüsenwerte gemessen Dazu gehören die Schilddrüsenhormone selbst und das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH). Das TSH wird in der Hirnanhangdrüse gebildet und steuert die Funktion der Schilddrüse. Zum anderen wird überprüft, ob sich im Blut typische Antikörper gegen Schilddrüsengewebe befinden. Sie entstehen aufgrund der Fehlregulation des Immunsystems.
Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Um diese zu erkennen, sind bei entsprechendem Verdacht manchmal weitere Untersuchungen notwendig – etwa Tests auf eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Diabetes mellitus. Bei Typ-1-Diabetes mellitus werden Zellen der Bauchspeicheldrüse vom eigenen Immunsystem angegriffen.
Folgen
Wenn eine Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt, ist eine Behandlung wichtig. Sonst können langfristig Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Sehr selten kommt es zu Krampfanfällen, Konzentrations-, Gedächtnis- oder Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma.
Es kommt zwar insgesamt selten dazu, dennoch gilt bei einer Hashimoto-Thyreoiditis das Risiko für die Entstehung bösartiger Tumoren im Bereich der Schilddrüse als erhöht.
Behandlung
Die Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich nicht beheben. Führt die Entzündung zu einer Schilddrüsenunterfunktion, kann das fehlende Schilddrüsenhormon T4 (auch Thyroxin genannt) aber gut durch ein Medikament ersetzt werden. Der Wirkstoff wird als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament normalisiert die Hormonwerte. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Es dauert aber etwa 2 bis 3 Monate, bis sich der Hormonspiegel im Körper einpendelt.
L-Thyroxin wird bei der Hashimoto-Thyreoiditis einmal am Tag eingenommen – in der Regel lebenslang. Oft wird empfohlen, die Tablette morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff nüchtern besser aufnehmen können. Es ist aber auch möglich, die Tablette abends vor dem Schlafengehen etwa zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit einzunehmen.
Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosis richtet sich unter anderem nach den genauen Schilddrüsenwerten und dem Körpergewicht. Eine zu hohe Dosis kann zu Nervosität führen. Deshalb werden die Schilddrüsenwerte in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und die Dosierung, wenn nötig, angepasst. Später reicht es meist aus, die Werte einmal im Jahr zu kontrollieren.
Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis empfehlen Fachleute nach individueller Abwägung auch dann eine Behandlung, wenn nur eine sogenannte latente Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dabei schafft es die Schilddrüse noch, genügend Hormone zu bilden – allerdings nur, weil die Hirnanhangsdrüse sie stärker dazu anregt. Eine Behandlung der latenten Unterfunktion soll verhindern, dass sich daraus eine Schilddrüsenunterfunktion mit Beschwerden entwickelt.
Hepatitis B
Hepatitis ist der Fachbegriff für eine Entzündung der Leber. Sie wird häufig durch eine Infektion mit bestimmten Viren verursacht – das Hepatitis-B-Virus vor allem durch Blut und andere Körperflüssigkeiten. Das Risiko, sich mit diesem Virus anzustecken, ist für die meisten Menschen hierzulande sehr gering.
Auf einen Blick
Hepatitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung derLeber. Sie wird häufig durch eine Infektion mit bestimmten Viren verursacht. Es gibt verschiedene Hepatitis-Viren, die mit unterschiedlichen Buchstaben bezeichnet werden: Hepatitis A bis E.
Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Hierzulande ist eine Ansteckung selten. Bei Erwachsenen heilt die Infektion meistens von selbst aus und bleibt ohne Folgen. Viele bemerken sie nicht einmal. Bei einigen Menschen kann die Infektion aber auch chronisch werden und auf Dauer zu ernsthaften Folgen führen.
Symptome
Eine Hepatitis-B-Infektion kann verschiedene Symptome auslösen: Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, gelblich verfärbte Haut und Augen (Gelbsucht, Ikterus), allgemeines Unwohlsein, Gelenkschmerzen und Fieber.
Viele Menschen, die sich anstecken, haben jedoch keine oder keine typischen Beschwerden. Wenn es zu Beschwerden kommt, kann die Ansteckung bereits 1 bis 6 Monate zurückliegen. Das heißt, die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung kann recht lang sein. Während dieser Zeit können infizierte Personen das Virus unbemerkt übertragen.
Risikofaktoren
Meistens wird das Virus bei ungeschütztem Sex – also ohne Kondome – übertragen, wobei sich vor allem Männer anstecken, die Sex mit Männern haben. Andere Risikofaktoren sind Geschlechtsverkehr mit vielen wechselnden Partnerinnen oder Partnern sowie nicht sterile Spritzen oder Nadeln, etwa beim Drogengebrauch oder Tätowieren. Auch wer mit einer Person zusammenlebt, die mit Hepatitis B infiziert ist, oder sich dauerhaft in einem Land mit einer starken Verbreitung des Virus aufhält, hat ein höheres Infektionsrisiko.
Wenn eine schwangere Frau mit Hepatitis B infiziert ist, kann sie bei der Geburt ihr Baby anstecken. Die Schwangerschaftsvorsorge sieht aber eine Untersuchung auf Hepatitis B vor, sodass bei einer Infektion einer Übertragung auf das Kind während oder nach der Geburt vorgebeugt werden kann.
Häufigkeit
Hierzulande hat weniger als 1 von 100 Menschen eine Hepatitis-B-Infektion. Dem Robert Koch-Institut wurden in Deutschland im Jahr 2020 etwa 6800 Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus neu gemeldet.
Verlauf
Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus kann zu einer Leberentzündung führen. Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist von allein aus und muss nicht behandelt werden. Sehr selten kommt es zu einem plötzlichen Leberversagen.
Nach einer überstandenen Infektion hat das Immunsystem des Körpers Antikörper gebildet, die das Virus bei den allermeisten Menschen in Schach halten. Selten werden die Hepatitis-B-Viren erneut aktiv – etwa wenn das Immunsystem aufgrund einer Chemotherapie sehr geschwächt ist.
Bei einigen Menschen bleibt die Infektion aber dauerhaft bestehen. Eine chronische Hepatitis-B-Infektion kann mit der Zeit zu ernsthaften Komplikationen wie etwa Leberzirrhose, Bauchwasser (Aszites), Blutungen und Leberkrebs führen.
Bei Säuglingen, die sich während oder nach der Geburt bei der Mutter mit dem Hepatitis-B-Virus angesteckt haben, wird die Erkrankung meist chronisch: Dies geschieht bei 90 von 100 Kindern.
Diagnose
Ob sich jemand mit dem Virus infiziert hat, lässt sich mithilfe eines Bluttests feststellen. Dabei wird das Blut auf bestimmte Bestandteile des Virus (zum Beispiel Virus-Antigene) untersucht. Zudem werden Antikörper gegen Virusbestandteile bestimmt.
Der Bluttest kann auch zur Früherkennung eingesetzt werden – also bei Menschen, die bisher keine Beschwerden haben, die auf eine Infektion hinweisen.
Seit 2021 können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren ihr Blut im Rahmen des Gesundheits-Check-ups einmalig auf Hepatitis-B-Viren testen lassen. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse.
Für schwangere Frauen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten des Tests auf Hepatitis B im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge.
Vorbeugung
Es gibt eine Impfung gegen Hepatitis B. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt, alle Säuglinge und Kleinkinder gegen Hepatitis B impfen zu lassen. Ob sich eine Impfung für Erwachsene lohnt, hängt davon ab, wie hoch das persönliche Ansteckungsrisiko ist. Dies hängt von den oben genannten Risikofaktoren ab.
Eine Impfung wird zum Beispiel empfohlen
- bei einem geschwächten Immunsystem,
- wenn eine medikamentöse Behandlung geplant ist, die das Immunsystem unterdrückt,
- bei engem Kontakt mit Menschen, die eine chronische Hepatitis-B-Infektion haben,
- wenn man beruflich in Kontakt mit dem Virus kommen kann – das gilt beispielsweise für medizinisches Personal oder Reinigungspersonal im Krankenhaus.
Es kann auch sinnvoll sein, sich vor einer Reise in Länder impfen zu lassen, in denen Hepatitis-B-Infektionen sehr verbreitet sind.
Behandlung
In den meisten Fällen bekämpft das Immunsystem die Virusinfektion erfolgreich. Beschwerden wie Übelkeit und Schmerzen können mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Einige Monate nach Feststellung der Hepatitis B kann ein erneuter Bluttest zeigen, ob sich im Blut noch Bestandteile des Virus finden. Auch wenn das Blut virenfrei ist, können geringe Virusmengen in den Leberzellen zurückbleiben. Sie verursachen bei den allermeisten Menschen aber keine weiteren Probleme.
Eine chronische Infektion wird dauerhaft mit Tabletten behandelt, die das Virus bekämpfen und Leberschäden vorbeugen sollen (Nukleotid-/ Nukleosidanaloga). Außerdem kann zeitweise eine Behandlung mit Alpha-Interferon infrage kommen.
Herzrhythmusstörungen
Herzrhythmusstörungen sind häufig – vor allem bei älteren Menschen und solchen, die schon eine andere Herzerkrankung haben. Manch einer kommt ohne Behandlung aus. Wenn eine dauerhafte Unterstützung des Herzrhythmus nötig ist, kommt ein Herzschrittmacher oder Defibrillator infrage.
Einleitung
Der Herzschlag wird durch elektrische Impulse ausgelöst, die im rechten Vorhof des Herzens entstehen. Die Impulse werden normalerweise in gleichmäßigem Rhythmus abgegeben und verteilen sich schnell im gesamten Herzmuskel. Je nach Belastung schlägt das Herz langsamer oder schneller, um immer ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Dabei ist der Rhythmus auch bei einem gesunden Herz nie ganz gleichmäßig: Mehrfach am Tag kommt es zum Beispiel zu kurzen Stolperern (sogenannten Extrasystolen).
Wenn der Herzschlag aber dauerhaft aus dem Takt kommt oder so stark vom normalen Herzrhythmus abweicht, dass Beschwerden auftreten, spricht man von einer Herzrhythmusstörung. Dabei kann das Herz zum Beispiel
- zu langsam schlagen (Bradykardie),
- zu schnell schlagen (Tachykardie),
- unregelmäßig schlagen. Dann spricht man von einer Arrhythmie – egal ob das Herz dabei zu schnell, zu langsam oder in normalem Tempo schlägt.
Manchmal kommen mehrere Störungen gleichzeitig vor – zum Beispiel Tachykardie und Arrhythmie bei Menschen mit Vorhofflimmern: Ihr Herz schlägt nicht nur schneller, sondern auch unregelmäßiger als normal.
Symptome
Manchen Menschen fällt ein unregelmäßiger Herzschlag als Herzstolpern oder -klopfen auf (Palpitationen). Schlägt das Herz ohne Anstrengung sehr schnell, kann der hohe Puls als Herzrasen spürbar sein. Wenn das Herz nur ganz kurz „stolpert“, kann eine Herzrhythmusstörung aber auch unbemerkt bleiben.
Andere Beschwerden treten meist erst auf, wenn das Herz so aus dem Takt gerät, dass es das Blut nicht mehr richtig durch den Körper pumpen kann: Erhält das Gehirn dadurch zu wenig Sauerstoff, kann das zu Schwindel oder Ohnmacht führen.
Auch der Herzmuskel selbst braucht Sauerstoff. Bekommt er wegen einer Rhythmusstörung zu wenig, können Brustschmerzen auftreten. Atemnot und Schwäche sind ebenfalls möglich.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache für eine Herzrhythmusstörung mit zu langsamem Herzschlag (Bradykardie) ist meist ein sogenannter AV-Block. Dabei ist die Übertragung der Impulse zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern verzögert oder unterbrochen. Eine Bradykardie kann auch entstehen, wenn der natürliche Taktgeber des Herzens, der sogenannte Sinusknoten, ausfällt oder nicht mehr richtig funktioniert.
Ein zu schneller Herzschlag tritt häufig bei Vorhofflimmern auf, zusätzlich zu einem unregelmäßigen Puls. Auch ein Vorhofflattern kann eine Tachykardie auslösen. Ein zu schneller Herzschlag kann außerdem durch Narben im Herzen entstehen.
Erkrankungen wie Vorhofflimmern, AV-Block oder Vernarbungen sind meist selbst die Folge von Herzerkrankungen wie:
- koronare Herzkrankheit(KHK) und Herzinfarkt
- Herzklappenerkrankung
- Herzmuskelentzündungen
- Herzschwäche
Herzschädigende Faktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Drogenkonsum und zu viel Alkohol erhöhen deshalb auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen.
Zudem gibt es angeborene Ursachen für Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Fehlbildungen im Erregungsleitungssystem. Dann übertragen zusätzliche Leitungsbahnen elektrische Impulse von den Vorhöfen in die Herzkammern, wodurch das Herz plötzlich sehr schnell schlagen kann. Auch vererbte Fehlfunktionen der Zellen im Herzen können dies auslösen.
Andere Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion , chronische Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus können ebenfalls zu Herzrhythmusstörungen führen. Unfälle und Verletzungen durch elektrischen Strom sind weitere mögliche Ursachen.
Manchmal treten Herzrhythmusstörungen auch bei Menschen mit gesundem Herzen und ohne weitere Vorerkrankungen auf (sogenannte idiopathische Herzrhythmusstörungen).
Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung eine Herzrhythmusstörung auslösen. Dazu zählen einige Herzmittel und Blutdrucksenker, aber auch manche Antidepressiva, Antibiotika oder Krebsmedikamente.
Häufigkeit und Verlauf
Herzrhythmusstörungen sind häufig – vor allem bei älteren Menschen und Personen, die bereits eine andere Herzerkrankung haben. Dann müssen sie meist behandelt werden. Bei jüngeren, ansonsten gesunden Menschen sind Störungen des Herzrhythmus oft harmloser. Ausnahmen sind die genetisch bedingten Herzrhythmusstörungen, die manchmal lebensbedrohlich sein können.
Herzrhythmusstörungen können plötzlich einsetzen und nach wenigen Sekunden oder Minuten wieder verschwinden. Manchmal wiederholen sich solche Anfälle regelmäßig. Bestimmte Störungen halten auch dauerhaft an.
Folgen
Manchmal führt eine Herzrhythmusstörung zu plötzlicher Bewusstlosigkeit – dann besteht die Gefahr, zu stürzen und sich zu verletzen. Herzrhythmusstörungen können außerdem eine Herzschwäche hervorrufen oder eine bestehende verschlimmern.
Bei einem Vorhofflimmern können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Lösen sie sich, können sie mit dem Blut ins Gehirn gespült werden und einen Schlaganfall auslösen.
Lebensbedrohliche Komplikationen treten insbesondere auf, wenn das Herz bereits geschädigt ist, etwa nach einem Herzinfarkt . Dann können Herzrhythmusstörungen zu einem Kreislaufversagen, Herzstillstand oder zu Kammerflimmern führen. Dabei ist die Herzfrequenz so schnell, dass die einzelnen Herzschläge zu schwach sind, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Ohne Wiederbelebung können die Betroffenen daran sterben (plötzlicher Herztod).
Diagnose
Herzrhythmusstörungen können als Herzrasen oder Herzstolpern auffallen. Manchmal bemerkt die Ärztin oder der Arzt einen zu langsamen, zu schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag, wenn sie oder er den Puls misst oder das Herz mit dem Stethoskop abhört.
Genau feststellen und voneinander unterscheiden lassen sich Herzrhythmusstörungen durch ein Elektrokardiogramm (EKG-Untersuchung). Wenn der Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung besteht, das EKG aber unauffällig ist, könnte es sein, dass die Störung nur ab und zu auftritt –oder nur bei körperlicher Anstrengung. Um sicherzugehen, wird deshalb oft noch ein Langzeit-EKG oder ein Belastungs-EKG gemacht.
Weitere Untersuchungen können sinnvoll sein, um Ursachen oder Folgen einer Herzrhythmusstörung festzustellen. Zum Beispiel lässt sich mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) eine Herzschwäche erkennen.
Behandlung
Wie eine Herzrhythmusstörung behandelt wird, richtet sich nach folgenden Fragen:
- Um welche Störung handelt es sich?
- Was sind ihre Ursachen und lassen sie sich beheben?
- Wie schwer ist die Störung?
- Kommt es zu Beschwerden?
- Besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie zum Beispiel einen Schlaganfall oder lebensbedrohliches Kammerflimmern ?
Das Vorgehen kann deshalb sehr unterschiedlich sein: Einige Menschen kommen ohne Therapie aus. Andere nehmen Medikamente ein, um den Herzrhythmus zu stabilisieren .Manchmal kann eine Behandlung mit einem elektrischen Impuls nötig sein, um den Rhythmus zu normalisieren (Kardioversion). Auch Eingriffe am Herzen können helfen, zum Beispiel eine sogenannte Katheterablation : Dabei wird zielgenau das Gewebe im Herzen verödet, das die Herzrhythmusstörungen auslöst.
Wenn eine dauerhafte Unterstützung des Herzrhythmus nötig ist, kommen elektrische Hilfsgeräte infrage: Bei Herzrhythmusstörungen mit zu langsamem Herzschlag wie AV-Block oder erkranktem Sinusknoten kann ein Herzschrittmacher nötig sein. Bei Herzrhythmusstörungen, die zu lebensbedrohlichem Kammerflimmern führen können, hilft ein Defibrillator.
Leben und Alltag
Beschwerden wie Schwäche und Luftnot können dazu führen, dass man weniger leistungsfähig ist oder Hilfe im Alltag benötigt. Aber auch die Behandlung einer Herzrhythmusstörung kann belasten – zum Beispiel, wenn man wegen eines Vorhofflimmerns regelmäßig blutverdünnende Medikamente nehmen muss. Einschränkungen im Alltag spüren auch Menschen, die etwa wegen eines AV-Blocks dauerhaft einen Herzschrittmacher tragen oder denen zum Schutz vor Kammertachykardien ein Defibrillator eingesetzt wurde.
Hüftarthrose (Coxarthrose)
Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend. Das erste Anzeichen sind oft Schmerzen in Hüfte und Leiste bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist. Die wichtigsten Behandlungen sind Bewegung und Physiotherapie und Schmerzmittel, sowie bei fortgeschrittener Arthrose ein Gelenkersatz.
Einleitung
Bei einer Hüftarthrose wird die schützende Knorpelschicht der Knochen im Hüftgelenk dünner. Dadurch steigt die Druckbelastung der Knochen , und mit der Zeit lässt die Beweglichkeit des Gelenks nach. Das erste Anzeichen für eine Hüftarthrose sind oft Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist.
Eine Hüftarthrose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Viele Menschen haben über lange Zeit nur leichte Beschwerden, mit denen sie gut zurechtkommen. Manchmal schreitet die Erkrankung aber auch schnell voran und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Die wichtigsten Behandlungen bei Hüftarthrose sind Bewegung und Physiotherapie, entzündungshemmende Schmerzmittel und – bei starkem Übergewicht – eine Gewichtsabnahme.
Wenn eine Hüftarthrose fortschreitet und zu stärkeren und häufigeren Schmerzen, Schlafproblemen und Einschränkungen im Alltag führt, ist auch ein Gelenkersatz möglich.
Für die Wahl der Behandlung sind die Beschwerden und die persönliche Situation ausschlaggebend. Dagegen haben Röntgenbilder bei Hüftarthrose nur eine begrenzte Aussagekraft – und können sogar irreführend sein.
Symptome
Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend – über mehrere Monate, oft sogar Jahre. Zunächst schmerzt das Gelenk meist nur bei Belastung oder auch am Ende eines anstrengenden Tages. Typisch sind Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen sowie beim Bewegen des Oberschenkels nach innen – zum Beispiel beim Übereinanderschlagen der Beine. Die Schmerzen können auch ins Gesäß, zur Innenseite des Oberschenkels oder selten sogar bis ins Knie ausstrahlen.
Nach längerer Ruhepause kann sich das Hüftgelenk für bis zu 30 Minuten etwas steif anfühlen, zum Beispiel morgens. Länger andauernde Morgensteifigkeit spricht eher für eine andere Erkrankung, wie zum Beispiel eine rheumatische Gelenkentzündungen Wenn die Hüfte auch in Ruhe oder nachts schmerzt, ist die Arthrose meist schon fortgeschritten.
Veränderungen am Knochen und Verformungen des Hüftkopfs können die Beweglichkeit einschränken und zum Beispiel das Anziehen von Strümpfen oder die Fußpflege erschweren. Wenn die Arthrose fortschreitet, kann sie zu starken Einschränkungen im Beruf und im Haushalt, bei Freizeitaktivitäten und im Sozialleben führen. Die Folgen für den Alltag sind bei einer Hüftarthrose oft die größte Belastung.
Bei manchen Menschen mit Hüftarthrose kommt es auch zu akuten Schüben mit plötzlich stärkeren Schmerzen und Gelenksteifigkeit. Die Schmerzen fühlen sich bei einem akuten Schub eher stechend, pulsierend oder brennend an. Meist lassen die Beschwerden aber innerhalb von wenigen Tagen wieder nach.
Ursachen
Das Hüftgelenk besteht aus dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens und der Gelenkpfanne am Beckenknochen. Beide sind mit Knorpel überzogen. Hüftarthrose entsteht, wenn der Gelenkknorpel aufweicht, rissig wird und an Substanz verliert.
Wird der Knorpel dünner und der Gelenkspalt schmaler, sind die Knochen nicht mehr so gut vor Druckbelastungen geschützt. Sie reagieren darauf, indem sie neue Knochensubstanz bilden, die dann als Knochen-Neubildungen im Röntgenbild sichtbar werden (sogenannte Knochenspangen oder Osteophyten).
Umgangssprachlich wird Arthrose oft „Gelenkverschleiß“ genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn das Gelenk wird nicht durch Nutzung „verbraucht“ – im Gegenteil: Der Knorpel ist auf Bewegung angewiesen, um mit Nährstoffen versorgt zu werden. So sind Bewegungs- und Trainingsarten wie Walking oder Radfahren für Knorpel und Gelenke günstig. Sportarten wie Handball oder Fußball können dagegen überlasten und zu Arthrose beitragen. Dies gilt auch für schwere körperliche Arbeit oder starkes Übergewicht.
Bei Überlastung können die Stoffwechselvorgänge im Gelenk aus dem Gleichgewicht geraten. Im Gelenk finden fortwährend Auf- und Abbauvorgänge statt. Arthrose entsteht, wenn zu viele Stoffe und Enzyme gebildet werden, die Entzündungen fördern und zu einem Gewebeabbau führen – und zu wenige, die dem entgegenwirken.
Risikofaktoren
Hüftarthrose kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, unter anderem:
- familiäre Veranlagung
- starkes Übergewicht
- angeborene Hüfterkrankungen oder Fehlstellungen
- schwere körperliche Arbeit, zum Beispiel auf dem Bau
- Dauerbelastung durch intensives Training, bei Sportarten mit starken Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball
- entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis
- frühere Hüftverletzungen, zum Beispiel Knochenbrüche im Bereich des Hüftgelenks, oder ein ausgerenktes Hüftgelenk
- das sogenannte Hüftimpingement: Hierbei führen knöcherne Auswüchse am Gelenk zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne.
Meist spielen bei der Entstehung einer Hüftarthrose mehrere Faktoren eine Rolle.
Häufigkeit
Schätzungsweise 5 % der Erwachsenen in Deutschland haben eine Hüftarthrose mit spürbaren Beschwerden. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Verlauf
Wie eine Hüftarthrose verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Oft bleiben die Beschwerden über viele Jahre in etwa gleich. In einer großen niederländischen Studie wurden Menschen mit Hüftarthrose fünf Jahre lang regelmäßig untersucht, um den Verlauf der Erkrankung zu beobachten. Von ihnen hatten ungefähr
- 40 % leichte, über die fünf Jahre etwa gleichbleibende Schmerzen;
- 20 % mittelstarke, ebenfalls etwa gleichbleibende Schmerzen;
- 25 % mittelstarke Schmerzen, die im Laufe der fünf Jahre stärker wurden, und
- 15 % andauernde starke Schmerzen.
Eine Nachuntersuchung nach zehn Jahren hat die Studienergebnisse bestätigt. Für einen Gelenkersatz haben sich in dieser Zeit 12 von 100 Personen entschieden.
Arthroseschmerzen können von Tag zu Tag etwas schwanken: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab.
Bei einer Arthrose spielen nicht nur biologische Faktoren eine Rolle, sondern auch persönliche Einstellungen, das Sozial- und Arbeitsleben, der Lebensstil und psychische Faktoren wie Ängste, Sorgen und Stress. Sie alle können beeinflussen, wie sich die Beschwerden anfühlen, wie stark sie sind und wie man damit umgeht.
Diagnose
Häufig kann die Ärztin oder der Arzt eine Hüftarthrose anhand der typischen Symptome feststellen. Dazu fragt sie oder er, seit wann die Schmerzen bestehen, wie sie sich anfühlen und wann sie auftreten – zum Beispiel nur bei Bewegung oder auch in Ruhe. Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längeren Bewegungspausen auftritt und durch Bewegung schnell verschwindet. Auch Angaben zu anderen Beschwerden wie Morgensteifigkeit oder früheren Verletzungen helfen bei der Diagnose.
Nach dem Gespräch tastet die Ärztin oder der Arzt das Gelenk ab und untersucht die Hüftbeweglichkeit im Liegen. Dabei wird das Bein in gestreckter Position und mit angewinkeltem Knie in verschiedene Richtungen bewegt. Sie oder er betrachtet auch den Gang und prüft, ob das Becken schief steht oder die Beine eine unterschiedliche Länge haben.
Bildgebende Untersuchungen wie Röntgenbilder, Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie sind bei einer Arthrose oft nur wenig aussagekräftig. So gibt es Menschen mit starken Veränderungen am Gelenk, die kaum Beschwerden haben, und andere mit starken Beschwerden, deren Gelenk gesund aussieht. Studien zeigen, dass nur ein Viertel aller Menschen mit im Röntgenbild sichtbarer Arthrose Schmerzen haben. Auch andere Auffälligkeiten wie Risse an der Gelenklippe sind verbreitet – aber meist ohne medizinische Bedeutung. Als Gelenklippe bezeichnen Fachleute eine dämpfende Schicht aus Fasergewebe, die die Gelenkfläche der Hüftgelenkspfanne auskleidet.
Die Ergebnisse bildgebender Untersuchungen sind daher oft nicht hilfreich und können im Gegenteil irreführend sein. Die Behandlung sollte sich ohnehin nach den Beschwerden und der persönlichen Situation richten.
Sinnvoll sind bildgebende Untersuchungen oder Bluttests, wenn der Verdacht auf eine andere Erkrankung besteht, wie zum Beispiel eine rheumatoide Arthritis oder Gicht – oder wenn nach einem Sturz oder Unfall ein Knochenbruch ausgeschlossen werden soll.
Behandlung
Eine Hüftarthrose lässt sich nicht heilen. Verschiedene Behandlungen können aber die Beschwerden lindern. Vor allem kann man selbst viel tun, um das Gelenk zu stärken.
Zu den empfohlenen Behandlungen gehören:
- gut dämpfende, stützende und bequem sitzende Schuhe ohne Absätze
- Bewegungstherapien wie zum Beispiel Physiotherapie mit Übungen zur Stärkung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur, Reha-Sport, Funktionstraining, Wassergymnastik und Tai Chi
- entzündungshemmende Mittel NSAR) zum Einnehmen
- bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme
Sich trotz Schmerzen zu bewegen und Sport zu treiben, ist für manche Menschen nur schwer vorstellbar. Einige befürchten, ihren Gelenken dadurch zusätzlich zu schaden. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil: Studien zeigen, dass eine Bewegungstherapie die Gelenkfunktion verbessern kann. Manchmal lässt sich dadurch sogar eine Hüftoperation hinauszögern.
Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Hüftarthrose sind Kortisonspritzen. Nach bisherigen Studien können sie die Beschwerden für einige Wochen lindern. Kortisonspritzen gelten eher als sinnvoll, wenn
- nur ein einzelnes Gelenk von Arthrose betroffen ist,
- das Hüftgelenk akut entzündet ist oder stark schmerzt,
- andere Behandlungen nicht ausreichen oder medizinische Gründe dagegen sprechen.
Kortisonspritzen sind aber keine langfristige Lösung. Zum einen können sie Nebenwirkungen haben und selten auch zu ernsthaften Komplikationen führen. Zum anderen könnten wiederholte Spritzen langfristig den Gelenkknorpel schwächen. Es ist zudem nicht nachgewiesen, dass sie auf Dauer helfen können.
Weil nur wenige Studien die Wirksamkeit von Kortisonspritzen bei Hüftarthrose untersucht haben, gibt es unterschiedliche Anwendungsempfehlungen. Wenn Kortisonspritzen eingesetzt werden, ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt Erfahrung damit hat und auf eine ausreichende Hygiene achtet. Sie oder er sollte zum Beispiel ein Ultraschallgerät verwenden, um die Spritze richtig zu setzen, damit sie optimal wirken kann und möglichst keine Nerven, Gefäße oder andere Strukturen verletzt werden.
Wenn die Arthrose fortgeschritten ist, den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigt und andere Behandlungen nicht ausreichen, kommt ein künstliches Hüftgelenk infrage. Es kann die Beschwerden bei über 90 % der Menschen mit fortgeschrittener Arthrose deutlich bessern. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation wichtig – und etwas Geduld. Bis man sich an das neue Gelenk gewöhnt und der Körper sich von dem Eingriff erholt hat, kann es einige Wochen oder Monate dauern.
Für andere Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie bei Hüftarthrose helfen – dazu gehören unter anderem:
- Schmerzmittel zum Auftragen auf die Hüfte
- Paracetamol
- Duloxetin
- Hyaluronsäure-Spritzen
- Röntgenreizbestrahlung (auch: Orthovolttherapie): Hierbei wird das Gelenk über mehrere Wochen 6- bis 12-mal mit schwacher Röntgenstrahlung behandelt.
- Glättung des Knorpels im Rahmen einer Hüftspiegelung (Arthroskopie)
- Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel mit Chondroitin, Glucosamin oder Vitaminen
- pflanzliche Präparate, zum Beispiel auf Basis von Teufelskralle oder Brennnesseln
- homöopathische Mittel
- Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja oder Avocado
- therapeutischer Ultraschall, Laserbehandlungen, TENS-Behandlungen oder spezielle Wärmebehandlungen (Diathermie)
- Goldimplantation
Leben und Alltag
Menschen mit Arthrose wird manchmal der Eindruck vermittelt, dass es sich um eine unaufhaltbare Erkrankung handelt, gegen die man nichts tun kann – oder eine normale Alterserscheinung, die man akzeptieren muss. Dies ist aber nicht der Fall, deshalb sollte man sich durch solche Äußerung nicht verunsichern lassen. Auch wenn eine Arthrose nicht heilbar ist: Es gibt vieles, was man für die Gelenke und gegen die Beschwerden tun kann.
Wichtig ist, selbst aktiv zu werden und gemeinsam mit seinen Ärzten und Therapeuten Behandlungen und Wege zum Umgang mit der Erkrankung zu finden, die zur eigenen Situation passen.
Auch wenn eine Arthrose die Lebensqualität einschränken kann, lohnt es sich, eine positive Grundhaltung zu bewahren. Denn auch die eigenen Gefühle, Gedanken und das Verhalten beeinflussen, wie belastend die Schmerzen sind.
Menschen mit Arthrose werden viele Therapien ohne Nutzen angeboten und teils mit unrealistischen Versprechen beworben. Hier ist eine gesunde Skepsis angebracht, denn eine Wunderwaffe gegen Arthrose gibt es nicht. Eine gute Strategie ist, realistische Erwartungen zu entwickeln, zu lernen, gut mit der Erkrankung zu leben und sich auf nachweislich nützliche Behandlungen zu konzentrieren.
Wenn eine Hüftarthrose fortschreitet, kann sie viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Viele Menschen lernen aber mit der Zeit, den Alltag trotz Erkrankung zu meistern – zum Beispiel nehmen sie sich mehr Zeit für anfallende Arbeiten und passen ihre körperlichen Aktivitäten an.
Gehhilfen wie Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Gelenke entlasten und die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern. Wie man Hilfsgeräte richtig einstellt und mit ihnen umgeht, können Physio- oder Ergotherapeutinnen und -therapeuten und Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie zeigen.
Insektengiftallergie
Jeder wird ab und an von Insekten gestochen – was meist nur eine kleine juckende Rötung an der Einstichstelle hinterlässt. Bei einer Insektengiftallergie kann ein Stich heftige Reaktionen hervorrufen, die selten auch lebensbedrohlich werden können. Lesen Sie, wie man mit einem Insektenstich umgeht und vorbeugen kann.
Auf einen Blick
Jeder wird hin und wieder von Insekten gestochen – was meist nur eine kleine juckende Rötung und leichte Schwellung rund um die Einstichstelle hinterlässt. Bei einer Insektengiftallergie kann ein Stich dagegen heftige Reaktionen hervorrufen, die selten auch lebensbedrohlich werden können.
Bei der Insektengiftallergie wehrt sich das Immunsystem gegen bestimmte Eiweißbestandteile eines Gifts. Wie es dazu kommt, weiß man nicht. Die Allergie entsteht aber nicht nach dem ersten Stich: So kann jemand über Jahre immer wieder gestochen werden, ohne dass es zu besonderen Reaktionen kommt. Im Laufe der Zeit entwickelt der Körper dann eine Anfälligkeit (Sensibilisierung) gegenüber einem Gift und reagiert plötzlich allergisch.
Symptome
Bei einer Insektengiftallergie kommt es an der Einstichstelle zu einer starken Schwellung. Sie hat häufig einen Durchmesser von mehr als 10 cm und hält länger als 24 Stunden an. Die Einstichstelle ist meist schmerzhaft, juckt heftig oder brennt.
Ein Stich im Mund und Rachen kann die Atemwege anschwellen lassen und das Atmen erschweren. Menschen mit einer Allergie sind dadurch besonders gefährdet. Die Schwellung ist aber nur selten so stark, dass Erstickungsgefahr besteht.
Wenn die Beschwerden den gesamten Körper betreffen, spricht man von einer anaphylaktischen Reaktion. Sie kann leichte, aber auch lebensbedrohliche Beschwerden auslösen. Leichtere Reaktionen sind Quaddelbildung (Nesselsucht), Juckreiz am ganzen Körper, Schwindel, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Darüber hinaus kann es zu Schluckbeschwerden, allgemeiner Schwäche und Schwellungen im Gesicht oder an den Händen kommen. Bei einem schweren Verlauf kommt es zu Atemnot, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit oder sogar Herz-Kreislauf-Stillstand.
Meist treten die Beschwerden unmittelbar nach dem Stich auf, selten erst Stunden später. Bei einer anaphylaktischen Reaktion können die Symptome zunächst auch wieder abklingen und innerhalb von acht Stunden erneut auftreten.
Ursachen und Risikofaktoren
Einige Menschen sind grundsätzlich anfälliger gegenüber Allergien . Warum manche eine Insektengiftallergie bekommen und andere nicht, lässt sich bislang nicht sagen.
Am häufigsten löst das Gift von Bienen oder Wespen allergische Reaktionen aus. Stiche von Bienen führen eher zu schweren Reaktionen als die von Wespen. Deutlich seltener sind Reaktionen auf Hornissengift (meist bei Menschen mit Wespengiftallergie) oder Hummelgift (meist bei Bienengiftallergie). Durch Mücken-, Bremsen- oder Ameisengifte kommt es außer direkt an der Stich- oder Bissstelle hierzulande fast nie zu allergischen Reaktionen.
Häufigkeit
Etwa 2 % der Bevölkerung reagieren auf Insektenstiche mit Beschwerden, die über die Einstichstelle hinausgehen.
Manche Menschen werden häufiger von Insekten gestochen als andere und erkranken entsprechend öfter. Dazu zählen Imkerinnen, Imker und deren Angehörige. Ein höheres Risiko haben auch Menschen, die in Bäckereien arbeiten, Obst verkaufen oder in der Landwirtschaft tätig sind.
Folgen
Zu bleibenden Schäden führt eine überstandene allergische Reaktion auf einen Insektenstich in aller Regel nicht.
Pro Jahr werden in Deutschland etwa 20 Todesfälle durch allergische Reaktionen auf Bienen-, Wespen- und Hornissenstiche gemeldet. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich etwas höher, da allergische Reaktionen als Todesursache nicht immer erkannt werden.
Diagnose
Vor der körperlichen Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den genauen Beschwerden. Da sich Wespen- und Bienenstiche nicht immer klar unterscheiden lassen, ist auch wichtig, an welchem Ort das Insekt zugestochen und wie es sich verhalten hat.
Haut-und Bluttest werden nur gemacht, wenn die Beschwerden über Reaktionen an der Einstichstelle hinausgehen. Bei diesen Tests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert.
Beim Hauttest (Prick-Test) wird eine Lösung mit Insektengift auf die Haut gegeben und die Haut an dieser Stelle leicht eingeritzt. Anschließend wird beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper Antikörper gegen ein Insektengift gebildet hat.
Bei anderen Allergien wird manchmal auch ein Provokationstest gemacht. Dabei werden dem Körper nach und nach höhere Dosen des vermuteten Auslösers zugeführt und die Reaktion geprüft. Weil dieser Test bei einer Insektengiftallergie schwere Reaktionen hervorrufen kann, wird er nur in Ausnahmefällen und dann in spezialisierten Zentren durchgeführt.
Vorbeugung
Um einer allergischen Reaktion vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, Insektenstiche zu vermeiden. Folgende Verhaltensweisen werden empfohlen, um das Risiko zu senken:
- Beim Essen im Freien achtgeben und danach gleich den Tisch abräumen. Auf Essen im Freien verzichten, wenn gerade viele Insekten in der Luft sind.
- Sich nicht in der Nähe von Abfall aufhalten.
- Trinkgläser abdecken und einen Strohhalm benutzen.
- Nach dem Essen Mund und Hände säubern.
- Nicht nach Wespen und Bienen schlagen – die meisten Insekten stechen, um sich zu verteidigen. Sich ruhig verhalten und langsam bewegen.
- Die Haut durch Kleidung schützen.
- Wohnungsfenster tagsüber schließen.
- Sich von Bienenstöcken und Wespennestern fernhalten.
Behandlung
Nach einem Insektenstich wird meist als erstes eine Antihistaminikum-Tablette eingenommen und je nach Stärke der Hautreaktion zusätzlich ein Kortisonpräparat. Bei stärkeren Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schwellungen im Mund und Rachen ist es wichtig, rasch Adrenalin zu spritzen. Bei einem anaphylaktischen Schock sollte sofort die Notrufnummer 112 angerufen werden.
Bei stärkeren Reaktionen ist eine Hypodesensibilisierung (spezifische Immuntherapie) sinnvoll. Diese führt langfristig meist dazu, dass die Reaktion auf einen Insektenstich deutlich schwächer ausfällt oder sogar ausbleibt.
Bei gesicherter Insektengiftallergie ist es wichtig, sich von einer Ärztin oder einem Arzt einen Allergiepass ausstellen zu lassen und diesen immer bei sich zu tragen.
Karpaltunnelsyndrom
Dass die Hand für kurze Zeit „einschläft“ und kribbelt – wer kennt das nicht. Bei einem Karpaltunnelsyndrom sind die Beschwerden ähnlich, kehren allerdings immer wieder. Oft schmerzt die Hand auch, vor allem nachts und am frühen Morgen. Einseitige Belastungen des Handgelenks können eine Rolle spielen.
Auf einen Blick
Vielen Menschen schläft hin und wieder kurz die Hand ein. Dann fühlt sie sich taub an und kribbelt. Das ist zwar unangenehm, geht aber meist rasch vorüber. Menschen mit einem Karpaltunnelsyndrom haben ähnliche Beschwerden – nur kehren sie immer wieder und werden oft von Schmerzen begleitet.
Der Karpaltunnel ist ein Kanal im Bereich der Handwurzel, der durch Knochen und Bindegewebe begrenzt wird. Er liegt an der Innenseite von Handgelenk und Handwurzel und wird von einem festen Bindegewebsband, dem Karpalband (Retinaculum flexorum), überspannt. Durch den Karpaltunnel verlaufen Sehnen und der Mittelnerv (Nervus Medianus). Dieser Nerv steuert die Empfindungsfähigkeit und Beweglichkeit des Daumenballens und von Teilen der Hand. Wenn das Gewebe im Karpaltunnel anschwillt, kann der Mittelnerv unter Druck geraten und ein Karpaltunnelsyndrom auslösen. Die Beschwerden verschwinden oft von allein wieder, halten manchmal aber auch länger an. Verschiedene Behandlungen können Erleichterung bringen.
Symptome
Beschwerden treten auf, wenn das Gewebe im Karpaltunnel anschwillt. In der Folge erhöht sich der Druck auf den Mittelnerv.
Bei einem Karpaltunnelsyndrom sind folgende Beschwerden möglich:
- Empfindungsstörungen: Teile der Hand fühlen sich taub an oder kribbeln (Ameisenlaufen). Betroffen sind typischerweise Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger (in der Grafik dunkler hinterlegt). Ein erstes, typisches Anzeichen ist es, wenn nachts eine Hand einschläft.
- Schmerzen in den Fingern: Manchmal schmerzt auch die ganze Hand, oder die Schmerzen strahlen bis in den Arm aus.
Die Beschwerden treten meist nachts und gegen Morgen auf. Sie betreffen meist beide Hände, wenn auch nicht unbedingt zur gleichen Zeit. Häufig bessern sich die Beschwerden, wenn die Hand ausgeschüttelt wird.
Ursachen
Warum das Gewebe anschwillt, lässt sich oft nicht genau sagen. Über- und Fehlbelastungen können eine Rolle spielen – zum Beispiel starker Druck auf das Handgelenk, starke Streckung oder Beugung des Handgelenks und einseitige Tätigkeiten wie die Arbeit mit einem Presslufthammer, die mit starken Vibrationen verbunden ist.
Bei vielen Betroffenen verstärken sich die Beschwerden bei solchen Belastungen. Ob sie ein Karpaltunnelsyndrom auch verursachen können, ist unklar. Oft wird vermutet, dass die Arbeit am Rechner das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom erhöht. Die bisherigen Studien sprechen jedoch für einen eher geringen Einfluss von Computerarbeit.
Bestimmte Erkrankungen können ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen, zum Beispiel Rheuma , Diabetes mellitus Verletzungen im Bereich des Handgelenks sowie eine wiederholte Entzündung der Sehnenscheiden . Auch in der Schwangerschaft ist das Risiko etwas erhöht, da sich in dieser Zeit mehr Flüssigkeit im Gewebe ansammelt.
Nur selten kommt es plötzlich zu sehr starken Beschwerden. Ein solches „akutes Karpaltunnelsyndrom“ wird meist von Entzündungen Verletzungen oder Blutungen im Handgelenk verursacht.
Häufigkeit
Das Karpaltunnelsyndrom tritt meist bei Menschen zwischen 40 und 70 Jahren auf. Bei Kindern ist es sehr selten. Frauen erkranken häufiger als Männer. Auch Menschen, die körperlich arbeiten, haben öfter damit zu tun. Pro Jahr bekommen schätzungsweise 3 von 1000 Personen ein Karpaltunnelsyndrom.
Verlauf
Manche Menschen haben über Jahre nur leichte Beschwerden, die kommen und gehen. Es wird geschätzt, dass sie bei etwa jedem dritten Betroffenen innerhalb von sechs Monaten auch ohne Behandlung zurückgehen. Andere haben dauerhafte Probleme. Schreitet die Krankheit fort, kann sich die Hand ständig taub anfühlen. Im Spätstadium kann es zu Muskelschwund am Daumenballen kommen. Wenn Kraft und Gefühl nachlassen, kann es zum Beispiel schwierig werden, eine Tasse richtig zu greifen.
Diagnose
Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und untersucht Hand und Handgelenk. Dabei prüft sie oder er mit bestimmten Tests, wie beweglich und empfindlich Hand und Finger sind und ob es Gefühlsstörungen oder Missempfindungen gibt.
Zusätzlich können elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurografie nötig sein, um herauszufinden, ob ein Karpaltunnelsyndrom die Ursache der Beschwerden ist. Damit lässt sich messen, wie gut Nerven elektrische Impulse weiterleiten und ob die Funktion der Nerven eingeschränkt ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden im Zusammenhang mit den Beschwerden, der körperlichen Untersuchung, den Lebensumständen und der Krankheitsgeschichte betrachtet.
Es ist auch wichtig, andere Krankheitsursachen auszuschließen. Beispielsweise können Veränderungen an der Halswirbelsäule die Nervenwurzeln irritieren. Andere Erkrankungen des Nervensystems wie zum Beispiel Polyneuropathien können ebenfalls ähnliche Beschwerden verursachen.
Behandlung
Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden kann ein Karpaltunnelsyndrom meist zunächst mit einer Schiene behandelt werden. Die Schiene wird nachts getragen und verhindert, dass das Handgelenk abknickt. Empfohlen wird zudem, Belastungen zu vermeiden, bei denen man einen Zusammenhang mit den Beschwerden vermutet.
Kortisonspritzen in den Karpaltunnel können die Beschwerden vorübergehend lindern. Langfristig helfen sie jedoch nicht.
Bei einem hartnäckigen Karpaltunnelsyndrom kann auch eine Operation infrage kommen. Dabei wird das Karpalband durchtrennt, das sich quer über die Handwurzelknochen spannt. Dadurch wird der Mittelnerv entlastet. Eine Operation kann die Beschwerden dauerhaft beseitigen, ist aber nicht immer sinnvoll. Gerade zu Beginn der Erkrankung wird in der Regel zunächst eine andere Behandlung gewählt. Rasch zu operieren, ist meist nur beim seltenen akuten Karpaltunnelsyndrom nötig.
Es gibt erste Anhaltspunkte, dass eine extrakorporale Stoßwellentherapie (kurz ESWT) die Beschwerden etwas lindern kann. Bei einer Stoßwellentherapie gibt ein Gerät Schallwellen mit hohem Druck von außen durch die Haut ab. Die Kosten dieser Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.
Manchmal werden auch weitere Behandlungen empfohlen, etwa Akupunktur, eine Ultraschalltherapie, eine Lasertherapie oder eine Magnetfeldtherapie. Dass sie bei einem Karpaltunnelsyndrom helfen können, ist jedoch nicht belegt.
Viele Menschen nehmen Schmerzmittel gegen die Beschwerden ein – vor allem nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), die ohne Rezept in Apotheken erhältlich sind. Auch die Einnahme von Vitamin-B6-Präperate wird manchmal empfohlen. Sie sollen die Nerven stärken. Die bisherigen Studien legen jedoch nahe, dass weder NSAR noch Vitamin B6 die Schmerzen ausreichend lindern können.
Koronare Herzkrankheit
Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die großen Adern verengt, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Diese Gefäße heißen medizinisch „Koronararterien“ oder auch „Herzkranzgefäße“. Je nachdem, wie stark die Gefäße verengt sind und wie lange die Erkrankung besteht, kann sich eine KHK ganz unterschiedlich bemerkbar machen.
Auf einen Blick
Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die großen Adern verengt, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Diese Gefäße heißen medizinisch „Koronararterien“ oder auch „Herzkranzgefäße“. Deutlich verengte Gefäße können bei körperlicher Anstrengung Kurzatmigkeit und Brustschmerzen auslösen. Wenn sich ein Koronargefäß plötzlich ganz verschließt, kann ein Herzinfarkt die Folge sein.
Eine KHK kann zu Folgeerkrankungen wie etwa einer Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen. Die Symptome und auch das Risiko für Folgeerkrankungen lassen sich aber durch verschiedene Behandlungen verringern.
Symptome
Die Beschwerden einer KHK reichen von Kurzatmigkeit bis zu mehr oder weniger starken Brustschmerzen. Solche Schmerzen werden Angina Pectoris (Brustenge) genannt. Sie sind typischerweise mit einem Beklemmungs- oder Angstgefühl verbunden und können in Arme, Nacken, Rücken, Oberbauch oder Kiefer ausstrahlen. Die Beschwerden werden meist durch körperliche Belastung ausgelöst, da der Herzmuskel dann mehr Sauerstoff benötigt. Sie treten auf, wenn nicht genug Blut durch die Koronararterien fließt. Diese Grenze der körperlichen Aktivität, bei der Beschwerden auftreten, nennt man Belastungsschwelle.
Bei einer stabilen Angina Pectoris bleibt die Belastungsschwelle auch über einen längeren Zeitraum unverändert. Auch die Stärke der Beschwerden ist immer ähnlich. Die Symptome klingen durch Ausruhen oder Medikamente nach kurzer Zeit wieder ab.
Von einer instabilen Angina Pectoris spricht man, wenn die Beschwerden plötzlich ohne körperliche Belastung zunehmen, oder die Belastungsschwelle sich verändert. Dies kann bedeuten, dass die Schmerzen früher auftreten, länger andauern, häufiger oder stärker werden. Auch jede erstmalig auftretende Angina Pectoris wird als instabil bezeichnet. Im Gegensatz zur stabilen Form ist eine instabile Angina Pectoris ein Notfall: Es besteht die Gefahr eines Herzinfarkts, weil das Gefäß ohne Vorwarnung auch komplett verschließen kann.
Ursachen
Eine KHK ist die Folge von Arteriosklerose im Volksmund Gefäßverkalkung genannt. Arteriosklerose entsteht, wenn sich in der Gefäßwand kleine Entzündungen bilden. An diesen Stellen sammeln sich Zellen, Fette und andere Substanzen an. Solche Ablagerungen werden medizinisch arteriosklerotische Plaques genannt.
Ablagerungen in den Koronararterien machen sich anfangs nicht bemerkbar. Wenn sie mit der Zeit zunehmen, können sie den Blutfluss im betroffenen Gefäß aber mehr und mehr behindern, bis ein Teil des Herzmuskels nicht mehr genügend Sauerstoff erhält. Körperliche Belastung oder psychischer Stress können dann zu Beklemmungen und Schmerzen in der Brust führen (stabile Angina Pectoris).
Es kann aber auch vorkommen, dass Gefäßablagerungen plötzlich und unerwartet aufbrechen und ein Blutgerinnsel bilden, das das Gefäß fast gänzlich verstopft. Dann können Brustschmerzen auch ohne vorherige Belastung auftreten (instabile Angina Pectoris). Bei einem kompletten Gefäßverschluss (Infarkt) stirbt ein Teil des Herzmuskels ab, wenn er nicht zügig behandelt wird.
Risikofaktoren
Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit steigt mit dem Alter an. Andere Risikofaktoren für eine KHK sind Rauchen, starkes Übergewicht, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes.
Häufigkeit
Die KHK gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen: Fast 10 % der Menschen im Alter von 40 bis 80 Jahren haben damit zu tun, Männer häufiger als Frauen.
Verlauf
Eine KHK ist eine chronische Erkrankung. Sie kann erstmals als Angina Pectoris in Erscheinung treten, aber auch zu einem Herzinfarkt führen, ohne vorher Beschwerden zu verursachen. Manchmal bleibt sogar ein Herzinfarkt unbemerkt: Man spricht dann von einem stummen Infarkt. Beispielsweise spüren Menschen mit Nervenschäden infolge einer Diabetes-Erkrankung manchmal keine typischen Symptome, wenn sie einen Herzinfarkt haben.
Folgen
Eine KHK kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen. Die bedeutsamsten sind Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Herzschwäche
Manche Menschen mit einer KHK entwickeln auch Depressionen. Dies kann insbesondere nach einem Herzinfarkt geschehen.
Diagnose
Brustschmerzen können durch eine KHK ausgelöst werden, aber auch viele andere Ursachen haben. Häufig stecken Probleme an den Muskeln oder Knochen im Brustbereich dahinter. Entzündungen am Herzmuskel, Erkrankungen der Lunge oder der Speiseröhre können ebenfalls Brustschmerzen auslösen.
Die wichtigste Untersuchung ist ein Elektrokardiogramm (EKG). Es kann in Ruhe oder unter Belastung durchgeführt werden. Möglich sind auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens oder weitere bildgebende Untersuchungen. Welche zusätzlichen Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, hängt zum Beispiel vom Alter, den Vorerkrankungen und der Art der Beschwerden ab.
Um einzuschätzen, wie hoch das Risiko für Folgeerkrankungen ist und um die Behandlung der KHK zu planen, veranlasst die Ärztin oder der Arzt noch eine Reihe weiterer Tests. Zur üblichen Diagnostik gehören:
- Bestimmung von Risikofaktoren: Die Ärztin oder der Arzt fragt zum Beispiel nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie und nach dem Lebensstil – etwa ob man raucht und wie man sich ernährt.
- Blutdruckmessung: Der Blutdruck wird gemessen, da ein erhöhter Blutdruck ein wichtiger Risikofaktor für Folgeerkrankungen einer KHK ist.
- KörperlicheUntersuchungen: Untersuchungen wie das Abhören des Herzens oder das Abtasten der Leber können Hinweise auf mögliche andere Erkrankungen wie eine Herzschwäche oder Probleme mit den Herzklappen liefern.
- Untersuchung auf Stoffwechselstörungen: Möglicherweise wird auch das Blut untersucht, um Stoffwechselstörungen wie einenTyp-2-Diabetes festzustellen. Typ-2-Diabetes kann das Risiko für Folgeerkrankungen stark erhöhen.
Früherkennung
Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat ab dem Alter von 35 alle drei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-Ups. Diese Untersuchung soll frühzeitig Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen erkennen. Im Rahmen des Check-up wird unter anderem der Blutdruck gemessen sowie Blut und Urin untersucht.
Behandlung
Die Behandlung einer KHK hat zwei Ziele: die Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.
Bei einer stabilen Angina Pectoris können Beschwerden und Alltags-Einschränkungen durch Medikamente gelindert werden. Hierzu werden Betablocker, Kalziumkanalblocker und Nitrate eingesetzt. Wenn dies nicht ausreicht, wird häufig versucht, das verengte Herzkranzgefäß durch einen Eingriff mit einem Herzkatheter zu erweitern. Bei deutlichen Verengungen oder wenn mehrere Gefäße betroffen sind, kommt eine Bypass-Operation infrage. Dabei wird an einer anderen Stelle des Körpers ein Gefäß entnommen und verwendet, um das blockierte Herzkranzgefäß zu umgehen.
Um Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder einer Herzschwäche vorzubeugen, kann man selbst etwas tun: zum Beispiel auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Wer raucht, kann eine Entwöhnung versuchen. Außerdem gibt es verschiedene Medikamente, die vor Folgeerkrankungen schützen und die Lebenserwartung erhöhen. Dazu gehören:
- niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Vorbeugung von Blutgerinnseln
- Statine zum Schutz der Gefäße
- Betablocker zur Entlastung des Herzens (vor allem bei Menschen mit Herzschwäche oder Bluthochdruck)
Rehabilitation
Menschen mit KHK können an einer kardiologischen Rehabilitation teilnehmen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen, die Lebensqualität zu verbessern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.
Eine kardiologische Rehabilitation besteht oft aus einer Kombination von Bewegungstraining, einer Schulung zum Umgang mit der Krankheit und ihren Risikofaktoren sowie einer psychologischen Betreuung. Die Rehabilitation wird von einem Team aus verschiedenen Fachleuten aus Medizin, Physiotherapie, Ernährungswissenschaft und Psychotherapie geleitet. Studien zeigen, dass sich eine kardiologische Rehabilitation mit Bewegungstraining lohnt: Sie kann die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung verlängern.
Eine kardiologische Rehabilitation wird vor allem nach einem Herzinfarkt empfohlen, wenn die KHK bereits zu einer Herzschwäche geführt hat oder wenn die Beschwerden einen normalen Alltag unmöglich machen. Der Antrag auf eine kardiologische Rehabilitation wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt bei dem zuständigen Kostenträger gestellt. Dies ist in der Regel die gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung.
Leben und Alltag
Einige Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit haben Schuldgefühle, weil sie meinen, sie hätten nicht genug auf ihre Gesundheit geachtet. Doch der persönliche Lebensstil ist nur einer von mehreren Faktoren, die das Risiko für eine Herzerkrankung beeinflussen. Zudem kann es schwierig sein, nach der Diagnose die Lebensgewohnheiten zu ändern. Hier kann es helfen, sich kleinere Zwischenziele zu setzen.
Lippenherpes
Bei Lippenherpes bilden sich schmerzhafte Bläschen, typischerweise nur auf einer Seite der Lippen. Wer einmal Lippenherpes hatte, hat meist immer wieder damit zu tun. Ursache sind bestimmte ansteckende Herpesviren. Da die Erkrankung innerhalb von ein bis zwei Wochen von allein ausheilt, ist eine Behandlung normalerweise nicht nötig.
Auf einen Blick
Viele Menschen kennen das: Zunächst kribbelt oder juckt es an der Lippe, am nächsten Tag schwillt die Stelle an und es bilden sich kleine Bläschen. Die für Lippenherpes typischen Symptome sind zwar lästig, klingen aber normalerweise nach 1 bis 2 Wochen von selbst wieder ab.
Ursache sind bestimmte ansteckende Herpes-Viren. Viele Menschen tragen sie in sich, sie lösen aber nicht bei jedem Beschwerden aus. Wer jedoch einmal Lippenherpes hatte, hat meist immer wieder damit zu tun.
Symptome
Bei Lippenherpes (Herpes labialis) fängt es an einer Stelle der Ober- oder Unterlippe an zu jucken oder kribbeln. Die Haut spannt und rötet sich dort und es bilden sich schmerzhafte Bläschen. Diese können sich auch auf die umliegende Haut, in die Mundhöhle oder Richtung Nase ausbreiten.
Die Bläschen reißen beim Sprechen, Lachen oder Kauen leicht ein und nässen dann. Säuerliche Lebensmittel oder Flüssigkeiten wie Saft oder Essig können die entstandene Wunde reizen. Beim Abheilen bilden sich Schorf oder Krusten.
Wenn Lippenherpes zum ersten Mal auftritt – oft im Kleinkindalter –, verursacht er oft heftigere Beschwerden, weil der Körper noch keine Antikörper gegen das Virus gebildet hat: Es kann zu Fieber Schwäche und geschwollenen Lymphknoten im Nackenbereich kommen. Zudem kann sich die Mundschleimhaut stark entzünden und schmerzen. Die Entzündung wird dann auch als Mundfäule bezeichnet, weil sie zu starkem Mundgeruch führt.
Ursachen
Lippenherpes wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei verschiedene Arten, die als Typ 1 und Typ 2 bezeichnet werden. Für Lippenherpes ist vor allem der Typ-1-Virus verantwortlich. Herpes simplex Typ 2 löst dagegen Genitalherpes aus. Herpes-Viren befinden sich in der Flüssigkeit innerhalb der Bläschen. Sie können beispielsweise beim Küssen übertragen werden, aber auch durch Gegenstände oder Finger, die man zum Mund führt. Auch eine Übertragung beim Oralverkehr ist möglich: Vom Mund können die Viren in den Genitalbereich der Person gelangen, mit der man Sex hat. Auf diese Weise können Herpes-Viren vom Typ 1 auch Genitalherpes auslösen.
Die Viren setzen sich in den Knoten (Ganglien) des Gesichtsnervs (Trigeminus-Nervs) fest. Wenn man sich einmal mit Herpes-Viren angesteckt hat, bleiben sie lebenslang dort. Bei einem Ausbruch wandern sie entlang der Nervenfasern in die Lippen und lösen dort die typischen Beschwerden aus.
Die Bläschen treten vor allem auf, wenn das Immunsystem geschwächt oder gefordert ist – zum Beispiel durch eine Erkältung oder Fieber. Auch körperliche Anstrengung, Stress und hormonelle Schwankungen gelten als mögliche Auslöser – ebenso wie eine Reizung der Haut im Lippenbereich, etwa durch Sonnenlicht oder intensives Küssen. Warum einige Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere nicht, ist aber nicht vollständig geklärt.
Häufigkeit
In Deutschland tragen schätzungsweise 60 bis 90 % der Menschen das Herpes-simplex-Virus Typ 1 in sich. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, sich angesteckt zu haben. Viele Menschen merken gar nichts davon, weil sie keine Beschwerden haben. Man schätzt, dass eine Infektion bei etwa 20 bis 40 % der Trägerinnen oder Träger irgendwann zu Lippenherpes führt.
Verlauf
Bei vielen Menschen kribbelt oder juckt die Lippe bereits einige Stunden oder am Tag bevor sich sichtbare Bläschen bilden. Während sie abheilen, können sich Krusten bilden, die ebenfalls leicht einreißen und bluten können.
Es dauert etwa 1 bis 2 Wochen, bis der Lippenherpes wieder verschwunden ist. Die kleinen Wunden hinterlassen keine sichtbaren Narben.
Manche Menschen haben immer wieder mit Lippenherpes zu tun – in der Regel 1- bis 2-mal jährlich. Bei etwa 5 bis 10 % der Betroffenen kommt es aber zu mehr als fünf Ausbrüchen pro Jahr. Die Beschwerden werden aber mit der Zeit oft schwächer.
Folgen
Lippenherpes heilt bei ansonsten gesunden Menschen folgenlos von selbst aus.
Bei Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder schweren Verbrennungen kann das Herpes-Virus größere Hautbereiche besiedeln. Dazu kommt es aber eher selten. Ebenfalls selten entzünden sich dieAugen. Dann können zum Beispiel die Herpesbläschen auf den Lidern entstehen. Wenn die Hornhaut betroffen ist, tränt das Auge, ist gerötet und es kann zu Sehstörungen kommen.
Bei einem stark geschwächten Immunsystem – etwa durch eine Chemotherapie – kann ein Lippenherpes länger andauern, ausgeprägter sein und zu schweren Komplikationen wie einer Gehirnentzündung führen.
Diagnose
Lippenherpes lässt sich leicht anhand der typischen Symptome erkennen. Die meisten Menschen, die schon einmal Lippenherpes hatten, wissen bereits bei den ersten Anzeichen, was auf sie zukommt. Ein Arztbesuch ist bei normalem Verlauf in der Regel nicht nötig.
Selten tritt die Herpes-Infektion an anderen Hautstellen auf. Dann kann die Ärztin oder der Arzt dort Flüssigkeit aus den Bläschen entnehmen (Abstrich) und im Labor auf Herpes-Viren untersuchen lassen.
Vorbeugung
Meist steckt man sich schon in der frühen Kindheit mit Herpes-Viren an. Besondere Verhaltensweisen, um sich selbst vor einer Erstinfektion zu schützen, spielen für Erwachsene deshalb keine große Rolle. Bei der Vorbeugung geht es eher darum, andere nicht anzustecken.
Allgemein kann man andere Menschen vor einer Infektion schützen, indem man bis zur vollständigen Abheilung der Lippenbläschen und -krusten
- niemanden küsst,
- keine Handtücher, Geschirr und Besteck teilt,
- die Hände wäscht, wenn man sich an die Lippe gefasst hat (zum Beispiel nach dem Auftragen von Salbe),
- Sport mit Körperkontakt vermeidet und
- keinen Oralsex hat, denn dabei können die Viren vom Mund auf den Genitalbereich der Person, mit der man Sex hat, übertragen werden und Genitalherpes auslösen.
Neugeborene bis zur achten Lebenswoche sind wegen ihres noch unreifen Immunsystems besonders gefährdet, wenn sie sich mit Lippenherpes anstecken. Wer Lippenherpes hat, sollte einen Säugling nicht küssen, dessen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind versehentlich die Herpesbläschen berührt.
Auch außerhalb eines Ausbruchs ist es theoretisch möglich, andere anzustecken. Da dies aber nur sehr selten passiert, kann auf Vorsichtsmaßnahmen verzichtet werden, solange man gerade keinen Lippenherpes hat.
Unter Vorbeugung fällt auch, was man tun kann, damit ein Lippenherpes seltener ausbricht. Wer für sich festgestellt hat, dass die Beschwerden nach bestimmten Situationen häufiger auftreten – etwa nach einem Sonnenbad –, kann versuchen, solche auslösenden Faktoren zu meiden oder sich zu schützen : Zum Beispiel kann man Sonnencreme oder eine gute Lippenpflege ausprobieren.
Wenn das Virus sehr häufig ausbricht und zu Lippenherpes führt, kann auch eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten infrage kommen. Es ist allerdings kaum untersucht, wie gut sie vor Lippenherpes schützt.
Behandlung
Da Lippenherpes von selbst ausheilt, ist eine Behandlung normalerweise nicht notwendig.
Virushemmende Salben, Cremes, Pflaster oder Gele können einen akuten Ausbruch um ungefähr einen Tag verkürzen. Teilweise können sie auch verhindern, dass sich Bläschen und Krusten bilden. Sie enthalten die Wirkstoffe Aciclovir oder Penciclovir und sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Wichtig ist die richtige Anwendung: Wenn sich die ersten Symptome zeigen, sollte die Behandlung innerhalb von 24 Stunden beginnen, um zu wirken. Am besten ist es, so früh wie möglich anzufangen. Die Mittel werden dann fünf Tage lang alle 2 bis 3 Stunden auf die betroffenen Hautstellen dünn aufgetragen.
Im Gegensatz zu den Cremes sind Tabletten mit virushemmenden Wirkstoffen nur auf Rezept erhältlich. Sie können die Krankheitsdauer ebenfalls um etwa einen Tag verkürzen. Ob sie wirksamer sind als eine äußerliche Behandlung, ist unklar. Sie sind aber einfacher anzuwenden, da man sie nur 1- oder 2-mal am Tag nehmen muss.
Deutlich größer ist die schützende Wirkung von Tabletten bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel während einer Chemotherapie.
Leben und Alltag
Die meisten Menschen, die hin und wieder einen Lippenherpes bekommen, sind dadurch wenig eingeschränkt. Wenn man Lippenherpes hat, ist es nicht nötig, sich krankschreiben zu lassen oder dem Unterricht fernzubleiben. Die Symptome können aber belasten – und darauf zu achten, dass man die Viren nicht verbreitet, kann anstrengend sein.
Manche stört es, dass die Bläschen sichtbar sind. Sie fühlen sich durch den Lippenherpes weniger attraktiv und ziehen sich bei einem Ausbruch eher zurück. Vielen Menschen fällt Lippenherpes bei anderen jedoch gar nicht auf – oder zumindest nicht negativ, denn sie kennen das Problem schließlich selbst.
Creme gegen Herpesviren ist zum Teil auch eingefärbt erhältlich. Sie kann – zumindest bei hellhäutigen Menschen – die Rötung etwas kaschieren. Bei Make-up ist zu bedenken, dass sich die Viren leicht über die Finger oder die benutzten Schminkartikel verbreiten können. Außerdem könnte das Überschminken den Heilungsprozess stören – etwa indem beim Auftragen Bläschen und Krusten einreißen oder andere Keime in die wunden Stellen gelangen.
Um den betroffenen Hautbereich zu schützen, werden spezielle kleine Herpespflaster angeboten. Aber auch dabei ist Hygiene und behutsames Anwenden wichtig: Beim Entfernen der Pflaster können sich zum Beispiel aufgeweichte Krusten lösen und bluten.
Long-COVID/Post-COVID
Was ist Long COVID?
Menschen, die an Covid-19 erkranken, können – ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten – noch Wochen bis Monate nach der überstandenen Corona-Infektionen gesundheitliche Probleme haben.
Bestehen die Beschwerden für mehr als 4 Wochen nach der akuten Infektion oder kommen neue hinzu, für die es keine andere Erklärung gibt, spricht man von Long COVID. Sind nach mehr als 12 Wochen noch Beschwerden vorhanden, wird dies als Post-COVID-19-Zustand oder Post-COVID bezeichnet.
Wer schwer an COVID-19 erkrankt, hat ein erhöhtes Risiko, Long COVID zu entwickeln. Aber auch bei einem milden Verlauf oder einer Infektion ohne Symptome sind Langzeitfolgen möglich.
Long COVID kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern auftreten.
Menschen mit Long COVID berichten über sehr verschiedene körperliche und psychische Symptome. Diese können so stark ausgeprägt sein, dass sie die Lebensqualität mindern, den Alltag erschweren sowie das Arbeits- und Sozialleben beeinträchtigen.
Um die Beschwerden bestmöglich zu lindern und die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit von Menschen mit Langzeitfolgen durch COVID-19 zu verbessern, sind eine frühe und gezielte Beratung und Behandlung wesentlich.
Woran erkennt man Long COVID?
Die Beschwerden, die Menschen mit Long COVID beschreiben, sind individuell sehr unterschiedlich. Diese können allein oder in Kombination auftreten, unterschiedlich lang anhalten und verschieden stark ausgeprägt sein.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Erschöpfung und geringe Belastbarkeit
- eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisstörungen, umgangssprachlich Gehirnnebel oder Brain Fog genannt
- anhaltende Atemwegsbeschwerden wie Husten und Kurzatmigkeit
Darüber hinaus kann es nach Abklingen der akuten SARS-CoV-2-Infektionen zu folgenden Symptomen kommen:
- Muskelschwäche und Muskelschmerzen
- Geruchs- und Geschmacksstörungen
- Schlafstörungen und nicht erholsamer Schlaf
- psychische Symptome wieDepressivität und Ängstlichkeit
Bei manchen Menschen verschlechtert sich infolge von COVID-19 die Funktion von Lunge und Nieren. Darüber hinaus sind Folgeerkrankungen möglich wie:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: zum Beispiel Herzmuskelentzündung, Herzinfarkt Schlaganfall, Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel
- Diabetes Mellitus
- Autoimmunerkrannkungen
- Neuro-COVID: neurologische Einschränkungen durch Erkrankungen und Störungen des Gehirns oder der Nerven
Wichtig zu wissen: Viele Menschen mit Long COVID sind insgesamt körperlich und psychisch deutlich weniger belastbar als zuvor. Manche entwickeln ein Beschwerdebild, das die Kriterien eines chronischen Erschöpfungssyndroms erfüllt – auch chronisches Fatigue-Syndrom genannt. Wie viele es tatsächlich betrifft, ist noch unklar.
Wie kommt es zu Long COVID?
Long COVID entsteht infolge einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, dem Erreger von COVID-19.
Wie genau es zu Long COVID kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass verschiedene Krankheitsmechanismen eine Rolle spielen. Diese können zusammen, aber auch einzeln wirken.
Zu den vermuteten Mechanismen zählen:
- Viruspersistenz: Das Coronavirus verbleibt nach einer akuten Infektion im Körper. Es könnte somit weiterhin zu Entzündungsprozessen kommen, die vor allem die Blutgefäße und damit verschiedene Organsysteme betreffen.
- Autoimmunreaktionen: Es kommt zu einer überschießenden Immunreaktion, in deren Folge das Immunsystem körpereigene Zellen angreift. Das könnte die Entstehung von Long COVID beeinflussen.
- Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus (EBV): Nach einer EBV-Infektion verbleibt das Virus im Körper. Durch ein geschwächtes Immunsystem könnte es wieder aktiviert werden.
- Es gibt Hinweise, dass Veränderungen an den Blutzellen, Funktionsstörungen des Gefäß-, Nerven- und Immunsystems sowie Verschlüsse von meistens kleinsten Gefäßen durch Blutgerinnsel (Mikrothromboembolien) zur Krankheitsentstehung beitragen könnten.
Wie häufig tritt Long COVID auf?
Es lässt sich bisher nicht verlässlich sagen, wie viele Menschen Long COVID entwickeln. Die Angaben, die man in Studien zur Häufigkeit findet, sind sehr verschieden.
Sie hängen unter anderem ab von der:
- Größe der untersuchten Personengruppe
- Art der untersuchten Personengruppe, zum Beispiel in Bezug auf Alter und Schwere der Erkrankung
- Länge der Nachbeobachtungszeit
- Anzahl und Art der erfassten Symptome und gesundheitlichen Einschränkungen
- Einbeziehung einer Kontrollgruppe
Nach jetzigem Kenntnisstand scheinen Frauen häufiger Long COVID zu entwickeln als Männer. Kinder und Jugendliche bekommen vermutlich seltener Long COVID als Erwachsene. Dies ist aber noch nicht abschließend geklärt.
Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass sich die Häufigkeit von Long COVID je nach Virusvariante unterscheiden könnte.
Welche Faktoren begünstigen Long COVID?
Welche Faktoren genau das Risiko für Long COVID erhöhen, ist noch nicht vollständig untersucht.
Nach aktuellem Kenntnisstand haben Menschen mit einem schweren COVID-19-Verlauf eher längerfristige gesundheitliche Probleme.
Die Wahrscheinlichkeit für Langzeitfolgen durch COVID-19 scheint zudem erhöht für Personen mit bestimmten Vorerkrankungen und Gesundheitsrisiken wie Diabetes oder Starkes Übergewicht.
Darüber hinaus scheinen Faktoren wie Alter und Geschlecht die Entstehung von Long COVID zu beeinflussen.
Wie entwickelt sich Long COVID?
Bislang gibt es nur begrenzt Studien, die Patientinnen und Patienten mit Long COVID langfristig begleiten.
Daher lässt sich noch nicht eindeutig sagen, ob und wie schnell Long-COVID-Beschwerden abklingen.
Studien zufolge bilden sich die Long-COVID-Symptome bei vielen Menschen, die nicht wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, innerhalb weniger Monate zurück.
Bei den stationär behandelten Personen dauert es im Durchschnitt länger.
Manche Patientinnen und Patienten haben auch noch ein Jahr nach der Infektionen Beschwerden.
Wie lässt sich Long COVID vorbeugen?
Am besten schützt man sich vor Long COVID, indem man eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vermeidet.
Außerdem gibt es Hinweise aus mehreren Studien, dass eine vollständige Corona-Schutzimpfung die Häufigkeit und Ausprägung von Long-COVID-Beschwerden mildern kann.
Möglicherweise hat die Impfung auch einen positiven Effekt bei Personen, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben und Long-COVID-Symptome zeigen. Bislang ist dieser Zusammenhang aber nicht sicher belegt.
Wie wird Long COVID festgestellt?
Expertinnen und Experten haben erste Empfehlungen für die Diagnostik von Long COVID erarbeitet. Diese werden stetig weiterentwickelt, um die medizinische Versorgung zu verbessern.
Herausforderung bei der Diagnostik
Aktuell ist es schwierig, Long COVID zu diagnostizieren, da es:
- sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt
- eine klare Abgrenzung von anderen Erkrankungen bislang nicht in jedem Fall möglich ist
Zudem lässt sich nicht immer sicher ein Zusammenhang zu einer vorangegangenen SARS-CoV-2-Infektionen finden: beispielsweise, weil die Erkrankung ohne Symptome verlaufen ist oder ein Testnachweis fehlt.
Diagnostik bei bekannter Corona-Infektion
Ist eine COVID-19-Erkrankung bekannt, werden Ärztinnen und Ärzte erfragen, welche Symptome in der akuten Erkrankungsphase aufgetreten sind und welche zum aktuellen Zeitpunkt fortbestehen.
Des Weiteren erkundigen sie sich, ob und welche neuen gesundheitlichen Einschränkungen hinzugekommen sind und ob sich Symptome, die bereits vor der Infektion auftraten, infolge der Erkrankung verschlechtert haben.
Das Ziel ist, alle körperlichen und psychischen Beschwerden sowie dadurch bedingte Einschränkungen zu erfassen.
Im Gespräch kann unter anderem gefragt werden:
- ob und in welchem Maß der Alltag und, sofern zutreffend, das Berufsleben beeinträchtigt sind
- ob psychische Symptome wie Ängstlichkeit oder Anzeichen einer Depressionen auftreten
- ob und inwieweit die geistigen und körperlichen Funktionsfähigkeiten eingeschränkt sind
Je nach Art und Schwere der Symptome oder bei unklaren Beschwerden kann eine fachärztliche Abklärung mit zum Beispiel technischen Verfahren oder Bluttests erforderlich sein.
Wichtig zu wissen: Die ärztliche Abklärung ist wichtig, um Organkomplikationen zu entdecken und andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen.
Wie behandelt man Long COVID?
Eine spezielle Long-COVID-Therapie gibt es derzeit nicht. Die Behandlung beschränkt sich daher bislang darauf, die Symptome zu lindern.
Um die Beschwerden bestmöglich zu lindern und die Lebensqualität und Belastbarkeit von Menschen mit Long COVID zu verbessern, sind frühzeitige und gezielte medizinische Beratungs- und Behandlungsangebote wichtig.
Behandlungsmaßnahmen
Je nachdem, welche Beschwerden vorliegen und welche Organsysteme betroffen sind, kann eine gezielte fachärztliche Behandlung notwendig sein.
Weitere mögliche Maßnahmen sind:
- Schmerztherapie
- gezielte physiotherapeutische Maßnahmen
- körperliches und geistiges (kognitives) Training
- Anleitung zur Schlafhygiene
- Methoden zum Stressabbau
- psychotherapeutische Behandlung
- Energie- und Aktivitätsmanagement (Pacing) bei chronischem Fatique -Syndrom: Hier geht es darum zu lernen, schonend mit den eigenen Energiereserven umzugehen, um die Belastungsgrenze nicht zu überschreiten.
Ziel der Behandlung
Je nach Art und Stärke der körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen können verschiedene Maßnahmen helfen, den Gesundheitszustand zu verbessern.
Die Angebote werden auf das individuelle Beschwerdebild und die Lebenssituation ausgerichtet.
Ein wichtiges Ziel ist zu verhindern, dass die Symptome chronisch werden. Ärzte- und Forscherteams arbeiten intensiv daran, spezielle Therapiekonzepte zu entwickeln.
Wesentlich ist auch, dass Menschen mit Long COVID lernen, mit der Erkrankung im Alltag besser umzugehen. Eine individuelle Anleitung durch geschultes Personal kann dabei unterstützen.
Wo findet man weitere Informationen zu Long COVID?
Weiterführende Informationen zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektionen finden Sie auf der Website der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Robert Koch-Instituts (RKI).
Auf der Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. (BAG Selbsthilfe) können Sie Selbsthilfegruppen finden und sich über Long COVID sowie Anlaufstellen in der Versorgung informieren.
Lungenembolie
Eine Lungenembolie entsteht, wenn ein Gerinnsel ein Blutgefäß in der Lunge verstopft. Zu den Anzeichen zählen schwere Atemnot, Brustschmerzen, blutiger Husten und Schwindel. Eine Embolie muss schnell behandelt werden. Dazu setzt man vor allem Medikamente ein, die die Blutgerinnung hemmen.
Auf einen Blick
Eine Lungenembolie ist eine seltene, aber ernsthafte Komplikation einer Thrombose. Dabei löst sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) von der Wand einer Vene, wird mit dem Blut fortgeschwemmt und verstopft ein oder mehrere Lungengefäße. Die Lunge kann dadurch schlechter Sauerstoff aufnehmen.
Eine Lungenembolie muss schnell behandelt werden, weil sich das Blut in Richtung Herz zurückstaut, wenn ein Lungengefäß verschlossen ist. Dies kann zu einer Überlastung des Herzens und zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen. Es ist deshalb sehr wichtig, bei typischen Anzeichen wie schwerer Atemnot, Brustschmerzen und Husten mit blutigem Auswurf sofort den Notruf 112 zu wählen.
Eine Lungenembolie wird mit Medikamenten behandelt, die die Blutgerinnung hemmen. Bei einer schweren Lungenembolie können weitere Behandlungen erforderlich werden, um das Blutgerinnsel aufzulösen oder zu entfernen.
Das Risiko für eine Lungenembolie steigt zum Beispiel nach großen Operationen, wie dem Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks. Nach solchen Eingriffen ist es daher üblich, vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente einzunehmen.
Symptome
Typische Anzeichen einer Lungenembolie sind:
- plötzliche schwere Atemnot
- Brustschmerzen
- Husten, vor allem mit blutigem Auswurf oder zusammen mit anderen Symptomen einer Lungenembolie
- Schwindel oder Benommenheit bis hin zur Ohnmacht
- Herzrasen
- starkes Angstgefühl
Bei diesen Beschwerden sind häufig ein oder mehrere größere Lungengefäße blockiert.
Einige Menschen mit Lungenembolie haben keine oder nur leichte Symptome.
Ursachen
Die meisten Lungenembolien sind die Folge einer Venenthrombose. Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel in einer Vene. Wenn es ganz oder teilweise mit dem Blutstrom in Richtung des Herzens weggeschwemmt wird und eine Lungenarterie oder ihre kleineren Äste blockiert, kommt es zu einer Lungenembolie.
Die meisten Thrombosen entstehen in einer Bein- oder Beckenvene. Das Risiko für eine Lungenembolie ist höher, wenn sich das Blutgerinnsel im Oberschenkel oder im Becken bildet oder starke Beschwerden verursacht.
Sehr selten wird eine Lungenembolie durch eine andere Ursache ausgelöst. Dann verstopfen zum Beispiel eine Luftblase oder ein Fremdkörper eine Lungenarterie.
Risikofaktoren
Allgemein gilt: Risikofaktoren für eine Venenthrombose erhöhen auch das Risiko für eine Lungenembolie. Besonders hoch ist das Risiko, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:
- Knochenbruch der Hüfte oder des Beins
- größere Operationen, zum Beispiel der Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks
- Blutgerinnungsstörung, zum Beispiel das Antiphospholipid-Syndrom
- eine frühere Thrombose
- Krebserkrankungen wie Magen-, Lungen- und Blutkrebs oder ein Hirntumor
- eine Herzerkrankung wie Herzschwäche , Herzinfarkt oder Vorhofflimmern
- Hormonbehandlung in den Wechseljahren
- Verhütung mit hormonellen Verhütungsmitteln, die auch das Hormon Östrogen enthalten (wie die meisten Antibabypillen)
Weitere Risikofaktoren, die für sich allein genommen das Risiko für eine Lungenembolie nur leicht erhöhen, sind unter anderem:
- hohes Alter
- Schwangerschaft
- Übergewicht
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Krampfadern
- Bettruhe von mehr als drei Tagen (Immobilität)
- Infektionen der Lunge, zum Beispiel eine Covid-19 Erkrankung
Häufigkeit
Das Risiko für eine Lungenembolie steigt im Laufe des Lebens: Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren erkranken pro Jahr etwa 1 von 1000 Menschen daran, ab 80 Jahren etwa 10 von 1000.
Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen. Allerdings bekommen Frauen unter 45 und ab 80 Jahren öfter eine Lungenembolie als Männer in diesem Alter. Jüngere Frauen haben ein etwas höheres Risiko durch hormonelle Verhütungsmittel und während einer Schwangerschaft.
Verlauf
Wie eine Lungenembolie verläuft, hängt von der Größe und Anzahl der Blutgerinnsel in der Lunge ab. Außerdem spielt der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle – insbesondere, wie gut Herz und Lunge arbeiten.
Meist gelingt es dem Herzen, gegen den Gefäßverschluss in der Lunge anzupumpen. Ist das Herz jedoch beispielsweise durch eine Erkrankung geschwächt, kann es nicht genug Blut in die Lunge pumpen, sodass der Blutdruck sinkt. Wenn der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, droht ein Kreislaufversagen.
Der Blutdruck während der Lungenembolie ist daher ein guter Indikator für ihren Verlauf: Von 100 Personen mit Lungenembolie haben
- etwa 95 einen ausreichenden Blutdruck. Sie haben insgesamt ein geringes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf.
- etwa 5 einen viel zu niedrigen Blutdruck. Sie haben ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf.
Vor allem bei anhaltenden Risikofaktoren wie einer Krebserkrankung oder Blutgerinnungsstörung sind auch weitere Embolien möglich.
Folgen
Viele Menschen haben noch Monate nach der Lungenembolie Atembeschwerden oder sind körperlich weniger belastbar. Dieser Zustand wird als Post-Lungenembolie-Syndrom bezeichnet.
Eine seltene Folge einer Lungenembolie ist die sogenannte chronisch thromboembolische Lungenerkrankung (CTEPD). Wie es dazu kommt, ist nicht genau bekannt. Man geht davon aus, dass sich das Blutgerinnsel in der Lunge nicht vollständig aufgelöst hat und in Narbengewebe umgewandelt wird. Ist als Folge der Blutdruck in den Lungengefäßen dauerhaft erhöht, sprechen Fachleute von einer chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH). Eine ausgeprägte CTEPH belastet das Herz stark und kann ein Herzversagen auslösen.
Die Symptome einer CTEPH sind unspezifisch – das heißt, sie können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Eine CTEPH kann die gleichen Beschwerden wie eine Lungenembolie oder ein Post-Lungenembolie-Syndrom auslösen. Wenn einige Wochen oder Monate nach der Lungenembolie die körperliche Belastbarkeit abnimmt oder es sogar zu Atemnot und blutigem Auswurf kommt, ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden rasch ärztlich abklären zu lassen.
Diagnose
Beschwerden wie plötzliche Schmerzen in der Brust oder Atemnot können auch andere Ursachen haben, etwa einen Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung. Bei solchen Symptomen ist es immer wichtig, den Notruf 112 zu wählen, damit die Ursache schnell geklärt werden kann. Einem Verdacht auf Lungenembolie gehen die Ärztinnen und Ärzte in der Klinik sofort und systematisch nach, um im Fall einer schweren Embolie schnell handeln zu können. Welche Untersuchungen nötig sind, richtet sich insbesondere nach der
- Stabilität des Kreislaufs: Fachleute sprechen von einem instabilen Kreislauf, wenn der systolische Blutdruck über mindestens 15 Minuten weniger als 90 mmHg beträgt oder sehr stark abfällt. Andernfalls gilt der Kreislauf als stabil.
- Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie: Diese hängt zum Beispiel davon ab, ob der Herzschlag beschleunigt ist, man vor kurzem operiert wurde oder eine tiefe Venenthrombose oder Krebserkrankung hat. Eine Rolle spielt auch, ob das Herz besonders belastet oder vorgeschädigt ist.
Häufig sind für die Diagnose viele aufeinander aufbauende Untersuchungen erforderlich.
Bluttest (D-Dimer-Test)
Der D-Dimer-Test reagiert auf Spaltprodukte, die der Körper produziert, wenn er ein Blutgerinnsel abbaut. Sie werden D-Dimere genannt. Ist der Test bei Personen mit stabilem Kreislauf und geringer Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie unauffällig, lässt sich diese ziemlich sicher ausschließen. Wenn nicht, ist ein bildgebendes Verfahren notwendig, um die Diagnose zu bestätigen.
Bildgebende Verfahren
Eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Beinvenen kann sich anschließen. Wenn dabei eine Thrombose sichtbar wird, gilt die Lungenembolie als bestätigt. Andernfalls sind weitere Untersuchungen nötig. Weil der Ultraschall ohne Strahlung auskommt, eignet er sich besonders für schwangere Frauen.
Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens kann zudem zeigen, wie stark die rechte Herzkammer belastet ist. Die weiteren bildgebenden Verfahren sind mit einer Belastung durch Strahlung und ein Kontrastmittel verbunden. Daher kommen sie nur infrage, wenn die Ärztinnen und Ärzte eine Lungenembolie für sehr wahrscheinlich halten. Bei Menschen mit instabilem Kreislauf werden sie für eine rasche Abklärung sofort eingesetzt.
Die Computertomografie-Pulmonalis-Angiografie (CTPA) ist eine spezielle Röntgenuntersuchung. Damit das Blutgerinnsel in der Lunge erkennbar ist, wird vorher ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Armvene gespritzt.
Die kombinierte Ventilations-Perfusions-Szintigrafie kommt manchmal infrage, wenn keine CTPA möglich oder wenn sie zu risikoreich ist – wie bei einer Schwangerschaft, Nierenerkrankung oder Allergie gegen das Kontrastmittel. Die Ventilations-Perfusions-Szintigrafie zeigt die Durchblutung und die Verteilung der Atemluft in der Lunge. Dazu wird eine schwach radioaktive Substanz in die Vene gespritzt und zusätzlich inhaliert.
Behandlung
Wie eine Lungenembolie behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob der Kreislauf stabil ist.
Stabiler Kreislauf
Man bleibt häufig einige Tage im Krankenhaus und erhält gerinnungshemmende Medikamente. Fachleute bezeichnen solche Mittel als Gerinnungshemmer oder Antikoagulanzien. Die Behandlung heißt Antikoagulation.
Die Medikamente hemmen die Blutgerinnung und verhindern, dass das Gerinnsel wächst oder neue Blutgerinnsel entstehen. Dann kann der Körper das bestehende Gerinnsel nach und nach abbauen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Gerinnungshemmern sind Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt.
Auch bei stabilem Kreislauf kann sich der Zustand plötzlich verschlechtern. Wenn es Anzeichen für diese seltene Komplikation gibt, wird man sicherheitshalber einige Tage auf der Intensivstation überwacht.
Instabiler Kreislauf
Bei instabilem Kreislauf ist normalerweise eine Behandlung auf der Intensivstation nötig. Dort kommen verschiedene die Atmung und den Kreislauf unterstützende Maßnahmen zum Einsatz, wie Infusionen, maschinelle Beatmung und ergänzende Medikamente. Außerdem beginnt sofort eine Behandlung mit Gerinnungshemmern – meist noch bevor die Diagnose abgeschlossen ist.
Darüber hinaus wird geprüft, ob eine systemische Thrombolyse oder ein minimalinvasiver Eingriff zur Entfernung des Thrombus sinnvoll ist. Bei einer Thrombolyse werden Medikamente in eine Vene gespritzt, die das Blutgerinnsel in der Lunge auflösen sollen. Die Behandlung wird als systemisch bezeichnet, weil sie im ganzen Körper wirkt – im Gegensatz zu einer örtlichen (lokalen) Therapie. Die Thrombolyse kann jedoch größere innere Blutungen auslösen, insbesondere im Kopf. Deshalb kommt sie nicht für alle Menschen mit schwerer Lungenembolie infrage.
Wenn keine systemische Thrombolyse möglich ist, können Ärztinnen und Ärzte das Blutgerinnsel mechanisch zerstören oder absaugen. Dazu schieben sie einen dünnen, biegsamen Schlauch (Katheter) bis zur verstopften Lungenarterie vor. Über den Katheter kann in der Lunge zugleich ein gering dosierter gerinnungshemmender Wirkstoff freigesetzt werden (lokale Thrombolyse). Dieses kombinierte Verfahren nennen Fachleute kathetergestützte Thrombolyse.
Nach der Akutbehandlung
Nach einer Lungenembolie bleibt man meist einige Tage im Krankenhaus. Vor der Entlassung ist wichtig, dass der Kreislauf stabil bleibt und man mit den gerinnungshemmenden Medikamenten zurechtkommt. Bei einer leichten Lungenembolie ist es manchmal schon nach 1 oder 2 Tagen möglich, wieder nach Hause zu gehen.
Die gerinnungshemmenden Mittel werden über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten angewendet. Eine längere Behandlung kann sinnvoll sein, um zukünftigen Lungenembolien vorzubeugen. Die Vor- und Nachteile lassen sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt abwägen.
Leben und Alltag
Insbesondere eine schwere Lungenembolie ist ein einschneidendes Erlebnis, das Spuren hinterlässt. Die Angst vor einer weiteren Lungenembolie begleitet dann oft das weitere Leben. Manchen Menschen hilft es, die gewohnte tägliche Routine wieder aufzunehmen, die Struktur und etwas Sicherheit gibt.
Körperliche Zeichen wie ein erhöhter Herzschlag oder Atemprobleme, die an die Lungenembolie erinnern, können besonders beängstigend sein. Deshalb trauen sich manche Menschen nach einer Lungenembolie nicht mehr, stärker körperlich aktiv zu sein. Einigen gelingt es jedoch, sportbedingte von krankheitsbedingten Symptomen zu unterscheiden.
Über solche Ängste und Erfahrungen zu sprechen, kann erleichternd sein. Dazu kann man sich einer Selbsthilfegruppe anschließen oder psychologische Unterstützung suchen, um besser mit der Angst zurechtzukommen.
Weil die gerinnungshemmende Behandlung schwere Blutungen auslösen kann, stehen ihr manche Menschen zunächst mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einige stellen ihren Lebensstil um und meiden beispielsweise verletzungsträchtige Aktivitäten, um ihr Blutungsrisiko zu verringern.
Energielosigkeit oder Erschöpfung nach einer Lungenembolie können den Alltag zusätzlich beeinträchtigen. Seelisch belastend ist dann auch die Ungewissheit, wie lange dieser Zustand anhält. Ein Weg, mit den Nachwirkungen einer Lungenembolie umzugehen, kann sein, sich insgesamt weniger vorzunehmen oder Aufgaben in kleineren Schritten zu erledigen.
Bei jungen Menschen stellt eine Lungenembolie das Leben in besonderem Maße auf den Kopf. Viele werden sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst. Einige fühlen sich „anders“ und vor allem gegenüber Gleichaltrigen ausgegrenzt. Auf Alkohol zu verzichten, weil sich die Medikamente nicht damit vertragen, kann in jungen Jahren besonders schwerfallen. Auch die tägliche Anwendung von Gerinnungshemmern ist für viele Jugendliche belastend.
Lungenentzündung
Eine Lungenentzündung macht sich häufig durch hohes Fieber, Schwäche und Husten bemerkbar. Wer ansonsten gesund ist, hat sie in der Regel nach einer Woche überstanden. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann die Infektion aber auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.
Auf einen Blick
Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) sind die Lungenbläschen (Alveolen) und das umgebende Gewebe entzündet. Die Infektion macht sich häufig durch plötzliches hohes Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Husten und Atemnot bemerkbar.
Da eine Lungenentzündung meist durch Bakterien verursacht wird, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Außerdem stehen Impfstoffe zur Verfügung, die vor einer Infektion durch bestimmte Erreger schützen können.
Wer ansonsten gesund ist, hat eine Lungenentzündung meistens nach wenigen Wochen überstanden. Man sollte sie aber nicht unterschätzen: Bis man wieder richtig belastbar ist, kann es einen, manchmal sogar mehrere Monate dauern.
Eine Lungenentzündung kann manchmal zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen – vor allem bei Menschen, die durch eine andere Krankheit bereits geschwächt sind. Auch Babys und älteren Personen kann eine Lungenentzündung gefährlich werden.
Symptome
Typische Anzeichen einer Lungenentzündung sind:
- hohes Fieber und Schüttelfrost
- Schwäche und starkes Krankheitsgefühl
- Husten mit Auswurf
- Atemnot und schnelle Atmung
- schneller Puls
Nicht immer treten alle Beschwerden gleichzeitig auf. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen können manche Symptome fehlen, oder es stehen untypische Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Bewusstseinsstörungen im Vordergrund.
Ursachen
Eine Lungenentzündung wird meist durch Bakterien hervorgerufen. Welche Bakterien das sind, hängt in der Regel vom Ort der Ansteckung ab: Wenn jemand zu Hause erkrankt, sind am häufigsten sogenannte Pneumokokken die Ursache. Wer im Krankenhaus eine Lungenentzündung bekommt, hat sich oft mit anderen Bakterien infiziert, die schwerer zu behandeln sind.
Seltener sind Viren, noch seltener Pilze für eine Lungenentzündung verantwortlich. Ebenfalls die Ausnahme sind Lungenentzündungen, die nicht durch Keime, sondern zum Beispiel durch Strahlung, eingeatmete Giftstoffe, eine allergische Reaktion oder Durchblutungsstörungen derLunge verursacht werden.
Risikofaktoren
Das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, ist vor allem bei Säuglingen und Menschen über 65 Jahre erhöht. Ein geschwächtes Abwehrsystem – zum Beispiel aufgrund eines Diabetes, einer Nierenfunktionsstörung oder Krebserkrankung – bedeutet ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Auch Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD, Herzerkrankungen , Rauchen und bestimmte Virusinfektionen wie eine Grippe (Influenza) können eine Lungenentzündung begünstigen.
Menschen, die bettlägerig sind oder zum Beispiel durch eineDemenz oder einen Schlaganfall Bewusstseinsstörungen oder Probleme beim Schlucken haben, sind vor allem durch eine Aspirationspneumonie gefährdet. Dabei können Keime aus Mund- und Rachenraum, Speisereste oder Mageninhalt in die Atemwege gelangen und zu einer Lungenentzündung führen.
Auch manche Medikamente werden mit Lungenentzündungen in Verbindung gebracht – zum Beispiel Mittel, die die Magensäure hemmen. Ob sie das Risiko für Lungenentzündungen tatsächlich erhöhen, ist aber noch unklar.
Häufigkeit
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 500.000 Menschen an einer Lungenentzündung, etwa 250.000 werden im Krankenhaus behandelt. Insgesamt 20.000 sterben an einer Lungenentzündung – vor allem ältere Menschen über 65 Jahre und solche, die durch weitere Erkrankungen geschwächt sind. Damit zählt die Infektion hierzulande zu den zehn häufigsten Todesursachen.
In ärmeren Ländern sind Lungenentzündungen noch häufiger. Dort sind vor allem Säuglinge und Kinder betroffen.
Verlauf
Eine typische Lungenentzündung macht sich durch plötzlich einsetzendes hohes Fieber und Schüttelfrost bemerkbar. Den Erkrankten geht es innerhalb weniger Stunden sehr schlecht. Symptome wie Husten, Atemnot und Auswurf kommen hinzu. Vor allem bei älteren Menschen kann die Erkrankung aber auch schleichend und mit wenigen oder nur leichten Beschwerden beginnen.
Unbehandelt hält das Fieber etwa eine Woche an. Dann fällt die Körpertemperatur wieder auf normale Werte ab. Dabei kann es zu starken Schweißausbrüchen kommen. Außerdem werden die Blutgefäße in der Haut weit gestellt, damit der Körper die überschüssige Wärme abgeben kann. Das kann Herz und Kreislauf der ohnehin geschwächten Betroffenen sehr belasten. Deshalb sind in dieser Phase, die auch kritische Entfieberung oder Krise genannt wird, Komplikationen häufig.
Nach überstandener Krise bessert sich das Allgemeinbefinden allmählich wieder, und nach etwa vier Wochen ist die Lungenentzündung meist vollständig abgeklungen. Man kann sich aber noch längere Zeit abgeschlagen und müde fühlen; auch der Husten kann hartnäckig anhalten.
Dieser Verlauf einer Lungenentzündung ist heute allerdings selten, da die Erkrankung üblicherweise sofort behandelt wird. Durch die Einnahme von Antibiotika sinkt das Fieber meist rascher und man fühlt sich schnell besser. Trotzdem ist es wichtig, sich bei einer Lungenentzündung nicht zu früh zu belasten, da es sonst zu einem Rückfall oder anderen Komplikationen kommen kann.
Folgen
Eine Lungenentzündung kann zu einer Entzündung des Rippenfells führen. Dabei kommt es zu starken Schmerzen beim Husten und Atmen. Außerdem kann sich dabei Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand sammeln, was das Atmen zusätzlich erschwert. Eine weitere mögliche Komplikation ist ein Lungenabszess, also die Bildung einer Eiterhöhle in der Lunge.
Manchmal kommt es auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Kreislaufzusammenbruch, Atem- oder Herzversagen oder einer Blutvergiftung (Sepsis). Das Risiko für Komplikationen ist bei Menschen erhöht, die
- unter zwei oder über 65 Jahre alt sind,
- andere Krankheiten wie Herz- oder Nierenerkrankungen haben,
- ein geschwächtes Immunsystem haben,
- beatmet werden müssen,
- sich im Krankenhaus angesteckt haben oder
- in den Monaten vor der Lungenentzündung bereits mit Antibiotika behandelt wurden.
Diagnose
Oft lässt sich eine Lungenentzündung bereits durch die typischen Beschwerden feststellen. Bei der körperlichen Untersuchung hört die Ärztin oder der Arzt vor allem die Lunge mit dem Stethoskop gründlich ab und misst Puls und Blutdruck.
Zusätzlich wird meist eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht. Auf den Röntgenbildern ist zum Beispiel sichtbar, wo und in welchem Umfang das Lungengewebe entzündet ist. Manchmal ist eine erweiterte Röntgenuntersuchung nötig, die Computertomografie. Veränderungen im äußeren Randbereich der Lunge lassen sich auch per Ultraschall erkennen.
Außerdem wird Blut abgenommen, zum Beispiel um die Entzündungswerte zu messen. Da die entzündete Lunge nicht mehr gut arbeitet, kann es nötig sein, den Sauerstoffgehalt im Blut zu kontrollieren. Dies geht auch ohne Blutabnahme: Bei der sogenannten Pulsoxymetrie wird ein Clip mit einem Lichtsensor auf den Finger gesteckt und der Sauerstoffgehalt optisch ermittelt.
Zur Bestimmung des genauen Krankheitserregers können Blut, Urin sowie abgehusteter Schleim im Labor untersucht werden.
Vorbeugung
Vor Infektionen der Atemwege schützen Hygienemaßnahmen wie etwa regelmäßiges Händewaschen und Abstand halten.
Besteht ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen oder deren Komplikationen, werden außerdem Schutzimpfungen empfohlen. Kinder können zum Beispiel gegen das Bakterium Haemophilus influenzae und gegen Pneumokokken geimpft werden. Für Menschen über 60 Jahre eignen sich die Grippe- und ebenfalls die Pneumokokken-Schutzimpfung.
Oft werden pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpräparate zur Stärkung der Abwehr beworben. Es gibt allerdings keine Studien, die belegen, dass solche Mittel sinnvoll sind – außer bei einem nachgewiesenen Vitaminmangel. Dazu kommt es hierzulande meist nur bei einer sehr unausgewogenen Ernährung.
Behandlung
Da meist Bakterien für die Infektion verantwortlich sind, wird eine Lungenentzündung in der Regel mit Antibiotika behandelt. Welches Antibiotikum sinnvoll ist, hängt von der Art der Bakterien ab.
Die Behandlung dauert etwa 5 bis 7 Tage. Das Antibiotikum kann als Tablette oder Saft eingenommen werden. Je nach Schwere der Erkrankung und Komplikationsrisiko kann manchmal eine Behandlung im Krankenhaus nötig werden. Dort erhält man das Antibiotikum meist als Infusion.
Bei einer schweren Lungenentzündung kann zusätzlich Kortison als Spritze gegeben werden. Manchmal ist auch das Einatmen von Sauerstoff über eine Nasenmaske, seltener eine Beatmung nötig.
Wenn Viren wie Grippeviren oder das Coronavirus SARS-CoV-2 die Lungenentzündung ausgelöst haben, kommen Medikamente infrage, die speziell gegen Viren wirken sollen, sogenannte Virostatika. Doch auch bei einer viralen Lungenentzündung werden Antibiotika gegeben: Sie sollen vor einem zusätzlichen Befall mit Bakterien schützen.
Hustenmittel aus der Apotheke, spezielle Atemgymnastik oder Physiotherapie werden bei einer Lungenentzündung nicht empfohlen.
Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
Magenschleimhautentzündungen sind weit verbreitet. Eine akute Gastritis macht sich durch Magenschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen und Übelkeit bemerkbar. Verursacht wird sie meist durch bestimmte Bakterien oder die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln. Die Beschwerden klingen oft nach ein paar Tagen von selbst wieder ab.
Auf einen Blick
Die Magenschleimhaut schützt die Magenwand vor Säure und Krankheitserregern . Wenn diese schützende Schleimhaut gereizt oder geschädigt wird, kann sie sich entzünden.
Meistens wird eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) durch bestimmte Bakterien oder die regelmäßige Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln verursacht.
Es gibt zwei Formen von Gastritis: die akute und die chronische. Eine akute Gastritis löst meist deutlich spürbare Magen-Darm-Beschwerden aus, die aber in der Regel nach ein paar Tagen von selbst wieder abklingen.
Eine chronische Gastritis kann unbemerkt bleiben, aber auch zu Verletzungen der Magenwand führen. Manchmal wird sie erst entdeckt, wenn es zu einem Magengeschwür kommt, das Beschwerden verursacht.
Symptome
Eine akute Gastritis kann zu folgenden Beschwerden führen:
- Magenschmerzen
- Völlegefühl
- Blähungen
- Sodbrennen
- Übelkeit, manchmal mit Erbrechen
- Aufstoßen
- Appetitlosigkeit
- aufgeblähter Bauch
Einige dieser Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, etwa bei der Refluxkrankheit , einem Reizmagen, Reizdarmsyndrom oder einem Durchfall (Gastroenteritis).
Bei einer chronischen Gastritis sind oft nur leichte oder gar keine Beschwerden spürbar. Es kann aber auch zu den gleichen Symptomen wie bei der akuten Magenschleimhautentzündung kommen.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen einer Magenschleimhautentzündung sind eine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien oder die Einnahme von entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)
Helicobacter-pylori-Bakterien
Durch Helicobacter-Bakterien wird die Magensäureproduktion gestört. Dadurch kommt es zu einer Übersäuerung, die die Magenschleimhaut und Magenwand schädigen kann. Eine Infektion führt allerdings nur selten zu einer Entzündung : Auch wenn in Deutschland nach Schätzungen 40 von 100 Menschen das Helicobacter-Bakterium in sich tragen, haben nur etwa 4 bis 8 eine Gastritis oder ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
Das Bakterium verbreitet sich beispielsweise über Speichel, Erbrochenes, Stuhl, Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Vermutlich steckt man sich meistens bereits in der Kindheit über engen Kontakt in der Familie an.
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)
Zu den NSAR gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Wenn diese Schmerzmittel nur kurz eingenommen werden, um akute Schmerzen zu behandeln, sind Nebenwirkungen eher selten. Bei längerer Einnahme über Wochen oder Monate können sie aber die Schutzfunktion der Magenschleimhaut stören, denn sie blockieren die Bildung des Hormons Prostaglandin. Prostaglandine fördern die Bildung von Magenschleim und von Stoffen, die die Magensäure neutralisieren. Bei einem Prostaglandin-Mangel ist die Magenwand nicht mehr ausreichend vor Magensäure geschützt.
Wird ein Schmerzmittel mit Kortison kombiniert, kann dies die magenschädigende Wirkung verstärken.
Alkohol und andere Ursachen
Übermäßiger Alkoholkonsum kann ebenfalls eine akute Gastritis auslösen. Auch Rauchen , anhaltender Stress und die Ernährung (zum Beispiel stark fett- und zuckerhaltige oder scharfe Speisen) können zu Magenbeschwerden führen.
Eine seltenere Ursache einer Gastritis ist der sogenannte Galle-Reflux. Dabei fließt Gallenflüssigkeit aus dem Dünndarm in den Magen zurück und schädigt die Magenschleimhaut.
Häufigkeit
Magenschleimhautentzündungen sind in Deutschland häufig. Schätzungen zufolge bekommen 20 von 100 Personen im Laufe ihres Lebens eine akute Gastritis. Die meisten Frauen erkranken im Alter zwischen 45 und 64, die Männer meist nach dem 65. Lebensjahr. Insgesamt steigt das Risiko mit dem Alter an.
Folgen
Wenn die Magen- oder Darmschleimhaut die Wand des Magens oder Zwölffingerdarms nicht mehr ausreichend schützt, kann es zu Entzündungen und Verletzungen kommen. Als Folge kann sich im Magen oder im Zwölffingerdarm ein Geschwür (Ulkus) bilden. Ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür kann selten zu ernsthaften Komplikationen wie Blutungen führen.
Wenn eine Gastritis chronisch wird und die Schleimhaut dauerhaft entzündet ist, kann sich auch eine Blutarmut entwickeln. Sehr selten entsteht ein bösartiger Tumor.
Diagnose
Um die Beschwerden abzuklären, tastet die Ärztin oder der Arzt zuerst die Magenregion und den Oberbauch ab. Je nach Beschwerden kann auch eine Magenspieglung sinnvoll sein. Die 5- bis 10-minütige Untersuchung wird mit einem sogenannten Gastroskop durchgeführt. Es wird durch Mund und Speiseröhre in den Magen eingeführt. Mit dem Instrument kann die Ärztin oder der Arzt die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm betrachten. Zum einen können dabei Veränderungen wie Entzündungen oder Blutungen an der Magenschleimhaut erkannt werden. Zum anderen kann eine Gewebeprobe aus der Schleimhaut entnommen werden, die anschließend zum Beispiel auf Helicobacter oder Zellveränderungen wie bei einer Krebserkrankung untersucht wird.
Manchmal wird ein spezieller Atemtest zur Bestätigung der Helicobacter-Infektion eingesetzt. Der Erreger lässt sich auch durch eine Blut- oder Stuhluntersuchung nachweisen.
Behandlung
Wie eine Magenschleimhautentzündung behandelt wird, hängt von der Stärke der Entzündung, den Beschwerden und den Ursachen ab.
Nicht medikamentöse Behandlung
Bei einer akuten Gastritis ist es wichtig, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten. Es wird häufig auch geraten, Schonkost wie Zwieback oder Haferschleim zu essen, Kaffee und fetthaltige oder scharfe Speisen zu vermeiden und sich auszuruhen. Ärztinnen und Ärzte empfehlen oft auch, 1 bis 2 Tage nichts oder nur kleine Portionen zu sich zu nehmen. Ob diese Maßnahmen helfen, ist aber wissenschaftlich kaum untersucht.
Wer bemerkt, dass Stress Magenbeschwerden verstärkt, kann versuchen, anders damit umzugehen und für mehr Entspannung im Alltag zu sorgen.
Medikamentöse Behandlung
Halten die Beschwerden an oder sind sehr stark, wird eine Gastritis in der Regel mit säurehemmenden Medikamenten behandelt. Je nach Ausprägung der Beschwerden können folgende Wirkstoffe eingesetzt werden, bis die Symptome abklingen.
- Antazida wie Aluminium- oder Magnesiumhydroxid neutralisieren die vorhandene Magensäure.
- Protonenpumpenhemmer ( PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol hemmen die Bildung von Magensäure.
- H2-Rezeptor-Antagonisten wie Famotidin hemmen ebenfalls die Bildung von Magensäure.
Wenn die Gastritis durch eine Helicobacter-Infektion hervorgerufen wurde, werden Protonenpumpenhemmer mit 2 oder 3 Antibiotika kombiniert. Die Behandlung dauert dann 1 bis 2 Wochen.
Sind Schmerzmittel der Auslöser für die Gastritis, ist es ratsam, in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt auf andere Medikamente auszuweichen oder das Schmerzmittel mit einem säurehemmenden Medikament zu kombinieren. Bei regelmäßiger Einnahme von NSAR gibt es die Möglichkeit, schon vorbeugend gleichzeitig ein säurehemmendes Medikament einzunehmen.
Mandelentzündung
Halsschmerzen, Fieber und geschwollene, gelblich belegte Gaumenmandeln sind typische Anzeichen einer Mandelentzündung. Meist heilt sie innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Komplikationen sind selten. Bei häufigen Entzündungen kann eine Operation infrage kommen.
Auf einen Blick
Halsschmerzen können viele Ursachen haben. Meist sind sie Folge einer Rachenentzündung durch Erkältungsviren, die dann auch die Mandeln befallen können. Seltener ist eine bakterielleEntzündung der Gaumenmandeln. Welcher Erreger die Entzündung ausgelöst hat, ist allerdings nicht leicht zu erkennen.
Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als Erwachsene. Eine Entzündung der Mandeln (Tonsillitis) tritt plötzlich auf und ist schmerzhaft, heilt aber meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen wieder ab. Eine Mandelentzündung kann aber auch mehrmals wiederkehren. Dies kann belastend sein, führt aber nur selten zu Komplikationen.
Es ist wichtig, eine Mandelentzündung von einer Mandelvergrößerung (Tonsillenhyperplasie) zu unterscheiden. Dies sind unterschiedliche Erkrankungen.
Symptome
Typische Symptome einer akuten Mandelentzündung sind:
- Halsschmerzen
- geschwollene und stark geröteteMandeln mit gelblichem Belag
- Schluckbeschwerden
- geschwollene und schmerzende Halslymphknoten
- Fieber über 38,6° C
- Kopfschmerzen
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Appetitlosigkeit
- Mundgeruch
Wenn Viren die Ursache der Entzündung sind, wird sie zudem häufig von Erkältungsbeschwerden wie Husten und Schnupfen begleitet.
Oft ist außer den Mandeln auch der Rachen entzündet (Pharyngitis). Von einer Mandelentzündung spricht man, wenn die Entzündung vorwiegend die Mandeln betrifft.
Besonders bei Kindern kann sich die Erkrankung auch durch untypische Zeichen wie Bauchschmerzen äußern. Manchmal ist ihnen zudem übel und sie müssen sich übergeben.
Ursachen
Bakterien und Viren können durch Tröpfcheninfektion übertragen werden – das heißt, sie werden beim Sprechen oder Niesen in winzigen Tröpfchen in die Luft gesprüht und gelangen so auf die Schleimhäute eines anderen Menschen, wo sie sich vermehren.
bakterielle Mandelentzündungen werden meist durch bestimmte Streptokokken ausgelöst. Aber nicht jeder, der die Bakterien im Körper hat, bekommt eine Mandelentzündung.
Eine Mandelentzündung kann im Rahmen einer Scharlach-Infektion auftreten, die ebenfalls von Bakterien verursacht wird. Auch Virusinfektionen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber können mit einer Entzündung der Mandeln einhergehen.
Verlauf
Bei einer akuten Mandelentzündung klingen Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Das Fieber lässt oft etwas eher nach als die Halsschmerzen. Es kann aber länger dauern, bis die Mandeln abgeschwollen sind.
Folgen
Komplikationen sind selten. Die häufigste Komplikation ist eine Eiteransammlung um die Mandeln herum – ein sogenannter Peritonsillarabszess. Dieser kann im Rahmen einer bakteriellen Mandelentzündung entstehen und von selbst wieder abheilen. Es besteht aber das Risiko, dass sich die Entzündung in das umliegende Gewebe im Hals- und Brustbereich ausbreitet oder sich eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickelt. Das kann zu schweren Komplikationen führen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ein Abszess behandelt wird. Folgende Symptome können auf einen Peritonsillarabszess hinweisen:
- sehr starke einseitige Halsschmerzen und Beschwerden beim Schlucken
- allgemeine Schwäche und Fieber
- Ohrenschmerzen (vor allem einseitige)
- das Gefühl, beim Sprechen einen Kloß im Hals zu haben
- Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen
Schätzungen gehen davon aus, dass sich bei höchstens 1 bis 10 von 1000 Menschen, die wegen Beschwerden wie Halsschmerzen ärztlich behandelt wurden, ein Abszess bildet. Ähnlich selten entsteht aus einer Mandelentzündung eine Mittelohrentzündung.
Eine sehr seltene Komplikation ist das rheumatische Fieber. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung mehrerer Gelenke, des Herzmuskels und der Herzklappen. Rheumatisches Fieber tritt nur nach einer Infektion mit bestimmten Streptokokken auf. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr weniger als 1 von 100.000 Kindern daran erkrankt. Auch Nierenentzündungen sind sehr seltene Komplikationen einer bestimmten Streptokokken-Infektion: Laut Schätzungen erkranken pro Jahr 6 von 100.000 Kindern daran.
Diagnose
Bei Halsschmerzen kann eine ärztliche Untersuchung helfen, folgende Fragen zu beantworten:
- Ist eine Mandelentzündung die Ursache der Beschwerden?
- Wie stark ist die Entzündung?
- Handelt es sich um eine bakterielle Mandelentzündung?
- Wird sie voraussichtlich auch ohne Behandlung mit Antibiotika rasch abklingen?
- Ist das Risiko für Komplikationen erhöht?
- Ist eine Antibiotikatherapie nötig?
Die Ärztin oder der Arzt wird den Rachen untersuchen und nach den genauen Beschwerden fragen. Für eine bakterielle Mandelentzündung spricht es, wenn die Mandeln geschwollen und belegt sind und man Fieber hat, aber keinen Husten.
Zusätzlich kann ein sogenannter Schnelltest gemacht werden. Für Kinder bis zum 16. Lebensjahr wird er von den Krankenkassen bezahlt. Dabei wird ein Abstrich von den Mandeln genommen und auf Streptokokken untersucht. Das Ergebnis liegt innerhalb weniger Minuten vor, ist aber nicht immer richtig. Wenn der Abstrich ins Labor geschickt wird, fällt das Testergebnis genauer aus, ist aber erst nach 1 bis 2 Tagen da.
Nur in Ausnahmen wird Blut abgenommen und untersucht, beispielsweise um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung soll in erster Linie die Beschwerden lindern und Komplikationen vorbeugen. Bei einer akuten Mandelentzündung kommen dazu folgende Medikamente infrage:
- schmerzlindernde und Fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol
- bei bakterieller Mandelentzündung Antibiotika
Antibiotika können die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Zudem ist man spätestens 24 Stunden nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend. Sie können auch das Risiko von Komplikationen senken – allerdings sind diese ohnehin die Ausnahme. Da Antibiotika nur begrenzt gegen die Beschwerden helfen und Nebenwirkungen haben, kann man häufig auf eine Einnahme verzichten.
Viele Menschen empfinden es als wohltuend, Halsbonbons zu lutschen oder die Beschwerden mit Hausmitteln zu lindern, etwa mit Halswickeln und Gurgeln mit Salzwasser oder Tee.
Wiederkehrende Mandelentzündungen können ebenfalls mit Schmerzmitteln oder Antibiotika behandelt werden. Bei häufigen Beschwerden ist es auch möglich, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.
Masern
Masern werden durch Viren verursacht und sind hoch ansteckend – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Typisch sind ein hellroter Hautausschlag und grippeähnliche Beschwerden. Eine Impfung schützt zuverlässig vor Masern und hilft, ihre Ausbreitung zu verhindern.
Einleitung
Masern werden durch Viren verursacht und sind hoch ansteckend – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Eine Masernerkrankung bleibt meist ohne Folgen, ist aber nicht harmlos.
Masernviren schwächen die körpereigene Abwehr über Monate. Es kann außerdem zu weiteren Infektionen wie einer Mittelohr oder Lungenentzündungen kommen. Sehr selten führen Masern zu einer Hirnentzündung, die tödlich sein kann.
Um die Ausbreitung der Infektion und damit auch solche ernsten Folgen zu verhindern, sollten möglichst alle Kinder geimpft werden. Das gilt auch für Erwachsene, die nicht oder nur einmal geimpft wurden oder noch keine Masern hatten.
Symptome
Eine Maserninfektion verläuft meist in zwei Phasen. Anfangs führt sie zu Beschwerden wie:
- Fieber
- Husten, Schnupfen und Halsschmerzen
- Bindehautentzündung mit tränenden Augen und Lichtempfindlichkeit
- Kopfschmerzen
- weißen Flecken im Mund (an der Innenseite der Wangen)
Innerhalb weniger Tage sinkt das Fieber zunächst wieder. Danach entwickelt sich ein hellroter Hautausschlag und die Temperatur steigt erneut an. Es kann auch zu einem Fieberkrampf kommen.
Der fleckige Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann am ganzen Körper aus. Die Flecken werden dabei größer und fließen ineinander. Wenn der Ausschlag nach einigen Tagen abklingt, schuppt sich die Haut oft. Nach etwa einer Woche sinkt das Fieber wieder.
Selten verläuft die Infektion auch milder, mit kaum sichtbarem Hautausschlag und weniger Beschwerden. Diese abgeschwächte Form („mitigierte“ Masern) ist dennoch ansteckend. Sie kann vor allem auftreten, wenn man nur einmal geimpft wurde und deshalb keinen vollständigen Impfschutz hat. Auch bei Neugeborenen kommen mitigierte Masern vor.
Ursachen
Masern werden durch Viren ausgelöst, die sich bei einer Infektion unter anderem im Nasen- und Rachenraum befinden. Sie werden meist durch Tröpfchen und Aerosole übertragen, die durch Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen entstehen. Tröpfchen sind relativ groß und sinken schnell zu Boden. Aerosole sind dagegen sehr klein, können länger in der Luft schweben und sich in Räumen verteilen. Die Viren können auch an den Händen oder an Gegenständen wie Türgriffen haften und sich so übertragen (Schmierinfektion).
Ein kurzer Kontakt mit einer erkrankten Person reicht aus, um sich anzustecken. Masern verbreiten sich besonders leicht in Gruppen, in denen viele Personen nicht geimpft sind.
Häufigkeit
Seit der Einführung der Masernimpfung in den 1960er-Jahren erkranken sehr viel weniger Menschen als früher. In Deutschland sind es insgesamt etwa 300 bis 2000 pro Jahr. Die Masern waren früher eine Kinderkrankheit – inzwischen erkranken vor allem ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene.
Einzelne Ausbrüche sind meist auf bestimmte Regionen oder Orte beschränkt, in denen zu wenige Personen geimpft sind.
Verlauf
So gut wie jeder Mensch, der sich mit Masern ansteckt, erkrankt auch. Die Infektion macht sich etwa 1 bis 2 Wochen nach der Ansteckung bemerkbar. Bis man sich erholt hat, dauert es normalerweise zwei weitere Wochen.
Ansteckungsgefahr für andere besteht schon 3 bis 5 Tage, bevor sich der Hautausschlag entwickelt. Etwa fünf Tage nach Auftreten des Hautausschlags ist man nicht mehr ansteckend.
Masern bekommt man nur einmal im Leben: Wer die Masern durchgemacht hat, ist lebenslang immun gegen die Erkrankung.
Folgen
In den ersten Monaten nach einer Maserninfektion ist das Immunsystem geschwächt – manchmal auch für einige Jahre. Deshalb ist man anfälliger für andere Infektionen wie zum Beispiel:
- Mittelohrentzündung
- Kehlkopfentzündung
- Bronchitis
- Lungenentzündung
- Magen-Darm-Infekte
Für Erwachsene und Kleinkinder sind Masern oft belastender als für ältere Kinder oder Jugendliche.
Meist hat eine Maserninfektion keine bleibenden Folgen. Es kann jedoch zu folgenden schweren Komplikationen kommen:
- Gehirnentzündung (Enzephalitis): Diese tritt bei etwa 1 von 1000 Erkrankten einige Tage nach der Ansteckung auf. Die Entzündung kann zu Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen führen und lebensgefährlich sein. Auch bleibende Schäden des Gehirns sind möglich.
- Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): Diese sehr seltene, schwere Gehirnentzündung tritt erst einige Jahre nach einer Maserninfektion auf. Sie führt zu einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems und endet immer tödlich. Etwa 1 bis 5 von 10.000 Masernerkrankten entwickeln eine SSPE.
Säuglinge und Kleinkinder sowie Erwachsene haben ein höheres Risiko für Komplikationen. Auch Immungeschwächte sind anfälliger.
Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft mit Masern, kann eine Früh- oder Fehlgeburt die Folge sein.
Diagnose
Ärztinnen und Ärzte erkennen Masern oft am typischen Hautauschlag und den sonstigen Beschwerden. Allerdings können Masern leicht mit anderen Infektionen wie Röteln oder Scharlach verwechselt werden, da sich die Symptome ähneln. Aus diesem Grund wird bei Verdacht auf eine Maserninfektion immer ein Rachenabstrich oder eine Urinprobe im Labor auf das Virus untersucht. Zusätzlich kann man Blut abnehmen und auf Antikörper untersuchen.
Vorbeugung
Vor Masern schützt eine wirksame und sichere Impfung. Sie wird allen Kindern und allen nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, die bisher nicht oder nur einmal geimpft wurden.
Die Masernimpfung wird mit der Impfung gegen Mumps und Röteln kombiniert (MMR-Impfung) oder zusätzlich mit der Impfung gegen Windpocken (MMRV-Impfung). Ein Einzelimpfstoff gegen Masern ist in Deutschland nicht verfügbar.
Zum ersten Mal wird im Alter von 11 Monaten geimpft, zum zweiten Mal im Alter von 15 Monaten. Wenn ein Kind schon früher in eine Kindertagesstätte geht, ist die Erstimpfung auch ab neun Monaten möglich.
Nach der zweiten Impfung sind etwa 95 bis 100 der Geimpften gegen Masern geschützt. Der Schutz hält meist ein Leben lang. Nur sehr selten infiziert man sich trotz Impfung mit Masern. Dies betrifft vor allem Menschen, die nur einmal geimpft sind.
Die Masernimpfung ist wichtig, damit sich die Erkrankung nicht ausbreiten kann. Wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, sind auch Menschen geschützt, die nicht geimpft werden können – zum Beispiel Säuglinge. Dies wird als Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität bezeichnet. Ab wann sie erreicht ist, hängt davon ab, wie ansteckend eine Krankheit ist. Da Masern hoch ansteckend sind, müssen möglichst viele Menschen dagegen geimpft sein.
Seit 2020 besteht eine Nachweispflicht für Masernimmunität : Für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr muss vor Eintritt in den Kindergarten, die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen nachgewiesen werden, dass sie gegen Masern geimpft oder immun sind. Die Nachweispflicht gilt auch für Personen, die nach 1970 geboren wurden und in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen, in Gemeinschaftseinrichtungen oder -unterkünften arbeiten. Der Impfschutz lässt sich mit dem Kinderuntersuchungsheft (gelbes Heft), dem Impfausweis oder einem ärztlichen Attest belegen. Eine Immunität kann durch einen Bluttest auf Antikörper nachgewiesen werden.
Behandlung
Gegen Masernviren gibt es keine wirksamen Medikamente. Mit Schmerzmitteln oder fiebersenkenden Medikamenten lassen sich aber die Beschwerden lindern.
Wichtig sind Schonung und Bettruhe, damit der Körper sich erholt. Falls es zu Komplikationen kommt, kann ein Krankenhausaufenthalt nötig werden.
Leben und Alltag
Personen, die an Masern erkrankt sind, müssen den Kontakt mit anderen Menschen meiden, um sie nicht anzustecken. Sie dürfen keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Pflegeheime besuchen oder dort arbeiten. Das gilt auch für öffentliche Veranstaltungen, Feiern und andere Anlässe, wo sich das Virus schnell verbreiten kann.
Es ist wichtig, alle Kontaktpersonen über die Erkrankung oder den Verdacht auf Masern zu informieren. So sollte man auch Arztpraxen vor dem Besuch Bescheid sagen, damit sie Schutzmaßnahmen ergreifen können. Menschen, die nicht ausreichend gegen Masern geschützt sind, sollten sich nach dem Kontakt mit einer erkrankten Person möglichst innerhalb von drei Tagen impfen lassen.
Die Ansteckungsgefahr ist erst vorüber, nachdem die Beschwerden abgeklungen sind – und frühestens am fünften Tag nach Auftreten des Hautausschlags.
Migräne
Eine Migräne unterscheidet sich sehr von „normalen“ Kopfschmerzen, wie sie wohl jeder kennt: Typisch sind plötzlich einsetzende, mäßige bis starke Schmerzen auf einer Seite des Kopfes. Oft verstärken sie sich schon bei kleinen Bewegungen. Welche Mittel helfen bei einer Migräneattacke? Wie lässt sich vorbeugen?
Auf einen Blick
Eine Migräne ist etwas anderes als gewöhnliche Kopfschmerzen, die fast jeder Mensch ab und zu hat. Bei einem Migräneanfall setzen plötzlich heftige Schmerzen ein, oft nur auf einer Kopfseite. Sie sind deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und meist von weiteren Beschwerden begleitet.
Von einer Migräne spricht man aber erst, wenn die typischen Symptome mindestens fünfmal aufgetreten sind.
Eine Migräne schränkt den Alltag meist erheblich ein. Manche Menschen haben nur gelegentlich einen Migräneanfall. Andere sind jeden Monat für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt. Verschiedene Medikamente können helfen, mit Migräne zurechtzukommen.
Symptome
Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite des Kopfes. Meist werden sie als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Oft verstärken sie sich bei körperlicher Aktivität, manchmal schon bei kleinen Bewegungen. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Sie können bei manchen Kindern auch fehlen – ihnen ist hauptsächlich übel, sie müssen sich übergeben und ihnen ist schwindelig.
Manche Menschen sind während der Anfälle auch sehr licht- und geräuschempfindlich. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an.
Bevor die eigentliche Migräne spürbar wird, sehen manche Menschen Lichtblitze und eigenartige Formen. Andere nehmen alles etwas verschwommen, verwackelt oder wie durch Wellenlinien hindurch wahr. Vorübergehend können sich auch Sprachstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen wie Kribbeln einstellen. In der Medizin werden solche Erscheinungen als „Aura“ bezeichnet. Eine Aura klingt normalerweise innerhalb einer Stunde folgenlos wieder ab und wird dann von den typischen Migräneschmerzen abgelöst.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von Migräne sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Stress spielt bei Schmerzen oft eine wichtige Rolle: Sich nervös und angespannt zu fühlen, kann Schmerzen verstärken oder dazu beitragen, dass sie überhaupt auftreten. Sehr hektische Tage ohne ausreichende Pausen können Kopfschmerzen daher begünstigen. Manchmal setzt aber auch eine Migräne ein, wenn der Stress nachlässt – zum Beispiel am Wochenende oder in den ersten Urlaubstagen.
Bei Menschen mit Migräne können auch unregelmäßige Schlaf- und Essenszeiten die Wahrscheinlichkeit für einen Anfall erhöhen. Möglicherweise besteht zudem ein Zusammenhang zwischen Migräne, der Ernährung und körperlicher Bewegung. Wer Migräne hat, kann selbst herausfinden, ob diese Faktoren einen Einfluss haben. Dabei kann ein Migräne-Tagebuch helfen.
Häufigkeit
Frauen haben öfter Migräne als Männer. Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle. Bei Kindern sind Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen: Etwa 4 bis 5 von 100 Kindern haben Migräne.
Verlauf
Eine Migräne kann mit der Zeit von selbst besser werden. Junge Frauen haben oft zum ersten Mal eine Migräne, wenn sie ihre Monatsblutung bekommen. Bei vielen Frauen bleiben die Anfälle während einer Schwangerschaft aus und verschwinden nach den Wechseljahren ganz.
Sehr selten wird eine Migräne chronisch. Davon spricht man, wenn über mindestens drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Beschwerden auftreten. Weniger als 2 von 100 Menschen mit Migräne haben eine chronische Form.
Vorbeugung
Bestimmte Schlafgewohnheiten oder andere Verhaltensweisen können Migräneanfälle begünstigen. Worauf Menschen mit Migräne empfindlich reagieren, ist unterschiedlich. Ein Kopfschmerz-oder Migränetagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschehen ist, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat.
Anhand der Aufzeichnungen können Zusammenhänge zwischen Anfällen und möglichen Auslösern deutlich werden. Außerdem zeigen die Tagebuch-Eintragungen, ob sich die Häufigkeit und Stärke der Migräne tatsächlich verringert, wenn man für eine Weile auf einen möglichen Auslöser wie zum Beispiel Rotwein verzichtet.
Manche Menschen probieren auch Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Arzneimittel oder Entspannungsverfahren aus, um ihren Migräneattacken vorzubeugen. Bei sehr starken oder sehr häufigen Migräneanfällen kommen auch Medikamente zur Vorbeugung oder eine psychotherapeutische Behandlung infrage. Dabei lernt man zum Beispiel mehr über die Erkrankung oder übt Techniken, die helfen sollen, mit stressigen Situationen umzugehen.
Behandlung
Viele Menschen mit Migräne lindern Anfälle zunächst einmal mit allem, was ihnen persönlich aus Erfahrung guttut: Sie legen sich in einem ruhigen und dunklen Raum hin und bedecken die schmerzende Kopfseite vielleicht mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.
Wenn die Migräne sehr schmerzhaft ist, nehmen die meisten Menschen Medikamente, um den Anfall durchzustehen. Dazu gehören vor allem Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel(NSAR) wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen und spezielle Migränemittel wie Triptane. Paracetamol, ASS und Ibuprofen sind in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich, ebenso zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane. Bevor man sich selbst behandelt, sollte aber ärztlich abgeklärt sein, dass es sich bei den Kopfschmerz-Anfällen tatsächlich um eine Migräne handelt.
Werden Schmerz-und Migränemedikamente zu oft eingesetzt, können sie die Kopfschmerzen verstärken. Daher wird empfohlen, Schmerz- und Migränemedikamente nicht häufiger als zehn Tage im Monat zu nehmen.
Leben und Alltag
Es gibt viele Menschen, deren Migräne so stark ist oder so häufig wiederkehrt, dass sie ihr tägliches Leben erschwert. Wiederholte Anfälle können sehr belastend sein; lange anhaltende Kopfschmerzen zehren an den Kräften. Viele Menschen mit Migräne sind während eines Anfalls kaum oder gar nicht in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten zu Hause und bei der Arbeit nachzugehen. Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration nimmt stark ab.
Migräneanfälle können zu bestimmten Zeiten auftreten, wie bei Frauen typischerweise in den Tagen vor ihrer monatlichen Regelblutung. Oft sind die Anfälle aber unvorhersehbar. Dies macht es auch schwer, Aktivitäten zu planen oder Verabredungen einzuhalten. Nicht nur die Beschwerden selbst können stark belasten und die Lebensfreude dämpfen, sondern auch die Angst vor erneuten Migräneanfällen und Sorgen, wie sich die Migräne beispielsweise auf Familie und Beruf auswirkt.
Negative Gefühle und Gedanken können zudem zu einem Verhalten führen, das die Lebensqualität zusätzlich mindert: Etwa wenn man aus Furcht vor einem Migräneanfall Aktivitäten vermeidet, die einem eigentlich Freude bereiten. Die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, solche negativen Denkmuster und Verhaltensweisen zu ändern. Manche Menschen probieren diese Methode aus, um besser mit ihrer Migräne zurechtzukommen. Andere versuchen es mit Entspannungsverfahren wie etwa autogenem Training. Dabei lernt man, sich in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen. Wieder andere fühlen sich besser, wenn sie körperlich aktiv sind.
Mittelohrentzündung
Mittelohrentzündungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Sie haben meist starke Ohrenschmerzen, Fieber, schlafen schlecht, weinen viel und hören schlechter. In der Regel klingt die Entzündung in wenigen Tagen von selbst ab. Ernste Komplikationen sind selten.
Auf einen Blick
Die akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media) ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Die meisten Kinder erkranken bis zum Alter von drei Jahren mindestens einmal daran. Sie haben Schmerzen, Fieber, können nachts nicht schlafen und weinen viel. Das bereitet ihren Eltern eine unruhige Nacht und manchmal auch die Sorge, dass etwas Ernsthaftes hinter den Beschwerden stecken könnte. Doch eine akute Mittelohrentzündung heilt in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Tagen von selbst ab – ernsthafte Komplikationen sind sehr selten.
Schmerzlindernde, fiebersenkende Mittel und viel Zuwendung reichen meist aus. Es ist aber wichtig, den Krankheitsverlauf gut zu beobachten, denn manchmal kann eine weitere Behandlung nötig sein.
Symptome
Eine akute Mittelohrentzündung bei einem Kleinkind geht in der Regel einher mit
- starken Ohrenschmerzen,
- Fieber über 38,6° C und
- schlechtem Hören, weil sich im Mittelohr Flüssigkeit angesammelt hat.
Meist geht es den Kindern plötzlich sehr schlecht. Manche müssen sich auch übergeben. Kleinkinder können Schmerzen oft noch nicht zuordnen und klagen vielleicht über Bauchweh, auch wenn ihnen die Ohren wehtun. Für Eltern von Babys und sehr kleinen Kindern ist es zudem schwer einzuschätzen, wie stark die Schmerzen sind. Manche Kinder schütteln häufig den Kopf, fassen sich an die Ohren oder reiben sie, wenn sie Ohrenschmerzen haben.
Ein Kind mit Mittelohrentzündung kann meist nur schlecht hören. Generell sind kranke Kinder unruhiger, schreien mehr, haben nur wenig Appetit und schlafen schlechter. Einige Kinder können aber auch matt und daher ruhiger sein als sonst. Bei einer akuten Mittelohrentzündung wachen die Kinder nachts oft auf und weinen, weil die Ohrenschmerzen sie kaum schlafen lassen.
Ursachen und Risikofaktoren
In der Regel tritt eine akute Mittelohrentzündung im Zusammenhang mit einer Erkältung, Grippe, Halsentzündung oder einer ähnlichen Infektion auf. Dabei dringen Viren und Bakterien in den Rachenraum ein und führen dazu, dass sich die Schleimhäute entzünden und mehr Flüssigkeit bilden.
In der Folge schwellen auch die Schleimhäute im Ohr und im Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, der „Ohrtrompete“ oder „Tube“, an. Das Sekret aus Tube und Mittelohr kann dann nicht mehr abfließen. Es staut sich im Mittelohr und drückt aufs Trommelfell. Das kann wehtun und das Hören beeinträchtigen.
Bei Babys und Kleinkindern ist das Röhrchen der Tube noch sehr fein und kurz. Deshalb können sich Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum leicht bis in das Mittelohr ausbreiten. Nach dem siebten Lebensjahr sind Mittelohrentzündungen seltener, weil sich die Tube und das Immunsystem weiterentwickelt haben.
Auch vergrößerte Rachenmandeln („Polypen“) können die Entlüftung des Mittelohrs behindern und eine Entzündung begünstigen. Allergische Reaktionen oder Infektionen der Nasennebenhöhlen können ebenfalls dazu führen, dass die Tube zuschwillt und das Mittelohr sich entzündet.
Kinder bekommen etwas häufiger Mittelohrentzündungen, wenn sie
- einen Schnuller benutzen,
- oft engen Kontakt zu anderen Kindern haben, zum Beispiel in der Kita oder im Hort,
- von Anfang an Flaschennahrung anstatt Muttermilch bekommen,
- häufig Tabakrauch ausgesetzt sind.
Häufigkeit und Verlauf
Mittelohrentzündungen sind bei Babys und Kleinkindern einer der häufigsten Gründe für einen Besuch bei der Kinderärztin oder beim Kinderarzt: Bis zum Alter von drei Jahren haben 80 von 100 Kindern bereits einmal eine Mittelohrentzündung gehabt. Bis zu einem Drittel der erkrankten Kinder hat mehrmals damit zu tun.
Eine Mittelohrentzündung heilt meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen von selbst ab und hat keine weiteren Folgen. Drückt das im Mittelohr angesammelte Sekret zu stark auf das Trommelfell, kann es einreißen. Die zähe, manchmal auch mit Eiter und Blut vermischte Flüssigkeit fließt dann nach außen in den Gehörgang und die Schmerzen lassen nach. Der so entstandene Riss im Trommelfell ist meist klein und verheilt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst. Bis dahin kann immer wieder ein wenig Flüssigkeit aus dem Ohr laufen.
Wenn eine Mittelohrentzündung über mehrere Wochen anhält, spricht man von einer chronischen Otitis media. Schmerzen und Fieber klingen dabei zwar ab – die Flüssigkeit bleibt aber im Mittelohr. Bei vielen Kindern fließt auch immer mal wieder eitriges Sekret aus dem Ohr.
Außerdem besteht bei langanhaltenden Entzündungen die Gefahr, dass die Hörfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen wird. Eltern können darauf achten, ob ihr Kind im Laufe der Zeit schlechter hört, und dies beim nächsten Arztbesuch ansprechen.
Folgen
Manchmal klingt die Entzündung ab und das Trommelfell verheilt, aber es bleibt Flüssigkeit im Mittelohr. Dies nennt man Paukenerguss. Die Kinder spüren dann oft ein Druckgefühl im Ohr, seltener haben sie auch Ohrenschmerzen. Es kann zu Hörstörungen kommen, die die Sprachentwicklung verzögern können.
Wenn ein Kind häufig Mittelohrentzündungen hat und dabei das Trommelfell wiederholt einreißt, kommt es vor, dass es vernarbt. In der Folge kann die dünne Membran verhärten und unbeweglich werden. Dies verschlechtert das Hören.
Zu Komplikationen und Folgeerkrankungen nach einer akuten Mittelohrentzündung kommt es nur sehr selten. Seltene Komplikationen sind:
- Mastoiditis (bakterielle Infektion im Warzenfortsatz des Schläfenbeins, dem Knochen hinter dem Ohr)
- Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Innenohrschädigung (zum Beispiel der Nerven, was zu Hörverlusten führen kann)
Eine Mastoiditis macht sich meist durch Schmerzen hinter den Ohren, manchmal auch mit Schwellungen und Fieber bemerkbar. Sie muss mit Antibiotika behandelt werden, damit sie sich nicht auf den Knochen ausbreitet oder eine Hirnhautentzündung verursacht.
Diagnose
Normalerweise fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach akuten Krankheitszeichen und Beschwerden sowie nach der Vorgeschichte der Erkrankung. An das Gespräch schließen sich die körperliche Untersuchung beider Ohren, des Halses und des Rachenraums an. Außerdem wird die Körpertemperatur gemessen.
Das Trommelfell wird mit einem sogenannten Otoskop untersucht. Das ist ein Gerät mit einer Lupe und einem Lämpchen, das es der Ärztin oder dem Arzt ermöglicht, in den Gehörgang hineinzusehen. Mit einem „Tympanometer“ lässt sich die Hörfähigkeit prüfen. Das Gerät kann Geräusche erzeugen und aufnehmen. Es kann zudem den Luftdruck verändern, um festzustellen, ob sich das Trommelfell frei bewegen kann.
Drei wichtige Hinweise auf eine akute Mittelohrentzündung sind
- ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit heftigen Ohrenschmerzen und Fieber, Hörstörungen und allgemeiner Schwäche,
- ein gerötetes Trommelfell sowie
- ein nach außen gewölbtes, starres und undurchsichtiges Trommelfell, das auf Flüssigkeit hinter dem Trommelfell schließen lässt.
Manchmal ist es allerdings nicht einfach, eine akute Mittelohrentzündung sicher zu erkennen.
Vorbeugung
Verhindern lassen sich Mittelohrentzündungen meist nicht. Vielleicht lässt sich das Risiko durch einzelne Maßnahmen aber etwas senken. Dazu zählt, Kindern seltener einen Schnuller zu geben. Besonders wichtig ist, dass Kinder in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen – denn Passivrauchen erhöht das Risiko für Infektionen im Bereich der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums. Es schwächt zudem die Immunabwehr des Kindes.
Behandlung
Eine akute Mittelohrentzündung kann stark schmerzen, deshalb steht eine schnelle Schmerzlinderung meist im Mittelpunkt der Behandlung. Dazu eignen sich schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamnetewie Paracetamol oder Ibuprofen, die es auch als Zäpfchen oder als Saft gibt. Die Beschwerden klingen dann oft ohne weitere Behandlung ab.
Manche Eltern fragen sich, ob ihr Kind ein Antibiotikum braucht. Antibiotika wirken aber nur bei Bakterien und nicht, wenn Viren die Entzündung verursacht haben. Anzeichen für eine bakterielle Entzündung sind eitriger Ausfluss aus dem Ohr oder eine Entzündung beider Ohren bei Kindern unter zwei Jahren. Dann können Antibiotika helfen, die die Ärztin oder der Arzt verschreibt.
Abschwellende Nasentropfen werden häufig empfohlen, um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern. Sie haben aber vermutlich keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Beschwerden. Ist die Nase verstopft, können sie für einige Stunden die Nasenatmung erleichtern. Die Nasentropfen sollten nicht länger als einige Tage verwendet werden.
Viele Eltern probieren Hausmittel wie Wadenwickel gegen Fieber oder Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen aus. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht belegt. Das gilt auch für pflanzliche Mittel. Homöopathische Mittel sind unwirksam.
Nackenschmerzen
Nackenschmerzen können dazu führen, dass sich die Muskeln verspannen und der Kopf sich nicht normal bewegen lässt. Die Schmerzen können manchmal auch in die Arme oder in den Kopf ausstrahlen. Meist sind sie aber nach 1 bis 2 Wochen überstanden. Welche Behandlungen gibt es und was hilft tatsächlich?
Auf einen Blick
Akute Nackenschmerzen sind weit verbreitet und normalerweise kein Grund zur Sorge. Oft sind Muskelverspannungen der Auslöser, zum Beispiel nach langer Computerarbeit, wenn man Zugluft ausgesetzt war oder im Schlaf ungünstig gelegen hat. Häufig ist aber keine eindeutige Ursache erkennbar. Akute Nackenschmerzen klingen in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Bei manchen Menschen kehren sie nach bestimmten Belastungen wieder, etwa nach der Arbeit oder intensivem Sport.
Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten, spricht man von chronischen Nackenschmerzen. Oft sind psychische Belastungen und Stress im Spiel, wenn Nackenschmerzen chronisch werden.
Manche Menschen mit Nackenschmerzen befürchten, dass ihre Beschwerden zunehmen oder sie sich verletzen könnten, wenn sie körperlich aktiv bleiben. Solange es keine Warnzeichen für ernsthafte Probleme gibt, besteht aber kein Anlass zur Sorge. Es ist sogar wichtig, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben und wie gewohnt dem Alltag nachzugehen. Den Nacken gezielt zu trainieren, kann Nackenschmerzen vorbeugen.
Symptome
Man unterscheidet grob zwei Formen von Nackenschmerzen:
- Axiale Schmerzen treten vor allem im Bereich der Halswirbelsäule auf. Manchmal reichen sie auch bis zu den Schultern.
- Radikuläre Schmerzen strahlen entlang von Nervenbahnen aus, zum Beispiel in den Hinterkopf oder bis in einen Arm. Meist lösen gereizte Nerven sie aus – zum Beispiel, weil eine veränderte Bandscheibe der Halswirbelsäule auf einen Nerv drückt. Das kann dann auch die Reflexe und die Muskelkraft im Arm beeinträchtigen oder zu Kribbeln führen.
Nur sehr selten weisen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung oder einen Notfall hin. In folgenden Situationen und bei diesen Anzeichen ist aber rasche ärztliche Hilfe wichtig:
- vorangegangener Unfall
- der Kopf lässt sich nicht mehr zur Brust beugen (Genickstarre )
- Kontrollverlust beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Kopfschmerzen mit gleichzeitiger Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Lichtempfindlichkeit
- gleichbleibend starke Schmerzen in Ruhe wie bei Bewegung
- unerklärlicher Gewichtsverlust, Fieber oder Schüttelfrost
- Nervenstörungen, Lähmungserscheinungen oder Probleme, den Arm oder die Finger zu bewegen
Auch dauerndes Kribbeln, häufig eingeschlafene Hände oder Beine, Schwäche in den Beinen und Probleme mit der Balance beim Gehen sind Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden sollten.
Ursachen
Nackenschmerzen können viele Ursachen haben. Dazu gehören:
- Eine schwache Halsmuskulatur und Überlastung: Zum Beispiel kann langes Sitzen am Schreibtisch – oft in ungünstiger Haltung und mit dauernd leicht angespannten Muskeln – zu Schmerzen und Steifheit im Nacken- oder Schulterbereich führen, manchmal auch zu Kopfschmerzen. Auch Arbeiten, bei denen der Kopf in den Nacken gelegt wird, wie etwa beim Streichen einer Decke, oder bestimmte Sportarten wie Rennradfahren oder Brustschwimmen mit erhobenem Kopf können Muskelprobleme auslösen.
- Verschleiß der Halswirbelsäule: Im Laufe des Lebens treten an der Wirbelsäule verschiedene normale Verschleißerscheinungen auf: Die Bandscheiben werden dünner und es können sich kleine Zacken an den Rändern der Wirbelkörper bilden. Durch diese Veränderungen kann die Halswirbelsäule weniger beweglich werden, sie lösen aber allein eher selten Nackenschmerzen aus.
- Schleudertrauma: Diese Verletzung kann bei Auffahrunfällen im Auto entstehen. Durch einen heftigen Aufprall wird der Kopf rasch vor- und zurückgeschleudert. Die Folge sind meist kleine Verletzungen im Muskel- und Bindegewebe, schmerzhafte Verspannungen und eingeschränkte Beweglichkeit für einige Tage. Meist bilden sich die Symptome bald wieder vollständig zurück.
- Verengung des Wirbelkanals oder Bandscheibenvorfall Wenn der Wirbelkanal verengt ist oder vorgewölbtes oder ausgetretenes Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel drückt, kann es zu Nackenschmerzen kommen, die in die Schulter oder den Arm ausstrahlen. Ein Bandscheibenvorfall kann, muss aber nicht zu Beschwerden führen.
Nackenschmerzen können zudem als Begleiterscheinung bei entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule, Problemen im Kiefergelenk oder starken Kopfschmerzen auftreten.
Oft ist es nicht möglich, eine eindeutige Ursache für die Nackenschmerzen auszumachen: Die Knochen, Bänder und Nerven der Halswirbelsäule liegen so eng beieinander, dass sich meist nur schwer beurteilen lässt, was letztlich die Beschwerden auslöst.
Wenn sich kein bestimmter Grund finden lässt, spricht man von „unspezifischen Nackenschmerzen“. Gerade bei chronischen Nackenschmerzen ist die Ursache oft unklar.
Häufigkeit und Verlauf
Nackenschmerzen sind sehr häufig: Nach Schätzungen hat etwa jeder dritte Mensch einmal im Jahr damit zu tun, Frauen öfter als Männer. Meist sind die Beschwerden harmlos und verschwinden nach einer Weile von selbst wieder. Sie können aber auch immer wieder auftreten.
Grundsätzlich steigt mit dem Alter das Risiko, dass die Nackenschmerzen zu einem längerfristigen Problem werden. Auch bei Menschen, die bereits mit Rückenschmerzen der einem Bandscheibenvorfall zu tun hatten, sind Nackenschmerzen oft hartnäckiger.
Wie lange Nackenschmerzen nach einem Schleudertrauma anhalten, hängt unter anderem von der Stärke des Aufpralls ab. Menschen, die der Unfall psychisch sehr belastet oder die sich große Sorgen über die Folgen machen, haben oft längere und stärkere Beschwerden.
Diagnose
In der Arztpraxis werden zunächst einige Fragen gestellt – etwa, ob man zuvor einen Unfall hatte, wo genau es schmerzt und ob besondere körperliche Belastungen oder starker Stress eine Rolle spielen könnten.
Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung geht es erst einmal darum, ernsthafte Ursachen auszuschließen. Dazu tastet die Ärztin oder der Arzt den Hals und Nacken ab, untersucht die Beweglichkeit des Kopfes, die Reflexe und die Muskelkraft in Armen und Schultern.
Eine Röntgenuntersuchung, Computer- oder Kernspintomografie ist normalerweise nur nötig, wenn es Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung oder einen Verdacht auf eine bestimmte Ursache gibt. Fehlen solche Hinweise, helfen Röntgenaufnahmen normalerweise nicht weiter, weil sich aus den Bildern keine verlässlichen Schlüsse ziehen lassen: Einerseits haben viele Menschen sichtbare Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule, aber keinerlei Beschwerden. Andererseits sind bei Menschen mit Nackenschmerzen oft keine oder nur leichte Veränderungen zu sehen. Bei unspezifischen Nackenschmerzen sind Röntgen- und andere bildgebende Untersuchungen daher nicht aussagekräftig.
Behandlung
Die Wirksamkeit der meisten Behandlungen bei unspezifischen Nackenschmerzen ist nicht ausreichend untersucht. Wärmeanwendungen, zum Beispiel mit Wärmflaschen oder Wärmekissen, sind eine einfache Möglichkeit, die man ausprobieren kann, um die Schmerzen zu lindern. Weitere Möglichkeiten sind Dehn- und Kräftigungsübungen, Massagen oder Schmerzmittel.
Eine Operation kommt nur infrage, wenn eine eindeutige Ursache festgestellt wurde, die sich durch einen Eingriff möglicherweise beheben lässt – zum Beispiel, wenn Bandscheibengewebe auf einen Nerv drückt. Bandscheibenvorfälle bilden sich aber oft von allein zurück, weshalb eine Operation meist keinen großen Vorteil hat. Hinzu kommt, dass Eingriffe im Bereich der Halswirbelsäule auch Risiken haben. Deshalb ist es wichtig, die Vor- und Nachteile einer Operation sorgfältig abzuwägen.
Bei starken chronischen Schmerzen kann eine Schmerzbehandlung sinnvoll sein. Sie wird von Ärztinnen, Ärzten oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten, die sich auf die Betreuung von Menschen mit langanhaltenden oder starken Schmerzen spezialisiert haben. Eine Schmerzbewältigungstherapie kann dabei helfen, so mit den Beschwerden umzugehen, dass sie nicht mehr den Alltag bestimmen.
Nasennebenhöhlenentzündung
Auf einen Blick
Bei einer Sinusitis sind die Schleimhäute der Nasennebenhöhlen und der Nase entzündet. Deshalb wird die Erkrankung auch als „Rhinosinusitis“ bezeichnet. „Rhino“ bedeutet Nase und „Sinus“ Hohlraum.
Die Nasennebenhöhlen sind Teil der oberen Luftwege und mit der Nasenhöhle verbunden. Sie bestehen aus mehreren Hohlräumen im Schädelknochen, die nach oben bis zur Stirn und nach unten bis zu den Zähnen des Oberkiefers reichen. Deshalb unterteilt man die Nebenhöhlen in Stirn-, Kiefer-, Keilbeinhöhle und Siebbeinzellen. Die Nasennebenhöhlen sind mit Schleimhaut ausgekleidet, auf der sich kleine Härchen (Flimmerepithel) befinden. Die Schleimhaut der Nebenhöhlen bildet Flüssigkeit (Sekret), die über Nase und Rachen abfließt.
Man unterscheidet zwischen der akuten und der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung: Die akute Form kann mehrmals im Jahr auftreten, verschwindet aber spätestens nach einigen Wochen wieder. Von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern.
Symptome
Eine Nebenhöhlenentzündung geht meist mit folgenden Beschwerden einher:
- verstopfte Nase
- erschwerte Nasenatmung
- eingeschränkter Geruchssinn
- Drückende Schmerzen im Gesicht
Manchmal kommen auch Fieber und Kopfschmerzen hinzu.
Bei einer Sinusitis sind die Nasenwege durch die Schwellung der Schleimhaut und die Ansammlung von Flüssigkeit blockiert. Dies erschwert die Atmung durch die Nase, die sich verstopft anfühlt. Ein grünliches oder gelbliches Sekret ist ein Zeichen für die Ansiedlung von Krankheitserregern.
Die Schmerzen können von der Nasennebenhöhle in andere Bereiche des Kopfes ausstrahlen. Sie treten häufig im Bereich der Stirn, des Oberkiefers oder um die Augen herum auf, seltener auch an den Zähnen. Die Schmerzen und das Verstopfungsgefühl verstärken sich meist, wenn man sich nach vorne lehnt – etwa beim Aufstehen aus dem Bett. Der Geruchssinn ist oft eingeschränkt oder ganz verschwunden.
Ursachen
Eine akute Sinusitis wird oft durch eine Erkältung oder eine Grippe hervorgerufen. Erkältungen werden meist durch Atemwegsviren verursacht, seltener durch bakterielle Erreger. Nach einer viralen Infektion kann es jedoch zu einer zusätzlichen Besiedlung mit Bakterien kommen.
Viren und Bakterien lösen eine Entzündungen aus, die die Schleimhäute anschwellen lässt. Dies kann den Abfluss von Sekret aus den Nebenhöhlen behindern. Dadurch verdickt sich die Flüssigkeit, und die Hohlräume füllen sich mit zähem, oft gelblich-grünlichem Schleim.
Warum eine chronische Sinusitis entsteht, weiß man oft nicht. Manchmal entwickelt sie sich aus einer hartnäckigen akuten Sinusitis. Auch andere Einflüsse können eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen oder verstärken, zum Beispiel:
- ein allergischer schnupfen,
- Asthma
- eine verkrümmte Nasenscheidewand, andere Veränderungen der Nase oder
- die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS), wenn eine Unverträglichkeit gegen den Wirkstoff besteht.
Auch ein geschwächtes Immunsystem zum Beispiel durch Einnahme von Medikamenten, kann eine chronische Sinusitis begünstigen. Umweltfaktoren wie Chemikalien oder Zigarettenrauch können ebenfalls eine Rolle spielen.
Folgen
Eine akute Sinusitis heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen folgenlos ab. Selten kommt es zu Komplikationen oder die Beschwerden bleiben über Monate bestehen. Als Folge einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung können Schleimhaut-Ausstülpungen entstehen, sogenannte Nasenpolypen. Sie beeinträchtigen die Nasenatmung und den Geruchssinn. Diese Nasenpolypen sind nicht zu verwechseln mit den vor allem bei Kindern häufig vergrößerten Rachenmandeln. Letztere werden oft fälschlicherweise als „Polypen“ bezeichnet.
Sehr selten breitet sich die Entzündung auf umliegende Körperregionen aus, etwa die Augen oder das Gehirn. Anzeichen dafür sind hohesFieber, Schwellungen um die Augen, entzündliche Hautrötungen, starker Gesichtsschmerz, Lichtempfindlichkeit und Nackensteife. Bei solchen Symptomen ist rasche ärztliche Hilfe wichtig – entweder in einer Praxis oder Klinik.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach den Beschwerden und prüft durch sanftes Drücken und Klopfen im Gesicht, ob typische Schmerzen bestehen. Mit einem kleinen Endoskop kann sie oder er das Innere der Nase prüfen und beispielsweise erkennen, ob die Schleimhaut geschwollen ist. Nur in Ausnahmen wird eine Probe (Abstrich) des Sekrets genommen und anschließend im Labor auf Krankheitserreger untersucht. Für den Abstrich wird eine Sonde durch die Nase geführt. Falls die Diagnose weiterhin unklar ist oder es Anzeichen für Komplikationen gibt, kann eine Computertomografie (CT) oder ein Ultraschall gemacht werden.
Festzustellen, ob Bakterien oder Viren die Sinusitis ausgelöst haben, ist aufwendig und meist unnötig. Bei einer akuten Sinusitis hat dies kaum Einfluss auf die Behandlung.
Bei einer chronischen Sinusitis kann manchmal ein Allergietest weiterhelfen. Häufig tritt eine Allergie zusammen mit einer chronischen Nebenhöhlenentzündung auf.
Behandlung
Kortisonhaltoige Nasensprays können die Beschwerden sowohl bei einer akuten als auch einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung lindern. Abschwellende Nasensprays helfen höchstens kurzfristig und sollten nur über wenige Tage angewendet werden. Manchen Menschen hilft es auch, die Nase zu spülen oder zu inhalieren. Antibiotika sind nur selten sinnvoll.
Bei einer chronischen Sinusitis kommen Biologieka infrage, von denen bislang aber nur der Wirkstoff Dupilumab zur Behandlung einer Sinusitis zugelassen ist. Dupilumab kann die Entzündung in der Nasenschleimhaut verringern und wird unter die Haut gespritzt.
Bei einer chronischen Entzündung entscheiden sich manche Menschen für eine Operation, bei der die Engstellen in den Nasennebenhöhlen erweitert und auch Nasenpolypen entfernt werden können. Sie ist dann eine Möglichkeit, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Besserung gebracht haben.
Neurodermitis
Hautausschlag und starkes Jucken sind typisch für diese chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie tritt häufig bei Kindern auf.
Auf einen Blick
Neurodermitis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Typische Anzeichen sind Hautausschlag und starkes Jucken. Neurodermitis tritt häufig bei Kindern auf. Oft bessert sie sich mit den Jahren und verschwindet zeitweise oder sogar ganz. Wenn ein Zusammenhang mit einer Allergie besteht, spricht man auch von „atopischer Dermatitis“ oder „atopischem Ekzem“.
Eine Neurodermitis kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Vor allem der Juckreiz kann belastend sein, den Schlaf und die Konzentrationsfähigkeit stören. Vielen Betroffenen sind ihre sichtbaren Ausschläge unangenehm. Durch eine gute Hautpflege, Medikamente und das Vermeiden von Auslösern lässt sich die Erkrankung aber meist in den Griff bekommen.
Symptome
Das Hauptsymptom einer Neurodermitis ist der quälende Juckreiz. Die Hautausschläge können je nach Stadium verschieden ausgeprägt sein:
- Bei einem akuten Ausschlag ist die Haut gerötet und juckt sehr stark. Die entzündeten Hautstellen können auch Bläschen bilden, die leicht aufgehen und dann nässen.
- Nach der akuten Phase wird der Ausschlag allmählich blasser. Die Haut wird trocken und pellt sich.
- Mit der Zeit kann sich die Haut verdicken, gröber und rissig werden.
Akute und weniger akute Ausschläge können an unterschiedlichen Hautstellen auch gleichzeitig bestehen.
Neurodermitis verläuft meist in Schüben. Das bedeutet, dass die Beschwerden mal stärker, mal weniger stark sind. Zeitweise können sie auch völlig verschwinden. Nur selten ist die Haut dauerhaft entzündet.
Bei Säuglingen tritt Neurodermitis vor allem auf den Wangen sowie den Außenseiten der Arme und Beine auf – seltener auch auf Rücken, Bauch und Brust. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sind vor allem die Kniekehlen, die Ellenbeugen und der Nacken betroffen. Auch an den Handflächen und Fußsohlen kann der juckende Hautausschlag auftreten, eher selten zeigt er sich im Gesicht.
Ursachen
Die Haut hat 3 Schichten
- die Oberhaut (Epidermis)
- die Lederhaut (Dermis)
- die Unterhaut (Subkutis)
Die Oberhaut besteht aus der Basalschicht, der Stachelzellschicht und der Hornschicht (in der Grafik vergrößert dargestellt). Die Hornschicht – der sichtbare Teil der Haut – schützt den Körper vor Krankheitserregern . Sie erneuert sich ständig, indem aus der Basalschicht neue Zellen nachwachsen.
Bei Menschen mit Neurodermitis erfüllt die Hornschicht ihre Schutzfunktion nicht richtig, weil sie durch Entzünndungsreaktionen in der Haut geschädigt ist. Das bietet Reizstoffen, allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) und Keimen eine Eintrittspforte.
Weitere Ursachen für Neurodermitis sind unter anderem ein Ungleichgewicht der Hautflora und die Veränderung bestimmter Gene – vor allem im sogenannten FLG Gen. Dieses Gen hemmt die Produktion von Filaggrin, einem Eiweiß, das bei der Bildung der Oberhaut eine wichtige Rolle spielt. Wegen des Filaggrin-Mangels ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert und die Haut verliert viel Feuchtigkeit. Welche Bedeutung die einzelnen Faktoren haben und wie sie zusammenspielen, ist nicht abschließend geklärt.
Etwa 30 bis 40 % aller Menschen mit Neurodermitis haben eine allergische Form der Erkrankung (atopische Dermatitis). Sie haben häufig stärkere Beschwerden und öfter auch Heuschnupfen oder allergisches Asthma.
Bei einer allergisch bedingten Neurodermitis reagiert das Immunsystem auf Allergene, indem es Antikörper bildet, die Entzündungen in der Haut auslösen. Diese Antikörper lassen sich im Blut nachweisen. Allergene, die bei Neurodermitis eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel Hausstaubmilben, Pollen und Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse oder Fisch.
Auch nicht allergene Stoffe und Umwelteinflüsse können die Haut reizen. Dazu gehören zum Beispiel raue Textilien wie grobe Wolle, Zigarettenrauch und starke Hitze oder Kälte.
Risikofaktoren
Das Risiko für Neurodermitis wird durch eine familiäre Veranlagung deutlich erhöht. Es gibt aber noch andere Faktoren, die zur Entstehung einer Neurodermitis beitragen. Die Erkrankung ist in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden, was sich allein durch Vererbung nur schwer erklären lässt. Daher wird vermutet, dass auch Umweltverschmutzung oder die immer bessere Hygiene eine Rolle spielen.
Die Hygiene-Theorie beruht auf der Beobachtung, dass Neurodermitis seltener bei Kindern auftritt, die viele Geschwister haben, bereits im Säuglingsalter in einer Kindertagesstätte betreut wurden oder mit einem Hund in einem Haushalt leben. Man geht davon aus, dass diese Kinder bereits früh Keimen ausgesetzt waren und daher ein besser trainiertes Immunsystem haben.
Häufigkeit und Verlauf
Etwa 10 bis 20 % aller Kinder und schätzungsweise 2 bis 5 % aller Erwachsenen haben Neurodermitis. Meist beginnt eine Neurodermitis in den ersten beiden Lebensjahren, typischerweise zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat. Manche Kinder erkranken auch später. Dass sich eine Neurodermitis erst nach dem fünften Lebensjahr entwickelt, ist eher selten.
Ein Ausschlag auf der behaarten Kopfhaut des Babys kann ein Anzeichen für eine beginnende Neurodermitis sein. Dies wird umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnet, weil die verkrustete Haut an angebrannte Milch in einem Topf erinnert. Es entwickelt sich aber nicht aus jedem Milchschorf zwangsläufig eine Neurodermitis.
Wie eine Neurodermitis verläuft, hängt unter anderem vom Alter ab, in dem ein Kind erkrankt. Bei Kindern, die im ersten Lebensjahr eine Neurodermitis entwickeln, wächst sich die Erkrankung oft relativ schnell aus: Nach drei Jahren hat nur noch die Hälfte von ihnen damit zu tun.
Bei Kindern, die im Alter von 2 bis 5 Jahren eine Neurodermitis bekommen, dauert sie oft länger an. Schätzungen zufolge ist sie bei über 80 % aller Kinder etwa zehn Jahre nach dem ersten Auftreten überstanden oder deutlich abgeklungen . Eine Neurodermitis wächst sich aber nicht immer bis zum Jugendalter aus.
Die Neurodermitis kann auch eine Zeitlang verschwinden und im Erwachsenenalter erneut auftreten, dann vor allem an den Händen. Eine Ersterkrankung im Erwachsenenalter ist selten.
Folgen
Manchmal führt eine bestimmte Bakterienart namens Staphylococcus aureus an den betroffenen Hautstellen zu einer Infektion. Diese Bakterien kommen auch bei Menschen ohne Neurodermitis auf der Haut vor und sind normalerweise ungefährlich. Wenn sie eine Infektion auslösen, können sie die Neurodermitis jedoch verstärken. Dann rötet sich die Haut stark, kann nässen und gelbliche Krusten bilden. Wenn sich die Infektion ausbreitet, ist in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich.
Auf der veränderten, entzündeten Haut können sich auch Herpes-Viren leichter ausbreiten. Eine Herpes-Infektion tritt dabei in der Regel im Gesicht auf. Es bilden sich kleine Bläschen, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind und nach kurzer Zeit aufgehen. Dadurch können punktförmige Krusten entstehen. Die Haut kann sehr wund sein und es kann zu Beschwerden wie Fieber und Abgeschlagenheit kommen. Wenn sich die Herpes-Infektion auf weitere Hautstellen ausbreitet, ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.
Eine allergisch bedingte Neurodermitis kann mit Heuschnupfen und Asthma verbunden sein. Etwa ein Drittel der Kinder mit Neurodermitis bekommen bis zum sechsten Lebensjahr zusätzlich Asthma oder Heuschnupfen.
Diagnose
Ob es sich um Neurodermitis handelt, prüft die Ärztin oder der Arzt durch eine körperliche Untersuchung. Die Diagnose Neurodermitis wird gestellt, wenn an den alterstypischen Körperstellen über mehrere Monate ein stark juckender Ausschlag besteht oder immer wiederkehrt. Gleichzeitig werden andere mögliche Erkrankungen wie etwa eine Schuppenflechte ausgeschlossen. Vor allem bei Säuglingen wird die Neurodermitis manchmal mit einer sogenannten seborrhoischen Dermatitis verwechselt. Bei dieser nicht ansteckenden Hautentzündung juckt die Haut aber kaum und heilt innerhalb von einigen Wochen bis Monaten von selbst ab.
Wenn der Verdacht besteht, dass es sich um eine allergische Form von Neurodermitis handelt, wird unter Umständen ein Allergietest gemacht – entweder durcheile Blutuntersuchung oder einen sog. Pricktest Dabei wird geprüft, ob sich bestimmte Antikörper im Blut befinden, die der Körper als Reaktion auf Allergene produziert.
Wenn der Test unauffällig bleibt, liegt mit ziemlicher Sicherheit keine Allergie vor. Ein auffälliges Testergebnis ist schwieriger zu beurteilen: Es deutet zwar eine Überempfindlichkeit an, sagt aber nichts darüber aus, ob diese Reaktion oder die Stärke der Beschwerden mit der Neurodermitis zu tun haben. Daher ist es wichtig, zum Beispiel mit einem sogenannten Provokationstest zu überprüfen, ob die Haut tatsächlich auf ein Allergen reagiert. Dabei nimmt man unter ärztlicher Aufsicht ein möglicherweise allergieauslösendes Nahrungsmittel zu sich, um herauszufinden, wie der Körper darauf reagiert.
Weil Allergietests nur begrenzt aussagekräftig sind, ist es nicht sinnvoll, ohne konkreten Verdacht auf alle möglichen Substanzen zu testen.
Vorbeugung
Das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, ist überwiegend erblich bedingt. Weshalb ein Kind Neurodermitis bekommt, lässt sich aber nie genau sagen, weil dabei viele verschiedene Faktoren zusammenspielen. Vorbeugende Maßnahmen, die nachweislich vor Neurodermitis schützen, gibt es nicht.
In großen und aussagekräftigen Studien konnten weder die vorbeugende Anwendung von Hautpflegemitteln im ersten Lebensjahr noch frühe Gewöhnung an Lebensmittel wie Erdnüsse, Milch, Eier und Weizen das Risiko senken, dass ein Säugling Neurodermitis entwickelt.
Für viele andere Mittel und Methoden ist unklar, ob sie das Neurodermitis-Risiko beeinflussen. Dazu gehören die Einnahme von Vitaminen (zum Beispiel Vitamin D), Omega-3-Fettsäuren, bestimmte Ernährungsformen, Maßnahmen gegen Hausstaubmilben sowie den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel in der Schwangerschaft.
Schwache Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung gibt es lediglich für Nahrungszusätze mit probiotischen Bakterien.
Möglicherweise ist das Risiko für Neurodermitis etwas geringer, wenn Säuglinge gestillt werden. Die Forschungsergebnisse zu dieser Frage sind aber nicht eindeutig. Unabhängig davon empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Müttern, in den ersten sechs Monaten nach der Geburt möglichst voll zu stillen und dem Kind danach neben fester Nahrung auch noch die Brust zu geben. Denn das Stillen stärkt die Mutter-Kind-Beziehung und hat andere gesundheitliche Vorteile für Babys.
Sinnvoll ist auch, das Kind gegen Erkrankungen wie etwa Windpocken impfen zu lassen, da solche Erkrankungen bei Neurodermitis schwerer verlaufen können.
Behandlung
Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, also nicht heilbar. Durch eine gute Hautpflege und Medikamente lassen sich der Juckreiz und die Hautausschläge aber gut in den Griff bekommen. Zu den wichtigsten Behandlungen gehören:
- Basistherapie mit rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Pflegemitteln (Emollentien): Sie werden mindestens zweimal am Tag großzügig aufgetragen, um die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Das lindert Symptome wie Juckreiz, schützt die Haut vor Keimen und Reizstoffen und beugt Schüben vor.
- Vermeiden von Reizstoffen: Die Haut kann durch bestimmte Stoffe gereizt werden, wie raue Wolle, Reinigungsmittel und bei einer Allergie bestimmte Kontaktallergene. Günstig ist, solche Reizstoffe möglichst zu meiden. Auch extreme Temperaturen können der Haut zu schaffen machen.
- Kortisonsalben: Neurodermitis-Schübe werden mit Kortisonsalben (Salben mit Glukokortikoiden) behandelt. Sie können den Juckreiz und die Entzündung sehr wirksam lindern. Bei häufigen Schüben kommt eine Intervalltherapie infrage. Dabei wird zusätzlich zur Basistherapie an zwei Tagen in der Woche eine Kortisonsalbe auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die Häufigkeit von Schüben lässt sich dadurch deutlich senken.
- Pimecrolimus und Tacrolimus: Pimecrolimus und Tacrolimus sind zwei weitere Medikamente gegen Neurodermitis. Sie werden als Creme oder Salben auf die Haut aufgetragen und können zum Beispiel eingesetzt werden, wenn eine längerfristige Behandlung der empfindlichen Haut im Gesichts- und Halsbereich nötig ist.
Wenn diese Behandlungen nicht ausreichen, zum Beispiel bei sehr schwerer oder großflächig auftretender Neurodermitis, kommt eine Bestrahlung mit UV-Licht infrage. Wenn dies nicht ausreicht, können Tabletten eingenommen werden, die bestimmte Reaktionen im Immunsystem unterdrücken.
Manchmal werden auch Allergiemedikamente (Antihistaminika) eingesetzt, um den Juckreiz zu lindern. Aus Studien weiß man inzwischen aber, dass sie nicht gegen Neurodermitis-Beschwerden helfen.
Manche Menschen probieren pflanzliche Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aus wie Nachtkerzenöl, Gurkenkraut-Öl (Borretsch-Öl), Vitamine und Zink. Auch für solche Produkte ist nicht nachgewiesen, dass sie helfen können. Dies gilt auch für andere Behandlungen wie zum Beispiel Lasertherapien oder eine Hyposensibilisierung. Von ärztlichen Fachgesellschaften werden sie daher nicht empfohlen.
Leben und Alltag
Oft wird unterschätzt, wie sehr eine Neurodermitis das Leben erschweren kann. Mit den Herausforderungen im Alltag umzugehen und die richtige Behandlung für sich selbst zu finden, erfordert Geduld. Dennoch gelingt es vielen Menschen, die Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen.
Vor allem der Juckreiz kann quälend sein. Kratzen ist eine natürliche Reaktion, kann aber Komplikationen begünstigen und den Juckreiz verstärken. Die meisten Menschen mit Neurodermitis wissen, dass sie sich besser zurückhalten sollten, da sich oberflächliche Kratzwunden entzünden können. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Man braucht also nicht jedes Mal ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich doch einmal kratzt. Bei Kindern kann es hilfreich sein, die Nägel kurz zu schneiden.
Für ein Kind kann Neurodermitis eine große Belastung sein, und an manchen Tagen ist der Alltag für Kind und Eltern nur schwer zu meistern. Doch auf Phasen mit starken Beschwerden folgen meist auch wieder leichtere. Und die Chancen stehen gut, dass die Neurodermitis im Laufe des Heranwachsens ganz von selbst besser wird oder sogar völlig verschwindet.
Eltern eines Kindes mit Neurodermitis können sich von Zeit zu Zeit überfordert und ratlos fühlen. Die Sorgen um das Kind, die Hautpflege, die vielen Arztbesuche und schlaflosen Nächte können eine große Belastung sein. Um Eltern, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, wurden spezielle Neurodermitis-Schulung entwickelt. Sie informieren über Möglichkeiten zur Behandlung und zum Vermeiden von Reizstoffen. Außerdem werden Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag gegeben. Die Schulungen umfassen sechs wöchentliche Termine im Umfang von zwei Stunden und werden von vielen Krankenkassen bezahlt. Bei starker Neurodermitis kann auch eine ambulante oder stationäre Rehabilitation infrage kommen.
Für viele Kinder und Eltern ist es bedrückend, wie andere Menschen auf die Krankheit reagieren. Manche sind mit dem Krankheitsbild nicht vertraut, sodass schnell Missverständnisse entstehen können: zum Beispiel, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelt oder dass sich die Eltern nicht richtig um ihr Kind kümmern. Um dem vorzubeugen, kann es hilfreich sein, mögliche Missverständnisse und Vorurteile anzusprechen und anderen die Erkrankung und ihre Folgen zu erklären. Selbsthilfegruppen sind eine Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen Eltern auszutauschen, denen es ähnlich geht.
Ohrgeräusche (Tinnitus)
Ohrgeräusche, auch Tinnitus genannt, hat fast jeder ab und zu, etwa nach einem lauten Konzert. Einige Menschen hören allerdings ständig Geräusche wie Pfeifen, ohne dass ein Grund dafür erkennbar wäre. Ein Tinnitus kann den Alltag stark beeinträchtigen. Lesen Sie, was dann helfen kann – und was nicht.
Auf einen Blick
Ein lautes Konzert oder Sportereignis, eine sehr laute Maschine oder ein Knall – laute Geräusche können dazu führen, dass man danach ein Pfeifen im Ohr hat. Meist verschwindet es von selbst wieder.
Ohrgeräusche (Tinnitus aurium oder kurz Tinnitus) können aber auch viele andere Ursachen haben. Nur sehr selten sind sie Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung. Manchmal tritt ein Tinnitus auch ganz ohne erkennbaren Grund auf – dann dauert er normalerweise nicht länger als eine Minute.
Bei manchen Menschen halten die Ohrgeräusche aber über längere Zeit an. Wenn sie länger als drei Monate bestehen bleiben, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Meist sind die Beschwerden nur schwach ausgeprägt: Sie sind zwar lästig, aber es ist möglich, sich mit ihnen zu arrangieren. Bei einigen Betroffenen sind die Ohrgeräusche jedoch so stark, dass sie den Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Sie können zu ständiger Anspannung führen, die Konzentration und den Schlaf stören.
Symptome
Tinnitus ist der lateinische Begriff für „Klingeln“. Das Geräusch, das man bei einem Tinnitus wahrnimmt, kann aber auch ein Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Klicken oder Klopfen sein. Es kann in einem oder beiden Ohren zu hören sein. Für manche Menschen fühlt es sich so an, als ob das Geräusch aus dem Kopf stammt; für andere, als würde es von außen kommen. Ein Tinnitus kann dauerhaft da sein oder kommen und gehen; manchmal ist er kaum zu hören, dann wieder sehr laut.
Ein Tinnitus kann, muss aber nicht mit einem Hörverlust einhergehen. Meist können Menschen mit einem Tinnitus normal hören.
Ursachen
Sehr oft ist ein Tinnitus die Folge von Lärm, der die Sinneszellen der Hörschnecke im Innenohr geschädigt hat. Dazu kommt es vor allem bei Menschen, die sich häufig in einer lauten Umgebung aufhalten. Auch wenn das Gehör für kurze Zeit einer extremen Lautstärke ausgesetzt ist, zum Beispiel bei einer Explosion oder einem Schuss aus nächster Nähe, kann das zu einem Tinnitus führen.
Warum die Ohrgeräusche bei einem Hörschaden durch Lärm entstehen und was genau dabei passiert, weiß man nicht genau. Dies erschwert auch eine wirksame Behandlung. Eine Theorie besagt, dass die zerstörten oder gereizten Sinneszellen der Hörschnecke keine Signale mehr an das Gehirn weiterleiten. Auf das Ausbleiben echter Signale reagieren die Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns mit verstärkter Aktivität und melden „Phantomgeräusche“ – ähnlich wie bei der Entstehung von Phantomschmerzen nach einer Amputation.
Andere mögliche Ursachen für einen Tinnitus sind:
- Verstopfung des Gehörgangs mit Ohrenschmalz
- chronische Mittelohrentzündung
- geplatztes Trommelfell
- Otosklerose: eine Knochenerkrankung im Mittel- und Innenohr, die zu Hörverlust führt
- Menière-Krankheit: eine Erkrankung des Innenohrs, die sich durch Tinnitus, Schwindel und Hörverlust äußert
- Probleme mit den Kiefermuskeln oder dem Kiefergelenk
Wenn ein Ohrgeräusch mit dem Rhythmus des Herzschlags zu- und abnimmt, wird der Tinnitus auch pulssynchron genannt. Eine mögliche Ursache hierfür ist zum Beispiel ein hoher Blutdruck.
Vereinzelt können Ohrgeräusche eine seltene Nebenwirkung von Medikamenten wie bestimmten Antibiotika, Krebs- oder Malariamitteln sein.
Bei vielen Menschen lässt sich allerdings gar keine Ursache für den Tinnitus feststellen. Fachleute sprechen dann von einem primären oder idiopathischen Tinnitus.
Es wird diskutiert, ob Tinnitus durch Stress ausgelöst werden kann. Der Zusammenhang ist jedoch unklar. Entspannungsmaßnahmen haben zumindest bisher keinen direkten Einfluss auf die Ohrgeräusche gezeigt.
Häufigkeit
Tinnitus ist verbreitet: Zwischen 5 und 15 % aller Erwachsenen erleben irgendwann einmal einen Tinnitus, der länger anhält. Bei etwa 10 bis 20 % der Menschen mit Tinnitus sind die Ohrgeräusche so stark, dass sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und eine Behandlung nötig ist.
Am häufigsten kommt Tinnitus ab dem 50. Lebensjahr vor. Selten treten Ohrgeräusche schon bei Kindern auf.
Verlauf
Es lässt sich nicht genau vorhersagen, wie ein Tinnitus verläuft. Ist die Ursache bekannt und behandelbar, kann der Tinnitus verschwinden. Bei unklarem Auslöser kann er aber auch fortbestehen und chronisch werden. Bei manchen Menschen wird das Gehör zudem empfindlicher, was in einer lauten Umgebung unangenehm ist (Hyperakusis).
Ein chronischer Tinnitus kann die Lebensqualität einschränken und zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen führen. Wenn die Belastung sehr stark wird, ziehen sich manche Menschen zurück und unternehmen weniger. Manchmal kann dies sogar eine Depression begünstigen oder auslösen.
Auf der anderen Seite können die Beschwerden und Belastungen durch einen chronischen Tinnitus über die Jahre auch wieder abnehmen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach den Beschwerden: wie sich die Ohrgeräusche genau anhören, wann sie auftreten und ob es andere Symptome wie Ohrenschmerzen oder ein Druckgefühl im Ohr gibt. Sie oder er fragt auch danach, welche Medikamente in welcher Dosis eingenommen werden, da einige von ihnen Ohrgeräusche auslösen können – zum Beispiel ASS in sehr hoher Dosierung.
Beim idiopathischen Tinnitus sind meist beide Ohren betroffen. Wenn der Tinnitus nur einseitig gehört wird und mit anderen Beschwerden wie Ohrenschmerzen einhergeht, weist dies auf eine bestimmte, meist behandelbare Ursache hin.
Meist schließen sich eine Untersuchung des Gehörgangs und Hörtests an. Außerdem horcht die Ärztin oder der Arzt die Gefäße am Hals ab und veranlasst wenn nötig noch weitere Untersuchungen. Um Probleme im Kieferbereich auszuschließen, kann eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll sein.
Anhand der Ergebnisse bestimmt die Ärztin oder der Arzt, um welche Art Tinnitus es sich handelt. Es wird unterschieden zwischen
- subjektivem und objektivem Tinnitus: Einen subjektiven Tinnitus nehmen nur die Betroffenen selbst wahr. Mögliche Ursachen sind Störungen des Hörapparats oder der zugehörigen Nerven. Bei dem sehr seltenen objektiven Tinnitus kann die Ärztin oder der Arzt die Geräusche ebenfalls hören oder die Nervensignale nachweisen. Das ist zum Beispiel bei einem durch Gefäßprobleme bedingten Tinnitus der Fall, bei dem die Pulsgeräusche in der Halsschlagader mit einem Stethoskop abgehört werden können.
- primärem und sekundärem Tinnitus: Von einem primären oder idiopathischen Tinnitus spricht man, wenn keine genaue Ursache feststellbar ist. Ein sekundärer Tinnitus hat eine eindeutige Ursache, wie zum Beispiel ein geplatztes Trommelfell oder eine Gefäßerkrankung.
- akutem und chronischem Tinnitus: Wenn die Ohrgeräusche mehr als drei Monate andauern, handelt es sich um einen chronischen Tinnitus.
- verschiedenen Schweregraden: Ein Tinnitus kann im Alltag wenig stören oder nur von Zeit zu Zeit auftreten. Er kann aber auch sehr belastend sein, besonders wenn es sich um deutliche, permanent hörbare Ohrgeräusche handelt. Sie können Alltag und Beruf erheblich beeinträchtigen, unter anderem weil der Schlaf und die Konzentration gestört sind.
Vorbeugung
Für jeden Menschen ist es wichtig, sich vor zu lauten Geräuschen zu schützen. Ein einfaches Mittel ist, Orte mit hohem Lärmpegel zu meiden oder sich zum Beispiel mit Gehörschutzstöpseln zu schützen. Das verringert das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen oder dass ein schon bestehender Tinnitus chronisch wird.
Behandlung
Die Behandlung eines Tinnitus hängt von der Ursache ab. Eine zugrundeliegende Erkrankung wird behandelt – zum Beispiel mit Medikamenten gegen Bluthochdruck. Ist eine Therapie möglich, verschwindet meist auch der Tinnitus.
Bei unbekannter Ursache ist die Behandlung allerdings schwieriger. Ziel ist dann vor allem, die Beschwerden zu lindern und Wege zu finden, um trotz Tinnitus gut im Alltag zurechtzukommen. Wenn der Tinnitus mit einem Hörverlust einhergeht, kommt außerdem ein Hörgerät infrage.
Gegen Ohrgeräusche werden zahlreiche Mittel angeboten – zum Beispiel pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel und verschiedene Medikamente wie Kortison oder Carbamazepin. Für keine dieser Behandlungen ist nachgewiesen, dass sie hilft. Einige sind aber mit Nebenwirkungen verbunden.
Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie , bei der man lernt, mit einem chronischen Tinnitus besser zurechtzukommen. Dadurch verschwinden zwar nicht die Ohrgeräusche, aber die Lebensqualität kann sich verbessern.
Bei einem plötzlich einsetzenden Tinnitus wird oft eine sofortige Infusionstherapie angeboten, beispielsweise mit Kochsalz – besonders wenn der Tinnitus mit einem Hörsturz verbunden ist. Manchmal wird auch eine Infusion mit Hydroxyethylstärke (HES) gegeben. Es gibt jedoch keine Studien, die belegen, dass Infusionen mit diesem Mittel helfen. Im Gegenteil, HES kann schwere allergische Reaktionen mit Juckreiz am ganzen Körper auslösen.
Osteoporose
Schwache Knochen, die leichter brechen: So zeigt sich Osteoporose, auch Knochenschwund genannt. Ein Abbau von Knochensubstanz ist mit zunehmendem Alter normal – bei Osteoporose beschleunigt sich dieser Prozess jedoch. Osteoporose kann vor allem für ältere Menschen zum Problem werden, da bei ihnen auch das Sturzrisiko erhöht ist.
Auf einen Blick
Mit zunehmendem Alter nimmt die Dichte der Knochen ab. Das ist normal. Bei manchen Menschen verringert sie sich jedoch stärker als bei anderen. Wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet, spricht man von Osteoporose. Dies betrifft vor allem ältere Menschen – aber längst nicht alle. Bei Frauen setzt der Abbau von Knochenmasse früher ein als bei Männern.
Eine geringe Knochendichte erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Dies kann vor allem für ältere Menschen zum Problem werden, weil ein Bruch im Alter schlechter ausheilt und ernstere Folgen haben kann als in jungen Jahren. Dennoch sollte man sich wegen einer verringerten Knochendichte nicht allzu große Sorgen machen – oder gar anfangen, sich körperlich zu schonen. Denn wer sich weniger bewegt, erhöht sein Risiko für einen Knochenbruch eher noch. Körperliche Aktivität stärkt Knochen und Muskeln, verbessert den Gleichgewichtssinn und schützt vor Stürzen . Stürze sind die Hauptursache für Knochenbrüche im Alter.
Man kann selbst viel dafür tun, dass die Knochen stabil bleiben. Wichtig ist vor allem, aktiv zu sein, sich kalziumreich zu ernähren – und nicht zu rauchen. Ob es sinnvoll ist, zusätzlich Medikamente zur Stärkung der Knochen zu nehmen, hängt vom Alter und anderen persönlichen Risikofaktoren für einen Knochenbruch ab.
Symptome
Eine Osteoporose bleibt oft unbemerkt. Manchmal gibt es aber auch sichtbare Anzeichen dafür: Zum Beispiel kann die Wirbelsäule leicht einsacken, sodass man etwas kleiner wird. Eine fortgeschrittene Osteoporose kann zu einer gebückten Haltung oder einem „Buckel“ im oberen Bereich der Wirbelsäule führen. Die Ursache hierfür sind Brüche (Frakturen) an den Wirbelkörpern, die die Wirbelsäule etwas zusammensacken lassen und zu Rückenschmerzen führen können. Viele Menschen bemerken solche Brüche aber gar nicht.
Manchmal weist erst ein schmerzhafter Knochenbruch auf eine Osteoporose hin. Außer an den Wirbelkörpern sind Brüche an den Handgelenken, Rippen, Oberarmknochen, am Becken und an der Hüfte typisch. Bei einigen Menschen werden die Knochen mit der Zeit so brüchig, dass schon ein Stolpern oder das Heben einer schweren Einkaufstasche zum Bruch eines Wirbelkörpers führt.
Ursachen
Das Innere der Knochen besteht aus einem Gerüst aus feinen Knochenbälkchen (Trabekel). Dieses Knochengerüst ist wie ein Schwamm aufgebaut und heißt Spongiosa. Osteoporose entsteht, wenn sich viele Knochenbälkchen zurückbilden: Dann werden die Hohlräume größer und die Knochendichte nimmt ab. Wie stark der Knochen dadurch geschwächt wird, hängt aber noch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel von der Feinstruktur des Knochens.
Die Knochendichte eines Menschen nimmt bei Mädchen etwa bis zum 15. und bei Jungen bis zum 20. Lebensjahr zu und erreicht dann ihr Maximum. Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Knochendichte langsam wieder ab. Bei Frauen beschleunigt sich der Knochenabbau etwa ab dem 50. Lebensjahr. Der Grund: Bis zu den Wechseljahren bremst das weibliche Geschlechtshormon Östrogen den Knochenabbau. Wenn der Hormonspiegel sinkt, geht dieser Schutz verloren und der Knochen wird schneller abgebaut.
Wenn keine andere Ursache für den Knochenabbau festgestellt werden kann, wird dies als primäre Osteoporose bezeichnet. Von einer sekundären Osteoporose spricht man, wenn die Knochen zum Beispiel infolge einer Erkrankung oder durch eine dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente geschwächt werden.
Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. Einige davon lassen sich beeinflussen, andere nicht. Als Hauptrisikofaktoren für Osteoporose gelten:
- höheres Alter
- weibliches Geschlecht
- geringes Körpergewicht (im Verhältnis zur Körpergröße)
- vorangegangener Knochenbruch
- Kalziummangel
- Vitamin-D-Mangel
- Bewegungsmangel
- Osteoporose in der Familie
- Rauchen
- starker Alkoholkonsum
- Einnahme von Kortison über längere Zeit
Häufigkeit
Nach einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts geben 3 % der Männer und 13 % der Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren an, eine Osteoporose-Diagnose erhalten zu haben. Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich Osteoporose haben und wie viele Knochenbrüche dadurch verursacht werden, lässt sich jedoch nicht genau sagen.
Längst nicht jede Osteoporose zieht einen Knochenbruch nach sich. Insbesondere Brüche an den Hüftknochen können jedoch ernsthafte Folgen haben. Hiervon sind fast ausschließlich ältere Menschen betroffen: Pro Jahr brechen sich etwa 6 bis 7 von 1000 Menschen über 65 den Oberschenkelhalsknochen.
Diagnose
Eine Osteoporose wird manchmal durch Zufall festgestellt – zum Beispiel, wenn aus anderen Gründen eine Röntgenuntersuchung des Oberkörpers gemacht wird und dabei Brüche an den Wirbelkörpern sichtbar werden.
Eine Osteoporose kann auch durch einen überraschenden Knochenbruch auffallen. Davon spricht man, wenn bereits ein Sturz aus normaler Stehhöhe zu einem Knochenbruch führt. Bei einem solchen Bruch kann die Ärztin oder der Arzt nach einer körperlichen Untersuchung und einem Gespräch oft bereits die Diagnose Osteoporose stellen.
Solange noch keine Knochenbrüche aufgetreten sind, handelt es sich bei einer Osteoporose nicht um eine Erkrankung, sondern um einen Risikofaktor für Knochenbrüche. Ob die Knochendichte verringert ist, lässt sich durch eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) feststellen. Dabei wird durch Röntgen bestimmt, wie viel Mineralsalz der Knochen enthält. Dies kann helfen, das Risiko für einen Knochenbruch abzuschätzen.
Das Ergebnis der Knochendichtemessung wird als sogenannter T-Score (englisch für T-Wert) ausgedrückt. Ein T-Wert von 0 entspricht der Knochendichte eines jungen und gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 30. Nach den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation gilt
- ein T-Score bis -1 als normal,
- ein T-Score zwischen -1 und -2,5 als vermindert (man spricht dann von Osteopenie) und
- ein T-Score gleich oder kleiner als -2,5 als Osteoporose.
Die Knochendichtemessung allein kann das Risiko für Knochenbrüche nicht zuverlässig vorhersagen. Zum einen spielen für die Knochengesundheit neben der Knochendichte noch andere Faktoren wie das innere Gerüst des Knochens und die Belastbarkeit der Knochensubstanz eine Rolle. Zum anderen hängt das Risiko für einen Knochenbruch auch von anderen Risikofaktoren und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Neben einer Knochendichtemessung können auch andere Untersuchungen infrage kommen, etwa um andere Erkrankungen als Ursache des Knochenabbaus auszuschließen – zum Beispiel eine Blutuntersuchung.
Früherkennung
Manche Ärztinnen und Ärzte bieten eine Knochendichtemessung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) zur Früherkennung von Osteoporose an. Insbesondere für Frauen unter 65 Jahren ohne Risikofaktoren gibt es für diese Untersuchung jedoch keinen Anlass – zumal der Körper dabei einer geringen Röntgenstrahlung ausgesetzt wird. Wenn das Ergebnis dazu führt, dass man sich aus Angst vor einem Knochenbruch weniger bewegt, kann die Früherkennung sogar schaden.
Für Frauen mit Risikofaktoren für eine Osteoporose, bei denen eine Medikamentenbehandlung erwogen wird, kann die Knochendichtemessung dagegen sinnvoll sein. Dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kosten.
Die möglichen Vor- und Nachteile einer Früherkennung für Männer wurden bisher nicht durch aussagekräftige Studien untersucht.
Vorbeugung
Man kann selbst einiges tun, um die Knochen zu stärken – zum Beispiel, sich kalziumreich ernähren , regelmäßig bewegen und nicht rauchen . Auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig. Damit der Körper Vitamin D produzieren kann, braucht er ausreichend Sonnenlicht (UV-Strahlung).
Studien zeigen, dass zusätzlich eingenommene Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium und Vitamin D für die meisten Menschen keinen Nutzen haben. Sie können aber das Risiko für Nierensteine erhöhen. Von medizinischen Fachgesellschaften werden sie zur Vorbeugung von Knochenbrüchen nicht routinemäßig empfohlen. Sinnvoll können Nahrungsergänzungsmittel bei pflegebedürftigen und wenig mobilen Menschen sein, da sie meist nur wenig Zeit in der Sonne verbringen und sich oft nicht mehr ausreichend bewegen können.
Insbesondere Knochenbrüche am Oberschenkelhals können ernsthafte Folgen haben: Vor allem viele ältere Menschen erholen sich davon oft nicht mehr vollständig. Auch wenn Osteoporose zu solchen Brüchen beitragen kann: Der größte Risikofaktor für einen Bruch am Hüftknochen sind Stürze. Gerade für ältere Menschen ist es daher wichtig, Stürzen vorzubeugen. Dazu kann Bewegung beitragen: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Koordination und die Trittsicherheit. Wichtig ist auch, Stolperfallen in der häuslichen Umgebung zu beseitigen – zum Beispiel lose Kabel und Teppiche, Türschwellen und ähnliches.
Zudem können bestimmte Medikamente das Risiko für Stürze erhöhen. Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt lässt sich klären, ob wirklich alle Medikamente nötig sind, die man einnimmt – und ob sie Wechselwirkungen haben könnten. Zur Vorbereitung des Gesprächs kann man eine Medikamentenliste erstellen.
Behandlung
Auch für Menschen, die bereits eine Osteoporose haben, ist es wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und genügend Kalzium und Vitamin D zu sich zu nehmen.
Osteoporose kann auch mit speziellen Medikamenten behandelt werden, die den Knochenabbau bremsen oder ihren Aufbau fördern sollen. Meist werden sogenannte Bisphosphonate eingesetzt. Eine Behandlung mit Medikamenten ist sinnvoll, wenn bereits Knochenbrüche aufgetreten sind oder das Risiko für Knochenbrüche hoch ist: zum Beispiel, wenn die Knochendichte sehr niedrig ist oder wenn verschiedene Risikofaktoren für Knochenbrüche zusammenkommen. Wenn man sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, wird in der Regel empfohlen, sie mehrere Jahre lang einzunehmen.
Vor allem für Menschen mit einem nur gering erhöhten Risiko für Knochenbrüche oder einer nur leicht verringerten Knochendichte (Osteopenie) lohnt es sich, die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Medikamenten gut abzuwägen.
Hormonpräparate, wie sie auch gegen Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden, können bei längerer Einnahme das Risiko osteoporosebedingter Brüche verringern. Eine langfristige Hormonbehandlung während oder nach den Wechseljahren erhöht aber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs. Daher wird diese Behandlung bei Osteoporose nur noch in Ausnahmefällen empfohlen. Auch hier lohnt es sich, mögliche Vorteile und Nebenwirkungen gründlich abzuwägen.
Zur Behandlung von Wirbelkörper-Brüchen aufgrund von Osteoporose wird manchmal eine sogenannte Vertebroplastie angeboten. Dabei wird künstlicher Knochenzement in die Wirbelkörper gespritzt, der dann aushärtet. Aussagekräftige Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Behandlung Beschwerden nicht besser lindert als eine Scheinbehandlung. Es kann aber zu Nebenwirkungen kommen. Heute wird daher von dieser Behandlung abgeraten. Auch für die sogenannte Kyphoplastie – ein weiteres Verfahren zur Stabilisierung von Wirbelkörper-Brüchen – ist nicht nachgewiesen, dass sie Beschwerden lindern kann.
Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit werden Nervenzellen im Gehirn geschädigt. Typisch sind Bewegungsarmut, Muskelsteifheit und Zittern. Die Erkrankung tritt meist im höheren Alter auf und ist nicht heilbar. Normalerweise schreitet Parkinson nur langsam voran und lässt sich lange Zeit gut behandeln.
Auf einen Blick
Die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) ist eine Erkrankung des Gehirns. Sie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf und schränkt die Bewegungsfähigkeit ein. Ihre Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt.
Die Erkrankung lässt sich zwar nicht heilen, es gibt aber wirksame Therapien, die die Beschwerden lindern können. In erster Linie werden sie mit Medikamenten behandelt. Normalerweise schreitet Parkinson nur langsam voran. Nach der Diagnose führen viele Menschen noch lange ein weitgehend selbstständiges Leben.
Symptome
Die Parkinson-Krankheit kann sich auf sehr verschiedene Weise äußern. Die typischen Symptome sind:
- Bewegungsarmut (Akinesie): Es sind nur noch langsame Bewegungen möglich. Zum Beispiel wird der Gang sehr zögerlich, mit kurzen, kleiner werdenden Schritten. Es fällt schwer, Bewegungen in Gang zu setzen – so will beim Laufen besonders der erste Schritt oft nicht gelingen. Einmal in Bewegung, wird es auch schwieriger, die Bewegung zu stoppen, also beispielsweise auf Kommando stehenzubleiben. Das Mitschwingen der Arme beim Gehen verschwindet mit Fortschreiten der Erkrankung. Handgriffe und Tätigkeiten, die etwas Geschick erfordern, wie etwa das Zubinden von Schuhen, werden ebenfalls immer schwieriger. Weil die Beweglichkeit der Gesichtsmuskeln abnimmt, erscheint das Gesicht mit der Zeit maskenartig. Das Sprechen wird leise und monoton, auch das Schlucken fällt schwer.
- Muskelsteife (Rigor): Vor allem die Arme, die Beine und der Hals können dauerhaft steif und angespannt sein. Arme und Beine lassen sich meist auch durch eine zweite Person nur gegen einen Widerstand oder gar nicht bewegen und versteifen sich bei solchen Versuchen sogar noch stärker. Die übermäßige Anspannung führt oft zu Muskelschmerzen.
- Zittern in Ruhe (Ruhetremor): Dieses Zittern tritt bei den meisten Menschen mit einer Parkinson-Krankheit auf. Es nimmt bei Bewegung ab. Besonders häufig zittern die Hände. Dadurch wird die Schrift kleiner und undeutlicher.
Wegen dieser Symptome wurde Parkinson früher auch Schüttellähmung genannt.
Oft machen sich die Symptome auf einer Körperseite stärker bemerkbar. Mögliche weitere Krankheitsfolgen sind zum Beispiel Blasen- und Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, Probleme beim Sprechen, eine erhöhte Talgproduktion der Haut, Konzentrationsstörungen sowie Depressionen.
Ursachen
Je nach Ursache werden verschiedene Formen der Erkrankung unterschieden. Am häufigsten ist das sogenannte idiopathische Parkinson-Syndrom. „Idiopathisch“ bedeutet, dass keine Ursache gefunden werden kann. Bei der Parkinson-Krankheit werden Nervenzellen im Gehirn geschädigt, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Das Dopamin sorgt unter anderem dafür, dass elektrische Impulse vom Gehirn über die Nerven zu den Muskeln übertragen werden. Auf diese Weise werden zum Beispiel Bewegungen gesteuert. Die Zerstörung der Zellen beeinträchtigt die Fähigkeit, Bewegungen in Gang zu setzen oder zu koordinieren. Es kann zu Problemen mit dem Gleichgewicht kommen, was dasRisiko für Stürze und Knochenbrüche erhöht.
Parkinson-Beschwerden können zudem die Folge anderer Erkrankungen des Nervensystems wie beispielsweise einer Demenz sein. Auch Entzündungen, Tumoren oder Medikamente wie Psychopharmaka können solche Beschwerden verursachen.
Häufigkeit
Im Bevölkerungsdurchschnitt haben etwa 1 bis 2 von 1000 Menschen die Parkinson-Krankheit. Sie tritt meist erst nach dem 50. Lebensjahr auf. Im Alter ist die Erkrankung deutlich häufiger: Ab 70 Jahren sind etwa 20 von 1000 Menschen betroffen. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
Verlauf
Lange bevor die Parkinson-Krankheit diagnostiziert wird, kann es erste Anzeichen geben. Sie werden oft gar nicht bemerkt oder als normale Alterserscheinung gesehen. Typischerweise lässt zum Beispiel die Feinmotorik nach und die Schrift verändert sich. Manchmal schwindet das Rhythmusgefühl, oder die Arme schwingen beim Gehen nicht mehr mit. Bei vielen Menschen wird der Gesichtsausdruck starrer. Oft kommt es zu Verstopfung, Schlafproblemen oder Stimmungsschwankungen. Viele erleben, dass ihr Geruchssinn abnimmt oder ganz verschwindet.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass mehrere Jahre zwischen den ersten Parkinson-Anzeichen und einer Diagnose vergehen. Wie die Erkrankung verläuft, ist ganz unterschiedlich.
Die Beschwerden nehmen meist schleichend zu. Mit der Zeit verstärken sich Bewegungsarmut, Muskelsteifheit und Zittern. Im Frühstadium können Medikamente die Beschwerden meist deutlich bessern oder sogar zum Verschwinden bringen.
Nach etwa 5 bis 10 Jahren verstärken sich die Symptome oft wieder. Das liegt daran, dass die Gehirnzellen durch das Fortschreiten der Erkrankung weiter geschädigt werden. Die Wirkung der Medikamente reicht dann nicht mehr aus und schwankt stark. Die Beschwerden wechseln zwischen extremer Bewegungsarmut und normaler Beweglichkeit. Dies wird „Off-“ beziehungsweise „On-Phase“ genannt. Es kann auch zu unwillkürlichen Bewegungen kommen, wie Schlenkern der Arme, Schmatzen oder ruckartigen Bewegungen. Zusätzliche Beschwerden wie Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme, Blasenstörungen, Halluzinationen oder Depressionen können folgen. Einige Betroffene entwickeln eine Demenz.
Im Spätstadium brauchen Menschen mit Parkinson Unterstützung bei vielen Alltagsaktivitäten wie Essen und Trinken, Aufstehen und Herumgehen, Anziehen und Körperpflege. Bewegungen fallen ihnen immer schwerer, manche sprechen sehr leise oder haben Schluckstörungen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist nach körperlichen Untersuchungen und einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden und die bisherige Krankheitsgeschichte. Es kann hilfreich sein, wenn Angehörige an dem Gespräch teilnehmen, da ihnen manchmal Beschwerden oder Einschränkungen auffallen, die man selbst nicht bemerkt. Zusätzlich zu einer allgemeinen körperlichen Untersuchung testet die Ärztin oder der Arzt die Reflexe, Empfindlichkeit (zum Beispiel gegenüber Schmerz oder Druck) und Beweglichkeit – beispielsweise, ob sich die Gelenke normal bewegen lassen oder die Muskeln Widerstand leisten.
Um die Diagnose zu sichern, wird manchmal der sogenannte L-Dopa-Test gemacht. Dazu nimmt man das Medikament L-Dopa (Levodopa) ein und schaut, ob die Beschwerden abnehmen. Tritt rasch eine Besserung ein, spricht das für Parkinson.
Gerade im Frühstadium ist die Parkinson-Krankheit nicht immer gut von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Dann ist es sinnvoll, den Verlauf der Beschwerden eine Weile zu beobachten. Vor allem um andere Erkrankungen auszuschließen, wird manchmal auch eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt.
Behandlung
Am Anfang der Erkrankung – wenn die Beschwerden nicht belastend sind – ist unter Umständen noch keine Behandlung nötig. Nehmen die Beschwerden zu, können Medikamente helfen, die das fehlende Dopamin ersetzen. Dadurch lassen sich die Symptome oft lindern. Da die Medikamente das Fortschreiten der Krankheit aber nicht aufhalten können, reicht ihre Wirkung mit der Zeit nicht mehr aus. Deshalb müssen Art und Dosierung der Mittel immer wieder angepasst werden. Damit sie gleichmäßig wirken, kann eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden. Sie gibt den Wirkstoff entweder unter die Haut oder direkt in den Dünndarm ab.
Im Rahmen einer begleitenden Ergotherapie werden Alltagsbewegungen und -tätigkeiten geübt. Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit führt dazu, dass die Muskelkraft abnimmt. Bewegungsübungen und Sport sollen helfen, dies auszugleichen und die Beweglichkeit und Koordination zu verbessern. Wenn die Stimme leiser und die Sprache undeutlicher wird, kann auch eine Sprachtherapie (logopädische Therapie) infrage kommen.
Manchen Menschen, deren Beschwerden sich durch Medikamente nicht ausreichend bessern, wird eine tiefe Hirnstimulation angeboten. Dazu ist eine Operation erforderlich, bei der Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt werden. Diese geben kontinuierlich elektrische Reize ab, die die Muskelaktivität beeinflussen.
Leben und Alltag
Die Parkinson-Krankheit wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus – ob Beruf, Partnerschaft und Familie oder Freizeitaktivitäten. Auch wenn sich der Alltag im Frühstadium der Erkrankung nur wenig verändert: Viele Betroffene haben Angst, mit der Zeit unselbstständig und pflegebedürftig zu werden. Es kann aber gelingen, noch lange ein Leben zu führen, das durch die Krankheit nicht allzu sehr beeinträchtigt ist.
Dennoch ist es sinnvoll, sich auf die Zeit einzustellen, in der zunehmend Unterstützung nötig wird. Sehr wichtig ist eine gute ärztliche Begleitung. Den meisten Menschen gelingt es zudem besser, mit ihrer Erkrankung umzugehen, wenn sie sich nicht zurückziehen, sondern von Anfang an mit anderen austauschen. Wichtig ist auch, Angehörige, Freundinnen, Freunde und Bekannte mit einzubinden, wenn im Alltag Hilfe nötig ist.
Viele Menschen mit Parkinson berichten, dass es ihnen guttut, so weit wie möglich aktiv zu bleiben. Entscheidend ist, die eigenen Grenzen zu erkennen und körperliche Bewegung, Alltagsaktivitäten und berufliche Tätigkeiten immer wieder an die eigenen Möglichkeiten anzupassen.
Reizdarmsyndrom
Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind typische Symptome eines Reizdarmsyndroms (RDS). Zwar ist ein Reizdarmsyndrom nicht gefährlich, die Beschwerden können aber sehr schmerzhaft und lästig sein. Wir informieren über verschiedene Behandlungen und was man von ihnen erwarten kann.
Auf einen Blick
Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind typische Symptome eines Reizdarmsyndroms (RDS), auch nervöser Darm oder Reizkolon genannt.
Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich. Die meisten Betroffenen haben eine milde Form, mit der sie ohne Behandlung gut zurechtkommen.
Bei manchen Menschen sind die Beschwerden allerdings so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer Belastung werden können.
Ein Reizdarmsyndrom lässt sich nicht heilen. Aber viele Menschen finden mit der Zeit heraus, was ihrem Darm guttut und was nicht. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern.
Symptome
Zu den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms gehören anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Krämpfe sowie ein veränderter Stuhl. Dabei haben Frauen eher mit Verstopfung zu tun, Männer eher mit Durchfall. Bei manchen kommt es mal zu Durchfall, mal zu Verstopfung. Völlegefühl, Blähungen oder schleimiger Ausfluss können weitere Anzeichen eines Reizdarmsyndroms sein.
Ursachen
Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang noch nicht eindeutig geklärt – es gibt jedoch viele Theorien dazu. Unter anderem wird vermutet, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur, Veränderungen der Darmflora und Entzündungen der Darmwand eine Rolle spielen könnten. Außerdem hat man beobachtet, dass das Reizdarmsyndrom bei Menschen, die schon einmal eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten oder Antibiotika eingenommen haben, häufiger auftritt. Eine erbliche Veranlagung könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Auch psychische Belastungen und Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten werden als mögliche Auslöser gesehen. Bei vielen dieser Faktoren ist allerdings unklar, ob sie eher Ursache oder Folge eines Reizdarmsyndroms sind.
Häufigkeit und Verlauf
Nach Schätzungen haben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen ein Reizdarmsyndrom. Meistens tritt es im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zum ersten Mal auf. Frauen haben ungefähr doppelt so häufig einen Reizdarm wie Männer.
Das Reizdarmsyndrom verläuft meist chronisch – das heißt, viele haben dauerhaft damit zu tun. Oft verläuft die Erkrankung schubweise: Dann wechseln sich Zeiten mit nur leichten oder gar keinen Darmproblemen mit Phasen stärkerer Beschwerden ab.
Diagnose
Fachleute sprechen von einem Reizdarmsyndrom, wenn
- Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen länger als drei Monate anhalten und der Stuhlgang verändert ist – zum Beispiel häufiger oder seltener wird, oder es zu Durchfall oder Verstopfung kommt,
- die Beschwerden die Lebensqualität spürbar verschlechtern, sodass man Hilfe sucht, und
- es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden.
Solche Symptome können nämlich auch andere Ursachen haben, wie etwa eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker (Laktoseintoleranz) oder eine Zöliakie. Diese können aber auch zusammen mit einem Reizdarmsyndrom vorkommen.
Zusätzliche Beschwerden wie deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe deuten eher auf eine andere Darmerkrankung hin, zum Beispiel auf eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Möglich ist auch eine Divertikulitis – eine Entzündung, bei der sich Kot in Taschen in der Darmwand festsetzt. Plötzliche starke Bauchschmerzen können zudem durch Gallensteine verursacht werden.
Wenn Verdauungsbeschwerden zusammen mit Anzeichen wie zum Beispiel Blut im Stuhl auftreten, kann auch Darmkrebs eine mögliche Ursache sein. Er ist aber bei Menschen unter 50 sehr selten. Blut im Stuhl sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden, um die Ursache abzuklären.
Für die Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach bekannten Unverträglichkeiten oder Erkrankungen. Durch Bluttests und weitere Untersuchungen können andere Ursachen ausgeschlossen werden. Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich auch nach den sonstigen Lebensumständen – etwa danach, ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten.
Behandlung
Eine ausgewogene Ernährung und genug Bewegung gelten als Voraussetzungen für eine gesunde Verdauung. Beim Reizdarmsyndrom gibt es eine Vielzahl weiterer Empfehlungen. Wer das Gefühl hat, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, kann testen, ob es hilft, darauf zu verzichten. Einige Menschen haben weniger Beschwerden, wenn sie ihre Mahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Um herauszufinden, was einem guttut, kann ein Ernährungs-Tagebuch helfen.
Außerdem kommen verschiedene Behandlungen infrage. Am besten probiert man in Absprache mit seiner Ärztin oder seinem Arzt aus, was helfen könnte. Denn wenn man verschiedene Menschen mit einem Reizdarm fragt, zeigt sich: Was der eine hilfreich findet, scheint die Beschwerden bei einem anderen eher zu verschlechtern. Die meisten Behandlungen sind bisher auch nicht gut untersucht. Für einige Maßnahmen haben Studien aber gezeigt, dass sie zumindest einigen Menschen oder wenigstens kurzfristig helfen. Dazu zählen:
- Pfefferminzöl
- Probiotika
- krampflösende Mittel
- Mittel gegen Verstopfung
- Antibiotika
- Antidepressiva
- psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und Hypnose
Da vor allem Arzneimittel auch Nebenwirkungen haben können, lohnt es sich, die Vor- und Nachteile solcher Mittel gut abzuwägen.
Leben und Alltag
Mit einem leichten Reizdarmsyndrom kommen die meisten Menschen gut zurecht. Bei einigen sind die Beschwerden aber so stark, dass sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Manche spüren ganz plötzlich so starken Stuhldrang, dass sie schnell eine Toilette benötigen. Dies kann den Alltag sehr erschweren, zum Beispiel wenn Mahlzeiten und Verabredungen genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Spontan zu sein, ist dann kaum möglich.
Hinzu kommen oft Schamgefühle, weil man häufig zur Toilette muss oder Blähungen hat. Zudem wird das Reizdarmsyndrom von Außenstehenden, aber auch von manchen Ärztinnen und Ärzten, nicht immer ernst genommen. Für Betroffene kann dies verletzend sein.
Die meisten Menschen finden aber einen Weg, mit einem Reizdarmsyndrom zu leben, ohne sich allzu sehr einzuschränken. Es können Kleinigkeiten sein, die den Alltag erleichtern und helfen, sich nicht ständig Gedanken zu machen: Zum Beispiel zu einer Party eigenes Essen mitzubringen, sich frühzeitig zu erkundigen, wo die Toiletten sind, oder sich im Kino an den Gang zu setzen.
Rheumatoide Arthritis
Entzündete Gelenke, Schmerzen und nachlassende Beweglichkeit können auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen, aber auch auf Arthrose. Wir geben einen Überblick über typische Anzeichen für Rheuma, die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Erkrankung.
Auf einen Blick
Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Bei dieser Erkrankung sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet.
Bei fortgeschrittenem Rheuma können einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran.
Die gute Nachricht ist: Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten. Die Arthritis möglichst früh zu erkennen und zu behandeln hilft, Gelenkschäden vorzubeugen.
Symptome
Welche Gelenke von Rheuma betroffen sind und wie sich die Erkrankung äußert, ist unterschiedlich. Dies hängt davon ab, ob die Entzündungsreaktionen eher mild oder stark ausgeprägt sind und wie weit die rheumatoide Arthritis fortgeschritten ist.
Die für Rheuma typischen Symptome sind:
- warme, geschwollene und schmerzende Gelenke
- steife Gelenke morgens nach dem Aufstehen (in der Regel werden sie erst nach über einer Stunde wieder beweglich)
- Kraftlosigkeit: Da schmerzende, steife Gelenke oft weniger bewegt werden, können mit der Zeit auch die Muskeln schwächer werden.
- Erschöpfung: Rheuma betrifft den ganzen Körper und führt daher oft zu Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl.
- Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine feste Knötchen unter der Haut . Sie sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.
Meist entzünden sich auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke.
Rheumatoide Arthritis wird manchmal mit Arthrose verwechselt. Arthrose unterscheidet sich aber in verschiedenen Punkten von Rheuma:
- Arthrose ist durch den altersbedingten Abbau von Gelenkknorpel bedingt – nicht durch Entzündungen.
- Bei Arthrose sind andere Gelenke zuerst betroffen als bei Rheuma.
- Bei Arthrose besteht nach Pausen tagsüber oft ein Anlaufschmerz. Er kann immer wieder auftreten, hält aber nur kurz an.
- Bei Arthrose schmerzen die Gelenke vor allem bei Bewegung, nicht in Ruhe.
Auch die Behandlung und der Verlauf der beiden Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander.
Ursachen
Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der daskörpereigene Abwehrsystem die Innenhaut der Gelenke angreift. Warum es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist nicht genau bekannt.
Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, hängt unter anderem mit der familiären Veranlagung zusammen. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren und Bakterien ausgelöst werden können.
Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann auch ihren Verlauf ungünstig beeinflussen. Andere Risikofaktoren, die sich durch das eigene Verhalten beeinflussen lassen, sind nicht bekannt.
Häufigkeit
In Deutschland haben etwa 1 % aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis. Meist entwickelt sich die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr. Nur selten tritt die Erkrankung früher auf; dann manchmal auch schon im Jugendalter.
Frauen erkranken 2- bis 3-mal so häufig an Rheuma wie Männer, und im Durchschnitt etwa zehn Jahre früher. Zudem beeinträchtigt die Erkrankung Frauen oft stärker als Männer.
Verlauf
In der Regel zeigt sich Rheuma zunächst an den Fingermittel-, Fingergrund - oder Zehengrundgelenken, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke betroffen. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.
Bei manchen Menschen macht sich die Erkrankung zunächst eher durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.
Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. So berichteten in einer Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zehn Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung
- knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
- gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
- etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.
Gemeint sind zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.
Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden und nach einiger Zeit wieder nachlassen. In Phasen mit starken Beschwerden oder bei weit fortgeschrittener Erkrankung kann es manchmal zu einer tiefgehenden Erschöpfung („Fatigue“) kommen.
Folgen
Im Spätstadium kann eine rheumatoide Arthritis zu erheblichen Gelenkschäden führen. Insbesondere die Gelenke an den Händen können sich stark verformen, schwach und unbeweglich werden. Durch eine rechtzeitige Behandlung mit sogenannten krankheitsmodifizierenden Medikamenten und regelmäßige Kontrollen lassen sich solche Spätfolgen heute aber meist vermeiden.
Die Entzündungsprozesse können sich auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken, zum Beispiel auf die Blutgefäße. Deshalb haben Menschen mit Rheuma zum Beispiel ein etwas höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko hängt aber größtenteils von anderen Faktoren ab, wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und ungünstigen Cholesterinwerten.
Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können sich entzünden und dann weniger Tränenflüssigkeit oder Speichel bilden. Sehr selten können Organe wie die Lunge, Leber, oder Nieren beeinträchtigt werden.
Diagnose
Um eine rheumatoide Arthritis festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden wie schmerzhaften Gelenken, Morgensteifigkeit und allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit oder Erschöpfung. An das Gespräch schließen sich verschiedene Untersuchungen an:
- Körperliche Untersuchung: Die Gelenke werden abgetastet und auf Schwellungen und Bewegungseinschränkungen untersucht. Wichtig ist, welche Gelenke entzündet sind und seit wann. Die Ärztin oder der Arzt schaut auch nach anderen Hinweisen für Rheuma, wie zum Beispiel entzündete Tränendrüsen oder Rheumaknoten.
- Blutuntersuchungen: Durch die Untersuchung einer Blutprobe lassen sich bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen.
- Bildgebende Untersuchungen: Im Röntgen- oder Ultraschallbild zeigen sich Veränderungen an den Gelenken.
Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein, weil die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch sind. Eine schon länger bestehende rheumatoide Arthritis ist leichter zu diagnostizieren, weil neben typischen körperlichen Symptomen oft bereits Veränderungen an den Gelenken sichtbar sind.
Bei einem Verdacht auf rheumatoide Arthritis sind Fachärztinnen und -ärzte für Rheumatologie gute Ansprechpartner.
Behandlung
Eine rheumatoide Arthritis kann mit Medikamenten, Physio- und Ergotherapie behandelt werden. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die bestimmte Alltagstätigkeiten erleichtern. Außerdem wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen oder Sport zu treiben.
Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem davon ab,
- wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind,
- wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist,
- wie ihr Verlauf eingeschätzt wird und
- wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.
Heilen lässt sich Rheuma bislang nicht. Medikamente können aber
- die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
- Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern und
- die Gelenkfunktion verbessern oder möglichst lange erhalten.
Physiotherapie und Sport können die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion verbessern oder erhalten. Gut eignen sich zum Beispiel Sportarten wie Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, leichtes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik.
In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, im Alltag mit der Erkrankung zurechtzukommen.
Manchmal werden auch psychologische Verfahren eingesetzt, die helfen können, Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser zu bewältigen. Außerdem sollen sie krankheitsbedingte Ängste und Depressionen lindern, mit denen manche Menschen zu tun haben.
Bei einer fortgeschrittenen Arthritis können Hilfsmittel viele körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.
Rehabilitation
Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war, kommt eine Rehabilitation infrage. Sie soll dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentnerinnen und Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu erhalten und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.
Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine Reha dauert in der Regel drei Wochen. Bei einer stationären Reha wohnt man während dieser Zeit in der Klinik. Bei einer ambulanten Reha wohnt man zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.
Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass eine Ärztin oder ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.
Leben und Alltag
Rheuma und damit verbundene Probleme wie Schmerzen, Erschöpfung, Nebenwirkungen von Medikamenten und körperliche Einschränkungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen mit Rheuma benötigen für Alltagstätigkeiten mehr Zeit und müssen sich öfter und länger ausruhen als andere. Häufige Arztbesuche, die korrekte Einnahme von Medikamenten, das Besorgen von Hilfsmitteln – all das braucht viel Zeit. Die Erschöpfung kann zudem dazu führen, dass Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis haben, sich nicht so gut konzentrieren können und es ihnen schwerfällt, aktiv zu werden. Die Erkrankung kann mit Gefühlen wie Angst vor der Zukunft, Trauer über den Verlust körperlicher Fähigkeiten, aber auch Wut über die Erkrankung verbunden sein. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.
Viele Menschen lernen aber dennoch, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist.
Rosazea
Rote Flecken, sichtbare Äderchen und Pusteln im Gesicht: Viele Menschen kennen solche Beschwerden. Die Ursache dafür kann eine Rosazea sein – eine häufige Entzündung der Gesichtshaut. Erfahren Sie, was dagegen hilft und wie man möglichen Auslösern von Rosazea-Schüben auf die Spur kommt.
Einleitung
Rote Flecken, sichtbare Äderchen und Pusteln im Gesicht: Dies sind typische Anzeichen für Rosazea (auch Rosacea oder „Kupferrose“) – einer häufigen Entzündung der Gesichtshaut, die meist in Schüben auftritt.
Wie jede sichtbare Hautkrankheit kann Rosazea das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein beeinträchtigen. Vielen Menschen ist allerdings gar nicht bewusst, dass es sich bei ihrer fleckig geröteten Gesichtshaut um eine Erkrankung handelt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Entzündung zu lindern und Schüben vorzubeugen.
Symptome
Rosazea ist eine chronische, nicht ansteckende Entzündung der Gesichtshaut. Sie kann unterschiedlich ausgeprägt sein und Wangen, Kinn, Stirn und Nase betreffen. Seltener entzündet sich auch die Kopfhaut, die Haut im Nacken oder im Brustbereich.
Oft wird die Rosazea in vier Typen unterteilt:
- Typ 1: Die Gesichtshaut ist gerötet, manchmal werden Äderchen sichtbar.
- Typ 2: Zusätzlich zur Hautrötung bilden sich Hautknötchen (Papeln) und Pusteln.
- Typ 3: Die Haut ist verdickt und es entstehen manchmal entzündliche Knötchen, vor allem an der Nase.
- Typ 4: Die Rosazea führt zu Entzündungen an den Augen und Augenlidern, manchmal auch ohne auffällige Hauterscheinungen.
Die Haut kann auch trockener werden, etwas anschwellen und sich leicht abschälen, brennen oder jucken. Sie ist empfindlicher und leichter reizbar als gesunde Haut.
Eine Rosazea kann sehr unterschiedlich aussehen, zudem gibt es viele Mischformen. Die Einteilung in vier Typen gibt daher nur eine grobe Orientierung. Für die Behandlung sind immer die individuellen Beschwerden und Hautveränderungen entscheidend.
Ursachen
Warum sich eine Rosazea entwickelt, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Rolle spielen vermutlich:
- Entzündungs- und Immunreaktionen
- Veränderungen der Blutgefäße der Haut
- familiäre Veranlagung
- eine gestörte Schutzfunktion der Haut
- Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Milben (Haarbalgmilben) oder Bakterien
Als Auslöser von Entzündungsschüben gelten beispielsweise Sonnenlicht, starke Hitze oder Kälte sowie Stress.
Zudem können durch den langfristigen Gebrauch von Kortison- Präparate Rosazea-ähnliche Beschwerden auftreten (Steroid-Rosazea). Bei richtiger Anwendung der Mittel ist dieses Risiko aber sehr gering.
Auch wenn sich bei einer Rosazea eitrige Pusteln entwickeln können, ist sie keine Form von Akne . Bei Akne produziert die Haut verstärkt Talg – bei Rosazea nicht.
Häufigkeit
Eine Rosazea entwickelt sich meist erst nach dem 30. Lebensjahr. In Deutschland sind etwa 2 bis 5 % aller Erwachsenen betroffen. Bei Frauen und bei Menschen mit heller Haut kommt sie häufiger vor.
Verlauf
Rosazea-Beschwerden treten oft in Schüben auf: Zeiten mit stärker ausgeprägten Hautveränderungen wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Entzündung nachlässt oder abklingt.
Mit der Zeit kann sich die Haut verändern und es können andere Symptome hinzukommen. Oft bleiben die Beschwerden aber über lange Zeit gleich.
Folgen
Vor allem bei Männern kann sich durch Hautveränderungen und -wucherungen auf Dauer eine „Knollennase“ entwickeln, ein sogenanntes Rhinophym. Dies kann psychisch sehr belastend sein, vor allem wenn sich die Nasenform stark verändert.
Bei einer Rosazea mit Augenbeteiligung können die Augen gerötet sein, jucken und tränen. Zudem können sie lichtempfindlicher werden. Wenn die Talgdrüsen an den Augenlidern verstopft sind, können die Augen austrocknen. Auch Entzündungen der Bindehaut und des Lidrands sind möglich: Sie können schmerzhaft sein und sich manchmal so anfühlen, als wäre ein Fremdkörper im Auge.
Zu ernsteren Komplikationen an den Augen kommt es sehr selten, wie zum Beispiel einer Hornhautentzündung. Diese ist ein Notfall, da die Gefahr eines Sehverlusts besteht. Mögliche Anzeichen hierfür sind Augenschmerzen, ein Fremdkörpergefühl, Sehschwierigkeiten oder Veränderungen an der Hornhaut oder dem Glaskörper. Bei solchen Beschwerden ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.
Diagnose
Hautärztinnen und -ärzte können eine Rosazea an den typischen Hautveränderungen erkennen. Ist auch das Auge betroffen, ist meist eine zusätzliche augenärztliche Untersuchung sinnvoll.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung erneuter Beschwerden empfehlen Fachleute eine gute Hautpflege. Dazu gehört, auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten, seifenfreie Reinigungsprodukte mit einem niedrigen pH-Wert zu verwenden und Reizstoffe zu vermeiden. Mögliche Reizstoffe in Hautpflegeprodukten sind zum Beispiel:
- Alkohol
- Kampfer
- Menthol
- Minze
- Eukalyptus
- Duftstoffe
- Fruchtsäuren
- Substanzen zum chemischen oder mechanischen Peeling
Beim Waschen des Gesichts verwendet man am besten lauwarmes bis kühles Wasser und tupft die Haut danach sanft mit einem Handtuch ab. Zu heißes oder zu kaltes Wasser kann Hautrötungen auslösen oder verstärken.
Ist die Haut zu trocken, können feuchtigkeitsbindende Cremes und Lotionen helfen. Dies lindert auch Juckreiz und schützt vor Rissen, die sich wiederum entzünden können.
Oft lassen sich mit der Zeit bestimmte Auslöser für Schübe herausfinden. Allgemein gilt, dass alles, was zu einer Rötung des Gesichts führen kann, auch die Rosazea verstärkt. Typische Auslöser sind zum Beispiel:
- Alkohol
- heiße Getränke
- bestimmte Medikamente wie gefäßerweiternde Mittel
- scharfe Gewürze und Speisen
- Sonnenlicht
- extreme Temperaturen
Ein Rosazea-Tagebuch kann helfen, möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen. Wer sie kennt, kann zumindest einige von ihnen vermeiden.
Behandlung
Stärkere Hautveränderungen können mit Medikamenten behandelt werden. Meist reichen Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden. Welche Wirkstoffe geeignet sind, hängt vom Erscheinungsbild der Rosazea ab:
- Gegen Rötungen hilft ein Gel mit dem Wirkstoff Brimonidin.
- Gegen Knötchen und Pusteln helfen Cremes oder Gels mit den Wirkstoffen Azelainsäure, Ivermectin oder Metronidazol.
Wenn eine äußerliche Behandlung von Knötchen und Pusteln nicht ausreicht, kann das entzündungshemmende Antibiotikum Doxycyclin als Tablette eingenommen werden.
Eine stark veränderte Nase (Rhinophym) kann mit Medikamenten zum Einnehmen behandelt oder operiert werden. Die Wahl der Behandlung hängt auch davon ab, ob die Nasenhaut „nur“ entzündet ist oder ob sich auffällige Hautwucherungen gebildet haben.
Leben und Alltag
Auch wenn eine Rosazea meist harmlos ist, können Rötungen im Gesicht oder an der Nase psychisch stark belasten. Neugierige Blicke anderer oder die Vermutung, die Ursache der „roten Nase“ sei übermäßiger Alkoholgenuss, sind nicht selten. Meist reagieren Menschen so, weil sie nicht wissen, was eine Rosazea ist. Es kann deshalb helfen, offen mit der Erkrankung umzugehen und in Familie, Freundeskreis und am Arbeitsplatz zu erklären, was es damit auf sich hat.
Wenn die Rötung im Gesicht sehr auffällig ist, kann man sie mit einem hautverträglichen Make-up oder einer Abdeckcreme kaschieren. Dabei raten Fachleute von wasserfesten und öl- oder fetthaltigen Produkten ab: Weil sie sich weniger gut entfernen lassen, wird die Haut beim Abschminken zusätzlich gereizt. Geeignet sind Produkte mit einem grünlichen Ton, der als Komplementärfarbe die Rötungen ausgleicht. Bei der Auswahl der richtigen Produkte kann auch die Hautärztin oder der Hautarzt helfen.
Rücken- und Kreuzschmerzen
Rückenschmerzen kennt fast jeder Mensch. Meist treten sie plötzlich auf und klingen innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst wieder ab. Nur selten haben sie eine ernsthafte Ursache. Ein regelmäßiges Bewegungstraining kann helfen, wiederkehrenden Schmerzen im unteren Rücken vorzubeugen.
Einleitung
Die meisten Menschen haben im Laufe des Lebens irgendwann mit Schmerzen im unteren Rücken zu tun. Normalerweise treten sie plötzlich auf, sind aber harmlos und verschwinden innerhalb einiger Tage oder Wochen wieder. Das Beste, was man tun kann, ist, weiter seinem Alltag nachzugehen und so gut es geht körperlich aktiv zu bleiben. Zu viel Schonung oder gar längere Bettruhe kann die Genesung verzögern.
Kreuzschmerzen lassen sich fast nie auf eine einzelne Ursache zurückführen. Wichtig ist: Solche „unspezifischen“ Schmerzen im unteren Rücken sind nicht gefährlich. Die Schmerzen bedeuten nicht, dass der Rücken verletzt ist.
Das gilt auch für lang anhaltende oder immer wiederkehrende Kreuzschmerzen. Solche chronischen Schmerzen können jedoch zu einer erheblichen Belastung im Beruf und Alltag werden.
Bildgebende Untersuchungen, Medikamente, Spritzen und Operationen sind bei unspezifischen Rückenschmerzen kaum hilfreich, haben aber verschiedene Risiken. Fachleute sind sich deshalb einig, dass sie sehr zurückhaltend eingesetzt werden sollten.
Symptome
Als Kreuz- oder Rückenschmerzen werden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bezeichnet – also im unteren Bereich des Rückens zwischen Hüfte und Rippenansatz. Die Schmerzen sind meist mit Muskelverspannungen, oft auch mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Heftige Schmerzen, die aus heiterem Himmel plötzlich ins Kreuz fahren, werden auch Hexenschuss (Lumbago) genannt.
Manchmal ziehen die Schmerzen in ein oder beide Beine. Wenn sie bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen, spricht man von Ischialgie oder umgangssprachlich Ischias. Die häufigste Ursache dieser „spezifischen“ Form von Rückenschmerzen ist ein Bandscheibenvorfall.
Rückenschmerzen und Schmerzen in den Beinen können zwar gleichzeitig auftreten, haben aber nicht unbedingt die gleiche Ursache. Eine Ischialgie ist dann wahrscheinlich, wenn die Schmerzen im Bein stärker sind als im Rücken, entlang einer bestimmten Nervenbahn verlaufen oder mit anderen Beschwerden wie Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl einhergehen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei den meisten Personen mit Kreuzschmerzen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Beschwerden finden. Dann sprechen Fachleute von „unspezifischen“ Kreuzschmerzen. Sie können zum Beispiel von folgenden Faktoren beeinflusst oder ausgelöst werden:
- Bewegungsmangel und einer schwachen Rumpfmuskulatur
- Muskelverspannungen (auch infolge einer Fehlbelastung)
- Fehlbelastungen durch langes unbewegliches Sitzen, einseitige oder schwere körperliche Arbeit
- psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz, finanzielle oder familiäre Sorgen, ausgeprägte Ängstlichkeit oder Selbstzweifel, Erkrankungen wie Depression
- Veränderungen in der Schmerzwahrnehmung im zentralen Nervensystem
- familiäre Veranlagung
Spezifische Ursachen für Kreuzschmerzen können folgende Erkrankungen der Wirbelsäule sein:
- Verengung des Wirbelkanals (Wirbelkanalstenose)
- Wirbelgleiten
- akuter Bandscheibenvorfall
- Bandscheibendegeneration
- Facettengelenksarthrose
- Skoliose
- Knochenbruch am Wirbelkörper (zum Beispiel aufgrund von Osteoporose )
- Bechterew-Krankheit
Dann kommen manchmal andere Behandlungen infrage als bei unspezifischen Beschwerden. Kreuzschmerzen sind aber nur selten ein Anzeichen für ernsthafte Schäden oder Erkrankungen.
Verlauf
Meistens klingen unspezifische Schmerzen im unteren Rücken auch ohne Behandlung innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst wieder ab. Viele Menschen haben immer wieder mal damit zu tun: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen treten die Kreuzschmerzen innerhalb eines Jahres erneut auf.
Chronische, das heißt seit Monaten anhaltende Kreuzschmerzen können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, zum Beispiel
- mal mehr, mal weniger stark,
- leicht, aber ständig spürbar,
- stark und über längere Zeit anhaltend.
Wie sich akute oder chronische Kreuzschmerzen bei einem Menschen entwickeln, lässt sich kaum vorhersagen.
Diagnose
Beim ersten Besuch in der Hausarzt- oder Orthopädiepraxis wird die Ärztin oder der Arzt zunächst einige Fragen stellen: unter anderem, ob
- die Kreuzschmerzen zum ersten Mal oder wiederholt aufgetreten sind und an welcher Stelle genau,
- der Rücken nur bei Bewegung oder auch in Ruhe schmerzt,
- man kürzlich einen Unfall hatte,
- man dauerhaft bestimmte Medikamente wie beispielsweise Kortisonpräperate nimmt,
- noch weitere Erkrankungen bestehen und
- andere Beschwerden hinzukommen – wie Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen.
Zudem fragt die Ärztin oder der Arzt nach bestimmten körperlichen und psychischen Belastungen, die ebenfalls eine Rolle spielen können.
Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung werden zum Beispiel die Muskeln auf schmerzhafte oder verspannte Stellen abgetastet, Reflexe getestet und die Beweglichkeit geprüft. Durch die Befragung (Anamnese) und anschließende körperliche Untersuchung lässt sich ein ernsthaftes gesundheitliches Problem meistens bereits ausschließen. Dann sind keine weiteren Untersuchungen wie Röntgen, Computer- oder Kernspintomografie nötig.
Medizinische Fachgesellschaften raten sogar von bildgebenden Untersuchungen ab, wenn kein Verdacht auf eine ernsthafte Ursache besteht. Solche Untersuchungen sind bei unspezifischen Kreuzschmerzen wenig aussagekräftig. Im Röntgenbild werden auch bei vielen Menschen ohne Rückenbeschwerden Auffälligkeiten an Knochen oder Bandscheiben sichtbar. Dabei handelt es sich in der Regel um ganz normale, harmlose Verschleißerscheinungen. Studien, in denen beschwerdefreie Erwachsene mittels Kernspintomografie untersucht wurden, zeigen zum Beispiel: Etwa 30 % aller 20-Jährigen und mehr als 80 % aller 80-Jährigen haben eine vorgewölbte Bandscheibe.
Zu viel Diagnostik kann sogar schaden: Zum Beispiel, wenn bildgebende Untersuchungen einen vermeintlichen Grund für die Kreuzschmerzen zeigen, der tatsächlich gar nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann zu unnötigen oder falschen Behandlungen führen und Ängste auslösen.
Wenn ein konkreter Verdacht auf eine bestimmte Ursache oder Erkrankung besteht oder die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen nicht abklingen oder sich verschlechtern, können Untersuchungen wie Röntgen, Kernspin- oder Computertomografie (CT) sinnvoll sein.
Vorbeugung
Regelmäßige Bewegung ist die wirksamste Möglichkeit, wiederkehrenden Schmerzen im unteren Rücken vorzubeugen. Ein geeignetes Training besteht zum Beispiel aus Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur. Wichtig ist, dass man regelmäßig trainiert – am besten mehrmals pro Woche. Studien haben die Wirksamkeit von Übungen zur Stärkung der Muskulatur bestätigt: Sie halfen, die Häufigkeit von Rückenschmerzattacken zu halbieren.
Behandlung
Bei starken akuten Rückenschmerzen sollte man auf schweres Heben verzichten und beim Bücken vorsichtig sein. Wenn der Rücken heftig schmerzt, kann die sogenannte Stufenlagerung wohltuend sein: Dabei liegt man auf dem Rücken und legt die Unterschenkel auf eine Ablage, die etwa so hoch ist, dass Unter- und Oberschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Wichtig ist aber, längeres Liegen zu vermeiden und so gut es geht aktiv zu bleiben. Damit ist gemeint, möglichst normal seinem Alltag nachzugehen und zum Beispiel bei der Arbeit nicht lange unbeweglich zu sitzen. Auch leichte Bewegung ist sinnvoll, zum Beispiel Spazierengehen.
Akute Rückenschmerzen klingen fast immer von selbst wieder ab. Studien zeigen, dass dies eher schneller geht, wenn man in Bewegung bleibt, anstatt Bettruhe einzuhalten. Eine einfache Möglichkeit zur Linderung akuter Schmerzen, die sich auch in Studien bewährt hat, sind Wärmeanwendungen – zum Beispiel Wärmflaschen, Wärmepackungen oder -kissen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können manchmal ebenfalls helfen. Sie werden aber nur für kurze Zeit empfohlen.
Wer sehr lange oder immer wieder mit unspezifischen Kreuzschmerzen zu tun hat, ist vor allem selbst gefragt: Auch bei chronischen Schmerzen ist es am wichtigsten, körperlich aktiv zu bleiben – und sich von den Schmerzen nicht daran hindern zu lassen, Dinge zu tun, die Freude bereiten.
Viele Studien zeigen, dass Bewegung bei chronischen Kreuzschmerzen die wirksamste Behandlung ist. Je länger man inaktiv bleibt, desto eher halten die Schmerzen im unteren Rücken an. Auch Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen wie die Muskelentspannung nach Jacobson haben sich bei manchen Menschen als hilfreich erwiesen.
Als Bewegungstherapie eignen sich vor allem Kräftigungsübungen für die tiefe Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur, in Kombination mit Dehnübungen. Pilates, Tai-Chi und Yoga enthalten viele solcher Übungen.
Darüber hinaus gibt es ein großes Angebot an sogenannten passiven Behandlungen. Dazu gehören Akupunktur, Massagen Mobilisation oder Manipulation der Wirbelsäule, Osteopathie, Schuheinlagen, Ultraschall- und Laserbehandlungen sowie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Weil Kreuzschmerzen auch ohne Behandlung nach einiger Zeit wieder verschwinden und mal stärker und mal schwächer sind, lässt sich die Wirksamkeit solcher Behandlungen nur durch vergleichende Studien beurteilen. Aus solchen Studien weiß man: Die meisten passiven Behandlungen sind nicht sehr wirksam, helfen nur kurzfristig oder sind bislang nicht ausreichend untersucht.
Bei chronischen Rückenschmerzen kommt auch eine sogenannte multimodale Schmerzbehandlung oder eine kognitive Verhaltenstherapie infrage. Dabei werden Bewältigungsstrategien im Umgang mit Schmerzen vermittelt – zum Beispiel, wie man Gedankenmuster verändert, die Schmerzen verstärken können.
Rehabilitation
Häufig wiederkehrende oder anhaltende Kreuzschmerzen können zu längeren Fehlzeiten im Beruf führen. Dann besteht unter Umständen die Möglichkeit, eine ambulante oder stationäre Rehabilitation zu machen. Ziel ist, die Beschwerden soweit in den Griff zu bekommen, dass ein normaler Alltag wieder möglich ist. Eine Rehabilitation kommt also nicht nur bei einer drohenden Berufsunfähigkeit infrage.
Oft besteht eine Rehabilitation aus einem sogenannten multidisziplinären Behandlungsprogramm, bei dem verschiedene Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte sowie physiotherapeutisches und psychologisches Fachpersonal zusammenarbeiten. Die Elemente des Programms – beispielsweise Medikamente, Physio-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie – sollten dabei auf die persönliche Situation abgestimmt werden. Eine Rehabilitation dauert in der Regel drei Wochen.
Leben und Alltag
Chronische Kreuzschmerzen können körperlich und psychisch sehr belastend sein. Vielen Betroffenen hilft es, mit der Zeit Strategien zu entwickeln, um besser mit den Schmerzen umgehen und die Beschwerden bewältigen zu können. Psychologische Behandlungen wie eine kognitive Verhaltenstherapie können dabei unterstützen.
Scharlach
Meist erkennt man Scharlach direkt am typischen Hautausschlag und der tiefroten Zunge, auch „Himbeerzunge“ genannt. Heute sind ernsthafte Folgen sehr selten: Da Scharlach durch Bakterien ausgelöst wird, ist er mit Antibiotika gut behandelbar.
Einleitung
Scharlach ist eine bakterielle Infektion, mit der sich vor allem Kinder anstecken. Meist zeigt sie sich durch einen typischen Hautausschlag, Fieber und Halsschmerzen.
Die Krankheit ist dank Antibiotika wie Penicillin gut behandelbar. Sie können bei Scharlach zudem die Zeit verkürzen, in der man ansteckend ist. Die Infektion verbreitet sich über bakterienhaltige Tröpfchen und engen Körperkontakt.
Vor der Entwicklung des Penicillins hatte die Erkrankung manchmal schwere Folgen. Heute verläuft Scharlach in aller Regel mild. Trotzdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass sich möglichst niemand anderes ansteckt – zum Beispiel durch regelmäßiges Händewaschen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten führt eine überstandene Scharlach-Infektion nicht zu Immunität. Das bedeutet, man kann mehrmals im Leben an Scharlach erkranken.
Symptome
Zu Beschwerden kommt es meist 1 bis 3 Tage nach einer Ansteckung. Folgende Symptome können bei Scharlach auftreten:
- Halsschmerzen
- Fieber und Schüttelfrost
- Schmerzen beim Schlucken
- Hautausschlag
- Erbrechen
- Abgeschlagenheit
- geschwollene Mandeln
- geschwollene Lymphknoten
- bei kleineren Kindern häufig auch Bauchschmerzen
Charakteristisch für Scharlach ist die tiefrote Zunge, auch „Himbeerzunge“ genannt.
Auf dem Körper entwickelt sich meist ab dem zweiten Tag ein nicht oder kaum juckender Hautausschlag aus vielen kleinen erst rosa, dann roten Punkten. Sie bilden eine raue Oberfläche, die sich wie Sandpapier anfühlt. Die Pünktchen können sich innerhalb weniger Tage von der Körpermitte auf den Hals bis zu den Händen und Füßen ausbreiten. Das Mund-Kinn-Dreieck, die Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben dabei typischerweise ausgespart. Besonders deutlich ist der Ausschlag oft in der Leistengegend und im Bereich der Achseln zu sehen. Nach ungefähr einer Woche verblassen die Pünktchen wieder. In der 2. bis 4. Krankheitswoche beginnt sich die Haut zu schuppen, vor allem an den Handflächen und Fingerkuppen sowie an den Fußsohlen und Zehenkuppen.
Manchmal sind die Beschwerden nur wenig ausgeprägt, wie etwa leichte Halsschmerzen, mäßiges Fieber und leichter Hautausschlag. Halsweh, Fieber und Ausschlag können aber auch stark sein.
Ursachen
Scharlach wird durch Bakterien verursacht. Auslöser ist eine bestimmte Streptokokken-Gruppe namens „Streptococcus pyogenes“, auch „A-Streptokokken“ genannt. Normalerweise führt eine Ansteckung mit diesen Bakterien zu einer eitrigen Entzündung von Rachen undMandeln. Die Bakterienstämme, die Scharlach verursachen, bilden zusätzlich einen Giftstoff (Toxin), der zu den typischen Hautveränderungen führt. Die Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Husten, Sprechen oder Niesen.
Häufigkeit
Meist erkranken Kinder an Scharlach, selten auch Erwachsene. Die meisten Scharlach-Erkrankungen treten bei 5- bis 12-Jährigen auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten kann man an Scharlach mehrmals erkranken. Pro Jahr bekommen etwa 5 von 1000 Kindern Scharlach.
Verlauf
Auch unbehandelt verläuft Scharlach oft mild – allerdings besteht ein geringes Risiko, dass sich die Infektion im Körper ausbreitet und schwere Erkrankungen nach sich zieht. Die Mandeln oder das Mittelohr können sich eitrig entzünden. Möglich ist auch rheumatisches Fieber, bei dem es zu Entzündungen verschiedener Gelenke oder Organe kommen kann, beispielsweise des Herzens oder der Niere. Diese schweren Folgeerkrankungen spielen aber in Deutschland eine deutlich geringere Rolle als früher.
Sehr selten dringen die Erreger in Wunden ein und verursachen den sogenannten Wundscharlach. Dieser kann gefährlich sein, da die Erreger über die Wunde in die Blutbahn gelangen und eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können. Solche schweren Komplikationen sind zwar selten, können aber lebensbedrohlich sein.
Nimmt man Antibiotika gegen Scharlach ein, klingen die Beschwerden in der Regel nach wenigen Tagen ab.
Gut zu wissen:
Wird Scharlach mit Antibiotika behandelt, besteht nach 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Wer keine Antibiotika einnimmt, ist bis zu drei Wochen lang ansteckend.
Diagnose
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt Scharlach an seinen charakteristischen Symptomen. Häufig wird zusätzlich ein sogenannter Schnelltest gemacht, der innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis zeigt. Dabei wird eine Probe aus dem Rachen genommen und auf Streptokokken untersucht. Das Ergebnis ist aber nicht immer zuverlässig. Zeigt der Test Streptokokken an, ist dies ein recht sicherer Nachweis dafür, dass sie die Erkrankungsursache sind. Ist der Abstrich unauffällig, können Streptokokken jedoch nicht sicher als Ursache ausgeschlossen werden. Dann kann ein Abstrich von den Mandeln ins Labor geschickt werden, um genauere Ergebnisse zu bekommen. Das Laborergebnis liegt nach 1 bis 2 Tagen vor.
Vorbeugung
Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Sinnvoll sind allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung von Erkältungs- und Atemwegskrankheiten. Dazu gehört, sich regelmäßig die Hände zu waschen und engen Kontakt mit Erkrankten zu vermeiden, die noch ansteckend sein könnten.
Besonders in den Wintermonaten tragen viele Kinder Scharlach-Erreger im Rachenraum, ohne dass die Erkrankung ausbricht. Diese Kinder sind in der Regel nicht ansteckend, auch wenn sich die Erreger bei ihnen nachweisen lassen. Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung einer Infektion sind daher nicht nötig.
Behandlung
Scharlach wird meist mit Antibiotika behandelt – auch deshalb, weil man dann nach etwa 24 Stunden nicht mehr ansteckend ist. Die Beschwerden klingen durch die Antibiotika etwas schneller ab, außerdem beugen sie möglichen Komplikationen vor.
Bei Scharlach nimmt man normalerweise Penicillin-Tabletten ein – und zwar 2- oder 3-mal täglich über 10 Tage. Bei Unverträglichkeiten oder Allergien stehen andere Antibiotika zur Verfügung, die jeweils für 5 bis 10 Tage eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Es ist wichtig, die Einnahme von Antibiotika nicht abzubrechen , auch wenn die Beschwerden bereits verschwunden sind. Nur dadurch ist ausreichend gesichert, dass alle Erreger abgetötet werden.
Zusätzlich lassen sich Beschwerden wie Halsschmerzen undFieber durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol lindern. Es kann außerdem wohltuend sein, Bonbons zu lutschen, Tee zu trinken oder Hausmittel wie Halswickel anzuwenden.
Leben und Alltag
Im Infektionsschutzgesetz ist festgelegt, dass Personen, bei denen der Verdacht auf Scharlach besteht, sich von Gemeinschaftseinrichtungen fernhalten müssen. Kinder dürfen also schon bei Verdacht auf Scharlach nicht in den Kindergarten oder zur Schule gehen und sollten nicht mit anderen Kindern spielen.
Erwachsene dürfen bei Scharlach (oder einem Verdacht darauf) keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu anderen Personen haben. Dazu zählen beispielsweise Lehrtätigkeiten, Erziehungsaufgaben oder die Pflege von Menschen.
Wer zwei Tage lang Antibiotika eingenommen hat, ist danach nicht mehr ansteckend. Sofern in dieser Zeit auch die Scharlach-Symptome abgeklungen sind, kann man wieder an Gemeinschaftsaktivitäten teilnehmen, zur Schule oder Arbeit gehen. Ein schriftliches ärztliches Attest ist dafür nicht erforderlich. Ohne Antibiotika-Behandlung ist dies frühestens möglich, wenn man seit 24 Stunden keine Scharlach-Symptome mehr hatte.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Wer ständig antriebslos ist, einen niedrigen Puls hat und über Verstopfung klagt, fragt sich, woran das liegen mag. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben, sind aber auch typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion. Mit Bluttests lässt sich die Erkrankung sicher feststellen.
Auf einen Blick
Die Schilddrüse bildet Hormone, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern. Wenn die Schilddrüse (Thyroidea) zu wenig Hormone herstellt, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Fachbegriff hierfür lautet Hypothyreose. Sie kann zu verschiedenen Beschwerden führen – zum Beispiel zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Hautveränderungen oder Verstopfung.
Bei den meisten Menschen wird eine Schilddrüsenunterfunktion durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht. Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen, die täglich eingenommen werden. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.
Symptome
Wenn Schilddrüsenhormone fehlen, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Dies kann viele Körperfunktionen betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. So kann zum Beispiel die körperliche Leistungsfähigkeit abnehmen. Mögliche Symptome sind dann:
- Schwäche und Müdigkeit
- ein niedriger Puls
- Kurzatmigkeit
Auch psychische Probleme sind möglich, etwa
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
- Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten
Außerdem kann es zu bestimmten körperlichen Veränderungen kommen, zum Beispiel:
- trockene, vor allem im Gesicht teigig verdickte Haut
- trockenes Haar, Haarausfall
- leichte bis mäßige Gewichtszunahme
- vergrößerte Schilddrüse (auch Struma oder Kropf genannt)
- eine tiefe, heisere Stimme
- eine vergrößerte Zunge
- Verstopfung
- starke Regelblutung oder Störungen des Menstruationszyklus , eingeschränkte Fruchtbarkeit
- Erektionsstörungen
- Schwerhörigkeit
Andere Beschwerden können den gesamten Körper betreffen, wie
- Kälteempfindlichkeit, Frieren
- Muskel- oder Gelenkschmerzen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- verlangsamte Reflexe
Wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Säuglingen oder Kindern nicht behandelt, hemmt sie das Wachstum und die geistige Entwicklung. Dazu kommt es hierzulande aber nur sehr selten, weil die Erkrankung meist direkt nach der Geburt erkannt und dann gut behandelt wird.
Ursachen
Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone bildet:
- Entzündung der Schilddrüse: Das Organ kann sich aufgrund einer Autoimmunreaktion entzünden. Man spricht dann von einer Hashimoto-Thyreoiditis. Sie ist hierzulande der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Außerdem kann eine Infektion eine Entzündung auslösen. Manchmal bleibt die Ursache auch unklar.
- Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie: Bei bestimmten Erkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse bestrahlt oder in einer Operation teilweise oder ganz entfernt. Dann werden zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr produziert.
- ausgeprägter Jodmangel: Der Körper benötig das Spurenelement Jod, um Schilddrüsenhormone bilden zu können. Eine ausgewogene Ernährung hilft, sich ausreichend mit Jod zu versorgen: Geeignete Lebensmittel sind Milchprodukte, Fisch und jodiertes Speisesalz.
- Medikamente: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch durch Medikamente verursacht werden, etwa als Nebenwirkung von Antidepressiva mit dem Wirkstoff Lithium. Andere Medikamente werden extra eingesetzt, um bei einer Schilddrüsenüberfunktion die gesteigerte Bildung von Schilddrüsenhormonen zu drosseln. Sind sie zu hoch dosiert, kann es zu einer Unterfunktion kommen.
- angeborene Schilddrüsenunterfunktion: Eine Schilddrüsenunterfunktion ist nur selten genetisch bedingt. Sie kann auch ausgelöst werden, wenn die werdende Mutter zum Beispiel zu wenig Jod aufnimmt oder ihr Immunsystem Antikörper gegen Schilddrüsengewebe bildet.
Bei all diesen Formen ist die Funktion der Schilddrüse selbst gestört. Fachleute fassen sie deshalb als „primäre Schilddrüsenunterfunktion“ zusammen. Selten kann auch eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse oder des Hypothalamus im Gehirn zu einer Unterfunktion führen: Diese Organe steuern die Hormonproduktion der Schilddrüse. Funktionieren sie nicht richtig, bildet die eigentlich gesunde Schilddrüse zu wenig Hormone. Dies wird als zentrale Schilddrüsenunterfunktion bezeichnet.
Häufigkeit
In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion. Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen. Bei etwa 1 von 3400 Neugeborenen ist die Schilddrüsenunterfunktion angeboren.
Verlauf
Wie eine Schilddrüsenunterfunktion verläuft, hängt von ihrer Ursache ab. Oft entwickelt sie sich schleichend, weil sie sehr häufig durch eine Entzündung der Schilddrüse ausgelöst wird. Diese führt in der Regel zu einem langsamen Abbau des Schilddrüsengewebes, was lange unbemerkt bleiben kann: Denn das restliche Gewebe gleicht den Verlust lange aus, indem es mehr Hormone herstellt. Wenn das nicht mehr gelingt, kommt es zu Beschwerden. Wird die Unterfunktion nicht behandelt, können sich verschiedene Probleme entwickeln.
Manchmal erholt sich die Schilddrüse aber auch von selbst – zum Beispiel, wenn die Entzündung abklingt.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst nach Beschwerden fragen und die Schilddrüse abtasten. Weil viele Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion auch andere Ursachen haben können, werden Bluttests gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.
Dabei werden die Werte der Schilddrüsenhormone („Schilddrüsenwerte“) gemessen. Dazu gehören zum einen die Schilddrüsenhormone selbst. Wichtig ist aber auch ein weiteres Hormon, das TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon). Es wird nicht in der Schilddrüse, sondern in der Hirnanhangdrüse produziert. Das TSH regt die Schilddrüse an, Schilddrüsenhormone zu bilden.
Ein erhöhter TSH-Wert im Blut kann ein Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn sobald die Schilddrüse schwächer wird, reagiert die Hirnanhangsdrüse darauf: Sie erhöht die eigene TSH-Produktion, um die Schilddrüse stärker anzuregen. Bei einer ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion reicht das aber nicht mehr aus: Dann gibt die Schilddrüse zu wenig Hormone ins Blut ab. Das lässt sich durch die Blutuntersuchung ebenfalls erkennen.
Früherkennung
Um eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion früh erkennen und behandeln zu können, wird bei allen Neugeborenen routinemäßig der TSH-Wert bestimmt (Screening). Bei auffälligem Ergebnis werden außerdem die Werte der Schilddrüsenhormone gemessen.
Erwachsenen wird kein Screening empfohlen. Denn ein auffälliger TSH-Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet und Beschwerden auftreten. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich zudem recht oft zurück, manchmal auch nach längerer Zeit. Ein auffälliges Ergebnis könnte daher unnötige weitere Untersuchungen, Behandlungen und Sorgen nach sich ziehen.
Wenn der TSH-Wert erhöht ist, aber ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden und keine Beschwerden auftreten, spricht man von „latenter“ Schilddrüsenunterfunktion.
Pro Jahr entwickeln 2 bis 5 von 100 Menschen mit einer latenten Schilddrüsenunterfunktion eine Unterfunktion mit Symptomen. Ob sich diese Entwicklung durch eine frühzeitige Behandlung lässt, ist unklar.
Vorbeugung
Einer Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel lässt sich durch eine ausreichende Jodversorgung vorbeugen. In Deutschland ist Jodmangel aber nur selten die Ursache.
Fachleute empfehlen, bei der Ernährung auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten. Dazu reicht es, wenn täglich Milch oder Milchprodukte und öfter mal Meeresfisch auf dem Speiseplan stehen. Außerdem wird empfohlen, jodiertes Speisesalz zu verwenden.
Auch manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod. Die tägliche Einnahme solcher Mittel kann problematisch sein, wenn sie mehr als 100 µg Jod enthalten: Wer dauerhaft zu viel Jod zu sich nimmt, erhöht das Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine Überdosierung durch Lebensmittel ist aber kaum möglich. Eine Ausnahme sind getrocknete Algen, insbesondere Seetang.
Folgen
Wird eine Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, können langfristig Komplikationen auftreten. Vor allem bei Kindern können die Folgen schwerwiegend sein. Einige sind später nicht mehr rückgängig zu machen – wie etwa Kleinwüchsigkeit, Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit oder geistige Entwicklungsstörungen. Davor schützen heutzutage das Neugeborenen-Screening und eine frühzeitige Behandlung.
Auch wenn Erwachsene erkranken und nicht behandelt werden, sind Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma möglich. Dazu kommt es aber nur sehr selten.
Behandlung
Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, das dem körpereigenen Hormon entspricht. Der Wirkstoff wird auch als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Bis sich der Hormonspiegel im Körper eingependelt hat, dauert es etwa 2 bis 3 Monate. Je nach Ursache wird eine Unterfunktion vorübergehend oder lebenslang behandelt.
Thyroxin wird einmal am Tag eingenommen. Oft wird empfohlen, die Tablette morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff nüchtern besser aufnehmen können. Es ist aber auch möglich, die Tablette abends vor dem Schlafengehen einzunehmen.
Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Eine zu hohe Dosis kann zu Nervosität führen. Deshalb wird die Dosierung in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Später reicht es meist aus, die Werte einmal im Jahr zu kontrollieren.
Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion ist nur der TSH-Wert erhöht. Der Hormonspiegel ist normal. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob sie behandelt werden soll.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Die Schilddrüse reguliert zahlreiche Körperfunktionen. Wenn sie überaktiv ist, produziert sie zu viel Schilddrüsenhormone. Das kann sich zum Beispiel durch Gewichtsverlust, Schwitzen, nervöse Unruhe oder Herzrasen bemerkbar machen. Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auf einen Blick
Die Schilddrüse gehört zu den endokrinen Drüsen des Körpers – also zu den Organen, die Hormone bilden und damit zahlreiche Körperfunktionen regulieren. Wenn die Schilddrüse überaktiv ist, produziert sie zu viel Schilddrüsenhormone. Die häufigste Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse (Fachbegriff: Hyperthyreose) ist die sogenannte Basedow- Krankheit.
Durch die verstärkte Hormonbildung laufen viele Körperfunktionen unnötigerweise „auf Hochtouren“. Dies kann sich durch Symptome wie Gewichtsverlust, Schwitzen, Nervosität oder Herzrasen bemerkbar machen. Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone , und der Stoffwechsel verlangsamt sich.
Symptome
Eine Schilddrüsenüberfunktion führt oft zu einer sichtbaren Vergrößerung der Schilddrüse, die sich im vorderen Halsbereich befindet. Diese Schwellung am Hals nennt man eine Struma (umgangssprachlich: Kropf). Manchmal ist nicht die komplette Drüse angeschwollen, aber ein Knoten tast- oder sichtbar. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aber auch ohne Struma oder Knoten bestehen – und beides geht auch nicht immer mit einer Schilddrüsenüberfunktion einher.
Wenn zu viele Schilddrüsenhormone imBlut sind, geraten verschiedene Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dann kommt es zum Beispiel zu:
- Herzklopfen und Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
- erhöhtem Blutdruck
- Gewichtsverlust, trotz Heißhunger
- Durchfall
- Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit
- Schwäche, Müdigkeit
Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwitzen häufig und empfinden Wärme schnell als unangenehm, ihre Haut fühlt sich oft warm und feucht an, ihr Haar ist ausgedünnt.
Wenn eine Basedow-Krankheit die Ursache ist, können auch Augenveränderungen auftreten.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow). Bei dieser Erkrankung führt eine Fehlfunktion des Immunsystems dazu, dass die Schilddrüse vermehrt Hormone bildet.
Auch eine sogenannte Schilddrüsenautonomie kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen: Normalerweise wird die Schilddrüse durch die Hirnanhangdrüse gesteuert. Bei einer Schilddrüsenautonomie reagieren die Schilddrüsenzellen jedoch nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Das kann zur Folge haben, dass viel mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden als eigentlich nötig. Manchmal kommen autonome Schilddrüsenzellen in der gesamten Drüse vor, manchmal nur im Gewebe eines oder mehrerer gutartiger Knoten. Fachleute nennen einen solchen Knoten autonomes Schilddrüsenadenom. Nur sehr selten sind bösartige Schilddrüsentumoren der Grund für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.
Manchmal geraten auch zu viele Schilddrüsenhormone ins Blut, wenn sich die Schilddrüse entzündet: Dann werden gespeicherte Schilddrüsenhormone aus dem entzündeten Gewebe freigesetzt, und es kommt vorübergehend zu Symptomen wie bei einer Überfunktion.
Häufigkeit
Die Schilddrüsenüberfunktion kommt bei ungefähr 1 von 100 Personen und damit recht häufig vor. Bei Frauen entwickelt sich öfter eine Schilddrüsenüberfunktion als bei Männern. Meist tritt die Erkrankung im mittleren Erwachsenenalter auf.
Folgen
Eine unzureichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Vorhofflimmern führen. Durch den beschleunigten Knochenumbau kann langfristig auch eine Osteoporose entstehen.
Selten kommt es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer lebensbedrohlichen Situation, einer sogenannten thyreotoxischen Krise. Sie kann zum Beispiel durch jodhaltige Medikamente oder Röntgenkontrastmittel ausgelöst werden. Neben den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion sind dann hohes Fieber, Erbrechen, Unruhe und Angstzustände, Herzrhythmus- und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma und Kreislaufversagen möglich. Die thyreotoxische Krise ist ein Notfall, die Betroffenen müssen auf der Intensivstation behandelt werden.
Diagnose
Beim Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion schließt sich nach einem ausführlichen ärztlichen Gespräch meist eine Tastuntersuchung der Schilddrüse an. Die Ärztin oder der Arzt kann dabei fühlen, ob das Organ vergrößert ist oder Knoten enthält.
Blutuntersuchungen liefern wichtige Informationen zur Ursache: Sie zeigen, ob die Schilddrüse von sich aus zu viele Hormone bildet oder ob die Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse gestört ist. Ein Bluttest kann auch auf eine Basedow-Krankheit hinweisen.
Per Ultraschalluntersuchung lassen sich das Schilddrüsengewebe und möglicherweise vorhandene Knoten genauer beurteilen. Mithilfe einer sogenannten Szintigraphie ist zusätzlich erkennbar, ob ein Knoten verstärkt Hormone bildet (sogenannter „heißer“ Knoten) oder inaktiv ist (kalter Knoten).
Behandlung
Eine leichte Schilddrüsenüberfunktion kann manchmal auch ohne Behandlung von selbst zurückgehen. Meist wird die übermäßige Hormonproduktion in der Schilddrüse aber zunächst mit Tabletten gebremst, den sogenannten Thyreostatika. Normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion dadurch nicht, wird die Drüse operativ entfernt oder mit Radiojod behandelt. Bei einer Radiojodtherapie nimmt man radioaktives Jod ein, das sich in die Schilddrüse einlagert und die überaktiven Zellen zerstört.
Führt eine vergrößerte Drüse mit Schilddrüsenautonomie zu einer Überfunktion, wird die mit Thyreostatika „beruhigte“ Schilddrüse meist operativ entfernt. Ist eine Operation nicht möglich oder die Drüse nicht stark vergrößert, kommt eher eine Radiojodtherapie infrage.
Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann sich vor allem durch Lähmungen und Sprachstörungen bemerkbar machen. Der Grund ist meist ein verstopftes Blutgefäß. Eine rasche Behandlung ist sehr wichtig, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Eine Rehabilitation hilft, die Folgen eines Schlaganfalls zu mildern.
Auf einen Blick
Ein Schlaganfall macht sich meist durch plötzliche Lähmungen, Sehprobleme oder Sprachstörungen bemerkbar, manchmal auch durch Kopfschmerzen. Die Ursache ist, dass ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft oder es zu einer Hirnblutung kommt.
Welche Symptome auftreten, hängt vor allem davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss. Er wird oft auch als Hirninfarkt oder Apoplex bezeichnet.
Symptome
Häufige Anzeichen eines Schlaganfalls sind:
- plötzlich auftretende Schwäche
- Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen
- Sprachstörungen
- Gesichtsfeldausfall
- Schwindel und Gangunsicherheit
Manchmal treten auch starke Kopfschmerzen auf, die mit Übelkeit und Erbrechen sowie Bewusstlosigkeit einhergehen können.
Meist ist nur eine Körperseite betroffen, sodass sich zum Beispiel der rechte Arm und / oder das rechte Bein nicht mehr richtig bewegen lassen. Typisch ist auch ein herabhängender Mundwinkel.
Ursachen
Meist wird ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das ein Gefäß im Gehirn verstopft. Diese Gerinnsel bilden sich meist in den Halsschlagadern oder im Herzen und werden über den Blutkreislauf ins Gehirn geschwemmt, wo sie dann ein Gefäß blockieren. Ein Schlaganfall, der durch ein verstopftes Blutgefäß entsteht, wird als ischämischer Schlaganfall bezeichnet.
Die zweite, seltenere Ursache sind Blutungen im Gehirn, zum Beispiel weil ein Blutgefäß reißt und Blut ins Hirngewebe austritt.
Beide Ursachen führen dazu, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Eine Blutung erhöht zudem den Druck auf das Hirngewebe, was zusätzliche Schäden verursachen kann. Je schneller behandelt und die Sauerstoffversorgung wiederhergestellt werden kann, desto größer sind die Chancen, dass der Schaden im Gehirn möglichst klein bleibt.
Risikofaktoren
Bei Gesunden bilden sich nur sehr selten Gerinnsel in den Blutgefäßen. Bestimmte Erkrankungen, Verhaltensweisen und erbliche Veranlagungen können aber das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel Rauchen , Bluthochdruck , ein erhöhter Cholesterinspiegel und Vorhofflimmern.
Wenn typische Schlaganfall-Symptome auftreten, die nach einigen Stunden von selbst wieder verschwinden, kann es sich um eine transitorische ischämische Attacke handeln (TIA). Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich aber von allein wieder auflöst, bevor das Gehirn stärker geschädigt wurde. Eine transitorische ischämische Attacke weist auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin.
Häufigkeit
Pro Jahr bekommt etwa 1 von 1000 Menschen einen Schlaganfall. Das Risiko steigt mit dem Alter. Männer erkranken im Durchschnitt etwas häufiger als Frauen.
Folgen
Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch zu folgenden Beeinträchtigungen führen:
- Lähmungen auf einer Körperseite
- Verkrampfungen der Muskulatur (Spastiken)
- Schluckstörungen
- Sprachstörungen
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
- Sehstörungen
- gestörte Wahrnehmung der betroffenen Körperseite (Neglect)
- psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen
Ein Teil der Betroffenen benötigt nach einem Schlaganfall Unterstützung im Alltag oder Pflege.
Oft bessern sich Beschwerden wie zum Beispiel Lähmungen im Laufe der Zeit wieder, sie können aber auch bestehen bleiben. Etwa 40 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überleben, haben dauerhaft stärkere Beeinträchtigungen.
Nach einem Schlaganfall ist außerdem das Risiko für einen weiteren Schlaganfall erhöht. So bekommen etwa 5 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überstanden haben, innerhalb des ersten Jahres einen weiteren Schlaganfall. Aber auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte treten häufiger bei Menschen auf, die bereits einen Schlaganfall hatten. Etwa 30 von 100 Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres an den Folgen der Erkrankung.
Diagnose
Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei jedem Verdacht ist es wichtig, sofort den notärztlichen Dienst zu rufen (Notruf 112) – und nicht darauf zu warten, dass die Beschwerden wieder verschwinden!
Nach ersten Untersuchungen durch die Notärztin oder den Notarzt werden Betroffene möglichst in ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Krankenhaus gebracht. Dort finden sofort umfassende Untersuchungen statt, um die Ursache der Beschwerden festzustellen und rasch mit der Behandlung beginnen zu können. Oft gehört dazu eine Computer- oder Magnetresonanztomografie.
Vorbeugung
Ob und welche besondere Vorbeugung gegen einen Schlaganfall sinnvoll ist, hängt von weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren ab.
Bei hohem Blutdruck lässt sich das Schlaganfall-Risiko durch blutdrucksenkende Medikamente verringern. Besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, zum Beispiel bei Vorhofflimmern, kommen gerinnungshemmende Medikamente infrage. Auch Medikamente zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels (Statine) können schützen.
Diese Maßnahmen können auch für Menschen sinnvoll sein, die bereits einen Schlaganfall hatten: Sie senken das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.
Manchmal wird ein Eingriff empfohlen, bei dem Gefäßverengungen beispielsweise in der Halsschlagader beseitigt werden. Bei einer starken Verengung und anhaltenden Beschwerden ist auch das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) aus Drahtgeflecht möglich, um ein Gefäß dauerhaft offen zu halten. Vor einem solchen Eingriff sollten aber Nutzen und Schaden besonders gut abgewogen werden.
Behandlung
Die Akutbehandlung hat zum Ziel, Leben zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten. Wie behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Hirnblutung ausgelöst wurde.
Bei einem Gerinnsel wird versucht, das Gefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Dafür stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Bei der sogenannten Thrombolyse wird das Gerinnsel durch ein Medikament aufgelöst, das über eine Infusion verabreicht wird. Bei der Thrombektomie wird das Gerinnsel mit einem Katheter aus den Hirngefäßen entfernt. Beide Verfahren werden wenn möglich kombiniert. Sie eignen sich jedoch nur für die ersten Stunden nach Symptombeginn. Umso wichtiger ist es, bei einem Schlaganfall schnell in eine Klinik zu kommen. Besonders geeignet sind spezialisierte Stationen, die sogenannten „Stroke Units“.
Bei einer Blutung kommt es darauf an, sie rasch zu stoppen, wenn nötig durch eine Operation.
Die weitere Behandlung und Überwachung hängt von der Schwere des Schlaganfalls, seinen Auswirkungen und den Ergebnissen weiterer Untersuchungen ab.
Rehabilitation
Nach einem Schlaganfall ist es für die meisten Menschen besonders wichtig, ihre Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft und Sprache sowie ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Wichtig ist auch, das emotionale Gleichgewicht wiederzufinden.
Dazu gibt es verschiedene Rehabilitationsprogramme mit teils unterschiedlichen Inhalten. Die wichtigsten Elemente der Rehabilitation sind je nach Bedarf Krankengymnastik und Fitnesstraining, eine Sprachheilbehandlung sowie das Training der Schluckfunktion. Ziel ist es, körperliche Folgen wenn möglich zu mindern und mit ihnen umgehen zu lernen. In einer Ergotherapie wird vermittelt, wie es trotz der Einschränkungen gelingen kann, so selbstständig wie möglich im Alltag zurechtzukommen.
Die Rehabilitation beginnt meist schon während der Behandlung in der Klinik und kann anschließend in einer Rehaklinik oder ambulant fortgesetzt werden.
Leben und Alltag
Trauer und Niedergeschlagenheit sind nach einem Schlaganfall normal. Je nachdem, wie schwer ein Schlaganfall war, kann er einen enormen Einschnitt in das Leben bedeuten.
Wer vor der Erkrankung selbstständig gelebt hat und nun auf Hilfe angewiesen ist, muss zunächst mit den Folgen des Schlaganfalls zurechtkommen – sowohl psychisch als auch die praktischen Dinge des Alltags betreffend.
Therapie und Rehabilitation nach einem Schlaganfall können helfen, einen Teil der Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Die meisten Betroffenen und ihre Familien schaffen es mit der Zeit, ihr Leben den Veränderungen durch die Erkrankung so gut es geht anzupassen.
Manche Personen entwickeln als Folge des Schlaganfalls jedoch eine behandlungsbedürftige Depressionen Oft werden solche Depressionen nicht erkannt, oder eine schlechte seelische Verfassung wird als normale Reaktion angesehen und nichts dagegen unternommen. Eine Depression belastet nicht nur psychisch, sondern kann auch die körperliche Genesung beeinträchtigen. Wichtig ist, dass Betroffene und ihre Familien nach einem Schlaganfall die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um eine depressive Erkrankung zu vermeiden – oder Hilfe bekommen, wenn sich bereits eine Depression entwickelt hat.
Schuppenflechte (Psoriasis)
Typisch für eine Schuppenflechte (Psoriasis) sind rötliche, schuppende Hautveränderungen. Die nicht ansteckende chronische Erkrankung tritt meist erst im Erwachsenenalter auf und verläuft in Schüben. Verschiedene Behandlungen können die Beschwerden lindern.
Auf einen Blick
Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung. Sie macht sich vor allem durch rötliche, schuppende Hautveränderungen bemerkbar, die jucken können.
Die chronische Erkrankung verläuft typischerweise in Schüben mit mal stärkeren, mal leichteren oder gar keinen Hautproblemen. Es gibt verschiedene wirksame Behandlungen, heilbar ist eine Schuppenflechte aber nicht.
Eine Psoriasis kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Für manche Menschen ist die Erkrankung in erster Linie lästig, sie kommen aber ganz gut damit zurecht. Andere fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Die Behandlung und Hautpflege können viel Zeit erfordern. Zudem kann die auffällige, gerötete und schuppige Haut psychisch sehr belastend sein – vor allem wenn die Veränderungen an sichtbaren Körperstellen auftreten.
Eine Schuppenflechte wird durch Entzündungen verursacht. Manchmal können sich neben der Haut auch andere Teile des Körpers entzünden, zum Beispiel Gelenke oder Nägel.
Symptome
Es gibt verschiedene Arten von Schuppenflechte. Die sogenannte Psoriasis vulgaris ist mit 80 % die häufigste Form. Sie wird auch Plaque-Psoriasis genannt.
Psoriasis vulgaris
Bei einer Psoriasis vulgaris rötet sich die Haut und bildet silbrig glänzende Hauterhebungen, die klar begrenzt sind und stark schuppen. Sie werden Plaques genannt und treten oft beidseitig auf, zum Beispiel am linken und am rechten Knie.
Eine Psoriasis vulgaris kann überall am Körper entstehen. Typische Stellen sind der Kopf, die Ellbogen, die Knie und der Rücken. Auch hinter den Ohren, an Händen, Füßen oder am Bauchnabel bilden sich häufig Plaques.
Die Größe der Plaques ist sehr unterschiedlich: Sie können zwischen einem und über zehn Zentimetern Durchmesser haben. Bei manchen Menschen bilden sich nur wenige Plaques an einzelnen Körperstellen. Bei anderen treten sie vermehrt an einem oder an verschiedenen Körperbereichen auf.
Bei einer stärker ausgeprägten Schuppenflechte oder einem Schub kann die erkrankte Haut auch stark jucken. Dann wird sie oft durch Kratzen zusätzlich gereizt oder sogar verletzt. An den Händen und Füßen kann die Haut zudem sehr trocken werden und einreißen. Dies kann sehr schmerzhaft sein – vor allem wenn sich die rissige Haut bei Bewegungen dehnt oder mit hautreizenden Stoffen wie Fruchtsäure in Kontakt kommt, etwa beim Auspressen einer Zitrone.
Psoriasis inversa
Manchmal tritt Psoriasis in Hautfalten auf, zum Beispiel in der Leisten- oder Gesäßfalte, unter den Achseln, in der Genitalregion oder bei Frauen unter und zwischen den Brüsten. Man spricht dann von Psoriasis inversa oder Psoriasis intertriginosa. Bei dieser Form von Psoriasis zeigen sich häufig keine Schuppen, da die Haut an diesen Stellen eher feucht ist und wegen der ständigen Reibung kaum Plaques entstehen.
Nagelpsoriasis
Bei manchen Menschen mit Psoriasis vulgaris verändern sich auch die Nägel. Eine Nagelpsoriasis äußert sich durch kleine Dellen im Nagel (Tüpfelnagel), eine Verdickung des Nagels oder gelblich-braune Verfärbungen (Ölnagel). Außerdem kann sich der Nagel ablösen.
Psoriasis pustolosa
Bei dieser Form bildet die Haut zusätzlich Bläschen (Pusteln), die mit Eiter gefüllt sind. Diese Pusteln sind aber nicht ansteckend. Eine Psoriasis pustulosa kann zusammen mit einer Psoriasis vulgaris oder allein auftreten.
Psoriasis guttata
Diese Form ist eher selten. Eine Psoriasis guttata äußert sich wie ein akuter, großflächiger Hautausschlag mit punktförmigen Papeln und kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor. Meist tritt sie ein bis zwei Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf (Streptokokken). Eine Psoriasis guttata kann nach einigen Wochen oder Monaten vollständig ausheilen, aber auch wiederkehren oder in eine Psoriasis vulgaris übergehen.
Ursachen
Die oberste Hautschicht (Epidermis) besteht aus Zellen, die sich teilen, an die Hautoberfläche wandern und dort absterben und verhornen. Diese hornbildenden Zellen werden Keratinozyten genannt.
Normalerweise dauert es etwa vier Wochen, bis die Keratinozyten die oberste Hautschicht durchwandern und als tote Zellen abgestoßen werden. Bei einer Schuppenflechte teilen sie sich fast 10-mal so schnell und wandern in nur vier Tagen an die Hautoberfläche. Dann können die toten Zellen nicht schnell genug abgestoßen werden, die Haut wird an den betroffenen Stellen dicker und schuppt viel stärker als normal.
Die Ursache dafür sind Autoimmunreaktionen: Das Immunsystem ist überaktiv und setzt vermehrt bestimmte Botenstoffe (Zytokine) frei, die verschiedene Entzündungsreaktionen auslösen. Einige der beteiligten Botenstoffe regen die Keratinozyten an, sich schneller zu vermehren. Wegen der Entzündung und stärkeren Durchblutung ist die Haut oft gerötet.
Risikofaktoren
Schuppenflechte ist vor allem genetisch bedingt: Der größte Risikofaktor ist eine familiäre Veranlagung.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an Psoriasis erkrankt, liegt bei etwa 15 %, wenn ein Elternteil betroffen ist und bei etwa 40 %, wenn beide Elternteile betroffen sind.
Einen zuverlässigen Test, der vorhersagen kann, ob jemand Psoriasis entwickelt, gibt es nicht. Vorbeugen lässt sich der Erkrankung nicht.
Häufigkeit
Schätzungsweise 2 % der Bevölkerung haben eine Schuppenflechte – bezogen auf Deutschland also über 1,5 Millionen Menschen. Männer und Frauen erkranken ähnlich häufig.
Oft tritt eine Schuppenflechte vor dem 40. Geburtstag auf, häufig im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Man spricht dann auch von Psoriasis Typ 1. Eine Psoriasis Typ 2 entwickelt sich meist erst zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.
Verlauf
Wie eine Schuppenflechte verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Es kann Zeiten geben, in denen die Beschwerden besonders stark und belastend sind, und Zeiten ohne oder mit nur leichten Hautproblemen. Manche Menschen haben allerdings eine dauerhaft stark ausgeprägte Schuppenflechte.
Psoriasis-Schübe können durch bestimmte Reize ausgelöst werden, etwa durch Sonnenbrand, zu heißes Duschen, bestimmte Chemikalien oder kleine Hautverletzungen, etwa durch Kratzen, Tätowierungen oder Piercings.
Auch psychischer Stress, Infektionen sowie Nikotin oder zu viel Alkohol können einen Schub anstoßen. Für manche Medikamente wie zum Beispiel bestimmte Malaria-Mittel wird dies ebenfalls vermutet.
Folgen
Bei Schuppenflechte kommt es zu einer Autoimmunreaktion, die sich nicht nur auf die Haut, sondern auch auf andere Bereiche des Körpers auswirken kann: Bei schätzungsweise 25 % aller Menschen mit Psoriasis entzünden sich auch die Gelenke. Man spricht dann von einer Psoriasis Arthritis. Bei Verdacht auf eine Psoriasis Arthritis ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Je früher eine Gelenkentzündung erkannt wird, desto besser ist sie behandelbar und umso eher lassen sich Gelenkschäden vermeiden.
Eine Schuppenflechte kann psychisch belastend sein – manchmal so sehr, dass sich eine Depression oder Angsstörungen entwickelt. Dann kann eine gezielte Behandlung sinnvoll sein, zum Beispiel in Form einer Psychotherapie .
Studien zeigen außerdem, dass Menschen mit Schuppenflechte ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Es wird vermutet, dass die Autoimmunreaktionen Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen begünstigen. Zudem tritt Psoriasis häufig zusammen mit Bluthochdruck , Diabetes , ungünstigen Cholesterinwerte oder starkem Übergewicht auf.
Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kommen bei Menschen mit Schuppenflechte etwas häufiger vor: In einer Studie, an der etwa 1700 Menschen mit Psoriasis teilnahmen, hatten knapp 2 % eine entzündliche Darmerkrankung.
Nur sehr selten verursacht eine Schuppenflechte lebensbedrohliche Komplikationen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. So kann sich Psoriasis auf den gesamten Körper ausweiten und dann zu einer Blutvergiftung und Herzversagen führen. Man spricht dann von einer erythrodermen Psoriasis (erythroderm, griech. = rote Haut). Anzeichen hierfür sind Fieber , Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, angeschwollene Lymphknoten und großflächige rote Hautausschläge.
Diagnose
Hautärztinnen und -ärzte erkennen eine Schuppenflechte in der Regel an den typischen Hautveränderungen. Bei unklarem Befund entnehmen und untersuchen sie manchmal eine kleine Hautprobe. Dies kann zum Beispiel bei Psoriasis inversa sinnvoll sein: Sie tritt nur in den Hautfalten auf, bildet nur selten Schuppen und wird daher manchmal mit einer Pilzinfektion verwechselt. Durch die Untersuchung einer Hautprobe lässt sich dies ausschließen.
Nagelpsoriasis wird manchmal mit einer Pilzinfektion der Nägel verwechselt. Die beiden Erkrankungen können auch zusammen auftreten. Ob ein Nagel mit Pilzen befallen ist, kann durch die Untersuchung einer Nagelprobe festgestellt werden.
Bei der Untersuchung wird auch der Schweregrad der Schuppenflechte eingeschätzt. Er hängt unter anderem von der Größe der betroffenen Hautoberfläche ab: Bei einer leichten Psoriasis sind höchstens 3 bis 5 % der Körperoberfläche betroffen, bei einer mittelschweren 5 bis 10 % und bei einer schweren Psoriasis mehr als 10 %.
Von einer mittelschweren oder schweren Psoriasis spricht man außerdem, wenn
- der Kopf, die Hände, Nägel, Füße oder empfindliche Körperstellen wie die Geschlechtsteile betroffen sind oder
- die Lebensqualität eines Menschen stark beeinträchtigt ist.
Behandlung
Zur Behandlung einer Schuppenflechte gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Hautpflege (Basistherapie): Die Pflege der veränderten Hautstellen mit rückfettenden Salben, Cremes oder Lotionen hält die Haut geschmeidig, schützt sie vor Verletzungen und lindert Juckreiz. Manche Produkte enthalten auch Wirkstoffe, die gegen die Hautschuppung helfen sollen, wie Harnstoff (Urea) oder Salicylsäure. Eine gute Hautpflege wird auch in Phasen ohne Hautprobleme empfohlen.
- Medikamente zum Auftragen (topische Therapien) reichen bei leichter Schuppenflechte in der Regel aus. Geeignet sind Cremes, Salben, Lotionen oder Schaum mit Kortison und sogenannte Vitamin-D3-Analoga.
- Lichttherapien kommen bei mittelschwerer oder schwerer Psoriasis infrage, insbesondere wenn eine äußerliche Behandlung allein nicht ausreicht. Dabei werden die Plaques mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) bestrahlt. Das UV-Licht hemmt die Entzündung in der Haut und verlangsamt die Zellteilung. Manchmal werden dabei Medikamente eingesetzt, die die Haut lichtempfindlicher machen (Psoralene).
- Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen kommen bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis infrage. Die Medikamente hemmen die Abwehrreaktionen des Immunsystems. Zu diesen Mitteln gehören Apremilast, Ciclosporin, Fumarsäureester, Methotrexat (MTX) und sogenannte Biologika.
Für andere Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie bei Psoriasis helfen. Dies gilt für pflanzliche Arzneimittel, wie zum Beispiel Extrakte aus der gewöhnlichen Mahonie (Mahonia aquifolium), Birkenrinde oder Aloe vera und für Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl oder Omega-3-Fettsäuren. Sie werden von medizinischen Fachgesellschaften deshalb nicht zur Behandlung von Schuppenflechte empfohlen.
Einzelne Studien weisen darauf hin, dass bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme die Hautbeschwerden lindern kann. Dabei können verschiedene Behandlungen helfen.
Manchmal wird behauptet, dass sich Psoriasis-Beschwerden durch eine Mandelentfernung lindern lassen. Es gibt aber keine Studien, die zeigen, dass sich Psoriasis durch eine Mandelentfernung heilen oder vorbeugen lässt. Da eine Mandelentfernung Komplikationen haben kann wie zum Beispiel Infektionen, Blutungen und Stimmveränderungen, wird diese Behandlung normalerweise nicht empfohlen.
Leben und Alltag
Eine Schuppenflechte kann sehr belastend sein. Die Hautpflege und die mitunter zahlreichen Behandlungen mit den Alltagsverpflichtungen, dem Beruf, der Familie und Freizeit zu vereinbaren, ist für viele eine Herausforderung. Oft ist der Juckreiz auch nachts so stark, dass es zu Schlafproblemen kommt und man tagsüber häufig müde und erschöpft ist.
Obwohl die Erkrankung weit verbreitet ist, kommt es immer noch vor, dass Menschen mit Schuppenflechte gemieden werden – zum Beispiel, weil andere die Hautkrankheit irrtümlich für ansteckend halten. Alltägliche Dinge wie der Besuch beim Friseur können dadurch sehr belasten.
Ängste vor den Reaktionen anderer können die Lebensqualität beeinträchtigen und führen bei manchen Menschen dazu, dass sie sich zurückziehen. Viele Menschen mit Schuppenflechte empfinden den Austausch mit anderen Betroffenen als hilfreich. In Selbsthilfegruppen zum Beispiel ist es möglich, sich über Gefühle, Erfahrungen und praktische Probleme auszutauschen, die Menschen ohne Psoriasis oft nur schwer nachvollziehen können.
Schwindel
Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das sich in einer Störung der räumlichen Orientierung und/oder des Gleichgewichtssinns äußert: Es scheint, als schwanke oder als drehe sich der eigene Körper oder der umgebende Raum. Schwindel kann vielfältige Ursachen haben, unter anderem Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, des Gehirns, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch psychische Ursachen.
Krankheitszeichen (Symptome)
Schwindel kann sich auf vielfältige Weise äußern. Das Hauptmerkmal ist der Eindruck von Scheinbewegungen: das Gefühl, der Grund schwanke oder die Umgebung bewege sich. Abhängig von der Bewegungsrichtung der Scheinbewegungen werden unterschiedliche Schwindelarten unterschieden, zum Beispiel Drehschwindel oder Schwankschwindel.
Bei Drehschwindel haben Betroffene den Eindruck, dass sich die Welt um sie herum dreht. Das Gefühl ist dem ähnlich, dass viele Menschen nach einer rasanten Karussellfahrt haben. Drehschwindel tritt zum Beispiel bei vielen Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans auf.
Der Schwankschwindel ist vor allem durch Gang- oder Standunsicherheit geprägt. Die Betroffenen glauben zu schwanken, oder sie nehmen ihre Umgebung als schwankend wahr, ähnlich wie auf einem Schiff. Schwankschwindel tritt begleitend bei verschiedenen Erkrankungen auf, zum Beispiel bei Schädigungen von Kleinhirn oder Hirnstamm, aber auch bei psychisch bedingtem Schwindel.
Neben diesen Schwindelformen werden aber auch unsystematische Störungen des Gleichgewichts oder der Wahrnehmung von Betroffenen häufig als Schwindel beschrieben. Beim sogenannten Benommenheitsschwindel haben Betroffene zum Beispiel das Gefühl, sie sähen die Welt durch eine matte Glasscheibe, als würden sie ohnmächtig, oder sie fühlen sich wie betrunken. Diese Schwindelform tritt häufig bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder als Medikamentennebenwirkung auf.
Schwindel kann sich in vorübergehenden Attacken äußern oder auch dauerhaft auftreten. Der sogenannte gutartige Lagerungsschwindel zum Beispiel ist durch einige Sekunden bis Minuten anhaltende Schwindelattacken charakterisiert. Bei anderen Erkrankungen hält der Schwindel Stunden, Tage oder Wochen an. Manchmal lösen bestimmte Bewegungen wie Kopfdrehung oder Änderung der Körperposition den Schwindel aus, oder er wird durch bestimmte Situationen verursacht, zum Beispiel im Aufzug oder in einer Menschenmenge.
Häufig geht Schwindel mit anderen Beschwerden einher wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit und Ohnmachtsgefühlen, Hörproblemen, Ohrgeräuschen, Fieber, Müdigkeit, Schlappheit, Herzstolpern oder Atemnot. Das Vorliegen weiterer Symptome kann Rückschlüsse auf die Schwindelursache ermöglichen.
Schwindel hat viele Auslöser. An der Steuerung von Gleichgewicht und Koordination sind unter anderem das Sehen, die Körpereigenwahrnehmung, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und das Gehirn beteiligt. Ein Schwindel kann auftreten, wenn eines der genannten Systeme gestört ist.
Wird eine Schwindelsymptomatik durch eine Störung des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan) im Innenohr verursacht, wird dies als peripher-vestibulärer Schwindel bezeichnet. Zu den häufigsten Störungen im Gleichgewichtsorgan zählen die Folgenden:
- Der gutartige Lagerungsschwindel (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel) ist eine harmlose Erkrankung und eine der häufigsten Schwindelursachen im Erwachsenenalter. Dabei reizen kleine Ablagerungen in den flüssigkeitsgefüllten Räumen des Gleichgewichtsorgans die Sinneszellen und lösen bei bestimmten Kopfbewegungen (zum Beispiel beim Hinlegen oder Aufstehen, beim Schulterblick während des Autofahrens) kurzzeitige starke Drehschwindelattacken aus. Charakteristischerweise halten die Attacken Sekunden bis wenige Minuten an und können von Übelkeit oder Erbrechen begleitet sein. Andere neurologische Symptome oder Hörstörungen treten nicht auf.
- Der akute einseitige Ausfall des Gleichgewichtsorgans (Neuropathia vestibularis oder Neuronitis vestibularis) ist eine Erkrankung, bei der ein Tage bis Wochen anhaltender Dauerdrehschwindel mit Übelkeit, Erbrechen sowie Gang- und Standunsicherheit auftreten kann. Die Ursache dieser Erkrankung ist noch nicht vollständig geklärt, vermutet wird ein Zusammenhang mit viralen Infekten. Die Symptomatik bildet sich in der Regel komplett zurück.
- Die Menière-Krankheit ist durch eine Kombination von Schwindelanfällen, Ohrgeräuschen (Tinnitus) und Schwerhörigkeit charakterisiert, wobei nicht alle Symptome zwangsläufig gleichzeitig bestehen. Die Schwindelattacken halten oft 20 Minuten oder länger an und gehen meist mit Übelkeit und Erbrechen einher. Bei der Menière-Krankheit besteht eine Störung des Flüssigkeitshaushaltes im Innenohr; die Ursache dieser Veränderungen ist bisher nicht bekannt.
- Seltenere peripher-vestibuläre Schwindelursachen sind zum Beispiel die sogenannte Vestibularisparoxysmie, bei der der Gleichgewichtsnerv durch eine Blutgefäßschlinge gereizt wird, oder eine krankhafte Verbindung zwischen Innen- und Mittelohr (Perilymphfistel) als Folge eines Unfalls oder einer anderen Ohrerkrankung.
Schwindel durch Schädigungen im Gehirn
Wenn eine Schwindelsymptomatik durch eine Schädigung der Bereiche im Gehirn verursacht wird, die für die Gleichgewichtskoordination zuständig sind, spricht man von einem zentral-vestibulären Schwindel. Hier spielen vor allem das Kleinhirn und der Hirnstamm eine wichtige Rolle. Ursächlich kommen zum Beispiel Durchblutungsstörungen (Schlaganfall), entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (unter anderem Multiple Sklerose), Blutungen oder einen Tumor infrage. Auch eine bestimmte Form der Migräne, die Basilarismigräne oder vestibuläre Migräne, kann mit einer Schwindelsymptomatik einhergehen und gehört zu den zentral-vestibulären Schwindelformen.
Andere Schwindelursachen
Sehstörungen oder zum Beispiel eine neue Brille können durch die veränderte Wahrnehmung zu einer Schwindelsymptomatik führen. Auch eine gestörte Körpereigenwahrnehmung kann sich in Schwindelgefühlen und Gangunsicherheit äußern, wenn das Gehirn unzureichende Informationen von Muskeln und Gelenken erhält, um die Bewegungen gezielt zu koordinieren. Eine Störung der Körpereigenwahrnehmung kann bei einer Nervenschädigung (Polyneuropathie) auftreten, wie sie zum Beispiel bei einer Zuckerkrankheit, durch langjährigen Alkoholkonsum oder im Alter vorkommt.
Häufig spielen auch psychische Ursachen für eine Schwindelwahrnehmung eine Rolle (sogenannter phobischer Schwankschwindel oder funktioneller Schwindel). Der psychisch bedingte Schwindel geht oft mit starker Angst und großem Leidensdruck einher. Er kann durch belastende Situationen ausgelöst werden, tritt aber auch häufig infolge einer Störung des Gleichgewichtsorgans auf, nachdem die eigentliche Symptomatik abgeklungen ist.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen − zum Beispiel eine Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck − können ebenfalls Schwindelsymptome verursachen. Diese äußern sich meist in Form eines Benommenheitsschwindels.
Darüber hinaus ist Schwindel eine häufige Nebenwirkung von Medikamenten, zum Beispiel von Blutdruckmedikamenten oder von Beruhigungsmitteln.
Gerade bei älteren Menschen kommen oft viele Faktoren zusammen, die zu einem Schwindelgefühl führen. Die einzelnen Bereiche sind dabei häufig nur leicht beeinträchtigt – nachlassende Seh- und Muskelkraft, leichte Polyneuropathie, leichte Durchblutungsstörungen im Gehirn, Einnahme verschiedener Medikamente. Zusammengenommen können sie den Betroffenen aber stark beeinträchtigen. Diese Schwindelform wird als „komplexer Schwindel“, „Schwindel im Alter“ oder „multifaktorieller Schwindel“ bezeichnet.
Auch Erkrankungen der Halswirbelsäule, wie Blockierungen oder ein Schleudertrauma können schwindel-ähnliche Beschwerden auslösen (zervikogener Schwindel). Dabei handelt es sich um einen ungerichteten Schwindel (Schwankschwindel, Taumel).
Nicht jeder Schwindel ist krankhaft: Schwindel kann auch ein „Schutzmechanismus“ des Körpers sein, er meldet dem Gehirn eine eventuelle Gefahrsituation. Auslöser dafür sind zum Beispiel schnell wechselnde Bewegungen und Beschleunigung (Karussell, Seekrankheit) oder große Höhen.
Diagnostik eines Schwindels
Wie wird Schwindel diagnostiziert?
Der Schlüssel zur Diagnose ist eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Bei charakteristischen Beschwerden kann auf dieser Basis bereits häufig eine Diagnose gestellt werden.
Wichtige Unterscheidungskriterien der verschiedenen Schwindelsyndrome sind:
- Art des Schwindels: Drehschwindel, Schwankschwindel oder Benommenheitsschwindel
- Dauer des Schwindels: Schwindelattacken über Sekunden, Minuten, Stunden bis Tage oder Dauerschwindel
- Auslöser/Verstärker des Schwindels: bereits in Ruhe, beim Gehen oder durch bestimmte Bewegungen
- Begleitsymptome
Darüber hinaus werden Medikamenteneinnahme und Vorerkrankungen erfragt.
Bei der körperlichen Untersuchung werden zum Beispiel Koordination, Gang- und Standsicherheit, Reflexe, Sensibilität und die Augenbewegungen geprüft. Bei vielen peripher- oder zentral-vestibulären Schwindelformen kann der Arzt oder die Ärztin bei der Untersuchung ein charakteristisches Augenflackern (Nystagmus) feststellen. Darüber hinaus gibt es verschiedene klinische Tests zur Funktion des Gleichgewichtsorgans.
Die Durchführung zusätzlicher Diagnostik hängt von der vermuteten Schwindelursache ab. Bei Verdacht auf einen zentralen Schwindel kann eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes oder eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der hirnversorgenden Blutgefäße erfolgen. Die Funktion des Gleichgewichtorgans kann durch eine sogenannte kalorische Testung geprüft werden, bei der das Gleichgewichtsorgan durch kalte und warme Spülungen des Gehörgangs stimuliert wird. Durch eine Hörprüfung können begleitende Hörstörungen festgestellt werden. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Herz-Kreislauf-Erkrankung können Blutdruck- und Herzuntersuchungen durchgeführt werden.
Die erste Anlaufstelle bei Schwindelsymptomen ist in der Regel die Hausarztpraxis. Je nach Verdachtsdiagnose können gegebenenfalls weitere Fachgebiete hinzugezogen werden. Infrage kommen hier Fachärzte und Fachärztinnen für Erkrankungen des Nervensystems (Neurologie), Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Innere Medizin oder Herzerkrankungen (Kardiologie). Auch eine augenärztliche, orthopädische oder psychiatrische bzw. psychologische Abklärung kann sinnvoll sein. Für ältere Menschen mit chronischem Schwindel kann auch ein Arzt oder eine Ärztin mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie ein Ansprechpartner sein; diese Facharztgruppe ist auf die Behandlung älterer Menschen spezialisiert.
Einige Kliniken bieten spezielle Schwindelsprechstunden an, in denen die verschiedenen Fachrichtungen gegebenenfalls zusammenarbeiten.
Therapie eines Schwindels
Welche Behandlungsformen gibt es?
Schwindel ist keine Diagnose, sondern ein Symptom und muss abhängig von der Ursache individuell behandelt werden. Die Behandlung verschiedener Schwindelformen umfasst dabei unter anderem Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie und selten operative Verfahren.
Häufig bessert sich eine Schwindelsymptomatik nach einiger Zeit von alleine, der Körper lernt, die „Fehlinformationen“, die zum Schwindel führen, auszugleichen. Physiotherapeutische Übungen zum Koordinations- und Gleichgewichtstraining können die Anpassung unterstützen und sind bei vielen Schwindelformen hilfreich.
Zur rein symptomatischen Behandlung, also zur Linderung der Schwindelsymptome unabhängig von der Ursache, stehen bestimmte Medikamente zur Verfügung, sogenannte Antivertiginosa. Diese beeinträchtigen jedoch die Möglichkeit des Körpers, den Schwindel selbst auszugleichen, und können mit Nebenwirkungen einhergehen. Ihre Anwendung wird daher nur über wenige Tage bei einer akuten, schweren Schwindelsymptomatik empfohlen. Begleitende Übelkeit kann durch entsprechende Medikamente gelindert werden.
Im Handel sind darüber hinaus verschiedene pflanzliche Arzneimittel gegen Schwindel erhältlich, deren Wirksamkeit jedoch häufig nicht ausreichend durch Studien belegt ist.
Bei chronischem Schwindel ist unter Umständen eine Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln (zum Beispiel Rollator) sinnvoll, um Stürze und Verletzungen zu vermeiden.
Je nach Ursache des Schwindels kommen weitere therapeutische Maßnahmen infrage, zum Beispiel sogenannte Lagerungsmanöver bei gutartigem Lagerungsschwindel. Diese bestehen aus festgelegten Bewegungsfolgen (zum Beispiel Kopf- und Rumpfdrehungen oder Wechsel von Liegen und aufrecht sitzender Position), durch die die störenden Ablagerungen in Regionen verlagert werden sollen, in denen sie keinen Schwindel hervorrufen. Bei phobischem Schwankschwindel können zum Beispiel Psychotherapie oder angstlösende Medikamente eingesetzt werden, bei der Neuropathia vestibularis Kortisonpräparate und beim Morbus Menière bestimmte Medikamente zur Anfallsprophylaxe.
Sodbrennen und Refluxkrankheit
Viele Menschen kennen Sodbrennen - brennenden Schmerz, der vom Oberbauch bis in den Hals ausstrahlt. Bei einer Refluxkrankheit sind solche Beschwerden jedoch häufig und stark. Schluckbeschwerden oder ein schlechter Geschmack im Mund können dazukommen. Lesen Sie, wie man eine Refluxkrankheit in den Griff bekommt.
Auf einen Blick
Nach einer üppigen Mahlzeit haben viele Menschen schon einmal Sodbrennen, ein unangenehmes Brennen hinter dem Brustbein. Auch nach dem Essen manchmal aufzustoßen, ist normal. In den westlichen Ländern haben bis zu 20 von 100 Menschen immer wieder Beschwerden wie Sodbrennen oder Aufstoßen. Beides kann zwar unangenehm sein, hat aber gewöhnlich keine weiteren Folgen. Wer allerdings sehr häufiges oder starkes Sodbrennen hat und oft aufstößt, könnte eine Refluxkrankheit haben. Sie wird auch „gastroösophageale Refluxerkrankung“, kurz GERD, genannt. Der Begriff „gastroösophageal“ bedeutet, dass der Magen und die Speiseröhre betroffen sind.
Normalerweise ist der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen geschlossen. Er öffnet sich nur, wenn dort mit Speichel vermischte Nahrung angelangt ist. Hat der Magen die Nahrung aufgenommen, verschließt er sich wieder, damit der Mageninhalt nicht zurückfließt.
Wenn der Magen stark gedehnt wird, beispielsweise nach üppigem Essen, kann es vorkommen, dass sich der Verschluss am Mageneingang vorübergehend lockert. Dann lässt er mitunter Luft oder etwas Mageninhalt nach oben durch. Manchmal öffnet sich der Verschluss auch ohne erkennbaren Anlass. Der aufsteigende Magensaft reizt die Schleimhaut der Speiseröhre, was sich als Sodbrennen bemerkbar macht. Wenn Magensaft länger auf die Schleimhaut der Speiseröhre einwirkt, kann sie sich entzünden und schmerzen.
Symptome
Bei einigen Menschen fließt oft oder vergleichsweise viel Mageninhalt in die Speiseröhre zurück. Von einer Refluxkrankheit spricht man, wenn dieser Rückfluss dazu führt, dass häufiges oder starkes Sodbrennen oder Aufstoßen die Lebensqualität beeinträchtigt oder die Speiseröhre sich entzündet hat.
Sodbrennen äußert sich als brennendes Gefühl, das vom Oberbauch oder aus der Region hinter dem Brustbein nach oben zum Hals strahlt. Neben Aufstoßen und Sodbrennen kann eine Refluxkrankheit auch mit Schluckbeschwerden einhergehen. Weitere mögliche Beschwerden sind ein Brennen im Rachen, ein schlechter Geschmack im Mund und Magengeräusche. Oft kommen ein starkes Völlegefühl, teilweise auch Übelkeit und Brechreiz hinzu.
Eine Refluxkrankheit kann außerdem zu Beschwerden wie etwa Reizhusten, Asthmaanfällen , belegter Stimme und Heiserkeit oder Zahnschmerzen führen. Sie treten auf, wenn der zurücklaufende Magensaft in die Luftröhre gerät und die Atemwege reizt, oder bis in den Mund aufsteigt und die Zähne angreift.
Ursachen und Risikofaktoren
Kurz vor der Magenöffnung verengt sich die Speiseröhre. Diese Engstelle wird normalerweise von Muskeln der Speiseröhre und des Zwerchfells verschlossen. Bei der Refluxkrankheit funktioniert dieser „Verschluss“ nicht richtig. Woran dies liegt, bleibt oft unklar.
Bei manchen Menschen ist ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) die Ursache. Das Zwerchfell ist eine Muskelplatte, die Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Die Speiseröhre zieht von oben durch eine schmale Lücke im Zwerchfell und mündet direkt dahinter in den Magen. Bei einem Zwerchfellbruch rutscht der Magen durch die entstandene Lücke ein Stück nach oben in den Brustraum. Dadurch kann das Zwerchfell den Verschluss am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr unterstützen.
Es wird diskutiert, ob auch Übergewicht, Rauchen und Alkohol den Verschluss beeinträchtigen oder zu Reflux und Sodbrennen beitragen können. Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass Stress ihre Beschwerden auslöst oder verstärkt – oder der Verzehr bestimmter Lebensmittel. Die Beschwerden können auch nach körperlicher Anstrengung sowie durch eine bestimmte Körperhaltung zunehmen, etwa beim Vorbeugen oder Hinlegen.
Möglicherweise werden Refluxbeschwerden und Sodbrennen auch durch eine Störung der Speiseröhre verursacht – etwa wenn die Speiseröhre den aufsteigenden Magensaft nicht schnell genug in den Magen zurückbefördert oder sehr empfindlich reagiert. Auch Medikamente wie bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck und die „Pille“ können die Beschwerden verstärken.
Verlauf
Eine Refluxkrankheit bleibt meist dauerhaft bestehen und tritt in der Regel in Schüben auf. Das heißt, beschwerdefreie Phasen und Zeiten mit stärkerem Sodbrennen und anderen Beschwerden wechseln sich ab.
Nicht immer entzündet sich die Speiseröhre: Bei bis zu 2 von 3 Personen mit Reflux-Symptomen ist die Schleimhaut der Speiseröhre nicht angegriffen.
Folgen
Viele Menschen mit Reflux und Sodbrennen machen sich Sorgen über mögliche Komplikationen. Normalerweise schreitet die Krankheit aber nicht fort. Sie kann manchmal dazu führen, dass sich am unteren Ende der Speiseröhre die Schleimhaut verändert. Diese Veränderung wird „Barrett-Ösophagus“ genannt. Nach Schätzungen entsteht sie bei 5 von 100 Personen mit Reflux im Laufe der Jahre.
Bei einem Barrett-Ösophagus ist das Risiko für Speiseröhrenkrebs etwas erhöht. Von 1000 Personen mit Reflux erkranken in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise an Speiseröhrenkrebs:
- höchstens eine Person ohne Barrett-Ösophagus, aber
- zehn Personen mit Barrett-Ösophagus.
Eine Verengung der Speiseröhre ist eine weitere mögliche Komplikation. Sie entsteht, wenn eine stärkere Entzündung der Speiseröhre eine Narbe hinterlassen hat. Das Narbengewebe kann die Öffnung der Speiseröhre einengen und das Schlucken teils deutlich erschweren.
Diagnose
Die Erkrankung lässt sich an den typischen Symptomen erkennen. Daher ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt die Beschwerden genau zu beschreiben und zu sagen, wann und wie häufig sie auftreten. Bei einem Verdacht auf Refluxkrankheit kann eine Probebehandlung gemacht werden. Dazu nimmt man zwei Wochen ein Medikament ein, das die Magensäure hemmt (Protonenpumpenhemmer). Wenn die Medikamente die Beschwerden lindern können, handelt es sich sehr wahrscheinlich tatsächlich um eine Refluxkrankheit.
Behandlung
Menschen mit starkem Sodbrennen oder einer Refluxkrankheit hilft es manchmal, einige Gewohnheiten zu verändern, zum Beispiel auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten oder weniger Alkohol zu trinken. Dies ist nicht immer leicht, kann sich aber lohnen. Darüber hinaus gibt es Medikamente, die die Beschwerden lindern können. Reicht dies nicht aus, kann eine Operation eine Möglichkeit sein.
Leben und Alltag
Reflux und Sodbrennen können eine starke Belastung sein. Die Beschwerden können den Schlaf stören und dazu führen, dass man Essen und Trinken nicht mehr richtig genießen kann. Eine Refluxkrankheit kann das allgemeine Wohlbefinden und das tägliche Leben beeinträchtigen. Manche Menschen ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und melden sich häufig krank.
Eine Behandlung ist zwar nicht immer angenehm und kann Geduld erfordern. Doch viele Betroffene berichten, dass es ihnen anschließend besser geht und sie ihre Erkrankung als weniger belastend empfinden.
Verengung des Wirbelkanals-Spinalkanalstenose
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Der Begriff Spinalkanalstenose bezeichnet eine Einengung (Stenose) des Wirbelkanals (Spinalkanal). Sie tritt vor allem im unteren Rücken (Lumbalstenose) oder Halsbereich (Zervikalstenose) auf und ist meist durch Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule bedingt. Bei vielen Menschen, die ein höheres Lebensalter haben, werden Spinalkanalstenosen bei bildgebenden Untersuchungen beschrieben – etwa bei der Magnetresonanztomografie (MRT) oder der Computertomografie (CT). Sie verursachen häufig keine Beschwerden. Wenn sie symptomatisch wird, kann sie Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in Arme oder Beine, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen verursachen. Behandelt wird eine Spinalkanalstenose vor allem mit Physiotherapie, Schmerzmedikamenten und, falls erforderlich, mit einer Operation.
Krankheitszeichen
Bei der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule stehen chronische, langsam fortschreitende Schmerzen im unteren Rücken im Vordergrund, die in Gesäß und Beine ausstrahlen. Auch Sensibilitätsstörungen und Lähmungen in den Beinen können hinzukommen. Die Beschwerden treten vor allem beim Gehen und Stehen auf. Sie bessern sich häufig bei Bewegungen, die der Krümmung der Lendenwirbelsäule entgegenwirken (Entlordosierung), zum Beispiel beim Vorwärtsbeugen, im Liegen oder beim Fahrradfahren.
Eine lumbale Spinalkanalstenose führt häufig zu einem charakteristischen Gangbild: Betroffene bleiben nach einer relativ kurzen Gehstrecke wegen der Schmerzen stehen, verharren wenige Minuten in gebückter Position und können dann wieder eine kurze Strecke gehen (Claudicatio spinalis = rückenschmerzbedingtes Hinken). Selten kommt es zu Blasenentleerungsstörungen.
Eine Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule kann zu ausstrahlenden Schmerzen, Lähmungen und Sensibilitätsstörungen der Arme führen. Wenn das Rückenmark durch die Enge geschädigt wird (zervikale Myelopathie), können auch die Beine mitbetroffen sein und zum Beispiel Gangstörungen hinzukommen.
Ursachen
Eine Spinalkanalstenose entsteht am häufigsten infolge von Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Mit zunehmendem Lebensalter oder durch starke Belastung kommt es zu Verknöcherungen und anderen Veränderungen im Bereich der Wirbelkörper, der kleinen Wirbelgelenke oder der Bänder, die die Wirbelsäule stabilisieren. Durch diese Veränderungen kann der Spinalkanal an einzelnen Stellen oder auch langstreckig eingeengt werden. Aber auch nach Verletzungen der Wirbelsäule oder bei angeborenen Wirbelkörperfehlbildungen kann eine Spinalkanalstenose auftreten.
Diagnostik der Spinalkanalstenose
Die Diagnose wird vor allem anhand der charakteristischen klinischen Symptomatik und der körperlichen Untersuchung gestellt. Hierbei untersucht der Arzt oder die Ärztin zum Beispiel die Reflexe, die Muskelkraft in Armen und Beinen und die Gefühlswahrnehmung.
In bildgebenden Verfahren kann die Enge des Spinalkanals dargestellt werden. Die genaueste Darstellung ist mit einem MRT möglich, aber auch CT und Röntgen werden eingesetzt. Wichtig ist jedoch: Spinalkanalstenosen werden bei vielen Menschen im höheren Lebensalter in diesen bildgebenden Verfahren gesehen, ohne dass sie Beschwerden verursachen. Wenn in einem MRT oder CT eine Spinalkanalstenose beschrieben wird hat das an sich keinen Krankheitswert - eine solche Stenose ist nur relevant, wenn sie mit entsprechenden Symptomen einhergeht. Und auch dann muss kritisch geprüft werden, ob die Beschwerden tatsächlich durch die Stenose erklärbar sind oder vielleicht andere Ursachen haben.
Ansprechpartner für die Diagnostik und Therapie einer Spinalkanalstenose sind vor allem Fachärzte und Fachärztinnen für Neurologie, Orthopädie oder Neurochirurgie. Aber auch Ärzte und Ärztinnen für physikalische Medizin können an der Behandlung mitwirken. Diese Facharztgruppe ist auf die konservative Behandlung chronischer Schmerzen des Bewegungsapparates spezialisiert. Ärzte und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen können darüber hinaus die Zusatzqualifikation „Spezielle Schmerztherapie“ durch eine Weiterbildung erwerben. Bei chronischen Schmerzen kann es sinnvoll sein, Ärzte und Ärztinnen mit dieser Zusatzqualifikation hinzuzuziehen.
Einige Kliniken bieten Spezialsprechstunden für Wirbelsäulenerkrankungen an, in denen unterschiedliche Fachrichtungen zusammenarbeiten. Darüber hinaus zertifiziert die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft Einrichtungen, die sich auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisierthaben, nach festgelegten Qualitätskriterien. Die zertifizierten Wirbelsäulenzentren sind auf der Internetseite der Fachgesellschaft verzeichnet.
Therapie der Spinalkanalstenose
Auch ohne Behandlung schreitet eine Spinalkanalstenose nicht zwangsläufig fort: Die Beschwerden können über lange Zeit gleichbleiben oder sich zurückbilden.
Um die Beschwerden zu lindern, wird eine Spinalkanalstenose in der Regel zunächst konservativ mit Physiotherapie und Schmerztherapie behandelt. Ausnahmen stellen schwere Symptome wie Störungen der Harnblasenfunktion oder starke Lähmungen dar, dann kann direkt eine Operation erforderlich sein. Physiotherapie stabilisiert die Muskeln und entlastet damit die Wirbelsäule. Zur Schmerzbehandlung werden Medikamente eingesetzt, die je nach Beschwerden stufenweise gesteigert werden können. Auch entzündungshemmende Medikamente können zum Einsatz kommen. Manchmal werden diese direkt in die Nähe der Wirbelsäule eingespritzt. Darüber hinaus können physikalische Therapieverfahren unterstützend eingesetzt werden, zum Beispiel Wärmetherapie, Bäder oder Elektrotherapie.
Führt die konservative Therapie nicht zu ausreichender Besserung der Beschwerden, kann eine Operation erwogen werden. Ziel der Operation ist eine Entlastung durch die Erweiterung des Spinalkanals. Viele Verfahren können als sogenannte minimalinvasive Operation durchgeführt werden, bei der die Instrumente durch kleine Hautschnitte eingeführt werden. Bei der Operation wird das Dach des Spinalkanals entfernt (Laminektomie) oder gefenstert. Wenn erforderlich, wird die Wirbelsäule zusätzlich stabilisiert, zum Beispiel durch Knochenanlagerung oder Schrauben.
Es gibt wenige zuverlässige Daten, welches therapeutische Vorgehen langfristig die besseren Ergebnisse erzielt. Die Entscheidung müssen die Betroffenen individuell gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und Ärztinnen gemeinsam mit den Betroffenen zu treffen, unter anderem unter Berücksichtigung des individuellen Operationsrisikos (Alter, Begleiterkrankungen) und den Wünschen des Patienten oder der Patientin. Die Operation bei einer Spinalkanalstenose ist in der Regel nicht dringlich, sodass die Entscheidung in Ruhe getroffen werden kann.
Tiefe Venenthrombose (TVT)
Zu einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es, wenn sich in den Venen ein Blutgerinnsel bildet. Es kann Beschwerden wie Druckempfindlichkeit, Hautrötung, eine Schwellung am Unterschenkel oder eine Erwärmung im betroffenen Bereich verursachen. Oft löst eine TVT aber auch gar keine Symptome aus.
Auf einen Blick
Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich das Blutgerinnsel in einer der größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Venen. Die meisten tiefen Venenthrombosen entstehen im Bein.
Kleine Thrombosen bleiben oft unbemerkt und lösen sich von selbst wieder auf. Größere Gerinnsel können den Blutfluss behindern und Schmerzen und Schwellungen verursachen. Eine TVT muss schnell behandelt werden, um Schäden an den Venen zu verhindern und Komplikationen wie einer Embolie in der Lunge vorzubeugen.
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für tiefe Venenthrombosen vorübergehend oder dauerhaft: Es steigt zum Beispiel nach großen Operationen, wie dem Einsatz eines künstlichen Knie - oder Hüftgelenks . Nach solchen Eingriffen ist es daher üblich, gerinnungshemmende Medikamente anzuwenden.
Symptome
Typische Anzeichen einer tiefen Venenthrombose sind:
- Schmerzen im Bein oder in der Hüfte
- Druckempfindlichkeit
- Schwellungen und Spannungsgefühle
- warme, gerötete Haut
- Muskelkrämpfe
Die Beschwerden betreffen meist nur ein Bein, da Thrombosen in der Regel einseitig auftreten.
Wie sich eine Thrombose äußert, hängt auch davon ab, wo das Blutgerinnsel die Vene verschließt: im Bereich der Wade, der Kniekehle, im Oberschenkel oder im Becken. Bei einer Thrombose unterhalb des Knies sind die Beschwerden normalerweise auf den Unterschenkel beschränkt. Eine höher liegende oder ausgedehntere Thrombose kann dagegen auch im Oberschenkel oder Becken Beschwerden auslösen.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Blutgerinnsel kann entstehen, wenn das Blut in einer Vene zu langsam fließt, wenn die Blutgerinnung gestört ist oder eine Gefäßwand verletzt wird. Dazu kann es kommen durch:
- längere Bettruhe, zum Beispiel im Krankenhaus, nach einem Bruch oder einer Verletzung: Wenn man länger liegen muss und sich wenig bewegt, kann sich das Blut im Bein stauen.
- Blutgerinnungsstörungen: Manche angeborenen Erkrankungen führen dazu, dass das Blut eher gerinnt.
- größere Operationen: Bei größeren Eingriffen und schweren Verletzungen werden Blutgefäße verletzt. Um Blutungen zu stoppen und Wunden zu verschließen, aktiviert der Körper sein Gerinnungssystem. Dabei werden vermehrt Gerinnungsfaktoren freigesetzt.
Außerdem gibt es verschiedene weitere Faktoren, die das Risiko für eine Thrombose erhöhen:
- eine frühere Thrombose
- Alter über 60 Jahre
- familiäre Veranlagung (Eltern oder Geschwister hatten eine Thrombose)
- bestimmte Krebserkrankungen
- Herzschwäche
- starkes Übergewicht
- Verhütung mit hormonellen Verhütungsmitteln, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthalten (wie die meisten Antibabypillen)
- Einnahme von Hormonen in den Wechseljahren
- stark ausgeprägte Krampfadern
- Rauchen
- bestimmte entzündliche Erkrankungen
- Schwangerschaft
- häufige Reisen mit langem Sitzen
Für sich allein genommen, erhöhen die meisten dieser Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose aber nur geringfügig.
Folgen
Eine häufige Folge tiefer Venenthrombosen ist das sogenannte postthrombotische Syndrom (PTS). Dazu kommt es, wenn die Thrombose die Gefäßwände oder Venenklappen beschädigt hat und sich das Blut in der Vene dauerhaft staut. Das Syndrom tritt oft erst einige Wochen oder Monate nach einer Thrombose auf.
Bei einem PTS kann das Bein anschwellen, sich schwer anfühlen und schmerzen. Andere mögliche Folgen sind Hautverfärbungen, Juckreiz und Ausschlag. Ein ausgeprägtes postthrombotisches Syndrom kann dazu führen, dass sich eine chronische Wunde bildet. Bei Anzeichen dafür ist es wichtig, rasch ärztlichen Rat einzuholen.
Lungenembolie
Eine seltenere, aber ernsthafte Komplikation der tiefen Venenthrombose ist die Lungenembolie . Dazu kommt es, wenn sich das Blutgerinnsel von der Venenwand ablöst, über den Kreislauf in die Lunge geschwemmt wird und dort ein Blutgefäß blockiert. Anzeichen hierfür sind:
- plötzliche Atemnot
- Brustschmerzen (vor allem beim Einatmen oder Husten)
- Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
- Herzrasen
- blutiger Auswurf beim Husten
Wenn es zu einer Lungenembolie kommt, dann meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach Entstehung der tiefen Venenthrombose. Sie muss schnell behandelt werden, denn eine schwere Lungenembolie kann zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen.
Diagnose
Eine tiefe Venenthrombose lässt sich allein anhand der typischen Symptome nicht sicher feststellen. Beschwerden wie Schmerzen, Schwellung und Hautrötung können auch andere Ursachen haben, etwa eine Entzündung der oberflächlichen Venen, Krampfadern , eine Wundrose oder Verengung der Beinarterien (pAVK).
In der Regel wird zur Diagnose zunächst ein Bluttest (D-Dimer-Test) gemacht. Dieser Test reagiert auf Spaltprodukte, die der Körper produziert, wenn er ein Blutgerinnsel abbaut. Sie werden D-Dimere genannt. Wenn der Test unauffällig ist, lässt sich eine Thrombose ziemlich sicher ausschließen. Ist der Test auffällig, wird ein sogenannter Duplex-Ultraschall (Doppler) gemacht, um die Diagnose zu bestätigen. Er gibt Aufschluss über den Zustand der tiefen Beinvenen und den Blutfluss in den Venen.
Liegt der Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose sehr nahe, wird normalerweise sofort eine Ultraschalluntersuchung gemacht.
Eine Röntgenuntersuchung der Gefäße (Angiografie) ist nur selten nötig. Dabei wird vor dem Röntgen über einen Katheter ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, was die Gefäßverengungen sichtbar macht.
Vorbeugung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer tiefen Venenthrombose vorzubeugen. Wer operiert wurde oder verletzt ist, muss meist einige Tage im Bett verbringen. Wichtig ist dennoch, sich so gut es geht zu bewegen und möglichst bald wieder aufzustehen. Um die Durchblutung zu fördern, werden auch kleine Übungen wie zum Beispiel das Wippen mit dem Fuß empfohlen.
Zusätzlich können für einige Tage oder Wochen Medikamente eingesetzt werden, die die Blutgerinnung hemmen – sogenannte Antikoagulanzien . Ob dies sinnvoll ist, hängt davon ab, ob man operiert wurde, wie groß der Eingriff war und ob Risikofaktoren für eine Thrombose bestehen. Die Medikamente gibt es zum Spritzen oder zum Einnehmen.
Es können außerdem medizinische Kompressionsstrümpfe (manchmal auch Anti-Thrombose-Strümpfe genannt) eingesetzt werden. Sie üben Druck auf die Venen aus und unterstützen dadurch den Abfluss des Blutes. Wer ohnehin Antikoagulanzien erhält, benötigt keine medizinischen Kompressionsstrümpfe. Sie sind aber eine Alternative, wenn jemand keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen kann. Dies ist allerdings eher selten.
Behandlung
Eine tiefe Venenthrombose wird für einige Tage im Krankenhaus, manchmal auch ambulant behandelt. Dazu werden die gleichen Medikamente verwendet, die auch zur Vorbeugung eingesetzt werden.
Um sicherzugehen, dass sich das Blutgerinnsel vollständig auflöst, wird nach der akuten Behandlung empfohlen, für 3 bis 6 Monate gerinnungshemmende Tabletten einzunehmen. Manchmal ist auch eine längere Behandlungsdauer sinnvoll. Es ist wichtig, die gesinnungshemmende Medikamente wie verordnet einzunehmen. Das schützt nicht nur vor einer weiteren Thrombose, sondern auch vor einem postthrombotischen Syndrom. Als Nebenwirkung können Gerinnungshemmer jedoch Blutungen auslösen.
Um das Risiko für ein postthrombotisches Syndrom zu senken, wird manchmal empfohlen, für bis zu zwei Jahre Kompressionsstrümpfe zu tragen. Studien zu ihrer Wirkung zeigen aber widersprüchliche Ergebnisse. Ob eine vorbeugende Behandlung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen in der eigenen Situation sinnvoll ist, bespricht man deshalb am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.
Manche Menschen können keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen – zum Beispiel aufgrund einer verstärkten Blutungsneigung. Dann stellt sich die Frage, ob über einen Katheter ein kleiner Metallfilter (Vena-cava-Filter) in die große Vene oberhalb der Nieren eingebracht werden soll. Er soll Blutgerinnsel auffangen, die aus dem Bein zur Lunge wandern und eine Lungenembolie auslösen könnten. Die Vor- und Nachteile von Vena-cava-Filtern sind noch nicht abschließend erforscht. Sie werden wegen ihrer Risiken nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Manche medizinischen Fachgesellschaften raten sogar vom Einsatz solcher Filter ab.
Vorhautverengung (Phimose)
Fast alle neugeborenen Jungen kommen mit einer natürlichen Vorhautverengung (Phimose) auf die Welt. Sie schützt die Eichel in den ersten Lebensjahren vor Reibung, Austrocknung und Keimen. Lesen Sie, ab welchem Alter ärztlicher Rat nötig ist, wenn sich die Verengung nicht von selbst löst.
Auf einen Blick
Die Vorhaut befindet sich an der Penisspitze und umhüllt die Eichel. Schiebt man sie über den Penis, liegt die Eichel frei. Bei einer Vorhautverengung (Phimose) klappt das nicht, nur teilweise oder nur unter Schmerzen.
Dass sich die Vorhaut bei Säuglingen oder Kleinkindern nicht zurückschieben lässt, ist normal und kein Grund zur Sorge: Fast alle Jungen kommen mit einer Vorhautverengung oder einer Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel zur Welt. Diese natürliche Verengung schützt die empfindliche Eichel in den ersten Lebensjahren vor Reibung, Austrocknung und schädlichen Einflüssen wie Viren oder Bakterien. Man sollte auf keinen Fall versuchen, die Vorhaut gegen den Widerstand zurückzustreifen. Das verursacht Schmerzen und kann die Haut schädigen.
Im Laufe der ersten Lebensjahre löst sich die Verklebung meist von selbst und die Vorhaut dehnt sich allmählich, sodass sie sich leicht und schmerzlos zurückziehen lässt. Das kann man einfach abwarten. Nur wenn sich eine Vorhautverengung bis zur Pubertät nicht zurückbildet oder Beschwerden verursacht, ist eine Behandlung ratsam.
Eine Vorhautverengung kann auch bei Erwachsenen entstehen, etwa als Folge von Entzündungen.
Symptome
Bei einer Vorhautverengung lässt sich die Vorhaut nicht, nur teilweise oder nur unter Schmerzen über die Eichel zurückziehen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine verengte oder mit der Eichel verklebte Vorhaut normal und löst in der Regel keine Beschwerden aus.
Hin und wieder bildet sich eine ballonartige Schwellung unter der Vorhaut, wenn das Kind Wasser lässt: Wegen der engen Öffnung kann der Urin nicht schnell genug abfließen und sammelt sich für kurze Zeit zwischen Eichel und Vorhaut. Das ist kein Grund zur Sorge.
Manchmal bleibt die Vorhautverengung bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter bestehen oder entsteht dann erst. Dann ist das Risiko höher, dass es zu einer Eichelentzündung mit Beschwerden wie Schmerzen, einer Schwellung und Rötung kommt.
Bei manchen Jungen und Männern macht eine Vorhautverengung nur Probleme, wenn der Penis bei sexueller Erregung oder im Schlaf steif und dabei größer wird (Erektion). Wenn die Vorhaut nur leicht verengt ist, kann es sein, dass sie erst bei steifem Penis nicht mehr über die Eichel passt. Das kann bei Selbstbefriedigung oder beim Sex unangenehm oder schmerzhaft sein.
Ursachen
Man unterscheidet verschiedene Formen der Vorhautverengung: die primäre und die sekundäre Phimose. Wenn sich die natürliche Vorhautverengung oder -verklebung nicht bis zur Pubertät zurückbildet, spricht man von einer primären Phimose. Ihre Ursachen sind unklar.
Eine sekundäre Phimose entsteht erst im Laufe des Lebens aufgrund von Vernarbungen der Vorhaut. Sie können sich durch Entzündungen, bestimmte Hauterkrankungen oder Verletzungen bilden – etwa kleine Risse, die beim Zurückziehen der kindlichen Vorhaut entstehen.
Häufigkeit
Man schätzt, dass etwa 96 von 100 männlichen Neugeborenen mit einer Vorhautverengung zur Welt kommen. Diese natürliche Verengung bildet sich in den ersten Lebensjahren zurück: Bei Siebenjährigen hat schätzungsweise jeder Zweite eine enge Vorhaut, bei Zehnjährigen noch etwa jeder Dritte.
Bis zum Ende der Pubertät haben immer weniger Jungen damit zu tun: Nur ungefähr 1 von 100 Jugendlichen hat noch eine primäre Phimose.
Wie oft eine sekundäre Phimose vorkommt, ist nicht bekannt.
Folgen
Jugendliche und Erwachsene mit einer Phimose können die Eichel und den Bereich unter der Vorhaut nur schwer waschen. Deshalb siedeln sich an diesen Stellen leichter Bakterien oder Pilze an und erhöhen das Risiko für Entzündungen der Eichel oder der Vorhaut.
Versucht man, die zu enge Vorhaut gegen den Widerstand zurückzuschieben, kann es zu Einrissen, kleinen Verletzungen und in der Folge zu Vernarbungen kommen – die Vorhaut kann dadurch noch enger werden.
Selten kommt es zu einer Paraphimose: Dabei klemmt die Vorhaut hinter der Eichel fest und lässt sich nicht mehr nach vorne schieben. Die enge Vorhaut schnürt dann die Blutzufuhr ab, Eichel und Vorhaut schwellen an. Es besteht die Gefahr, dass das abgeklemmte Gewebe abstirbt. Eine Paraphimose – manchmal auch „spanischer Kragen“ genannt – ist deshalb ein Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.
Eine andere seltene Komplikation ist der Rückstau von Urin in die Harnwege. Dazu kann es kommen, wenn sich die verengte Vorhaut entzündet und anschwillt. Beim Versuch, Wasser zu lassen, fließt der Urin kaum oder gar nicht mehr ab. Wird nicht rasch behandelt – in der Regel mit einem kleinen Schnitt in die Vorhaut –, kann sich der Urin bis in die Nieren zurückstauen und sie schädigen.
Diagnose
Meist stellen die Eltern des Kindes oder später die Betroffenen selbst fest, dass sich die Vorhaut nicht (mehr) zurückschieben lässt. Eine Vorhautverengung kann aber auch bei ärztliche Routine Untersuchung auffallen.
Für die Diagnose schaut eine Ärztin oder ein Arzt den Penis genau an und verschiebt die Vorhaut vorsichtig. Außerdem fragt sie oder er, wie lange die Vorhaut bereits verengt ist und ob weitere Beschwerden aufgetreten sind.
Durch die Untersuchung lässt sich meist klären, wie ausgeprägt die Vorhautverengung ist und ob es sich um eine primäre Phimose handelt oder ob Vernarbungen oder Hauterkrankungen die Ursache sind.
Behandlung
Ob eine Behandlung nötig ist, hängt unter anderem vom Alter ab: Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Vorhautverengung normal und verschwindet meist bis zur Pubertät von selbst. Eltern sollten nicht versuchen, die Vorhaut gegen den Widerstand zurückzuziehen. Zur Reinigung reicht es aus, den Penis von außen mit warmem Wasser und milder Seife oder Duschcreme zu waschen.
Bildet sich die Vorhautverengung nicht von selbst zurück oder führt sie zu Problemen – zum Beispiel häufigen Entzündungen –, wird eine Behandlung empfohlen. Bei den meisten Kindern wird die verengte Vorhaut mit einer kortisonhaltige Salbe eingecremt. Diese „konservative Therapie“ dauert mehrere Wochen und hilft den meisten Kindern. Die Behandlung mit Salbe oder Creme eignet sich auch für ältere Jungen und Männer, bei denen die natürliche Vorhautverengung bestehen geblieben ist.
Wenn das Eincremen nicht hilft, kommt eine kleine Operation infrage. Sie wird Beschneidung (Zirkumzision) genannt. Der Eingriff ist auch sinnvoll, wenn sich die Vorhaut immer wieder entzündet, die Phimose durch Vernarbung entstanden ist oder zu einer Einschnürung der Vorhaut (Paraphimose) geführt hat.
Operationen zur Beseitigung einer Vorhautverengung sind Routineeingriffe. Dabei werden Kinder unter Vollnarkose, Jugendliche und Erwachsene unter örtlicher Betäubung operiert.
Vorhofflattern
Vorhofflattern ist eine Herzrhythmusstörung, die meist im rechten Vorhof des Herzens entsteht und anfallsweise auftritt. Ursache ist oft eine Herzerkrankung wie die koronare Herzkrankheit. Vorhofflattern kann zu Schwindel oder Ohnmachtsanfällen führen, aber auch ernste Folgen wie Blutgerinnsel, Schlaganfälle oder Vorhofflimmern haben.
Auf einen Blick
Vorhofflattern ist eine Herzrhythmusstörungen , die meist im rechten Vorhof des Herzens entsteht und anfallsweise auftritt. Dazu kann es kommen, wenn dasHerz zum Beispiel durch eine koronare Herzkrankheit vorgeschädigt ist.
Beim Vorhofflattern bleibt einer der elektrischen Impulse die das Herz schlagen lassen , im rechten Vorhof „hängen“ und kreist dort umher. Das lässt beide Herzvorhöfe sehr schnell schlagen – sie „flattern“. In der Folge können auch die Herzkammern zu schnell schlagen. Außer zu Herzrasen kann dies zu Schwindel, einem Engegefühl in der Brust und manchmal sogar zu kurzer Bewusstlosigkeit führen.
Vorhofflattern kann ernste Folgen haben: In den Vorhöfen können zum Beispiel Blutgerinnsel entstehen, die einen Schlaganfall auslösen können. Auch Vorhofflimmern ist eine mögliche Folge. Dabei schlagen die Vorhöfe – anders als beim Vorhofflattern – nicht mehr, sondern ziehen sich nur noch zittrig zusammen: sie „flimmern“.
Oft endet das Vorhofflattern von allein wieder. Wenn nicht, lässt sich der Herzrhythmus durch eine Behandlung mit elektrischem Strom normalisieren (Elektrokardioversion). Zusätzlich kommen Medikamente infrage. Ein Eingriff (Katheterablation) kann verhindern, dass das Vorhofflattern erneut auftritt.
Symptome
Bei Vorhofflattern schlägt das Herz in der Regel zu schnell, oftmals bis etwa 150-mal pro Minute. Das kann sich als unangenehmes Herzrasen und Herzklopfen bemerkbar machen. Manche Menschen haben das Gefühl, dass sich ihr Brustkorb einengt. Außerdem sind Schwindel und Schwächeanfälle mit kurzer Bewusstlosigkeit möglich.
Vor allem bei länger andauerndem Vorhofflattern kann die körperliche Leistungsfähigkeit abnehmen – man fühlt sich schwach und kommt bei Anstrengung schnell außer Atem.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache für Vorhofflattern sind oft narbige Veränderungen des Herzmuskels als Folge von Herzerkrankungen wie einer koronare Herzkrankheit (KHK) oder nach einer Herzoperation. Aber auch Herzmuskelentzündungen, Herzklappenerkrankung oder andere krankhafte Veränderungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie) kommen als Ursachen infrage.
Weshalb kommt es dadurch zu Vorhofflattern und zu schnellem Herzschlag? Normalerweise gibt der Sinusknoten den Takt vor, in dem das Herz schlägt: Er gibt einen Stromimpuls an die Vorhöfe ab, die sich daraufhin zusammenziehen und den Impuls an die Herzkammern weiterleiten. Danach entspannt sich das Vorhofgewebe – bis zum nächsten Impuls aus dem Sinusknoten.
Wird ein Impuls aufgrund einer Vorerkrankung des Herzens nicht weitergeleitet und bleibt im Vorhof „hängen“, kann Vorhofflattern auftreten: Der Impuls kreist dann meist rund um die Herzklappe, die den rechten Vorhof und die rechte Herzkammer verbindet, und erregt die Herzmuskelzellen in diesem Bereich kurz hintereinander immer wieder. Die Erregung überträgt sich auf das gesamte Vorhofgewebe, das sich mit sehr hoher Frequenz zusammenzieht: Die Herzvorhöfe schlagen dann etwa 250- bis über 300-mal pro Minute.
Diese hohe Frequenz überträgt sich aber nicht eins zu eins auf die Herzkammern: Bei den meisten Betroffenen führt nur jeder zweite Vorhofschlag dazu, dass sich auch die Kammern zusammenziehen. Dann schlägt das Herz aber immer noch etwa 150-mal pro Minute und damit zu schnell.
Vorhofflattern kann auch als Folge eines Vorhofflimmerns auftreten, das mit Medikamenten behandelt wurde. Selten entsteht ein Vorhofflattern, obwohl der Herzmuskel gesund ist – dann können zum Beispiel Stoffwechselstörungen die Ursache sein, vor allem eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose).
Das Risiko für Vorhofflattern ist für Männer höher als für Frauen. Es steigt mit zunehmendem Alter an. Ein weiterer Risikofaktor ist Rauchen.
Häufigkeit
Vorhofflattern zählt nach Vorhofflimmern zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen, die von den Herzvorhöfen ausgehen. Fachleute schätzen, dass in den USA etwa 1 von 1000 Personen pro Jahr daran erkranken. Wie oft die Herzrhythmusstörung in Deutschland genau vorkommt, ist unklar.
Verlauf
Oft tritt Vorhofflattern plötzlich auf, hält meist mehrere Tage an und verschwindet dann von selbst wieder. Unbehandelt kann es früher oder später erneut zu Vorhofflattern kommen. Fachleute bezeichnen dieses anfallsartige Auftreten als „paroxysmal“. Wenn das Vorhofflattern dauerhaft bestehen bleibt, spricht man von anhaltendem Vorhofflattern.
Folgen
Man geht davon aus, dass Vorhofflattern – ähnlich wie Vorhofflimmern – das Risiko deutlich erhöht, dass sich Blutgerinnsel in den Vorhöfen bilden. Wenn ein solches Blutgerinnsel in die Herzkammern gelangt und mit dem Blut in die Lunge oder in den Körper gepumpt wird, kann es dort ein Blutgefäß verstopfen. Passiert das im Gehirn, kommt es zu einem Schlaganfall.
Manche Menschen haben sowohl Vorhofflattern als auch Vorhofflimmern. Beide Störungen können ineinander übergehen.
Besteht Vorhofflattern über längere Zeit, ist eine Schädigung des Herzmuskels möglich. Wenn er an Kraft verliert, kann eine Herzschwäche die Folge sein.
Wenn das Vorhofflattern zu Schwindel, Schwächeanfällen oder sogar Bewusstlosigkeit führt, kann es zu Stürzen und ernsthaften Verletzungen kommen.
Diagnose
Vorhofflattern lässt sich mithilfe einer Elektrokardiographen – kurz EKG – feststellen: Die Ärztin oder der Arzt untersucht damit, wie schnell die Vorhöfe und Kammern schlagen. Die EKG-Kurve zeigt sogar, ob eine bestimmte Stelle im rechten Vorhof vom Vorhofflattern betroffen ist. Fachleute sprechen dann von typischem Vorhofflattern.
Wird ein EKG-Gerät erst angeschlossen, wenn das Vorhofflattern von selbst aufgehört hat, ist die Störung nicht mehr erkennbar. Ein Langzeit-EKG kann dann helfen: Es zeichnet die Erregungsleitung im Herzen über 24 Stunden auf, manchmal auch über mehrere Tage. Kommt es in dieser Zeit zu Vorhofflattern, wird es in der Auswertung erkannt. Tritt in dieser Zeitspanne kein Anfall auf, kann ein sogenannter Event-Rekorder helfen. Das kleine Gerät wird unter die Haut implantiert und zeichnet den Herzrhythmus über Jahre auf.
Neben dem EKG ist eine spezielle Herzecho Untersuchungen (TEE) wichtig: Sie prüft, ob sich in den Vorhöfen bereits Blutgerinnsel gebildet haben. Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung führt die Ärztin oder der Arzt einen Schlauch in die Speiseröhre ein. Von dort lassen sich die Herzvorhöfe besonders gut untersuchen.
Um den Ursachen für das Vorhofflattern auf den Grund zu gehen, wird manchmal zum Beispiel ein Belastungs-EKG oder eine Blutuntersuchung zur Messung der Schilddrüsenhormone gemacht.
Behandlung
Bei akutem Vorhofflattern wird in der Regel versucht, das Herz wieder in einen normalen, langsameren Rhythmus zu bringen. Dies lässt sich meist mithilfe eines Stromimpulses erreichen, ähnlich wie bei einer Reanimation. Diese Behandlung wird Kardioversion oder Elektrokardioversion genannt.
Trägt man bereits einen Defibrillator oder einenHerzschrittmacher , kann der Herzrhythmus auch mithilfe des implantierten Geräts normalisiert werden. Dazu regen die Geräte das Herz kurz zu einer noch höheren Herzfrequenz an, was das Flattern beendet. Danach schlägt das Herz wieder normal.
Besteht die Gefahr, dass sich bereits Blutgerinnsel in den Vorhöfen gebildet haben, bekommt man Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen.
Wenn eine Kardioversion nicht möglich ist oder von Betroffenen nicht gewünscht wird, kann die durch das Vorhofflattern erhöhte Herzfrequenz mit Medikamenten gebremst werden (Frequenzkontrolle). Die Herzkammern schlagen dann langsamer – am Flattern der Vorhöfe ändert sich dadurch aber nichts. Deshalb bleibt auch das Risiko bestehen, dass sich dort Blutgerinnsel bilden und zu einem Schlaganfall führen. Das gilt vor allem, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, etwa ein hohes Alter.
Damit das Vorhofflattern nicht immer wieder auftritt, schlagen Ärztinnen und Ärzte meistens eine Katheterablation vor. Bei diesem Eingriff wird etwas Herzgewebe verödet, und zwar in dem Bereich, von dem das Vorhofflattern typischerweise ausgeht. Das kann langfristig verhindern, dass es erneut zu fehlgeleiteten Erregungsimpulsen und dadurch zu Vorhofflattern kommt.
Vorhofflimmern
Ein stolpernder, oft zu schneller Herzschlag und Herzklopfen sind die häufigsten Anzeichen eines Vorhofflimmerns. Die Erkrankung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Schlaganfall-Risiko und kann auf Dauer das Herz schwächen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung.
Auf einen Blick
Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz anhaltend unregelmäßig und oft so schnell, dass es weniger Blut in den Körper pumpt. Das Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen.
Vorhofflimmern ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Auf Dauer erhöht es aber das Risiko für Schlaganfälle. Durch verschiedene Behandlungen können die meisten Menschen trotz Vorhofflimmern ein normales Leben führen.
Symptome
Das häufigste Symptom ist Herzklopfen, das man in der Brust oder dem Hals spürt. Das Herz schlägt dann meist schneller und unregelmäßiger als normal. Ein gesunder Ruhepuls liegt meist zwischen 60 und 90 Herzschlägen pro Minute. Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz 120- bis 160-mal pro Minute, bei manchen sogar bis 200-mal.
Andere mögliche Symptome sind Schwächegefühl, schnelle Erschöpfung, ein Engegefühl in der Brust, Benommenheit und Schwindel. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bemerken gar nicht, dass sie Vorhofflimmern haben – zumindest zu Beginn der Erkrankung.
Bestehen noch andere Herzerkrankungen, können weitere Beschwerden hinzukommen. Zum Beispiel kann eine Herzschwäche zu Kurzatmigkeit und Erschöpfung führen, vor allem bei körperlicher Belastung.
Ursachen
Das Herz zieht sich bei jedem Schlag zusammen und pumpt dadurch Blut in den Kreislauf. Der Herzschlag wird über elektrische Impulse geregelt. Der erste Impuls für einen Herzschlag entsteht im sogenannten Sinusknoten in der Wand des rechten Vorhofs. Der Impuls breitet sich wie eine Welle durch die beiden Vorhöfe aus und lässt sie einmal schlagen. Den normalen Ablauf nennt man Sinusrhythmus.
Bei einem Vorhofflimmern breiten sich elektrische Impulse in den Vorhöfen unregelmäßig aus. Das führt dazu, dass die Vorhöfe unkontrolliert zittern (flimmern).
Normalerweise helfen die Vorhöfe, die Herzkammern mit Blut zu füllen. Beim Vorhofflimmern fällt diese Unterstützung aus. Die Herzkammern pumpen zwar weiter Blut in den Körper, allerdings weniger und unregelmäßiger.
Bei den meisten Menschen lässt sich das Vorhofflimmern auf eine dieser Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückführen:
- Bluthochdruck
- Koronare Herzkrankheit
- Herzinfarkt
- Herzschwäche (sie kann auch Folge eines Vorhofflimmerns sein)
Manchmal liegt einem Vorhofflimmern eine behandelbare Ursache zugrunde, wie zum Beispiel eine undichte Herzklappe oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Das Vorhofflimmern lässt sich dann unter Umständen durch einen Eingriff an der Herzklappe oder die Behandlung der Schilddrüse stoppen.
Risikofaktoren
Die Wahrscheinlichkeit für ein Vorhofflimmern steigt vor allem mit dem Alter an.
Wenn nahe Verwandte (Eltern oder Geschwister) Vorhofflimmern haben, ist das Erkrankungsrisiko höher. Männer haben ein höheres Risiko als Frauen. Zudem erkranken hellhäutige Menschen häufiger an Vorhofflimmern als Menschen anderer Hautfarbe.
Zu den Risikofaktoren, gegen die man etwas tun kann, gehören:
- starker und häufiger Alkoholkonsum
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- deutliches Übergewicht
- nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)
Häufigkeit und Verlauf
Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen: Nach Schätzungen sind etwa 2 % der Bevölkerung betroffen. Da das Risiko mit dem Alter steigt, sind es bei über 65-Jährigen etwa 8 %.
Vorhofflimmern beginnt typischerweise mit seltenen, kurzen Episoden und kann mit der Zeit zu längeren Episoden oder einem permanenten Vorhofflimmern fortschreiten. Je nach Dauer unterscheidet man vier verschiedene Typen:
- Beim paroxysmalen („episodenhaften“ oder „intermittierenden“) Vorhofflimmernnormalisiert sich der Herzrhythmus meist innerhalb von etwa 48 Stunden ohne Behandlung von selbst. Es kann aber auch bis zu sieben Tagen anhalten. Paroxysmales Vorhofflimmern kann einmal auftreten oder in Episoden wiederkehren.
- Persistierendes Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage an.
- Lang anhaltendes persistierendes Vorhofflimmern besteht länger als ein Jahr.
- Permanentes Vorhofflimmern besteht dauerhaft.
Diese Einteilung ist aber eher eine grobe Orientierung: Denn oft ist unklar, ob das Vorhofflimmern schon einmal aufgetreten ist oder wie lange es bereits besteht.
Wichtig ist
Alle Arten des Vorhofflimmerns erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall. Deshalb spielt diese Einteilung bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit gesinnungshemmende Medikamente keine große Rolle. Ausschlaggebend für die Behandlung ist neben dem Schlaganfall-Risiko eher, ob Symptome auftreten, wie schwer sie sind und ob andere Erkrankungen vorliegen.
Folgen
Ein Vorhofflimmern kann sich zwar durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen, bedeutet aber in den allermeisten Fällen keine akute Lebensgefahr. Langfristig kann es jedoch zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, insbesondere zu
- Herzschwäche: Wenn die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, muss der Rest des Herzens mehr leisten, um den Körper mit Blut zu versorgen. Dies kann das Herz auf Dauer überfordern und schwächen. Eine bereits bestehende Herzschwäche kann sich verschlechtern.
- Schlaganfall: Beim Vorhofflimmern pumpen die Vorhöfe des Herzens nicht mehr ausreichend. Dadurch fließt das Blut in den Vorhöfen langsamer, staut sich und bildet leichter Gerinnsel. Wenn ein Blutgerinnsel über den Blutkreislauf zum Gehirn geschwemmt wird, kann es dort ein Gefäß verschließen und einen Schlaganfall auslösen.
Wie hoch das persönliche Risiko für einen Schlaganfall ist, hängt davon ab, ob neben dem Vorhofflimmern noch andere Risikofaktoren bestehen. Viele Menschen mit Vorhofflimmern haben noch andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit.
Diagnose
Um eine genaue Diagnose zu stellen, mögliche Ursachen des Vorhofflimmerns zu finden und die Behandlung zu planen, kann eine Reihe von Untersuchungen helfen:
- Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese): Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Alter und Familiengeschichte sowie Risikofaktoren für Herzkrankheiten.
- körperliche Untersuchung: Hierzu gehört unter anderem die Messung von Puls und Blutdruck
- Elektrokardiogramm (EKG): Ein EKG misst die elektrischen Impulse, die den Herzschlag regeln. Mittels EKG lässt sich ein Vorhofflimmern zuverlässig feststellen. Ein EKG kann in Ruhe, unter Belastung und als Langzeit-EKG über 24 Stunden gemacht werden.
- Bluttest: Mit einem Bluttest kann unter anderem die Schilddrüsenfunktion beurteilt werden. Eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine zu hohe Dosierung von Schilddrüsenmedikamenten kann Ursache eines Vorhofflimmerns sein. Auch die Blutsalze werden bestimmt, da Vorhofflimmern manchmal durch Störungen im Salz- und Mineralhaushalt ausgelöst sein kann.
- Herzultraschall (Echokardiografie): Bei einer Ultraschalluntersuchung kann zum Beispiel die Größe der Herzkammern und der Zustand der Herzklappen kontrolliert werden.
Bestimmte Blutuntersuchungen helfen vor allem bei der Behandlungsplanung: So sind Nieren- und Leberwerte wichtig, weil bei einer Nieren- oder Leberschwäche nicht alle Medikamente infrage kommen.
Da Vorhofflimmern nicht immer Beschwerden verursacht, wird es manchmal auch zufällig festgestellt, zum Beispiel, wenn aus anderen Gründen ein EKG gemacht wird.
Vorbeugung
Man kann selbst viel tun, um das Herz gesund zu erhalten – und damit auch einem Vorhofflimmern vorzubeugen:
- Mit dem Rauchen aufhören,
- sich mehr bewegen,
- bei Übergewicht etwas abnehmen,
- bei Bluthochdruck auf eine salzarme Ernährung achten,
- wenig Alkohol trinken.
Nachgewiesen ist zum Beispiel, dass Menschen mit Vorhofflimmern seltener eine Episode haben, wenn sie weitgehend auf Alkohol verzichten. Wer seinen Alkoholkonsum senken will, hat dazu viele Hilfen zur Verfügung . Auch durch eine Gewichtsabnahme konnten Menschen in einer Studie ihre Vorhofflimmern-Beschwerden lindern und die Zahl der Episoden senken.
Behandlung
Die Behandlung von Vorhofflimmern hat zwei Ziele: Zum einen soll sie die Beschwerden durch den gestörten Herzschlag beseitigen oder zumindest lindern. Zum anderen soll sie einem Schlaganfall vorbeugen. Um beides zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Behandlung der Beschwerden:
Es kann ausreichen, den beschleunigten Puls mit Medikamenten zu senken (Frequenzkontrolle), meist mit einem Betablocker. Das entlastet das Herz und hilft gegen Beschwerden.
Wenn das zur Linderung nicht ausreicht, versucht man, das Vorhofflimmern zu beseitigen und den normalen Herzrhythmus wieder herzustellen (Rhythmuskontrolle). Dies gelingt in der Regel durch gezielte elektrische Impulse. Rückfälle sind aber möglich. Eine Behandlung mit Medikamenten oder eine sogenannte Katheterablation können das Rückfall-Risiko senken. Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn das Vorhofflimmern das Herz geschwächt hat.
Schlaganfall-Vorbeugung:
Den meisten Menschen mit Vorhofflimmern werden Medikamente zur Vorbeugung von Schlaganfällen empfohlen. Sogenannte orale Antikoagulanzien hemmen die Blutgerinnung und können das Schlaganfallrisiko sehr wirksam senken.
Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Antikoagulanzien wird am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen. Sinnvoll ist, die Vorteile (Vorbeugung von Schlaganfällen) und die Nachteile( Risiko vor Blutungen) gegeneinander abzuwägen. Anhand der persönlichen Risikofaktoren lässt sich das eigene Risiko für Schlaganfälle und Blutungen bestimmen. Dabei helfen spezielle Risikorechner.
Neben der Behandlung der Beschwerden und der Schlaganfall-Vorbeugung ist es auch wichtig, bestehende Begleiterkrankungen zu behandeln, etwa einen hohen Blutdruck oder eine koronare Herzerkrankung.
Leben und Alltag
Wenn das Herz normal schlägt, nimmt man es meist nicht wahr. Das kann sich bei Vorhofflimmern ändern: Es ist spürbar, dass das Herz nicht mehr so schlägt, wie es soll. Das ist für viele Menschen so beunruhigend, dass sie ärztlichen Rat suchen. Die Diagnose Vorhofflimmern ist dann zunächst ein Schreck, allerdings lassen sich die Symptome durch verschiedene Behandlungen meistens gut in den Griff bekommen. Hilfestellung bieten auch Schulungen: Sie vermitteln, wie man im Alltag mit der Erkrankung umgehen kann und die gerinnungshemmenden Medikamente richtig anwendet. Die Ärztin oder der Arzt hilft, bei der Krankenkasse einen Antrag auf eine Schulung zu stellen.
Bei vielen Menschen bleibt jedoch eine Unsicherheit bestehen. Manche fragen sich, ob sie sich schonen müssen oder ob sie weiterhin gewohnten Aktivitäten nachgehen und Sport treiben können. Medizinisch spricht nichts dagegen. Forschungsergebnisse geben sogar Hinweise, dass moderater Sport die Fitness verbessert. Welche Sportart sich eignet, bespricht man besten mit der Ärztin oder dem Arzt.
Windpocken
in stark juckender Hautausschlag mit roten Bläschen und leichtem Fieber ist typisch für Windpocken. An der ansteckenden Virusinfektion erkranken vor allem Kinder zwischen 2 und 10 Jahren. Windpocken sind unangenehm, haben bei ansonsten gesunden Kindern aber nur selten ernste Folgen.
Auf einen Blick
Windpocken sind eine sehr ansteckende Virusinfektion, an der vor allem Kinder erkranken. Typisch sind ein stark juckender Hautausschlag mit roten Bläschen und leichtem Fieber. Da mittlerweile die meisten Kinder geimpft werden, treten Windpocken (Varizellen) heute viel seltener auf als früher.
Wer an Windpocken erkrankt, ist bereits 1 bis 2 Tage ansteckend, bevor ein Ausschlag zu sehen ist. Einige Vorsichts- und Hygienemaßnahmen können aber helfen, eine Übertragung auf andere zu vermeiden. Die Windpocken sind zwar unangenehm, haben aber bei ansonsten gesunden Kindern selten ernste Folgen. Bei Neugeborenen und Erwachsenen sowie Menschen mit geschwächten Abwehrkräften kann die Infektion allerdings auch schwer verlaufen.
Symptome
Meist fühlt man sich bei Windpocken zuerst allgemein krank: Kopf und Glieder schmerzen, die Körpertemperatur steigt an. Dann entwickelt sich der typische juckende Hautausschlag, meist zuerst im Gesicht und am Rumpf, später auf der Kopfhaut, an den Armen und Beinen. Manchmal sind auch die Schleimhäute und Geschlechtsorgane betroffen. Vor allem der starke Juckreiz ist oft quälend und stört den Schlaf. Bei Erwachsenen kann der Hautausschlag fehlen oder breitet sich nicht so typisch aus.
Das Fieber hält 3 bis 5 Tage an, steigt aber nur sehr selten über 39 Grad. Der Hautausschlag besteht aus kleinen roten Flecken und Knoten, die zu Bläschen heranwachsen. Sie enthalten Flüssigkeit, die anfangs klar ist und sich dann eintrübt. Die Bläschen trocknen nach einigen Tagen aus. Es bildet sich eine Kruste (Schorf), die bald abfällt. Das Abheilen der Bläschen dauert in der Regel 3 bis 5 Tage. Da auf der Haut alle Entwicklungsstadien der Bläschen gleichzeitig zu sehen sind, spricht man auch von einem „Sternenhimmel“. Wie viele Bläschen sich entwickeln, ist sehr unterschiedlich.
Ursachen
Windpocken werden durch Varizella-Zoster-Viren verursacht. Sie gehören zur Gruppe der Herpes-Viren. Die Viren werden von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt übertragen. Dabei atmet man winzige Speicheltröpfchen ein, die Erkrankte beim Atmen und Husten, Niesen oder Sprechen in der Luft verbreiten. Ansteckend ist auch die Flüssigkeit der Bläschen, wenn sie platzen oder aufgekratzt werden (Schmierinfektion). Fast jeder Kontakt mit einem erkrankten Menschen führt zu einer Ansteckung – es sei denn, man hatte bereits Windpocken oder ist dagegen geimpft.
Häufigkeit
An Windpocken erkranken vor allem Kindergarten- und Schulkinder zwischen 2 und 10 Jahren. Nicht geimpfte Jugendliche oder Erwachsene können sich aber ebenfalls anstecken, wenn sie im Kindesalter keine Windpocken hatten.
Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut die Impfung gegen Windpocken. Da die meisten Eltern heute der Impfempfehlung folgen, ist die Zahl der Windpocken-Erkrankungen deutlich zurückgegangen:
- Vor 2004 erkrankten jährlich etwa 750.000 Kinder und Erwachsene an Windpocken.
- Im Jahr 2020 wurden etwa 11.300 Windpocken-Erkrankungen gemeldet – etwa halb so viele wie im Vorjahr. Über 90 % der Erkrankten waren ungeimpft.
Windpocken gehören aber immer noch zu den häufigsten Kinderkrankheiten.
Verlauf
Nach einer Ansteckung dauert es meist etwa zwei Wochen, bis sich die Symptome zeigen. Die ersten Beschwerden können aber auch schon eine Woche nach Ansteckung auftreten, oder bis zu drei Wochen auf sich warten lassen (Inkubationszeit). Bei den meisten Kindern heilt eine Windpocken-Erkrankung innerhalb von zwei Wochen aus.
Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung oft schwerer als bei Kindern. Das heißt, sie kann länger dauern und mit einem stärkeren Krankheitsgefühl einhergehen. Auch das Risiko für Komplikationen ist bei Erwachsenen höher.
Wer einmal Windpocken hatte, ist sein ganzes Leben immun. Man kann also nur einmal an Windpocken erkranken.
Folgen
Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben. Das geringste Narbenrisiko besteht, wenn die Krusten von selbst abfallen. Ob sich Narben bilden oder nicht, hängt aber auch davon ab, wie groß die Bläschen sind.
Vor allem bei Erwachsenen mit einem schweren Krankheitsverlauf kann das Virus eine Lungenentzündung auslösen. Sehr selten befallen die Viren das zentrale Nervensystem, dann kann sich als Folge zum Beispiel eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung entwickeln. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist, beispielsweise durch schwere Erkrankungen wie Krebs oder AIDS.
Varizella-Zoster-Viren sind nach einer Windpocken-Erkrankung zwar inaktiv, bleiben aber im Körper. Deshalb kann man viele Jahre später eine Gürtelrose bekommen. Bei dieser Erkrankung werden die Viren wieder aktiv und verursachen einen Hautausschlag, der sehr schmerzhaft sein kann. Eine Gürtelrose entwickelt sich am häufigsten bei älteren Menschen und bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Erwachsene mit Gürtelrose können die Viren auf andere Menschen übertragen, die nicht immun sind. Diese erkranken dann an Windpocken.
Wenn eine schwangere Frau in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten Windpocken bekommt, können die Viren beim Ungeborenen schwere Fehlbildungen verursachen. Eine Infektion um den Geburtstermin herum kann für das Neugeborene lebensbedrohlich sein, da sein Immunsystem die Viren noch nicht ausreichend bekämpfen kann.
Diagnose
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt Windpocken anhand des charakteristischen Hautausschlags. Nur bei einem untypischen Krankheitsverlauf wird untersucht, ob das Blut oder die Bläschenflüssigkeit Viren enthalten. Mithilfe eines Antikörper Bluttests kann geprüft werden, ob man bereits Windpocken hatte und damit immun ist. Dies kann zum Beispiel bei schwangeren Frauen notwendig sein.
Vorbeugung
Die Impfempfehlung der ständigen Impfkommission gilt unter anderem für alle Kinder ab elf Monaten, aber auch für Jugendliche, Frauen mit Kinderwunsch und Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie einer starken Neurodermitis, wenn sie noch keine Windpocken hatten. Die Windpocken-impfung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Sie besteht aus zwei Impfspritzen im Abstand von mindestens 4 bis 6 Wochen.
Wer noch keine Windpocken hatte und nicht geimpft ist, kann sich nach Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person noch innerhalb von fünf Tagen impfen lassen. Dies kann den Ausbruch verhindern oder zumindest den Verlauf abschwächen.
Während einer Schwangerschaft kann sich eine Frau nicht mehr impfen lassen. Besteht Ansteckungsgefahr, ist eine Behandlung mit Antikörpern möglich, die die Viren bekämpfen. Diese sogenannte passive Immunisierung kommt auch bei Neugeborenen infrage, falls die Mutter in den Tagen um die Geburt herum Windpocken bekommt.
Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Dies ist aber selten, und meist verläuft die Krankheit dann milder. Auch das Risiko für Komplikationen ist geringer.
Windpocken gehören zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Das heißt, dass die Ärztin oder der Arzt bereits bei einem Verdacht auf Windpocken das regionale Gesundheitsamt benachrichtigen muss. Es kann sein, dass das Amt sich dann bei den Eltern eines erkrankten Kindes meldet und zum Beispiel darauf hinweist, dass es zu Hause bleiben muss, bis es nicht mehr ansteckend ist.
Solange Ansteckungsgefahr besteht, sollten Erkrankte direkten Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermeiden – es sei denn, sie wissen, dass diese bereits die Windpocken hatten. Das gilt besonders für den Kontakt zu Schwangeren und Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf.
Behandlung
Bei einer Windpocken-Erkrankung werden in der Regel nur die Symptome behandelt. Bei schweren Verläufen oder erhöhtem Risiko für Komplikationen können Medikamente eingesetzt werden, die Viren bekämpfen (Virostatika). Um den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen, werden häufig Lotionen, Gele oder Puder angewendet. Meist enthalten sie Gerbstoffe, Zink, Menthol oder Polidocanol. Gegen den Juckreiz werden manchmal auch Medikamente zum Einnehmen empfohlen, etwa Antihistaminika. Wie gut diese Behandlungen helfen, ist wissenschaftlich nicht gut untersucht.
Beschwerden wie Fieber oder Gliederschmerzen lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel mit dem Wirkstoff Paracetamol lindern. Das Schmerzmittel Ibuprofen ist für Kinder mit Windpocken nicht geeignet.
Wichtig ist
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) darf bei Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. Er kann nämlich bei ihnen das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen.
Leben und Alltag
Sich nicht zu kratzen, obwohl der Juckreiz quält, fällt schwer. Dennoch ist es wichtig, Kratzen möglichst zu vermeiden: Denn die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend, außerdem können aufgekratzte Bläschen Narben zurücklassen. Bei Kindern hilft es, die Fingernägel kurz zu schneiden. Wenn ein Säugling oder Kleinkind Windpocken hat, können Baumwoll-Fäustlinge das Kratzen erschweren. Weite, nicht einengende Kleidung aus glattem Stoff kann dafür sorgen, dass die Haut nicht zusätzlich gereizt wird.
In der Regel ist Duschen besser als ausgiebiges Baden, da die Haut dadurch weniger aufweicht. Nach dem Duschen und Waschen tupft man die Haut am besten nur vorsichtig trocken.
Wundrose und Phlegmone
Wenn die Haut verletzt ist, können Bakterien eindringen und eine Wundrose oder eine Phlegmone hervorrufen. Bei beiden Infektionen schwillt die Haut an, wird rot und schmerzt. Wenn sie frühzeitig und richtig behandelt werden, heilen sie meist ohne Folgeschäden aus.
Auf einen Blick
Wenn die Haut verletzt ist, können Bakterien eindringen und eine Wundrose oder eine Phlegmone hervorrufen. Bei beiden Infektionen schwillt die Haut an, wird rot und schmerzt. Eine Wundrose – auch Erysipel genannt – betrifft meist nur die oberen Hautschichten, eine Phlegmone reicht in der Regel tiefer ins Gewebe. Wenn sie frühzeitig und richtig behandelt werden, heilen sie meist ohne Folgeschäden aus. Unbehandelt können sie dagegen zu manchmal ernsten Komplikationen führen.
Beide Erkrankungen werden in der Medizin auch als „Zellulitis“ bezeichnet, dem Fachbegriff für Infektionen der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Er hat aber nichts mit der harmlosen „Cellulite“ (umgangssprachlich „Orangenhaut“) zu tun.
Symptome
Unterschieden werden zwei Formen bakterieller Hautinfektionen:
- Wundrose (Erysipel)
- tiefe Bindegewebsentzündung (Phlegmone)
Beide Infektionen treten am häufigsten am Fuß oder Unterschenkel auf, können aber an allen Körperstellen vorkommen. So kann sich eine Wundrose zum Beispiel im Gesicht entwickeln („Gesichtsrose“), eine Phlegmone an der Beugeseite der Hand. Dort kann sie sich v-förmig innerhalb der Sehnenscheiden zwischen Daumen, Handgelenk und kleinem Finger ausbreiten.
Eine Wundrose betrifft die oberen Hautschichten. Dies äußert sich typischerweise durch eine schmerzhafte, hellrot glänzende, relativ scharf begrenzte Schwellung. Die Rötung kann zungenförmige Ausläufer bilden, da sich die Entzündung entlang der Lymphgefäße ausbreitet. Bei schweren Formen bilden sich auch Blasen. Manchmal schwellen die benachbarten Lymphknoten an und werden druckempfindlich. Eine Wundrose wird meist schon zu Beginn bei den ersten Hautrötungen von Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl begleitet.
Bei einer Phlegmone ist die Rötung weniger scharf begrenzt als bei einer Wundrose und erscheint oft dunkelrot bis leicht lilafarben. Im Gegensatz zur Wundrose reicht die Entzündung bei einer Phlegmone jedoch bis in tiefere Hautschichten und in das darunterliegende Gewebe. Die Entzündung kann sich dann entlang von Sehnen oder Muskeln ausbreiten und Eiter bilden.
Schmerzen und Schwellung der entzündeten Haut und des Bindegewebes sind für beide Formen typisch. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl kommen eher bei der Wundrose vor, können aber bei einer ausgeprägten Phlegmone ebenfalls auftreten.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Wundrose wird oft durch Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken ausgelöst, eine Phlegmone meist durch Staphylokokken. Beide Bakterienarten können aber sowohl an einer Wundrose als auch an einer Phlegmone beteiligt sein.
Die Infektionen werden durch Hautschäden begünstigt, die den Bakterien eine sogenannte Eintrittspforte bieten. Zu den Risikofaktoren gehören deshalb Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Borkenflechte, Pilzinfektionen wie Fußpilz oder Wunden und Geschwüre Eine Wundrose oder Phlegmone kann sich zudem nach Verletzungen, Nadelstichen, Insekten- oder Tierbissen entwickeln, oder wenn bei einer Operation Keime in die Wunde eingedrungen sind.
Besonders bei einem geschwächten Immunsystem ist das Infektionsrisiko erhöht. Das Immunsystem kann zum Beispiel durch Medikamente geschwächt sein. Dazu gehören bestimmte Krebsmedikamente, Kortison oder Medikamente, die nach einer Organtransplantation eingesetzt werden und die körpereigene Abwehr hemmen.
Außerdem haben Menschen mit Diabetes, Übergewicht , Lymphabfluss- oder Durchblutungsstörungen sowie Venenschwäche ein erhöhtes Risiko. Auch eine zurückliegende Wundrose oder Phlegmone gilt als Risikofaktor.
Häufigkeit
Wundrose und Phlegmone zählen zwar zu den häufigen Hauterkrankungen, allerdings ist nicht bekannt, wie oft sie genau auftreten. Manchen Studien zufolge erkranken 2 von 10.000 Menschen pro Jahr – andere Studien gehen von mehr als 250 von 10.000 Menschen aus.
Folgen
Unbehandelt kann eine bakterielle Infektion der Haut zu verschiedenen Komplikationen führen. Mögliche Folgen sind:
- eitrige Ausbreitung und Abszess: Besonders bei der Phlegmone kann sich die eitrige Entzündung bis in tiefes Gewebe (zum Beispiel Muskeln) ausbreiten. Manchmal sammelt sich der Eiter dabei in natürlichen Hohlräumen oder Gewebespalten an. Ein Abszess ist ein geschlossener, mit Eiter gefüllter Hohlraum, der sich infolge verschiedener bakterieller Hautinfektionen bilden kann. Er besteht vor allem aus toten Keimen, Gewebs- und Abwehrzellen.
- Lymphödem: Nach einer Wundrose können die entzündeten Lymphgefäße teilweise zerstört sein. Die Lymphflüssigkeit kann nicht abfließen und staut sich. Dies führt zu einer dauerhaften Schwellung und schlechteren Durchblutung des Gewebes. Dadurch erhöht sich das Risiko, erneut an einer bakteriellen Hautinfektion zu erkranken.
Lebensbedrohliche Komplikationen sind selten. Gelangen Bakterien in die Blutbahn, können sie eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Eine bakterielle Hautinfektion im Gesicht kann selten zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder zu eine Blutgerinnsel in den Hirngefäßen führen (Hirnvenenthrombose).
Falls eine Komplikation auftritt, kann nur eine schnelle Behandlung größere Schäden verhindern. Anzeichen für einen ernsten Verlauf sind:
- starke Schmerzen
- Fieber, kalter Schweiß, Blässe
- Übelkeit
- beschleunigte Atmung oder Herzrasen
- Bewusstseinsstörungen, zum Beispiel Benommenheit oder Verwirrtheit
Wenn solche Symptome auftreten, ist es wichtig, sofort den notärztlichen Dienst anzurufen.
Diagnose
Meist erkennen Ärztinnen und Ärzte eine Wundrose oder Phlegmone bereits anhand der typischen Symptome und des Erscheinungsbilds der Haut. Auch die Erkrankungsgeschichte oder vorangegangene Verletzungen weisen oft auf die mögliche Ursache hin.
Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich. Manchmal kann es hilfreich sein, die Wundflüssigkeit auf Erreger zu untersuchen. Dies macht man zum Beispiel, wenn ein bestimmter Erreger als Auslöser vermutet wird, weil sich etwa die Haut nach einem Tierbiss entzündet hat.
Vorbeugung
Bei Menschen, die eine Wundrose oder Phlegmone hatten, kommt es nach erfolgreicher Behandlung relativ oft zu einer erneuten Infektion. So hat rund ein Drittel der Menschen nach einer Wundrose-Infektion einen Rückfall.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einem Rückfall vorzubeugen. Wenn eine Hauterkrankung wie Fußpilz oder Neurodermitis zu der Infektion beigetragen hat, ist es wichtig, zunächst diese Ursache zu behandeln. Darüber hinaus ist es für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko aufgrund von Diabetes oder Durchblutungsstörungen wichtig, auf eine gute Fußpflege und Fußhygiene zu achten.
Bei wiederholten bakteriellen Hautinfektionen kann eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika infrage kommen. Dazu müssen über mehrere Monate täglich Antibiotika eingenommen werden.
Behandlung
Eine Wundrose oder Phlegmone wird mit Antibiotika behandelt. Die Medikamente werden über einen Tropf direkt in die Vene geleitet. Bei leichteren Infektionen reicht es, sie als Tabletten einzunehmen. Wenn die Infektion im Krankenhaus behandelt wird, ist mit einem Aufenthalt von etwa einer Woche zu rechnen.
Die Wahl des Antibiotikums hängt von verschiedenen Faktoren ab: unter anderem davon, welcher Erreger vermutet wird. Um den Erfolg der Behandlung zu überwachen, wird der entzündete Hautbereich mit einer gezeichneten Linie umrandet. So zeigt sich, ob die Antibiotika wirken und sich die Infektion und Rötung zurückbilden.
Zusätzlich wird empfohlen, die Schwellung zu kühlen und feuchte antiseptische Umschläge anzulegen. Schmerzen und Fieber lassen sich durch entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern.
Bei einer Infektion im Gesicht sollte man möglichst wenig sprechen und kauen. Hat sich die Haut an einem Bein oder Fuß entzündet, ist es ratsam, das Bein hochzulegen. Häufig wird sogar Bettruhe empfohlen. Dann erhält man zusätzlich Spritzen, um einer Thrombose vorzubeugen.
Bei einer schweren Phlegmone ist ein operativer Eingriff nötig, bei dem Eiter und abgestorbenes Gewebe entfernt werden.